{"id":8272,"date":"2021-11-30T20:01:07","date_gmt":"2021-11-30T19:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=8272"},"modified":"2021-12-01T13:10:04","modified_gmt":"2021-12-01T12:10:04","slug":"8272","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=8272","title":{"rendered":"Trotz Behinderung: Corona exclusiv oder inklusiv"},"content":{"rendered":"<p>Wir sitzen in einem kleinen gem\u00fctlichen Caf\u00e9. Marielle &#8211; die sich lieber Mariechen rufen l\u00e4sst &#8211; bringt uns Kakao und Kuchen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAu\u00dfer ihr servieren, kassieren, kochen und backen dort noch ein halbes Dutzend Menschen mit Behinderung. Ich treffe mich mit 3 jungen Kund*Innen und einer Mitarbeiterin aus inklusiven Einrichtungen in Marburg.<br \/>\nGemeinsam ist Mariechen, Stella und Lutz, dass sie m\u00f6glichst selbstbestimmt leben und arbeiten wollen und dabei mit ihren unterschiedlichen Bed\u00fcrfnissen und F\u00e4higkeiten wahrgenommen werden. Ihre verschiedenen Wohnformen bilden ein breites Spektrum der M\u00f6glichkeiten ab. Mir erz\u00e4hlen sie, wie die Corona-Krise und die Pandemie ihr Leben ver\u00e4ndert haben.<br \/>\nDanach kommt noch die 56-j\u00e4hrige &#8222;Heilerziehungspflegerin&#8220; Gisela zu Wort. Sie organsiert im Hintergrund des Caf\u00e9s mit.<br \/>\nDer 26-j\u00e4hrige Lutz ist ein gro\u00dfer, st\u00e4mmiger, junger Mann mit kurzen blonden Haaren. Einer schicken Brille im freundlich blickenden Gesicht und modern Sneakern an den F\u00fc\u00dfen. Ihm w\u00fcrde niemand auf der Stra\u00dfe sein Handikap ansehen. Er spricht langsam und bed\u00e4chtig.<br \/>\nEr w\u00e4hlt seine Worte sehr genau. Man merkt ihm an, dass er \u00fcber seine Antworten zu meinen Fragen erst gut nachdenken m\u00f6chte, bevor er sich \u00e4u\u00dfert: &#8222;Weil ich bei meiner Familie zu Hause auf dem Dorf wohne, habe ich dort erst nicht viel von Corona mitbekommen. Als vorletzte Ostern Alles zu hatte, konnte ich den ganzen Tag Skateboard auf der Dorfstra\u00dfe fahren, ganz ohne Autos. Das war cool!&#8220;<br \/>\nAu\u00dfer den Masken, die er tragen muss, wenn er mit dem Bus zur Arbeit fahren will, hat ihn nichts gest\u00f6rt. &#8222;Als meine gro\u00dfe Schwester schwanger war, sind wir alle besonders vorsichtig gewesen, wenn sie uns besucht hat. Ich fand es sehr doof, dass wir Oma und Opa zu Weihnachten nicht sehen konnten und auch Halloween, Weihnachten und Silvester nicht so sch\u00f6n feiern durften, wie ich es gewohnt bin.&#8220;<br \/>\nAuf der Arbeit ist Lutz in der Werkstatt f\u00fcr Menschen mit Behinderung (WfBM) in der Montageabteilung. &#8222;Wir bauen kleine Dinge f\u00fcr f\u00fcr verschiedene Firmen zusammen und verpacken Sie dann f\u00fcr den Versand. Dort ist immer Action angesagt. Wir husteten zum Spa\u00df rum und riefen dann: Corona, Corona, Corona!&#8220;&#8220;<br \/>\nDas gab \u00c4rger. &#8222;Das macht ihr bitte nicht mehr&#8220;, sagten die Betreuer. Das machte bei ihnen keine gute Stimmung.