{"id":8070,"date":"2021-11-06T19:57:33","date_gmt":"2021-11-06T18:57:33","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=8070"},"modified":"2021-11-07T20:30:54","modified_gmt":"2021-11-07T19:30:54","slug":"corona-und-hilfe-ehemann-unterstuetzt-hausaerztin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=8070","title":{"rendered":"Corona und Hilfe: Ehemann unterst\u00fctzt Haus\u00e4rztin"},"content":{"rendered":"<p>Einen Corona-Impfhelfer hat Anna Kelzenberg getroffen. Die Praxis f\u00fcr Allgemeinmedizin seiner Ehefrau im S\u00fcdviertel ist Ort seines Einsatzes.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAls Haus\u00e4rztin praktiziert die 64-j\u00e4hrige Medizinerin dort in einem Alter, in dem manch Andere schon ihren Ruhestand genie\u00dfen w\u00fcrden. Dr. Rebekka Becker* (Name ge\u00e4ndert) macht noch Hausbesuche, kennt ihre Klientel mit Namen, kennt deren ganze Familienkrankengeschichten.<br \/>\nIhre Patientenschar im Wartezimmer ist mit dem Mobiliar gealtert. Renovieren lohnt nicht mehr. Sie hat die \u00fcblichen Sorgen einer beinah \u00fcberlaufenen &#8211; gerade so rentablen &#8211; Hausarztpraxis, f\u00fcr die auch keine Nachfolge zu erwarten ist.<br \/>\nDas waren \u00fcbliche Sorgen, bis Corona kam mit der Notwendigkeit, dass Praxen im Fr\u00fchjahr 2021 auch die Impfungen gegen Covid19 mit \u00fcbernehmen sollten. Im Hinterzimmer des Anmeldebereichs bei PC, Telefon und der Kaffeemaschine sitzt seitdem n\u00e4mlich auch ihr 67-j\u00e4hriger Ehemann Martin Becker. Um die beiden Arzthelferinnen in Teilzeit zu entlasten, hat er Gartenschere und Rasentrimmer gegen ein Headset und einen wei\u00dfen Kittel eingetauscht.<br \/>\nakk: Bitte beschreiben Sie kurz Ihre Situation als Impfhelfer?<br \/>\n&#8222;Nun, ich bin Chemiker im Ruhestand und helfe seit April 2021 bei der Organisation und Durchf\u00fchrung von Corona-Impfungen in der Arztpraxis meiner Frau mit. Das sind so mindestens drei bis sechs Stunden t\u00e4glich auch nachmittags bis 18 oder 20 Uhr. Wegen der zus\u00e4tzlichen Impfungen haben wir l\u00e4nger ge\u00f6ffnet. Sonst k\u00f6nnten wir dem regul\u00e4ren Betrieb gar nicht gerecht werden.&#8220;<br \/>\nakk:\u00a0 Wie hat die Pandemie Ihr Leben beeinflusst?<br \/>\n&#8222;F\u00fcr uns &#8211; Rebekka als \u00c4rztin und mich als Impfhelfer &#8211; ist es nach 30 Ehejahren mal eine ganz neue Erfahrung, als Team beruflich zusammenzuarbeiten. Das klappt inzwischen sehr reibungslos, war am Anfang aber erstmal eine Herausforderung. Vor Allem die Erlebnisse des Tages nicht mit nach Hause zu nehmen um dort abschalten und wieder auftanken zu k\u00f6nnen, f\u00e4llt meiner Frau schwer. Da ist sie schon lange an ihrer Belastungsgrenze sowie die Meisten, die im Medizin Bereich t\u00e4glich an vorderster Front um Menschenleben k\u00e4mpfen.&#8220;<br \/>\nakk: Was macht Ihnen pers\u00f6nlich am meisten Sorgen?