{"id":8193,"date":"2021-11-19T18:50:49","date_gmt":"2021-11-19T17:50:49","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=8193"},"modified":"2021-11-19T18:50:49","modified_gmt":"2021-11-19T17:50:49","slug":"problematisches-polystyrol-mikroplastik-verursacht-gefaessentzuendung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=8193","title":{"rendered":"Problematisches Polystyrol: Mikroplastik verursacht Gef\u00e4\u00dfentz\u00fcndung"},"content":{"rendered":"<p>Mikroplastik f\u00fchrt zu Gef\u00e4\u00dfentz\u00fcndung. Das haben Marburger Forscher festgestellt. <!--more--><br \/>\nEin fach\u00fcbergreifendes Forschungsteam aus Marburg fand heraus, was Kunststoffpartikel im Blutkreislauf anrichten. Geraten Kunststoffpartikel ins Blut, so besteht die Gefahr, dass sich die Gef\u00e4\u00dfwand entz\u00fcndet &#8211; das ergibt sich aus Experimenten einer fach\u00fcbergreifenden Forschungsgruppe aus Marburg.<br \/>\nDie Fachleute aus Gef\u00e4\u00dfmedizin, Zellbiologie und Chemie untersuchten erstmals, welche Wirkung Mikroplastik aus\u00fcbt, wenn es in den Blutkreislauf gelangt; \u00fcber die Ergebnisse berichtet das Team im Wissenschaftsmagazin &#8222;PLOS ONE&#8220;.<br \/>\nDie weltweite Kunststoffproduktion erreichte im Jahr 2019 einen Umfang von 368 Millionen Tonnen, rechnet der Weltverband der Plastikhersteller vor. &#8222;Kunststoffe bieten zweifellos eine gro\u00dfe Bandbreite an Verwendungsm\u00f6glichkeiten zu geringen Kosten&#8220;, konzedieren die Studien-Autorinnen und -Autoren um den Biologen Dr. Karsten Grote, der die Forschungsarbeiten leitete. Ein gro\u00dfer Teil des Materials gelangt jedoch in die Umwelt.<br \/>\n&#8222;Was passiert, wenn Lebewesen diese Substanzen aufnehmen, ist bislang nur in Ans\u00e4tzen bekannt&#8220;, erkl\u00e4rte Grote. Polystyrol ist eines der vier h\u00e4ufigsten Plastikmaterialien. Man findet es in Plastikbechern, CD-H\u00fcllen und anderen Verpackungen, D\u00e4mmstoffen und Bauschaum. Kunststoffpartikel unter 5 Millimeter Gr\u00f6\u00dfe &#8211; sogenanntes &#8222;Mikroplastik&#8220; &#8211;<br \/>\nhat man an K\u00fcsten und in Ozeanen entdeckt, aber auch in Meerestieren wie Muscheln und Fisch. Selbst in menschlichen Ausscheidungen wurde schon Mikroplastik nachgewiesen.<br \/>\nTrotzdem wei\u00df man kaum etwas \u00fcber die Effekte auf die menschliche Gesundheit. Wie wirkt Mikroplastik auf Immunzellen und die Blutgef\u00e4\u00dfe? Um das herauszufinden, tat sich Grotes Arbeitsgruppe aus der Herz- und Gef\u00e4\u00dfmedizin der Philipps-Universit\u00e4t mit weiteren Marburger Wissenschaftlern aus der Zellbiologie und der Chemie zusammen. Entz\u00fcndungsforschung geh\u00f6rt zu den Forschungsschwerpunkten der Universit\u00e4t.<br \/>\nDas Team f\u00fchrte zun\u00e4chst Experimente an Zellkulturen durch, deren Kulturmedium mit Polystyrolpartikeln versetzt wurde. Wenn das geschieht, bilden Zellen aus der Gef\u00e4\u00dfwand vermehrt Rezeptoren zur Bindung von Immunzellen aus &#8211; die Folge: Immunzellen, die normalerweise einzeln im Blut schwimmen, setzen sich in gro\u00dfer Zahl an der Gef\u00e4\u00dfwand fest.<br \/>\nDie Immunzellen ihrerseits reagieren auf die Verabreichung von Mikroplastik, indem sie Entz\u00fcndungsproteine freisetzen. Noch etwas fanden die Forscherinnen und Forscher heraus: Injiziert man Kunststoffpartikel in den Blutkreislauf von M\u00e4usen, so reichert sich das Material in der Leber der Tiere an, die sich daraufhin akut entz\u00fcndet.<br \/>\nAuch nach l\u00e4ngerer Zeit finden sich im Blut einzelne Plastikpartikel und sogar Plastik-Anh\u00e4ufungen, die von spezialisierten Immunzelllen aufgenommen wurden. Die Gef\u00e4\u00dfwand der Hauptschlagader &#8220; Aorta&#8220; weist au\u00dferdem erh\u00f6hte Entz\u00fcndungswerte auf. &#8222;Alles in allem zeigen unsere Ergebnisse erstmals, was Polystyrol-Mikroplastik im Blutkreislauf anrichten kann&#8220;, schreiben die Autorinnen und Autoren.<br \/>\n&#8222;Zwar entsprechen sowohl die verabreichte, hohe Dosis als auch die direkte Injektion in die Blutbahn einem Extremfall&#8220;, schr\u00e4nkte Grotes Mitarbeiterin Dr. Ann-Kathrin Vlacil ein. Doch die Erstautorin des Fachaufsatzes erg\u00e4nzte: &#8222;Aber daf\u00fcr nehmen Plastikteilchen in der Natur giftige Stoffe auf, die einen weitaus st\u00e4rkeren Entz\u00fcndungseffekt ausl\u00f6sen k\u00f6nnen als die sterilen Partikel, die wir verwendeten.&#8220;<br \/>\nDas Team sieht Mikroplastik aufgrund der Ergebnisse als einen neuartigen Risikofaktor f\u00fcr Gef\u00e4\u00dferkrankungen. &#8222;Daher halten wir eine allgemeine Risikobewertung f\u00fcr erforderlich&#8220;, erkl\u00e4rte Grote. Er leitet das Grundlagenwissenschaftliche Labor des Schwerpunkts Kardiologie der Philipps-Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mikroplastik f\u00fchrt zu Gef\u00e4\u00dfentz\u00fcndung. 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