{"id":8146,"date":"2021-11-14T19:52:54","date_gmt":"2021-11-14T18:52:54","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=8146"},"modified":"2021-11-18T00:32:02","modified_gmt":"2021-11-17T23:32:02","slug":"drei-kinder-corona-impfung-erhoeht-lebensqualitaet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=8146","title":{"rendered":"Drei Kinder: Corona-Impfung erh\u00f6ht Lebensqualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Ich treffe Britta an einem nebeligen Herbstnachmittag im Caf\u00e9 im Schwanhof. Ihr elfj\u00e4hriger Sohn Noa betreibt gerade Kampfsport im benachbarten Dojo.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDer siebenj\u00e4hrige Elias spielt w\u00e4hrend unseres Gespr\u00e4chs mit Mamas Mobiltelefon. Britta ist Mitte 40, studierte Sozialp\u00e4dagogen, schlank, hat kurze hellbraune Haare und tr\u00e4gt Kleidung aus nachhaltiger Herstellung.<br \/>\nIhr 48-j\u00e4hriger Mann Reinhardt arbeitet als Informatiker im Kundendienst. Er hat aus Termingr\u00fcnden unser Treffen zwar abgesagt aber seiner Frau vor unserem Gespr\u00e4ch seine Ansichten nochmals kurz per Messenger Dienst mitgeteilt. Sie ist Veganerin und auch ihre Familie lebt vegetarisch. Ebenso bekommen die Katze und der Hund pflanzliche Tiernahrung aus \u00f6kologischem Anbau. Sie fahren viel mit dem Fahrrad und versuchen umweltbewusst zu handeln. Mit ihren drei Kindern geht sie lieber zu ihrer Heilpraktikerin als in die Kinderarztpraxis. Alle 3 Kinder besuchen die Waldorfschule in Marburg. Mit der 16-j\u00e4hrigen Tochter Finja war sie fr\u00fcher auf sogenannten &#8222;Masernparties&#8220;, um sie zu immunisieren.<br \/>\nDort werden Kinder bewusst einer Ansteckung ausgesetzt. Alternativ lebende Eltern sind davon \u00fcberzeugt, eine Erkrankung durchzumachen w\u00e4re eine st\u00e4rkende Erfahrung f\u00fcr den kindlichen K\u00f6rper.<br \/>\n\u00dcber ihren gr\u00fcnen Tee hinweg schaut Britta mich mit ihren grauen Augen nachdenklich und auch etwas frustriert an: &#8222;Es muss doch m\u00f6glich sein in diesem Land, dass man einfach einer so neuer MRNA Technologie in der Impfung skeptisch gegen\u00fcbersteht und z\u00f6gert ehe man sich selbst und seine Kinder impfen lassen m\u00f6chte. Ich glaube au\u00dferdem auch daran, dass man mit einem gesunden Immunsystem Corona \u00fcberstehen kann. Dass die Immunisierung durch eine \u00fcberstandenen Erkrankung immer noch wirksamer ist und lang anhaltenderen Schutz vor Covid19 bedeutet, als eine Spritze das bieten kann. Eine Impfung muss man immer wieder erneuern. Mit ihr kann man trotzdem Andere anstecken; und erkranken kann man auch. Statistisch erkranken Ungeimpfte 20x h\u00e4ufiger an covid19 als Geimpfte. Nur 1,8 % der Todesf\u00e4lle durch Civd19 betreffen Geimpfte. (Anm. d. Red.) &#8222;Ich habe mir da ja lange Gedanken dar\u00fcber gemacht&#8220;, sagt Britta. &#8222;Ich bin ja nicht bl\u00f6d ich bin doch keine Querdenkerin! Ich habe mich selbst nach langem \u00dcberlegen wegen meines Berufes impfen lassen um die Kinder in der Einrichtung sowie meine Kolleg*Innen nicht zu gef\u00e4hrden.&#8220;<br \/>\nH\u00e4tte es im September schon den &#8222;Tot-Impfstoff&#8220; von Veneva gegeben, der bald auf den Markt kommen soll, h\u00e4tte sie ihn gew\u00e4hlt. &#8222;Ich habe mir auch Sorgen dar\u00fcber gemacht dass meine S\u00f6hne keine Au\u00dfenseiter sein sollen. In der Schule und in den Freizeit Einrichtungen wird ja immens viel Druck aufgebaut. Sie k\u00f6nnen an einem normalen sozialen Leben ja fast nicht mehr teilnehmen ohne geimpft oder genesen zu sein. Ich m\u00f6chte nicht das meine Kinder Nachteile erleiden und sich als Paria f\u00fchlen, die nirgendwo mehr mitmachen d\u00fcrfen oder nicht mehr eingeladen werden zu Geburtstagspartys oder anderen Veranstaltungen. Diese traumatisierende Erfahrung m\u00f6chte ich Ihnen ersparen.