<br \/>\n&#8222;Da hat sich schon viel ge\u00e4ndert, was mich gest\u00f6rt hat. Zum Beispiel mussten wir uns auseinandersetzen, weiter weg voneinander, sodass wir uns nicht mehr unterhalten konnten. Sp\u00e4ter mussten wir trotzdem auch alle Masken am Arbeitsplatz tragen und uns regelm\u00e4\u00dfig testen lassen, au\u00dferdem nat\u00fcrlich immer die H\u00e4nde waschen und einspr\u00fchen zwischendurch.&#8220;<br \/>\nLutz findet es &#8222;bl\u00f6d, zur Begr\u00fc\u00dfung und zum Abschied nicht mehr umarmen zu d\u00fcrfen oder auch mal freundschaftlich Boxen, nicht mal give-me-five-machen durften wir. Wir mussten uns alle gegenseitig dauernd erinnern: Halt! Stop! Corona das darfst du nicht!&#8220;<br \/>\nWie schnell er sich aber nach ein paar Wochen dann daran gew\u00f6hnt habe, findet Lutz &#8222;Schon komisch. F\u00fcr mich und meine Kolleg*Innen ist die Arbeit aber gleich geblieben. Das Putzteam hatte da mehr Pech. Die mussten immer unterwegs sein und alles wischen und einspr\u00fchen. T\u00fcrklinken, Treppengel\u00e4nder, Aufzug und Tische.&#8220;<br \/>\nDie Waschr\u00e4ume mit den Toiletten mussten sie besonders gr\u00fcndlich putzen. Sie hatten viel mehr zu tun als fr\u00fcher. Wenn sie an einem Ende fertig waren, konnten sie gleich wieder von vorne anfangen.<br \/>\nIm Sommer waren die Werkst\u00e4tten auch ein paar Wochen ganz geschlossen. &#8222;Mir war langweilig zu Hause bei meinen Eltern. Am Tag waren die nicht da, weil die beide arbeiten mussten.&#8220;<br \/>\nMariechen unterbricht ihn: &#8222;Mir war nicht langweilig! Ich war voll genervt von meinen ganzen Mitbewohner*Innen. Die hingen den ganzen Tag zuhause rum.&#8220;<br \/>\nMariechen hat rote Haare, leuchtend blaue Augen und ist ziemlich \u00fcbergewichtig: &#8222;Darum war ich auch froh, dass ich eine kleine Wohnung f\u00fcr mich gefunden habe und mit Hilfe meiner Betreuerin. Dahin konnte ich vor einem Jahr umziehen. Alleine wohnen, cool! Darauf bin ich sehr stolz.&#8220;<br \/>\nBetreuung braucht sie nur noch montags und freitags. &#8222;Da kommt jemand vorbei und k\u00fcmmert sich mit mir um mein Zeug.&#8220;<br \/>\nSie grinst mich an und legt ihr Handy beiseite, auf dem sie die ganze Zeit gespielt hat, w\u00e4hrend wir \u00dcbrigen uns unterhalten haben. &#8222;Ich fand es voll doof, dass mein Caf\u00e9 hier, wo ich bediene, auch sechs Wochen geschlossen war. Mir hat die Arbeit dort gefehlt. Ausschlafen hat nur am Anfang Spa\u00df gemacht. Nix hat meinen Tag geregelt. Bin voll fett geworden in der Zeit. Ich habe 15 Kilo zugenommen vom vor der Plaisy sitzen.&#8220;<br \/>\nDamit meint sie ihre Spielekonsole. &#8222;Nur rumsitzen, S\u00fcsigkeiten futtern und Netflix schauen. Dann habe ich \u00c4rger mit meiner Betreuerin bekommen, weil ich noch im Handy zu viel gedaddelt und um Geld gespielt habe. Das muss ich jetzt in Raten zur\u00fcckzahlen. Meine Handy-Rechnungen sind auf einmal so hoch geworden. Mein Handy war gesperrt worden. Die Leute die in den Wohngruppen zusammen sa\u00dfen konnten ja auch nichts unternehmen, weil die Betreuer*Innen krank waren oder oft zu wenige da sind.