<br \/>\n&#8222;Ich f\u00fcrchte, wir werden als Folge der Pandemie viele Krankheitsf\u00e4lle, Burnouts und so weiter sowie Umschulungen, Berufswechsel und \u00a0Fr\u00fchverentungen erleben von Pflegenden, die einfach nicht mehr so weiter machen konnten. Ich bef\u00fcrchte, das Ministerium f\u00fcr Gesundheit untersch\u00e4tzt die Folgen und \u00a0Kosten, die da auf uns als Gesellschaft zukommen und hat noch keinen Superplan erdacht, wie der Pflegenotstand dann aufgefangen werden soll. Das macht mir auch pers\u00f6nlich Sorgen um meine gesundheitliche Versorgung im Notfall. Ich geh\u00f6re ja der Altersgruppe mit dem statistisch meisten medizinischen Bedarf an. Werde ich rechtzeitig ein freies Intensivbett bekommen, wenn ich es ben\u00f6tige? Wird jemand da sein, der mich bestm\u00f6glich pflegt?&#8220;<br \/>\nakk: Wie wirkt sich die Pandemie auf den Praxisalltag aus?<br \/>\n&#8222;Ungut! Ohne gr\u00f6\u00dften pers\u00f6nlichen Einsatz schaffen wir unser t\u00e4gliches Pensum nicht mehr.<br \/>\nGestern musste Rebekka zum Beispiel zwei Stunden telefonieren, um einer 56 j\u00e4hrige Krebs-Patientin einen Klinikplatz zu besorgen und sie weiter \u00fcberweisen zu k\u00f6nnen. Die Patientin Frau W. kam aus der Diagnostik mit drei Hirntumoren, von denen der Gr\u00f6\u00dfte auf den Sehnerv dr\u00fcckt und die zwei kleineren jetzt wahrscheinlich noch folgenlos entfernt werden k\u00f6nnten. Da ist h\u00f6chste Eile geboten, um Sehkraft, Leben und Lebensqualit\u00e4t zu retten.<br \/>\nBesser heute als morgen operieren. Sie sollte sofort nach Heidelberg ins UTC. Die haben gleich abgewinkt, Keine Kapazit\u00e4ten frei immer noch O.P. Stau wegen der vielen Corona Patient*Innen, die die Intensivbetten blockieren. Nun ist Frau W. erstmal hier im Uni-Klinikum untergebracht f\u00fcr weitere Untersuchungen.<br \/>\nWir kennen ihren Mann und ihre 2 T\u00f6chter und ihr Enkelkind gut. Die Familie ist seit 20 Jahren bei uns in der Haus\u00e4rztlichen Versorgung. Ich kann und m\u00f6chte mir gar nicht vorstellen, was die gerade durchmachen.<br \/>\nWas ich damit illustrieren will: Wir Alle k\u00f6nnen morgen Opfer der Pandemie werden. direkt oder indirekt. Das ist uns Antrieb genug, um uns bestm\u00f6glich f\u00fcr die Impfkampagne zu engagieren. Aber unsere Energie ist ziemlich verbraucht. Zun\u00e4chst war da die ungerechte Impfstoffverteilung durch das Land, das die viel teureren eigenen Impfzentren bevorzugt hat, so dass ich die Aufgabe hatte, immer wieder zu vertr\u00f6sten.<br \/>\nAls dann genug Impfstoff da war, liess das Interesse an Impfungen nach. All das macht mich fassungslos und traurig. H\u00e4tten wir am heutigen Tage schon 85 Prozent zweifach Geimpfte, m\u00fcsste niemand in den Krankenh\u00e4usern wg Covid19 behandelt werden. Wir h\u00e4tten keine zirka 160 Todesf\u00e4lle t\u00e4glich. Wir h\u00e4tten die ganze vierte Welle nicht.&#8220;<br \/>\nakk: Was hat Sie pers\u00f6nlich am meisten motiviert, sich zu engagieren?