&#8220; Sie sollen unbeschwert und frei &#8211; m\u00f6glichst unbelastet von der Pandemie &#8211; aufwachsen. &#8222;Das ist doch ihr gutes Recht als Kinder. Deswegen bin ich doch keine Spinnerin?&#8220;, F\u00fcgt sie ein wenig trotzig hinzu und legt die Stirn in Falten.<br \/>\nDer Wendepunkt kam f\u00fcr sie w\u00e4hrend eines Reha Aufenthaltes.&#8220;Im August war ich mit dem Kleinen in einer Mutter Kind Kur auf Usedom. Ich habe diesen Zeitpunkt gew\u00e4hlt wegen der niedrigen Inzidenzen. ich bin doch nicht verantwortungslos. Ich bin in den Ferien gefahren damit er nicht noch mehr verpasst in der Schule. Da ist es auch in meiner Einrichtung nicht so gravierend, dass ich fehle.&#8220; In der Klinik hat sie mit Betroffenen gesprochen, die selber am Long COVID erkrankt sind. Einige hatten auch Kinder dabei. die an Long COVID, PIMS (P\u00e4diatrisches imflammatorisches multisystemisches Symdrom) und anderen Organsch\u00e4den nach einer Covid19 Infektion litten. F\u00fcr Kinder gab es da noch keine Longcovid Therapie Anlaufstellen.<br \/>\nDeswegen sind sie nach Usedom mit ihren M\u00fcttern geschickt worden. Dort scheint zumindest das Reizklima heilsam zu sein gegen die Atemnot und eingeschr\u00e4nkte Lungent\u00e4tigkeit. Von diesen M\u00fcttern habe sie erfahren, dass es die M\u00f6glichkeit gibt seine Kinder bei \u00c4rzt*Innen impfen zu lassen bevor zw\u00f6lf Jahre alt sind. Die haben dies bei den Geschwistern, die nicht erkrankt waren, oder auch so bei ihren Kindern haben durchf\u00fchren lassen.<br \/>\n&#8222;Der Grund war simpel.&#8220; erl\u00e4utert sie: &#8222;Die M\u00fctter selbst waren mit Long COVID Beschwerden unf\u00e4hig, sich um ihre Familien zu k\u00fcmmern. Sie mussten ja selbst betreut und gepflegt werden. Da war die Vorstellung dass ein neunj\u00e4hriges M\u00e4dchen oder ein f\u00fcnfj\u00e4hriger Junge lethargisch in seinem Zimmer sitzt weil er keine Energie mehr zum spielen oder f\u00fcr die Schule hat doch blanker Horror.&#8220; Das wollten diese M\u00fctter ihren Kindern unbedingt ersparen. &#8222;Das k\u00f6nnen sich keine Eltern vorstellen was das bedeutet wenn man ein fr\u00f6hliches, immer gut gelauntes, aktives Kind hatte und es von einem Tag auf den andern nicht mal mehr die Kraft hat, sich selbst anzuziehen oder die Z\u00e4hne zu putzen. Long Covid oder PIMS k\u00f6nnen immer auftreten, obwohl es nur leichte Symptome wie ein Kratzen im Hals oder einen kleinen Schnupfen gab oder gar niemand nicht bemerkte, dass es Covid19 hatte.&#8220; Da war der neunj\u00e4hrige Jan mit seiner Mutter, der 8 Wochen nach der Infektion immer noch keinen Geruchs &#8211; und Geschmackssinn hatte. Aufgrund dessen war er bereits von 30 Kilogramm auf 24 Kilogramm abgemagert. Er brauchte sog &#8222;Astronautenkost&#8220; zus\u00e4tzlich zu den normalen Mahlzeiten. Selbst dazu musste er sich zwingen. &#8222;Das hat mich dazu bewegt meine Kinder unter 12 Jahren heimlich impfen zu lassen. Weil ich meine S\u00f6hne vor so einem Schicksal bewahren wollte, habe ich mich in der Verantwortung als Mutter gesehen. Weil man ja noch gar nicht erforscht hat wie lange diese Long COVID Beschwerden bei Kindern anhalten und was da sp\u00e4ter noch daraus wird. Da wollte ich nicht dass meine S\u00f6hne mir sp\u00e4ter Vorw\u00fcrfe machen: Mama