{"id":8940,"date":"2022-03-15T11:14:28","date_gmt":"2022-03-15T10:14:28","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=8940"},"modified":"2022-03-15T11:14:28","modified_gmt":"2022-03-15T10:14:28","slug":"gesundheit-fuer-alle-medinetz-sammelt-unterschriften-zu-petition","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=8940","title":{"rendered":"Gesundheit f\u00fcr alle: Medinetz sammelt Unterschriften zu Petition"},"content":{"rendered":"<p>Eine gute Gesundheitsversorgung f\u00fcr alle fordert das Medinetz Marburg. Gemeinsam mit dem Medinetz Gie\u00dfen hat es dazu eine Petition ausgearbeitet. <!--more--><br \/>\nBis Mai sammeln die beiden hessischen Medinetze Unterschriften auf <a>www.change.org\/gesundheit-f\u00fcr-alle-in-hessen<\/a>. Mit ihrer Petition fordern sie den hessischen Landtag auf, landesweit den Anonymen Behandlungsschein sowie dezentrale Clearingstellen einzuf\u00fchren. Solche Stellen unterst\u00fctzen Ratsuchende darin, in regul\u00e4ren Krankenversicherungsschutz zu kommen.<br \/>\nViele Menschen haben keinen ausreichenden Versicherungsschutz im Fall einer notwendigen medizinischen Behandlung. Sie werden derzeit von ehrenamtlichen Anlaufstellen wie dem Medinetz Marburg unterst\u00fctzt. Dorthin k\u00f6nnen sich Menschen mit gesundheitlichen Problemen wenden, die keinen ausreichenden Zugang zur medizinischen Regelversorgung haben.<br \/>\nUm ihn zu gew\u00e4hrleisten, haben die Medinetze Marburg und Gie\u00dfen ein <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=8846\">praxistaugliches Konzept zur Einrichtung dezentraler unabh\u00e4ngiger Clearingstellen<\/a> in Hessen ausgearbeitet. Eine notwendige medizinische Behandlung muss aber sofort m\u00f6glich sein. Daf\u00fcr ist der Anonyme Behandlungsschein vorgesehen.<br \/>\nMit ihrem Konzept orientieren sich die hessischen Medinetze an Erfahrungen aus anderen Bundesl\u00e4ndern wie Th\u00fcringen und Niedersachsen. In Th\u00fcringen wurde bereits 2017 der Anonyme Behandlungsschein eingef\u00fchrt.<br \/>\nMedinetz Marburg und Medinetz Gie\u00dfen haben schon 2019 eine Petition ver\u00f6ffentlicht, die seither \u00fcberarbeitet und weiterentwickelt wurde. Sie steht nun seit Februar 2022 zum Unterzeichnen auf der Petitionsplattform <a href=\"http:\/\/change.org\">change.org<\/a> online. Ehrenamtliche aus Gie\u00dfen und Marburg haben dieses Konzept zusammen ausgearbeitet.<br \/>\nIhre Erfahrungen aus der praktischen Arbeit in Hessen haben sie mit den Erfahrungen bereits existierender Konzepte auf Landesebene wie Th\u00fcringen sowie auf st\u00e4dtischer Ebene wie Leipzig, Bonn und Berlin abgeglichen. Das Ergebnis haben sie bereits den Parteien im Hessischen Landtag vorgestellt.<br \/>\n15 bis 20 Ehrenamtliche arbeiten beim Medinetz Marburg mit. Die meisten studieren Medizin. Einige kommen aber auch aus anderen Bereichen.<br \/>\nFinanziert wird ihre Arbeit unter anderem durch Spenden. Aufgrund oft jahrelanger Kontakte arbeitet das Medinetz mit einigen \u00c4rztinnen und \u00c4rzten zusammen. Aber auch die Stadt Marburg unterst\u00fctzt das Engagement f\u00fcr die barrierefreie Gesundheitsversorgung.<br \/>\nDen Weg zur kostenfreien Beratung der Medinetze finden Betroffene h\u00e4ufig aufgrund von Hinweisen anderer Beratungsstellen und sogar von Beh\u00f6rden. Aber auch die Internetseite <a href=\"http:\/\/www.medinetz-marburg.de\">www.medinetz-marburg.de<\/a> sowie die Auftritte auf Social Media vermitteln Menschen an die ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater. Sie bem\u00fchen sich um individuelle Probleml\u00f6sungen ohne jegliche Form von Ausgrenzung oder Stigmatisierung.<br \/>\nSie setzen sich auch daf\u00fcr ein, Sprachbarrieren in Beratung und Behandlung zu \u00fcberwinden. &#8222;F\u00fcr medizinische Behandlungen engagieren wir standardm\u00e4\u00dfig Dolmetscher*innen, wenn das notwendig und gew\u00fcnscht ist&#8220;, berichtet Maxi Haslach vom Medinetz Marburg.