<br \/>\n&#8222;W\u00e4hrend der ersten Welle der Pandemie im Mai 2020 mussten wir miterleben, wie mein Schwager Dante, ein kerngesunder Mann Ende F\u00fcnfzig, trotz Einhaltung aller bekannten Schutzma\u00dfnahmen an Corona erkrankte und wir die Krankheit in s\u00e4mtlichen Stadien mit durchleben mussten:<br \/>\nKollaps zu Hause und Atemnot, Einlieferung nachts mit RTW in die Uni-Klinik, Normalstation mit Sauerstoffgabe, dennoch kollabierten beide Lungenfl\u00fcgel nacheinander,Verlegung auf die Intensivstation mit k\u00fcnstlicher Beatmung, ohne Kontaktm\u00f6glichkeiten f\u00fcr seine Frau \u00fcber vier Wochen und schlie\u00dflich sein unerwartet pl\u00f6tzlicher Tod durch Versagen mehrerer Organe. Wenigstens durfte seine Frau Christa in seinen letzten Stunden in seinem Einzelzimmer bei ihm sein. Sie war zeitgleich mit ihm erkrankt und hatte die Infektion bereits \u00fcberstanden.<br \/>\nSie sa\u00df 7 Stunden in voller Schutzkleidung bei ihm am Bett und konnte so Abschied nehmen von ihm, auch wenn er das Bewusstsein nicht mehr wieder erlangt hatte. Sie ist dem Stationsteam so unendlich dankbar, dass sie ihr das erm\u00f6glicht haben, obwohl die sich damit wohl auch am Rande des Erlaubten bewegten. Das kann ich aber nicht beurteilen. Die beiden waren\u00a0 35 Jahre verheiratet. Die Witwe wohnt nun bei uns im Haus. Sie ist auf Grund von Schwermut und Trauer auf Unterst\u00fctzung angewiesen. Sie kann auch nach anderthalb Jahren noch nicht dar\u00fcber sprechen. Das sei Alles noch zu frisch, sagt sie. Ob und wann sie sich wieder von diesem Verlust erholt, vermag ich nicht zu sagen.<br \/>\nAngesichts solcher Schicksale &#8211; und sowas war ja kein Einzelfall &#8211; war es f\u00fcr mich klar, die Impfaktion bestm\u00f6glich zu unterst\u00fctzen, sobald Impfstoff verf\u00fcgbar w\u00e4re.<br \/>\nakk: Worin besteht Ihre Aufgabe und was war konkret zu tun, um Impfungen anbieten zu k\u00f6nnen?<br \/>\n&#8222;Die Arztpraxis meiner Frau w\u00e4re bei den durch Corona bedingten Zusatzanforderungen mit der Organisation der Impfaktion \u00fcberfordert gewesen. Weitere Hilfen anzustellen, war weder das Geld da, noch h\u00e4tte der Arbeitsmarkt welche zur Verf\u00fcgung. Da bin ich eingesprungen. Zuerst habe ich mich hier im Hinterzimmer &#8211; genannt das Kabuff, urspr\u00fcnglich die Kaffeek\u00fcche quasi der Pausenraum &#8211; nur Pausen macht hier seit einem halben Jahr niemand mehr &#8211;\u00a0 eingerichtet. Hauptarbeit war die Organisation der Impftermine: Ein Impftelefon einrichten mit Anmeldesprechzeiten, Anrufbeantworter, eine Softwarel\u00f6sung finden zur Verwaltung der Impfungen, eine Mailadresse einrichten und schlie\u00dflich die Anmeldeanrufe mit den vielen Fragen entgegennehmen. Ich habe gewissenhaft Alles verf\u00fcgbare Material durchgearbeitet und mir eine Checkliste geschrieben, um die h\u00e4ufigsten Fragen routiniert beantworten zu k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich habe ich mich von meiner Frau unterweisen lassen um im Labor die Spritzen unter sorgf\u00e4ltiger Verd\u00fcnnung des Impfstoffes vorzubereiten.<br \/>\nMeine Labort\u00e4tigkeit als junger Chemiker und die sp\u00e4tere Arbeit im mittleren Management haben mich daf\u00fcr ausreichend vorbereitet, dachte ich.\u00a0Nicht vorbereitet war ich allerdings auf das Chaos, das zeitweise \u00fcber uns herein brach und das Finden von L\u00f6sungen f\u00fcr Probleme, die wir bis dahin nicht mal ann\u00e4hernd vorausahnen konnten.&#8220;<br \/>\nakk: Was war f\u00fcr Sie besonders belastend?