mein Leben ist jetzt stark eingeschr\u00e4nkt und du hast mich nicht besch\u00fctzt? Das war dann letztendlich der Ausschlag, einen Kinderarzt zu suchen, der Kinder im Off Label Use unter zw\u00f6lf Jahren mit BioNTech impft. &#8222;Jetzt kommt aber das eigentlich Belastende an der Geschichte&#8220;, verr\u00e4t Britta. &#8222;Die beiden Kleinen wissen gar nicht dass sie geimpft sind. Ich verheimliche es vor Verwandten und im Freundeskreis. Weil wir auch in unserem Umfeld impfskeptiker*Innen haben, die uns daf\u00fcr anfeinden oder den Kontakt abbrechen w\u00fcrden wenn sie es w\u00fcssten. Ich habe da einfach keine Lust auf Stress.&#8220; Die beiden Jungs sind in der Waldorfschule. Da sind fast alles M\u00fctter die das Impfen kathegorisch ablehnen und eher alternativ und naturheilkundliche unterwegs sind. Auch die Lehrer*Innen wissen nichts davon. Niemand au\u00dfer den Gro\u00dfeltern wei\u00df es weil die ja Kontakt mit allen 3 Kindern haben und sich dabei nat\u00fcrlich sicher und gesch\u00fctzt f\u00fchlen sollen. Auch die gro\u00dfe Schwester wei\u00df es. Sie wollte sich sofort mit BionTech impfen lassen. Finja hat durch die Kita Schlie\u00dfungen und die Vorsichstsma\u00dfnahmen aufgrund der Coronalage lange auf ihren Praktikumsplatz in einer KiTa warten m\u00fcssen und war von Anfang an Pro Impfung. &#8222;Da gab es hitzige Diskussionen am Abendbrottisch&#8220;, berichtet Britta. &#8222;Mein Mann war auch pro und ich eben die Skeptikerin. Finde aber, wenn Pubertierende sich impfen lassen m\u00f6chte, sollten die Eltern dies respektieren und ihr Einverst\u00e4ndnis geben.&#8220;<br \/>\nAuch die Booster Impfungen wird die ganze Familie machen sobald sie m\u00f6glich sind. &#8222;Mein Mann als Informatiker hatte das von vornherein eher einen rationalen Zugang und hat gesagt: Wir impfen uns Alle. Er w\u00fcrde auch die Katze impfen lassen, wenn es sich best\u00e4tigte, das Kleintiere Tr\u00e4ger des Virus sind. Er denkt dass die Risiken durch die Impfung f\u00fcr die Kleinen \u00fcberschaubarer sind und geringer wiegen als der Schutz den sie bekommen. Er musste sich auch aufgrund seines Kundenkontaktes in seinem Beruf nat\u00fcrlich impfen lassen. Der Arbeitgeber hat dies ziemlich nachdr\u00fccklich eingefordert. Wir halten uns auch alle weiterhin an die aha plus L Regeln da wir ja wissen dass Geimpfte infekti\u00f6s sind. Wir m\u00f6chten niemanden gef\u00e4hrden.<br \/>\nIch erz\u00e4hle auch wenn es um Aktivit\u00e4ten geht bei denen die Kleinen eingeschr\u00e4nkt w\u00e4ren wegen Corona, dass sie genesen seien. Damit sind wir bis jetzt immer gut durchgekommen. Keiner hat einen Nachweis verlangt. Ich habe bei meinem Hausarzt in Marburg einen Antik\u00f6rpertest bei den beiden Jungen machen lassen, um den vorweisen zu k\u00f6nnen, falls der verlangt wird.&#8220; Das Ergebnis ist, dass sie Antik\u00f6rper haben. Der Hausarzt hat nicht nachgefragt, wie schwer die Erkrankung war oder wann sie genau war.<br \/>\n&#8222;Ich konnte einfach einen Test verlangen f\u00fcr 20 Euro&#8220;, berichtet Britta. &#8222;Er war okay. Darin steht, sie haben ausreichend Antik\u00f6rper. Offensichtlich kann man bei einem Test in der Praxis die Antik\u00f6rper durch die Impfung nicht von Antik\u00f6rpern unterscheiden, die nach einer Genesung gebildet werden.&#8220;<br \/>\nDie Mutter f\u00e4hrt fort: &#8222;Ich bin keine Virologin. Ich wei\u00df nicht, ob man da einen Unterschied finden w\u00fcrde, wenn man speziell danach suchen w\u00fcrde. Es ist schon belastend und ein bisschen bl\u00f6d, dies so geheim halten zu m\u00fcssen. Man kommt sich ein bisschen wie eine Verbrecherin vor.