{"id":8134,"date":"2021-11-12T11:22:01","date_gmt":"2021-11-12T10:22:01","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=8134"},"modified":"2021-11-12T11:22:01","modified_gmt":"2021-11-12T10:22:01","slug":"wie-erwartet-dfg-foerdert-marburger-graduertenkolleg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=8134","title":{"rendered":"Wie erwartet: DFG f\u00f6rdert Marburger Graduertenkolleg"},"content":{"rendered":"<p>Die DFG verl\u00e4ngert ein Graduiertenkolleg in der Marburger Psychologie. Es erforscht, warum Menschen auf Erwartungen beharren. <!--more--><br \/>\nDas Marburger Graduiertenkolleg (GRK) &#8222;Beibehaltung vs. Ver\u00e4nderung von Erwartungen im Kontext von Erwartungsverletzungen (Breaking Expectations)&#8220; wird um weitere 4,5 Jahre verl\u00e4ngert. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) f\u00f6rdert die zweite Phase des erfolgreichen GRK 2271 mit \u00fcber f\u00fcnf Millionen Euro.<br \/>\n14 Promovierende aus neun verschiedenen L\u00e4ndern und 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fachbereichs Psychologie der Philipps-Universit\u00e4t forschen zu der Frage, warum Menschen Erwartungen h\u00e4ufig auch dann beibehalten, wenn sie entt\u00e4uscht oder durch Erfahrungen widerlegt wurden. Das Sprecherteam des GRK bilden Prof. Dr. Erik M\u00fcller und Prof. Dr. Sarah Teige-Mocigemba.<br \/>\nEine Beobachtung in der Sozialpsychologie ist beispielsweise, dass Vorurteile gegen\u00fcber einer fremden Gruppe trotz positiver Erfahrungen mit deren Mitgliedern fortbestehen. In der Klinischen Psychologie zeigt sich das Ph\u00e4nomen, dass \u00c4ngste auch dann bestehen bleiben, wenn bef\u00fcrchtete Erwartungen ausgeblieben sind. In der Entwicklungs- beziehungsweise P\u00e4dagogischen Psychologie wurde festgestellt, dass Leistungserwartungen aufrechterhalten werden, auch wenn bisherige Zensuren dagegensprechen.<br \/>\n&#8222;Bevor das Graduiertenkolleg startete, wurden Ph\u00e4nomene wie diese nur von den jeweiligen Teildisziplinen der Psychologie erforscht&#8220;, berichtete M\u00fcller. &#8222;Wir wollten das \u00e4ndern und haben eine Forschungsumgebung geschaffen, in der die Promovierenden aus verschiedenen Blickwinkeln untersuchen, warum Menschen ihre Erwartungen ver\u00e4ndern oder beibehalten.&#8220;<br \/>\nNeben anwendungsbezogenen Fragen suchen die Promovierenden auch Antworten auf grundlegende Fragen wie beispielsweise, welche Gehirnprozesse bei Erwartungsverletzungen aktiviert werden oder wie Erwartungen gelernt werden. Zu den bisherigen Erfolgen des GRK geh\u00f6rt die Weiterentwicklung eines Modells zur Erkl\u00e4rung von Erwartungsver\u00e4nderungen. Das neue Modell wurde von Postdoktorand Dr. Christian Panitz in Zusammenarbeit mit Promovierenden und Professorinnen und Professoren unterschiedlicher Arbeitsgruppen des Fachbereichs Psychologie erstellt.<br \/>\nEs verbindet die Teildisziplinen der Psychologie und benennt empirisch pr\u00fcfbare Mechanismen, die daf\u00fcr verantwortlich sind, dass Erwartungen aufrechterhalten werden. So k\u00f6nnen Menschen beispielsweise Impf\u00e4ngste beibehalten, auch wenn sie Informationen erhalten, die ihren Annahmen widersprechen.<br \/>\nDas Modell erfasst zum einen Verhaltensweisen, mit denen Menschen ihre Erwartungen sch\u00fctzen, beispielsweise indem sie gezielt nach Informationen suchen, die ihre Erwartungen best\u00e4tigen. Zum anderen lassen sich mit dem Modell mentale Prozesse untersuchen, die nach einer Erwartungsverletzung einsetzen k\u00f6nnen. Dabei kann es vorkommen, dass gemachte Erfahrungen nachtr\u00e4glich umgedeutet werden.<br \/>\n&#8222;In der zweiten F\u00f6rderphase werden Forschungsfragen, die wir aus diesem Modell abgeleitet haben, in interdisziplin\u00e4ren Teams aus Promovierenden und Professorinnen und Professoren bearbeitet&#8220;, erl\u00e4uterte Teige-Mocigemba. &#8222;Dazu geh\u00f6rt beispielsweise die Frage, in welchen Situationen kleine Erwartungsverletzungen eher zu einer Ver\u00e4nderung der Erwartungen f\u00fchren als sehr starke Erwartungsverletzungen.&#8220;<br \/>\nDas Qualifizierungsprogramm des GRK sieht vor, dass die Promovierenden jeweils von zwei Marburger Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftlern betreut werden. F\u00fcr den Blick \u00fcber den eigenen Tellerrand hinaus arbeiten die Nachwuchsforscherinnen und -forscher in ihrer Promotionszeit \u00fcber mehrere Wochen in einem Labor aus einer anderen Teildisziplin. &#8222;Es besteht auch die M\u00f6glichkeit, dass sich Promovierende aus zwei Arbeitsbereichen zusammenschlie\u00dfen und Forschungsmittel f\u00fcr ein gemeinsames interdisziplin\u00e4res Projekt beantragen&#8220;, hob M\u00fcller hervor.<br \/>\nInternationalit\u00e4t spielt im GRK eine gro\u00dfe Rolle: W\u00e4hrend der dreij\u00e4hrigen F\u00f6rderung ist f\u00fcr die Promovierenden ein Forschungsaufenthalt im Ausland vorgesehen. Dar\u00fcber hinaus steht jedem Doktoranden und jeder Doktorandin zus\u00e4tzlich auch ein internationaler Mentor oder eine internationale Mentorin f\u00fcr das Promotionsprojekt zur Seite.<br \/>\nEine neue Komponente im GRK ist die &#8222;F\u00f6rderung von Autonomie und Verantwortung im Wissenschaftssystem&#8220;. Sie dr\u00fcckt sich unter anderem dadurch aus, dass die Promovierenden durch die zwei gew\u00e4hlten Sprecherinnen Larissa Kn\u00f6chelmann und Kiara Roth in der Lenkungsgruppe des GRK vertreten sind und ihre Mittel weitgehend selbst\u00e4ndig verwalten.<br \/>\nHinzu kommen Angebote im Bereich der &#8222;Offenen Wissenschaft&#8220;. Das ist eine Wissenschaftspraxis, bei der beispielsweise Forschungsdaten und -prozesse transparent gemacht und in kollaborativen Netzwerken weiterentwickelt werden. M\u00fcller und Teige-Mocigemba f\u00fchren die erfolgreiche Verl\u00e4ngerung des Graduiertenkollegs vor allem auch auf das hohe Engagement der Promovierenden zur\u00fcck und heoen die hervorragende Arbeit der beiden Promovierenden-Sprecher Roth und Kn\u00f6chelmann hervor.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die DFG verl\u00e4ngert ein Graduiertenkolleg in der Marburger Psychologie. 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