<br \/>\n&#8222;Der Enthusiasmus f\u00fcr das Impfen wurde gebremst. In der Anfangszeit waren Hunderte zur Impfung angemeldet, der Praxis wurden aber teilweise nur 12 Impfdosen geliefert, w\u00e4hrend die Impfzentren reichlich Impfstoff hatten, und das bei den Kosten von 130 \u20ac dort gegen\u00fcber unseren von 20 \u20ac. Da kam schon das Gef\u00fchl auf, einen &#8222;kick in the ass&#8220; zu erhalten. So hatte ich die Aufgabe, die Impfinteressenten von Woche zu Woche zu vertr\u00f6sten.<br \/>\nUnd dann die Arbeitgeberzertifikate, wer nicht alles systemrelevant ist und deshalb aber bitte umgehend geimpft werden muss: Sekret\u00e4rinnen bei Steuerberatern, Automechaniker, aber keine Kassiererinnen aus dem Lebensmittelhandel. Dann die Zauderer, die sich eine Viertelstunde zur Impfung beraten lassen um am Folgetag den Termin abzusagen. Die Drohmails von Rechtsanw\u00e4lten der Impfgegner, die man einfach ignorieren musste.<br \/>\nEbenso die Profilierungsversuche einiger Politiker, die es besser wissen als die zust\u00e4ndigen Fachleute.<br \/>\nUnd aktuell die\u00a0 Borniertheit von Impfgegnern, die die Schwere der Krankheit einfach ignorieren. Aber da ist noch Vieles, was nervt.<br \/>\nVor allem die Dummheit. So w\u00e4re mein gr\u00f6\u00dfter Wunsch an die Pharma-Firmen, dagegeneine Impfung zu entwickeln.<br \/>\nDie Dummheit der Impfgegner. Die sich nicht impfen lassen m\u00f6chten, weil der Impfstoff nicht schon 100 Jahre erprobt ist. Und dann die aggressiven Impfgegner. H\u00f6hepunkt f\u00fcr mich war eine \u00e4ltere ungeimpfte Frau, die\u00a0 in der Praxis auf die Impfung angesprochen wurde, die aber eine Impfung kategorisch abgelehnt hat mit dem Argument, im Fernsehen sehe man immer diese Berichte aus den Intensivstationen, wo die ganzen Geimpften mit den schlimmen Folgen liegen.<br \/>\nF\u00fcr mich war es auch zerm\u00fcrbend, wenn ich nach einem 20 min\u00fctigen Telefonat jemanden von der Impfung glaubte \u00fcberzeugt zu haben und einen Termin ausgemacht hatte und dann am n\u00e4chsten Tag eine Mail mit der Terminabsage bekam, und das bei den 20 Euro pro durchgef\u00fchrter Impfung! Bez\u00fcglich Dummheit nerven mich auch die Politiker, die angesichts der derzeitexplodierenden Fallzahlen so tun, als sei die ganze Pandemie Vergangenheit.<br \/>\nakk: Was stimmt Sie positiv?<br \/>\nIch habe wahrscheinlich mitgeholfen, einige Leben zu retten, vielleicht drei oder elf. Ich werde es nie wissen. Und bestimmt habe ich mitgewirkt, einige l\u00e4ngere und unangenehme wochenlange Erkrankungen zu verhindern. Ebenso sicher dutzende von Longcovid F\u00e4llen, die durch l\u00e4ngeren Verdienstausfall und die Ungewissheit \u00fcber diese neue Erkrankung ja ganze Familien schwer belasten.<br \/>\nWir haben auch einige Personen erreicht, die es nicht auf die Reihe bekommen haben, sich im Impfzentrum impfen zu lassen, obwohl sie Risikopatien*innen waren, also Gruppe II angeh\u00f6rt haben. Auch das hat sicher viel leid erspart im Einzelfall.