{"id":8107,"date":"2021-11-10T14:10:53","date_gmt":"2021-11-10T13:10:53","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=8107"},"modified":"2021-11-11T13:42:55","modified_gmt":"2021-11-11T12:42:55","slug":"zuendeln-statt-schuetzen-feuerwehr-erforscht-eigene-ns-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=8107","title":{"rendered":"Z\u00fcndeln statt sch\u00fctzen: Feuerwehr erforscht eigene NS-Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>Die Feuerwehr Marburg ist ihrer eigenen Vergangenheit auf der Spur. Eine Ausstellung beleuchtet ihre Rolle in der NS-Zeit. <!--more--><br \/>\n&#8222;Retten, L\u00f6schen, Bergen, Sch\u00fctzen&#8220; sind die vier Hauptaufgaben der Feuerwehr. In Marburg kommt jetzt noch &#8222;Recherchieren&#8220; hinzu, denn Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr haben sich auf Spurensuche begeben. Spannendes ist dabei ans Licht gekommen.<br \/>\nDas Ergebnis pr\u00e4sentieren sie in der Ausstellung &#8222;Als die Feuerwehrautos tannengr\u00fcn wurden &#8211; Die Feuerwehr Marburg in der NS-Zeit&#8220;. &#8222;Es ist eine Ausstellung, die mit alten Fotografien und Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nden begeistert&#8220;, sagte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies anl\u00e4sslich der Ausstellungser\u00f6ffnung im Rathaus. &#8222;Gleichzeitig macht sie aber auch betroffen, denn sie wirft die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung in eine Zeit zur\u00fcck, in der das nationalsozialistische Terror-Regime \u00fcber alles herrschte, selbst \u00fcber die Feuerwehr.&#8220;<br \/>\nDoch es sei wichtig, sich dieser Vergangenheit zu stellen und sie aufzuarbeiten, berkl\u00e4rte Spies. &#8222;Daher bin ich sehr stolz und dankbar, dass sich die Marburger Feuerwehr dieser Aufgabe aus eigenem Antrieb heraus angenommen hat.&#8220;<br \/>\nMit der Ausstellung &#8222;Als die Feuerwehrautos tannengr\u00fcn wurden &#8211; Die Feuerwehr Marburg in der NS-Zeit&#8220; stellt die Marburger Feuerwehr ihre Recherche-Ergebnisse vor und macht ein St\u00fcck Stadtgeschichte erfahrbar. &#8222;Wir m\u00f6chten damit nicht nur den Umgang mit einer durchaus schwierigen Geschichte finden, sondern vor dem Hintergrund des eigenen historischen Beispiels warnen&#8220;, sagte der stellvertretende Feuerwehrchef Andreas Brauer. Dieses Ansinnen haben auch die <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=8112\">Zettelk\u00e4sten im &#8222;Garten des Gedenkens&#8220;<\/a>, die die Feuerwehrleute mit Zitaten von damals und heute best\u00fcckt haben.<br \/>\nSo war 1938 zum Beispiel auch ein Feuerwehrmann, der in der SA war, aktiv daran beteiligt, die Synagoge in Brand zu stecken. Die Tat, die sich in der Nacht auf den 10. November 1938 ereignete, wurde erst nach dem Krieg rekonstruiert und die T\u00e4ter zu Freiheitsstrafen verurteilt. Dieser Prozess stellt damit eine wichtige Quelle f\u00fcr die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Marburg dar.<br \/>\n&#8222;Zitate aus dem Synagogenbrandprozess sollen den Geist der Zeit anschaulich machen und stehen im krassen Kontrast zu dem demokratischen und freiheitlichen Selbstverst\u00e4ndnis der heutigen Freiwilligen Feuerwehr Marburg&#8220;, erkl\u00e4rte Feuerwehrchefin Carmen Werner den Zusammenhang von Ausstellung und Synagogenbrand. Der Brand der Marburger Synagoge nehme in der Ausstellung eine zentrale Rolle ein, so wie in der Geschichte die Reichspogromnacht den Anfang des Terrors markierte, der daraufhin folgen sollte.<br \/>\nWelche Rolle die Gleichschaltung der Feuerwehr ganz konkret in der Universit\u00e4tsstadt spielte, war bislang nur wenig erforscht. Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Marburg, die sich im Rahmen des Projekts &#8222;Das Dritte Reich und wir&#8220; auf Spurensuche begaben, wurden dabei durch die Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen unterst\u00fctzt. Weitere Unterst\u00fctzung erhielten sie au\u00dferdem durch den Deutschen Feuerwehrverband und das Deutsche Feuerwehr-Museum Fulda.