&#8220;<br \/>\nNach Recherchen der Redaktion war es schon vor Corona so, dass die Teams in den Wohngruppen st\u00e4ndig unterbesetzt waren. Nach Auskunft der dort Arbeitenden lag das an den \u00fcberdurchschnittlich vielen in Teilzeit Besch\u00e4ftigten sowie dem relativ hohen Krankenstand Bei den Vollzeitkr\u00e4ften. Diese L\u00fccke konnte auch nicht durch Vertretungskr\u00e4fte ausgeglichen werden, da sie nicht vorhanden sind.<br \/>\nZudem gibt es grunds\u00e4tzlich zu wenig geeignete Bewerbungen f\u00fcr diesen verantwortungsvollen Beruf. Viele Studierende der Sozialwissenschaften arbeiten dort im Nebenjob, was aber einhergeht mit einer Fluktuation, die sehr hoch war.<br \/>\nBegrenzte Einsatzm\u00f6glichkeiten ergeben sich zum Beispiel f\u00fcr Nachtdienste oder in der vorllesungsfreien Zeit, wenn die Studierenden Marburg verlassen. Au\u00dferdem wurden f\u00fcr die zus\u00e4tzlichen Stunden in der Gruppenbetreuung, w\u00e4hrend die Werkst\u00e4tten geschlossen waren, keine zus\u00e4tzlichen Betreuungspersonen eingestellt.<br \/>\nMariechen erkl\u00e4rt: &#8222;Noch mehr genervt waren die die zu ihren Eltern in ihr richtiges zu Hause obwohl sie das gar nicht wollten. Das kann Stella mal selbst erz\u00e4hlen.&#8220;<br \/>\nMariechen stupst ihre Tischnachbarin an, die bis jetzt schweigend dem Gespr\u00e4ch zugeh\u00f6rt hat. Stella ist Anfang 20, eine kleine &#8211; ein wenig sch\u00fcchtern wirkende &#8211; Frau in einem langen, farbenfrohen Strickkleid. Mit ihrer Kurzhaarfrisur in Blau und Goldton gef\u00e4rbt sieht sie aus als ob sie ein Mangafan w\u00e4re. Zum Gehen ist sie auf einen Rollator angewiesen.<br \/>\nSie nickt und schluckt das letzte St\u00fcckchen R\u00fcblikuchen hastig herunter: &#8222;Mama hat mich sogar nach Hause geholt, als die Werkstatt zumachen musste wegen einem Coronakranken, den die in der Nachbargruppe hatten. Bei uns ist zwar keiner krank geworden, trotzdem mussten wir drei Wochen in Quarant\u00e4ne. Dann also richtig nach Hause, nicht in den Wohnungen zusammenbleiben.&#8220;<br \/>\nWer kein Zuhause mehr hatte, musste in den Wohngruppen in seinem Zimmer bleiben. Zeitpl\u00e4ne f\u00fcr Dusche und Waschmaschine wurden gemacht.<br \/>\n&#8222;Das Essen wurde vom Lieferdienst gebracht; und jeder ist alleine auf sein Zimmer, damit man sich nicht begegnete. Wir durften nur den Betreuern \u00f6ffnen, wenn die das Essen verteilt haben. Mein Zimmer ist gleich bei der K\u00fcche, Das war super. Bei Sirko, der am Ende des Flures wohnt, war das Essen n\u00e4mlich immer schon kalt. War echt schwer f\u00fcr die Leute, die kein eigenes Zuhause mehr hatten und niemand hat sie abgeholt.&#8220;<br \/>\nIn Stellas Gruppe sind zwei Leute krank geworden und mussten dann auch allein bleiben. &#8222;Obwohl sie den kranken Typ, der Alle angesteckt hat in der Nachbargruppe, gar nicht kannten und gar nichts mit dem zu tun hatten. Vielleicht haben die ja heimlich Helloween gefeiert bei dem.