<br \/>\nUns ist bei \u00fcber 1.000 Impfdosen nur eine einzige verfallen, wegen eines Spritzendefektes. Die Impflinge kamen fast immer zuverl\u00e4ssig und p\u00fcnktlich, und hatte mal einer den Termin verpennt, war immer ein Ersatz schnell verf\u00fcgbar.<br \/>\nIm Allgemeinen waren unsere Impflinge sehr froh und dankbar, den Impfschutz erhalten zu haben. Dass ich dabei zwischenzeitlich als Herr Doktor angesprochen wurde, wenn ich zwischen B\u00fcro und Labor hin und her eilte, habe ich dann im Eifer des Gefechtes schmunzelnd hingenommen. Auch wenn es bei mir zwar kein Dr. med. sondern nur ein Dr. rer. nat. geworden ist, das Vertrauen unserer Patientenschar hat mich doch ger\u00fchrt.&#8220;<br \/>\nakk: Und wie wird es mit den Impfungen weitergehen? Was denken Sie zu aktuellen Fragen wie: Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Impfzentren wieder \u00f6ffnen f\u00fcr Booster-Impfungen?<br \/>\n&#8222;Den Vorsto\u00df vom Bundesminister Jens Spahn f\u00fcr die Wiederer\u00f6ffnung von Impfzentren finde ich so wenig durchdacht wie vieles von diesem Herrn, der ja hoffentlich mit der neuen Regierung von der Bildfl\u00e4che verschwindet.&#8220;\u00a0\u00a0 akk: Der Vorsitzenden des Welt\u00e4rzteverbandes Professor Frank Ulrich Montgomery sowie der <span class=\"atOwb UMOHqf\">Vorsitzender<\/span> des deutschen Haus\u00e4rtzeverbandes Matthias Berndt \u00e4u\u00dferten am Montag, die Allgemeinpraxen k\u00f6nnen das sehr gut alleine weiter betreuen.Glauben Sie das auch? &#8222;Nein, keineswegs!!<br \/>\nakk: Wie stellen Sie sich das in Zukunft in der Praxis vor, wenn der gesamte Patientenstamm potentiell einmal impfaufgefrischt werden muss?<br \/>\n&#8222;Nun, Ich kann mir das ohne weiteres Personal und finanziellen Ausgleich durch den Bund offen gesagt nicht machbar vorstellen. Momentan l\u00e4uft es so, in der Praxis meiner Frau melden sich die Impfwilligen zur Drittimpfung zwar an, aber nicht in Scharen wie beim Beginn der Impfungen im April. Diejenigen, die sich anmelden, erhalten dann in der Folgewoche in der Regel einen Termin. Aus der Perspektive braucht es keine zus\u00e4tzlichen Kapazit\u00e4ten. Das l\u00e4uft so mit im normalen Betrieb. Wenn jedes Jahr eine Auffrischungsimpfung notwendig sein sollte, ohne dass Impfzentren wieder er\u00f6ffnet werden und mobile Impfteams im Einsaz sind, sehe ich schwarz. aufsuchende Impfungen k\u00f6nnten wir zum Beispiel unm\u00f6glich anbieten. Es w\u00e4re unser Wunsch, dass daf\u00fcr lagerungsf\u00e4hige Spritzen entwickelt w\u00fcrden,, die &#8211; so wie jetzt eine Grippeschutzimpfung &#8211; im Praxisalltag verabreicht werden k\u00f6nnten. Die Planung von 1- 2 &#8222;Impfsessions&#8220; Pro Tag mit 6 oder 12 Impfungen ist machbar aber schon eine Erschwernis des allt\u00e4glichen Betriebes.&#8220;<br \/>\nAKK: Ungeimpfte sollen bei positivem PCR\u00a0 auf Covid19 ohne Lohnfortzahlung in Quarant\u00e4ne. Ist das gerecht?<br \/>\n&#8222;Zum Verhalten gegen\u00fcber Ungeimpften. Ich bin v\u00f6llig daf\u00fcr, dass Ungeimpfte keinen finanziellen Ersatz bei Quarant\u00e4ne erhalten.