<br \/>\ndenn Kommunikation sei Teil der \u00e4rztlichen Behandlung.Schlie\u00dflich soll die Behandlung nachhaltig und ganzheitlich wirken.<br \/>\n&#8222;F\u00fcr viele ist es schon eine Entlastung, dass \u00fcberhaupt jemand da ist und sich ihrer Probleme m\u00f6glichst unb\u00fcrokratisch annimmt&#8220;, erkl\u00e4rt Haslach. Seit 2019 arbeitet die Studentin der Medizin sowie der Vergleichenden Kultur- und Religionswissenschaft beim Medinetz Marburg mit.<br \/>\nGegr\u00fcndet wurde die Gruppe im Jahr 2007 haupts\u00e4chlich, um Menschen ohne Papiere eine medizinische Versorgung zu erm\u00f6glichen. Diese Menschen m\u00fcssen derzeit beim Besuch einer \u00c4rztin oder eines Arztes aufgrund der rechtlichen Lage nach Paragraph 87 des Aufenthaltsgesetzes eine Abschiebung f\u00fcrchten.<br \/>\nNeben ihnen suchen beim Medinetz Marburg derzeit vor allem Migrantinnen und Migranten aus europ\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern Unterst\u00fctzung, die in Deutschland unter prek\u00e4ren Bedingungen arbeiten und deshalb oft nicht oder nicht ausreichend krankenversichert sind. Auch kommen Menschen ohne festen Wohnsitz, die nicht krankenversichert sind. Schlie\u00dflich wenden sich Gefl\u00fcchtete an das Medinetz, bei denen die \u00f6ffentliche Finanzierung einzelner Behandlungen abgelehnt oder zu lange verz\u00f6gert wurde.<br \/>\nAu\u00dferdem kommen Menschen, die ihre Krankenversicherungsbeitr\u00e4ge beispielsweise als Freiberufliche nicht bezahlen konnten und deswegen in die unzureichenden &#8222;Nottarife&#8220; der Krankenversicherungen rutschen. W\u00e4hrend der Corona-Pandemie musste das Medinetz zudem auch Reisenden helfen, deren Reisekrankenversicherung wegen l\u00e4ngerer Aufenthaltszeiten in Deutschland aufgrund von Quarant\u00e4ne oder Aus- und Einreisesperren abgelaufen waren und die deswegen nicht versichert waren. &#8222;Die Probleme von Menschen ohne Krankenversicherungsschutz sind komplex; und deswegen braucht es Clearingstellen als professionelle Beratungsstellen&#8220;, fasst Haslach zusammen.<br \/>\nF\u00fcr sein Engagement gerade in dieser Zeit hatte <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=7413\">Medinetz Marburg 2021 das &#8222;Marburger Leuchtfeuer f\u00fcr besonderen Einsatz in der Corona-Pandemie&#8220;<\/a> erhalten. Die Notwendigkeit seines Engagements ist inzwischen auch im Hessischen Landtag weitgehend unumstritten.<br \/>\n&#8222;Alle demokratischen Parteien von der Linken bis zur CDU sehen das Problem&#8220;, berichtet Haslach. Unterschiede bestehen jedoch in den Konsequenzen, die die Parteien praktisch ziehen. Offenbar geht es dabei vor Allem um Geld.<br \/>\n3,2 Millionen Euro j\u00e4hrlich hat die Petition der Medinetze Marburg und Gie\u00dfen f\u00fcr die Kosten der Clearingstellen und der Krankenbehandlungen veranschlagt. Das ist ein kleiner Bruchteil dessen, was das <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=8709\">Land allein f\u00fcr das Universit\u00e4tsklinikum Gie\u00dfen und Marburg (UKGM)<\/a> ausgibt. Zudem m\u00f6chten die Medinetze, dass die Clearingstellen an bestehende unabh\u00e4ngige Beratungseinrichtungen in den Landkreisen und St\u00e4dten Hessens angegliedert werden.<br \/>\nDas soll H\u00fcrden niedrig halten und bereits bestehende Infrastruktur nutzen. So soll ein langfristig erfolgreiches und effektives Konzept entstehen, das ein richtiger Schritt w\u00e4re in Richtung auf ein Menschenrecht auf bestm\u00f6gliche Gesundheit in Hessen auch und besonders f\u00fcr Menschen in prek\u00e4ren Situationen.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine gute Gesundheitsversorgung f\u00fcr alle fordert das Medinetz Marburg. 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