&#8220;<br \/>\nDdas war n\u00e4mlich zu der Zeit. &#8222;Wenn wir die BetreuerInnen fragten, wann es denn mal wieder los gehen kann mit der Werkstatt, sagten die blo\u00df was wie: Ja, wir \u00f6ffnen, wenn Corona vorbei ist, aber wann das ist, k\u00f6nnen aber auch wir genau nicht sagen. Zum impfen durften wir dann alle wieder in ihre Werkstatt. Das war so aufregend. Das Impfteam kam mit den wertvollen Zauberspritzen extra zu uns. (Anm d. Red. Menschen in Einrichtungen und die im Kontakt mit ihnen Arbeitenden wurden alle mit Biontech geimpft) Fr\u00fcher als die normalen Leute dran mit dem Pieksen waren, die ein halbes Jahr warten mussten, weil wir ja behindert sind.&#8220; Sie l\u00e4chelt gl\u00fccklich.<br \/>\nDa jubeln Lutz und Mariechen gleich mit. Tassen werden darauf erhoben und fr\u00f6hlich klierrend angesto\u00dfen. Wenn nur mal Alle so stolz auf ihre Impfung w\u00e4ren, schie\u00dft es mir durch den Kopf.<br \/>\n&#8222;Nun ja, ganz so einfach war es aber nicht f\u00fcr Jeden&#8220;, erg\u00e4nzt Gisela, die sich mit einer Tasse Kaffee zu uns gesetzt hat. Sie ist die Heilerziehungspflegerin, die f\u00fcr das inklusive Bistro verantwortlich ist.<br \/>\nInzwischen haben sich die Tische um uns herum geleert. Die sechs dort besch\u00e4ftigten jungen Menschen mit Behinderung sind je nach ihren F\u00e4higkeiten und Aufgaben dabei, den Laden aufzur\u00e4umen und zu schlie\u00dfen. Tische werden abgewischt und desinfiziert, Kuchen aus der K\u00fchltheke in den K\u00fchlschrank ger\u00e4umt, Geschirr zur Sp\u00fclmaschine gefahren.<br \/>\nDie Musik ist ein wenig lauter gedreht worden; und es herrscht allgemeine Aufbruchstimmung. Wir d\u00fcrfen nun exklusiv im inklusive Caf\u00e9 sitzen bleiben und h\u00f6ren, was Gisela zu berichten hat: &#8222;ich bin als Heilerziehungspflegerin seit 20 Jahren f\u00fcr diese Einrichtung t\u00e4tig. Erinnern wir uns, als es mit dem Impfung losgeht, hat ja sogar unser Bundesminister f\u00fcr Gesundheit Herr Spahn komplett diejenigen Personen vergessen, die nicht in Heimen betreut werden. Unsere schwerbehinderten Kund*Innen. die bei ihren Eltern oder selbstst\u00e4ndig mit Assistenz in einer eigenen Wohnung leben waren ihm gar nicht bekannt. Darum wurden sie in der Planung der mobilen Impf-Teams schlichtweg vergessen. Obwohl sie ja wesentlich mehr Kontakte haben als Personen, die in einem Pflegeeim oder einer Einrichtung leben.&#8220;<br \/>\nAllein das Assistenzteam einer Person, die 24 Stunden an sieben Tagen die Woche Assistenz ben\u00f6tigt, kann ja schon um acht bis zehn Personen umfassen. Dazu kommen noch Haushaltshilfen, Krankengymnast*Innn Ergotherapeut*Inn sowie die Kollegi*Innen auf deren Arbeitsstelle, falls die Person erwerbst\u00e4tig ist und Welche vorhanden sind.<br \/>\n&#8222;Damit war es dringend erforderlich, gerade solche Personen priorisiert zu impfen, damit sie weiterhin die Versorgung und Betreuung bekommen, die sie im Alltag dringend ben\u00f6tigen. Daf\u00fcr war aber ein wochenlanger Kampf im Internet notwendig. Die Mobilisation vieler Unterst\u00fctzenden, die Petitionen geschrieben, Artikel auf social Media gepostet, Interviews mit der lokalen Presse gef\u00fchrt und sich zu TV-Auftritten bereit erkl\u00e4rt haben.