<br \/>\nIn der aktuellen Situation, dass bei Ungeimpften die Inzidenz extrem hoch ist, bin ich f\u00fcr einen Lockdown f\u00fcr Ungeimpfte, das hei\u00dft Sperrung von Gesch\u00e4ften und Lokalen und sonstiger Kontaktm\u00f6glichkeiten, wie es am Anfang der Pandemie war. Das k\u00f6nnte die Verbreitung deutlich mindern. Dies sollte aber kombiniert werden mit Kontrollen und bei \u00dcbertretung mit empfindlichen Strafen. Eine Gesellschaft darf sich wehren, wenn Einzelne ihre Freiheit auf Kosten anderer ausleben m\u00f6chten.&#8220;<br \/>\nakk: Hatten Sie schon &#8222;Testschw\u00e4nzende&#8220; in der Praxis? Das sind Menschen, die sich, seit die Test kostenpflichtig sind, angesteckt, aber nicht getestet hatten, dann aber erst wegen einer Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung kamen, weil es ihnen zu schlecht ging. Was sagen die dann?<br \/>\n&#8222;In unserer Praxis waren Testschw\u00e4nzende bislang kein Thema. Wenn jemand mit Beschwerden kommt, veranlassen wir\u00a0 einen PCR-Test, der dann eine eindeutige Aussage zul\u00e4sst. Die Schnelltests haben eine begrenzte Aussagekraft. Manchmal kommen Patienten mit mehreren gegens\u00e4tzlichen Testresultaten aus Schnelltests.&#8220;<br \/>\nakk: Es gibt Impfungen von gesunden Unter-Zw\u00f6lfj\u00e4herigen, schon seit September. wie gehen Sie mit solchen Anfragen um?<br \/>\n&#8222;Zur Impfung Minderj\u00e4hriger hatten wir zwei oder drei Bitten von besorgten Eltern.Rebekka h\u00e4lt sich da an die Empfehlungen der st\u00e4ndigen Impfkommission (Stiko). Dies sind die Fachleute. Seit sie von ein paar Wochen die Impfung von unter 18 j\u00e4hrigen zugelassen haben, werden die auch geimpft. Unter 12j\u00e4hrige zu impfen, ist einerseits ein Haftungsproblem, denn wenn es zu Nebenwirkungen kommt, kann man zur Rechenschaft gezogen werden. Es ist zu vergleichen mit der Verordnung eines nicht zugelassenen Medikamentes.<br \/>\nIch kann die StiKo auch verstehen, dass sie genau abw\u00e4gt, ob f\u00fcr die Altersgruppe der Impfnutzen h\u00f6her ist als das Impfrisiko. Und bei der Gefahr von Herzsch\u00e4digungen von Jugendlichen unter 18 Jahren, besonders m\u00e4nnlichen, sollte man da nicht spa\u00dfen. Auch privat halten wir uns an die Empfehlungen der Stiko. So werden Rebekka und ich als im Medizinbereich T\u00e4tige mit m\u00f6glichem Kontakt zu Infizierten ein halbes Jahr nach der Zweitimpfung eine Auffrischungsimpfung erhalten.&#8220;<br \/>\nakk: Welches vorl\u00e4ufige Fazit ziehen Sie?<br \/>\n&#8222;Ich sehe es so: Es tobt ein biologischer Krieg. Das Schlachtfeld, auf dem er ausgetragen wird, sind unsere K\u00f6rper. Werden wir ihn als Spezies gewinnen? Wenn ja, wie hoch werden die Verluste sein?\u00a0 Wie hoch die Kosten zur Beseitigung, gesellschaftliche Colateralsch\u00e4den?<br \/>\nMeine Hoffnung ist aber doch, dass sich die Pandemie eind\u00e4mmen l\u00e4sst. Bei den Impfwilligen durch die Impfungen und bei den anderen dann leider durch die Infektion mit der entsprechenden Immunisierung.<br \/>\nSo, jetzt muss ich aber wieder in mein Kabuff zur Arbeit. Es stehen 12 Erst- und Zweitimpfungen an.<\/p>\n<p>* Anna Kelzenberg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen Corona-Impfhelfer hat Anna Kelzenberg getroffen. 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