&#8220;<br \/>\nFr\u00fcher gab es Vorw\u00fcrfe von der \u00e4lteren Verwandtschaft wegen unserer\u00a0 alternativen Lebensweise: &#8222;Der Veganismus w\u00e4re sch\u00e4dlich. Ich w\u00e4re eine Rabenmutter, weil ich meinen Kindern damit Etwas antun w\u00fcrde. Nun werde ich schief angesehen weil ich das Umgekehrte tue um meine Kinder zu sch\u00fctzen. Irgendwie ist das schon eine schr\u00e4ge Sichtweise der Gesellschaft.&#8220;<br \/>\nIn den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) ist der Impfstoff schon f\u00fcr F\u00fcnf- bis Zw\u00f6lfj\u00e4hrige zugelassen. In Wien l\u00e4uft diese Woche ein &#8222;off-Label-Versuch&#8220; mit 200 Kindern unter zw\u00f6lf, die geimpft werden.<br \/>\n&#8222;Ich hoffe, dass sich dadurch auch hier bald alles normalisiert und die StIKo die Empfehlung f\u00fcr Kinder unter zw\u00f6lf gibt, damit wir ehrlich sein k\u00f6nnen.&#8220;<br \/>\nDas w\u00fcrde schon Druck von der Familie nehmen, sich nicht immer Ausreden ausdenken zu m\u00fcssen. &#8222;Die Impfnachweise haben wir nat\u00fcrlich bekommen von dem Kinderarzt. Die k\u00f6nnten wir vorzeigen. Die sind dann auch hoffentlich g\u00fcltig.&#8220;<br \/>\nBritta hat den Arzt aus dem Taunus gefragt, ob er auch zu einem Gespr\u00e4ch bereit w\u00e4re, weil er in dem Fall ja ein &#8222;\u00dcberzeugungst\u00e4ter&#8220; ist. Er glaubt an die Impfung und m\u00f6chte Kindern Sch\u00e4den durch Long COVID ersparen. Er ist ein 72 j\u00e4hriger Hausarzt im Ruhestand, der in seiner Praxis schon fr\u00fch unter 18 j\u00e4hgige geimpft hat, als er Impfhelfer war.<br \/>\nEr ist spezialisiert auf Impfungen generell und machte Fortbildungen f\u00fcr Kolleg*Innen, besuchte j\u00e4hrlich Seminare dazu. &#8222;Da habe ich schon Vertrauen zu ihm gehabt&#8220;, erkl\u00e4rt Britta.<br \/>\nAllerdings war er leider nicht zu einem Gespr\u00e4ch mit <a href=\"http:\/\/marburg.news\">marburg.news<\/a> bereit. Er bekomme schon so gen\u00fcgend Anfeindungen, weil er sehr fr\u00fch angefangen hat, ab zw\u00f6lf Jahre zu impfen und daf\u00fcr sehr hartn\u00e4ckig pl\u00e4diert. &#8222;Als Wissenschaftler stehe ich zur Impfung. Es ist die einzige wirksame Waffe, die wir gegen das Virus haben und um jemals wieder aus dieser Pandemie heraus zu kommen. Aber mit Leuten, die mir Morddrohungen schicken und mich vor ein Krieggericht w\u00fcnschen&#8230;Wie soll ich mit denen denn sachlich diskutieren?! Nein, vielen Dank!&#8220; Wahrscheinlich k\u00f6nnte er strafrechtlich belangt werden, wenn ans Licht k\u00e4me, wer er ist. Seit Mai 2021 habe er bereits 124 Kinder unter 12 Jahren aus ganz Hessen geimpft. Er erkundige sich auch weiterhin regelm\u00e4\u00dfig nach ihrem Befinden. Bis jetzt geht es Allen prima.<br \/>\n&#8222;Ich denke, die Zeit wird es zeigen, ob Vorreiter wie er sp\u00e4ter als Helden gefeiert werden oder ob es Menschen gibt, die die Impfung bereuen falls doch unerwartete Sch\u00e4den auftreten sollten. Wir wissen es nicht. Wir k\u00f6nnen alle nur versuchen, unser Bestes zu tun, um unsere Familien in der Pandemie vor Schaden zu bewahren. Dazu stehe ich und daran glaube ich weiterhin.&#8220; Britta trinkt aus und stellt ihre Tasse ab. Wir vereinbaren f\u00fcr eine Fortsetzung ihrer Corona Familiengeschichte im Fr\u00fchjahr 2022 in Kontakt zu bleiben.<\/p>\n<p>* Anna Katharina Kelzenberg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich treffe Britta an einem nebeligen Herbstnachmittag im Caf\u00e9 im Schwanhof. 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