&#8220;<br \/>\nAls dann Eilantr\u00e4ge bei Amtsgerichten wie vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main zugunsten einer sofortigen Impfung der Klagenden verhandelt wurden und das durch die Medien ging, hat die St\u00e4ndige Impfkommission (StIKo) Personen mit erh\u00f6htem Pllegebedarf, Ihre Angeh\u00f6rigen und ihr Pflegetam in die Impfgruppe II hocfhgestuft und die M\u00e4glichkeit f\u00fcr Antr\u00e4ge auf Einzelfallentscheidungen geschaffen. &#8222;Ich habe allergr\u00f6\u00dften Respekt und Hochachtung vor den Menschen mit Behinderung, welche f\u00fcr diese lebensnotwendige Kampagne ihr Gesicht in die Kamera gehalten haben und somit eine ganze Gruppe von Menschen sichtbar gemacht haben, die ansonsten offenbar immer noch kaum wahrgenommen wird in unserer Gesellschaft.&#8220;<br \/>\nGisela f\u00e4hrt fort: &#8222;Im Gegensatz zu den vielen Skeptikerinnen in den Pflegeberufen in den Altenheimen und den Krankenh\u00e4usern liegt die Impftquote bei unseren Besch\u00e4ftigten bei nahezu 90 % ebenso wie bei unseren KundI*nnen. Es scheint doch das pers\u00f6nliche Verh\u00e4ltnis zu einer vulnarablen Person ausschlaggebend zu sein, dass man mit einer Impfung das Leben seiner Sch\u00fctzlinge retten kann. Siie sind durch ihre Erkrankungen wahrrnehmbar n\u00e4her an Komplikationen und der Sterblichkeit durch die Corona Infektion dran sind als durchschnittliche, gesunde Menschen. Unsere Kund*Innen k\u00f6nnen ja\u00a0 die lebensnotwendigen Kontakte zum Assistent*Innenteam sowie zu \u00c4rzt*Innen und Pflegenden nicht einfach vermeiden w\u00e4hrend eines Lockdown. Weil sie eben &#8211; wie gesagt &#8211; dringend notwendig darauf angewiesen sind. Ich hoffe dass sich diese hohe impft-Bereitschaft der Mitarbeiter*Iinnen und auch die niederschwelliege Zug\u00e4nglichkeit zu Impf &#8211;\u00a0 und Boosterterminen weiterhin f\u00fcr unsere Kunden*Innen fortsetzt. Schlicht und ergreifend kann ihr Leben davon abh\u00e4ngen, vor allem jetzt wenn schon \u00fcber Triage im Krankenhaus gesprochen wird. Mir wird da Angst und bange, wenn ich allendhalben h\u00f6re, der Impfstoff zhum Boostern wird knapp. Das ist kein sch\u00f6nes Thema, Was ich auch versuche von meinen jungen Kundinnen im Caf\u00e9 und in den Gruppen so weit wie m\u00f6glich fern zu halten. Aber es gibt ja bereits diese Petition auf change org. In der eine mehrfach behinderte Juristin eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht anstrebt. Sie k\u00e4mpft darum, dass dies juristisch eindeutig geregelt wird und nicht im Ermessen von zuf\u00e4llig diensthabenden Behandelnden liegt, wem welche medizinische Versorgung noch zusteht und wem, sie versagt wird. Wenn nur ein Intensiv Bett frei ist und ein gsunder, ungeimpfter 30-J\u00e4hriger, konkurriert mit ihr um dieses Bett. Mit ihr, einer 50-j\u00e4hrigen