<br \/>\nGef\u00f6rdert wurde das Projekt ma\u00dfgeblich durch das Bundesministerium des Innern, f\u00fcr Bau und Heimat. In mehreren Workshops erlangten die engagierten Feuerwehrkr\u00e4fte das Handwerkszeug, um eigenst\u00e4ndig die Geschichte ihrer Wehr vom Staub der Vergangenheit zu befreien. Sie wurden aktiv forschend in die Recherchen einbezogen.<br \/>\n&#8222;Ziel des Projekts war: Nicht von oben herab sollte die Geschichte erkl\u00e4rt, sondern aus dem Kreis der Feuerwehrleute heraus erarbeitet und pr\u00e4sentiert werden&#8220;, betonte Projektmitarbeiter Dr. Clemens Tangerding von der Justus-Liebig-Universit\u00e4t. Tats\u00e4chlich konnten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Marburg durch ausdauernde Forschung neue Erkenntnisse zur Geschichte ihrer Wehr w\u00e4hrend des Nationalsozialismus an die Oberfl\u00e4che bringen.<br \/>\n&#8222;Durch Archivrecherchen sowie anhand von Fotografien und Objekten lie\u00df sich die Vergangenheit St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck rekonstruieren&#8220;, freute sich der Historiker Tangerding \u00fcber das Ergebnis. &#8222;Allerdings ist es eine Vergangenheit, in der die Freiwillige Feuerwehr nach und nach ihre Freiwilligkeit verlor&#8220;, erkl\u00e4rte Tangerding weiter. Per Gesetz f\u00fcgte sich die Marburger Wehr dem totalit\u00e4ren System und schloss &#8222;nicht-arische&#8220; Mitglieder aus.<br \/>\nDas gilt auch f\u00fcr den j\u00fcdischen Kaufmann Elias Goldschmidt. Sein Schicksal wird in einer Teilausstellung im Schaufenster am Steinweg 3 \u00bd gezeigt. Dort hatte Goldschmidt Anfang des 20. Jahrhunderts sein Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus, das er jedoch nach der sogenannten &#8222;Machtergreifung&#8220; unter Wert verkaufen musste.<br \/>\nDie Pr\u00e4sentation \u00fcber Elias Goldschmidt findet sich auch in der Ausstellung im Rathaus wieder. &#8222;Die Ausstellung ist eine bewusste Einladung, sich mit diesen Inhalten und Themen n\u00e4her auseinanderzusetzen, denn wir wollen aus unseren Fehlern lernen und nicht vergessen&#8220;, betonte Rolf Schamberger vom Deutschen Feuerwehr-Museum Fulda. Die Zusammenarbeit mit der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen sei in dieser Sache sehr wichtig und zukunftsweisend f\u00fcr weitere Projekte gewesen, erg\u00e4nzte Vizepr\u00e4sident Norbert Fischer vom Landesfeuerwehrverband (LFV) Hessen.<br \/>\nDie Ausstellung zeigt, dass die Freiwillige Feuerwehr Marburg auf eine lange Geschichte zur\u00fcckblickt: 1861 als b\u00fcrgerlich-mittelst\u00e4ndischer Verein gegr\u00fcndet, war f\u00fcr die Vereinsmitglieder der Brandschutz in der Stadt das oberste Gebot.<br \/>\nDoch schnell entwickelte der anfangs funktionale Zusammenschluss einiger Kaufleute und Handwerker eine eigene Dynamik: Ein &#8222;Wir-Gef\u00fchl&#8220;, Kameradschaft und Zusammenhalt gesellten sich zu dem Anspruch der Freiwilligen Feuerwehr Marburg, in Notsituationen Hilfe zu leisten. Alle, die sich dieser Gemeinschaft anschlie\u00dfen wollten, wurden mit offenen Armen empfangen.<br \/>\n&#8222;Mit der sogenannten Machtergreifung durch die Nationalsozialisten \u00e4nderte sich f\u00fcr die Freiwillige Feuerwehr jedoch alles von der Struktur bis zum Erscheinungsbild&#8220;, berichtete Feuerwehrchefin Carmen Werner. Die Ausstellung &#8222;Als die Feuerwehrautos tannengr\u00fcn wurden &#8211; Die Feuerwehr Marburg in der NS-Zeit&#8220; ist bis Sonntag (14. November) t\u00e4glich von 9 bis 18 Uhr ge\u00f6ffnet. Sie befindet sich in der Ausstellungshalle des Rathauses.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Feuerwehr Marburg ist ihrer eigenen Vergangenheit auf der Spur. Eine Ausstellung beleuchtet ihre Rolle in der NS-Zeit.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5,2],"tags":[160,265,3629],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-26L","jetpack-related-posts":[{"id":18950,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=18950","url_meta":{"origin":8107,"position":0},"title":"Feuerwehr leben: Andreas Brauer in den Ruhestand verabschiedet","date":"3. November 2025","format":false,"excerpt":"Andreas Brauer verabschiedet sich in den Ruhestand. Fast 50 Jahre war er im Einsatz f\u00fcr die Feuerwehr. 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