{"id":7315,"date":"2021-07-01T15:16:41","date_gmt":"2021-07-01T13:16:41","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=7315"},"modified":"2021-07-01T15:16:41","modified_gmt":"2021-07-01T13:16:41","slug":"vorzeitlich-geforscht-vulkanausbruch-in-der-eifel-brachte-gute-boeden-in-marburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=7315","title":{"rendered":"Vorzeitlich geforscht: Vulkanausbruch in der Eifel brachte gute B\u00f6den in Marburg"},"content":{"rendered":"<p>Ein Vulkanausbruch vor fast 13.000 Jahren sorgt bis heute f\u00fcr gute B\u00f6den. Marburger Geowissenschaftler haben fl\u00e4chendeckend vulkanische Ablagerungen nach &#8211; 140 Kilometer vom Ausbruchsort nachgewiesen. <!--more--><br \/>\nDass der Vulkanausbruch, von dem der Laacher See bei Koblenz zeugt, sein vulkanisches Material 140 Kilometer weit bis ins Marburger Land schleuderte, war bereits bekannt &#8211; freilich gab es daf\u00fcr nur punktuelle Nachweise.<br \/>\nJetzt zeigen Marburger Geowissenschaftler jedoch, dass die vulkanischen Ablagerungen gro\u00dffl\u00e4chig im mittleren Lahntal vorkommen. Das Team um Collin Weber von der Philipps-Universit\u00e4t berichtet \u00fcber seine Ergebnisse im Fachblatt &#8222;E&amp;G Quaternary Science Journal&#8220;.<br \/>\nVor fast 13.000 Jahren spuckte der Laacher-See-Vulkan zum vorerst letzten Mal Feuer und Gestein. Im Rheinland hinterlie\u00df der Ausbruch meterdicke Schichten aus Asche und Bimsstein, die Forschung sieht die Explosion als m\u00f6glichen Ausl\u00f6ser einer Klima-Anomalie.<br \/>\n&#8222;In der Kiesgrube von Niederweimar bei Marburg finden sich vulkanische Lockermassen, die vom Laacher-See-Ausbruch stammen&#8220;, berichtete der Geograph Collin Weber Dabei handele es sich um &#8222;sogenannte Tephra, die bis zu zwei Meter m\u00e4chtig sind&#8220;.<br \/>\nWeber firmiert als Erstautor der aktuellen Publikation. &#8222;Die Aufschl\u00fcsse, die solche Kiesgruben bieten, beschr\u00e4nken sich immer auf einen vergleichsweise kleinen r\u00e4umlichen Ausschnitt der gesamten Flussaue&#8220;, erg\u00e4nzte Mitverfasser Prof. Dr. Stefan Harnischmacher vom Marburger Fachgebiet Physische Geographie. Aber welche Ausbreitung zeigen die Ablagerungen in der Fl\u00e4che?<br \/>\nUm das herauszufinden, f\u00fchrte das Team Bohrungen bis zu drei Metern Tiefe entlang von drei Transsekten durch, die quer zum Flussbett der Lahn bei Niederweimar verlaufen; dort, s\u00fcdlich der Kiesgrube, die die Referenzdaten liefert, hat die Flussniederung eine ihrer gr\u00f6\u00dften Ausdehnungen. Die Transsekten liegen in ein bis anderthalb Kilometer Entfernung voneinander.<br \/>\nAus dem geborgenen Material isolierte Koautor Volker Dickhardt die vulkanischen Anteile mittels Dichteauftrennung &#8211; weil das vulkanische Material aufgrund seiner vielen luftgef\u00fcllten H\u00f6hlungen nach oben schwimmt.<br \/>\n&#8222;Die Dichteauftrennung hat sich als geeignete Methode erwiesen, um das vulkanische Material schnell und unaufwendig zu separieren&#8220;, erkl\u00e4ren die Autoren. Alles in allem identifizierten die Forscher 56 Schichten mit vulkanischen Ablagerungen, wobei das vulkanische Material im Schnitt knapp 70 Prozent dieser Schichten ausmacht.<br \/>\nWie das Autorenteam berichtet, kommen die vulkanischen Schichten ab einer Tiefe von an die 70 Zentimetern bis zu knapp 1,7 Metern vor; ihre Dicke kann sechs Zentimeter betragen, an anderer Stelle aber auch bis zu 1,3 Metern. &#8222;Die vulkanischen Schichten sind im Untersuchungsgebiet von j\u00fcngeren Flusssedimenten \u00fcberlagert, etwa von Lehm&#8220;, erl\u00e4uterte Weber.<br \/>\nVulkanische Ablagerungen, so erbrachte die Untersuchung, finden sich \u00fcberall im \u00dcberflutungsgebiet des mittleren Lahntals. Sie stammen jedoch nicht aus direkter Ablagerung \u00fcber die Luft, sondern m\u00fcssen \u00fcberwiegend vom Fluss aus dem gesamten Einzugsgebiet herangeschafft worden sein, wie die Wissenschaftler aus ihren Daten schlussfolgern.<br \/>\n&#8222;Allein die weite Verbreitung der Sedimente l\u00e4sst auf gro\u00dfe Mengen an Tephra schlie\u00dfen, die vom Ausbruch des Laacher-See-Vulkans herr\u00fchren&#8220;, schreiben die Autoren. Dieser Umstand m\u00fcsse auch die Landnutzung und Anbaum\u00f6glichkeiten im mittleren Lahntal beeinflusst haben, dessen dokumentierte Siedlungsgeschichte mehr als 11.000 Jahre zur\u00fcckreicht.<br \/>\nDie vulkanischen Lockermassen sorgen wahrscheinlich f\u00fcr eine h\u00f6here Wasserspeicherkapazit\u00e4t des Bodens in Trockenperioden, vermuten die Wissenschaftler. Das gelte bis heute: &#8222;Die noch vorhandenen Ablagerungen tragen zur Verbesserung des Bodens bei.&#8220;<br \/>\nWeber fertigt derzeit seine Doktorarbeit in der Arbeitsgruppe &#8222;Boden- und Hydrogeographie&#8220; der Philipps-Universit\u00e4t an. Der Laacher See in der Eifel befindet sich in einem Gebiet mit verschiedenen erloschenen Vulkanen zwischen Koblenz und Trier im S\u00fcden sowie K\u00f6ln und Bonn im Norden.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Vulkanausbruch vor fast 13.000 Jahren sorgt bis heute f\u00fcr gute B\u00f6den. Marburger Geowissenschaftler haben fl\u00e4chendeckend vulkanische Ablagerungen nach &#8211; 140 Kilometer vom Ausbruchsort nachgewiesen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5],"tags":[2579,3382,3383],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-1TZ","jetpack-related-posts":[{"id":8427,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=8427","url_meta":{"origin":7315,"position":0},"title":"Im Boden: Mikroplastik kennzeichnet Schichten des Anthropoz\u00e4ns","date":"22. Dezember 2021","format":false,"excerpt":"Ein Marburger Forschungsteam hat den Boden von Flussauen nach mittelgro\u00dfen Kunststoffpartikeln durchsucht. 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