Schwerstmehrfachbehinderten, die aufgrund ihrer L\u00e4hmungserscheinungen sowieso schlechtere Chancen an einer Beatmungsmaschine h\u00e4tte diese Prozedur zu \u00fcberleben? Dann ist doch ziemlich klar, dass die \u00c4rzteschaft sich in dieser Situation f\u00fcr den j\u00fcngeren Patienten entscheiden wird. Faktisch ist es so dass, diese ungeimpfte Person, das Leben einer schwerstbehinderten Person gerettet h\u00e4tte, wenn sie sich h\u00e4tte impfen lassen. Gar keinen schweren Verlauf bekommen und nicht ins Krankenhaus gemusst h\u00e4tte. Denn dann w\u00e4re diese Triage Situation \u00fcberhaupt nicht erst entstanden. Diese Menschen, die gegen die Impfung sind, scheinen noch nie wirklich schwer krank gewesen zu sein. wer einmal l\u00e4nger ins Krankenhaus musste wird gerne diesen Pieks nehmen um das zu vermeiden.\u00a0 Dann diese unrealisitschen Ideen von irgendwelchen Expert*Innen: Vulnerable Menschen sollten doch einfach zuhause bleiben um sich selbst zu sch\u00fctzen! Na, bravo, dann w\u00e4re inklusiv aber ganz sch\u00f6n exclusiv!&#8220;<br \/>\nSie steht auf und\u00a0 und packt die Kasse vom Tresen ein. Wir wendenn uns Alle zum gehen: &#8222;Vielleicht sollte man Querdenkende und Impfmuffel mal hier in das Caf\u00e9 einladen und sich 2 Stunden mit unserer Kundschaft unterhalten lassen, um eine pers\u00f6nliche Ebene herzustellen. Wenn man ihnen dann sagt: So und alle diese netten, aufgeschlossenen und sympathischen Menschen k\u00f6nnten n\u00e4chste Woche schon alle daran sterben, dass DU nicht geimpft bist. Aber wir sind hier keine Zirkusattraktion Zu soviel Denkarbeit sollten geistig gesunde Menschen schon selber f\u00e4hig sein!&#8220;<br \/>\nEs ist Advent. Drau\u00dfen wird die Weihnachtsbeleuchtung angeknipst. Es ist ein bunter Schlitten mit Rentieren und einer Santa Claus Figur, die vorne sitzt. Die P\u00e4ckchen darauf leuchten in verschiedenen Farben. Sie blinken dabei abwechselnd.<br \/>\nInzwischen ist es drau\u00dfen dunkel geworden. Das Caf\u00e9 wird von au\u00dfen abgeschlossen. Wir gehen zusammen in Richtung Bushaltestelle. Kalter Nieselregen f\u00e4llt.<br \/>\nN\u00e4chste Woche soll es Schnee geben. Ich stelle mir vor, diese bunten Geschenke w\u00e4ren alles Impfungen, die die Menschen fr\u00f6hlich annehmen, die sie gerade jetzt am meisten brauchen.<br \/>\nAlls wir uns verabreden, kurz vor Ostern nochmal miteinander zu sprechen, f\u00fchle ich mich beklommen. Ich frage mich, wer von den Menschen, die ich heute kennen lernen durfte, bis dahin an Covid 19 erkrankt gewesen sein wird. Wie sie dies \u00fcberstanden haben werden. Was noch auf uns an Corona-Mutationen und Einschr\u00e4nkunen zukommt?<br \/>\nIch w\u00fcnsche mir, dass Alle dann noch am Leben und gesund sind. Jeder Mensch, der sich jetzt impfen l\u00e4sst, kann die Chancen f\u00fcr Alle verbessern.<\/p>\n<p>* Anna Katharina Kelzenberg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sitzen in einem kleinen gem\u00fctlichen Caf\u00e9. 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