{"id":7267,"date":"2021-06-24T10:46:37","date_gmt":"2021-06-24T08:46:37","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=7267"},"modified":"2021-06-24T10:46:37","modified_gmt":"2021-06-24T08:46:37","slug":"keine-kostenlosen-klimaschuetzer-zugvoegel-helfen-nur-bestimmten-pflanzenarten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=7267","title":{"rendered":"Keine kostenlosen Klimasch\u00fctzer: Zugv\u00f6gel helfen nur bestimmten Pflanzenarten"},"content":{"rendered":"<p>Zugv\u00f6gel helfen nur bestimmten Pflanzenarten, in den Norden abzuwandern, wenn es im S\u00fcden zu warm wird. Das zeigt die aktuelle Studie eines internationalen Forschungsteams. <!--more--><br \/>\nMit Hilfe von Zugv\u00f6geln in den Norden umzuziehen, wenn es im S\u00fcden durch den Klimawandel zu warm wird, w\u00e4re eigentlich eine tolle Idee f\u00fcr wenig mobile Pflanzen. Eine neue Studie im Fachjournal &#8222;Nature&#8220; zeigt nun, dass das entgegen bisheriger Annahmen aber lediglich bei wenigen Pflanzenarten funktionieren d\u00fcrfte. An dieser Untersuchung hat sich auch die Marburger Naturschutzbiologin Prof. Dr. Nina Farwig beteiligt.<br \/>\nDemnach reisen nur die Samen der Pflanzenarten als blinder Passagier bei Zugv\u00f6geln nordw\u00e4rts mit, deren Fruchtperiode sich mit dem Fr\u00fchjahrszug \u00fcberschneidet. Zudem liegt die Last der potenziellen Ausbreitung der Pflanzen in k\u00fchlere Gefilde auf den Federn einiger weniger pal\u00e4oarktischer Vogelarten.<br \/>\nDer Klimawandel bringt es mit sich, dass Pflanzen ihre Verbreitungsgebiete in den Norden verlagern m\u00fcssen, um in ihrer klimatischen Komfortzone zu bleiben. Die meisten Samen werden im Radius von einem Kilometer um die Ursprungspflanze ausgebreitet &#8211; von allein schaffen es die Pflanzen daher nur sich \u00fcber kurze Strecken auszubreiten.<br \/>\nHier kommen die Milliarden an Zugv\u00f6geln als Mitflugzentrale f\u00fcr Samen ins Spiel. Die V\u00f6gel k\u00f6nnten &#8211; so die Theorie &#8211; Samen \u00fcber weite Strecken transportieren und den Pflanzen helfen, neue Gebiete im Norden zu besiedeln.<br \/>\nOb das aber auch in der Praxis funktioniert, hat ein Team von 18 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dreizehn europ\u00e4ischen Forschungseinrichtungen unter Leitung der Universit\u00e4t C\u00e1diz \u00fcberpr\u00fcft. Sie konzentrierten sich auf Pflanzenarten mit fleischigen Fr\u00fcchten, weil sie besonders durch Zugv\u00f6gel gefressen und ausgebreitet werden und ein wichtiger Bestandteil gem\u00e4\u00dfigter und mediterraner Waldgebiete sind. Die Forschenden ermittelten in dreizehn W\u00e4ldern innerhalb S\u00fcd-, Mittel- und Nordeuropas von welchen Vogelarten solche Pflanzen gefressen werden und wo die Pflanzensamen daher potenziell an anderer Stelle wieder ausgeschieden werden k\u00f6nnten.<br \/>\nDas Ergebnis ist ern\u00fcchternd: &#8222;Nur 35 Prozent der Pflanzenarten mit fleischigen Fr\u00fcchten werden von Zugv\u00f6geln gefressen, die auf der R\u00fcckkehr aus den \u00dcberwinterungsgebieten sind und danach nordw\u00e4rts weiterfliegen&#8220;, berichtete Dr. J\u00f6rg Albrecht vom &#8222;Senckenberg Biodiversit\u00e4t und Klima Forschungszentrum&#8220; in Frankfurt. &#8222;Bei \u00fcber achtzig Prozent dieser Pflanzenarten waren die V\u00f6gel, die wir beim Fressen beobachtet haben, aber auf dem Weg in den S\u00fcden, also genau dahin, wo es die Pflanzen noch w\u00e4rmer haben.&#8220;<br \/>\nHinzukommt, dass die V\u00f6gel w\u00e4hrend des Zugs in ihre \u00dcberwinterungsgebiete im S\u00fcden ungef\u00e4hr dreimal so viel fressen wie auf ihrer Reise in ihre Brutgebiete im Norden. Aber es gibt noch ein zweites Problem: Nicht nur fliegen weniger Pflanzensamen gen Norden als Richtung S\u00fcden, sondern es werden auch nur bestimmte nah verwandte Arten mit speziellen Eigenschaften transportiert.<br \/>\nNur wenn eine Pflanze im Fr\u00fchjahr Fr\u00fcchte tr\u00e4gt in deren Inneren Samen stecken, k\u00f6nnen diese Samen auch von Zugv\u00f6geln gefressen werden, die gerade aus den \u00dcberwinterungsgebieten nach Norden in ihre Brutgebiete ziehen. Daher werden potenziell nur Samen von Pflanzenarten nach Norden transportiert, deren Fruchtperiode sich mit dem Fr\u00fchjahrszug \u00fcberschneidet wie beispielsweise Wacholder und Efeu.<br \/>\nZus\u00e4tzlich hat das Team noch eine weitere Entdeckung gemacht: Die Pflanzenarten werden fast ausschlie\u00dflich von pal\u00e4oarktischen V\u00f6geln gefressen und ausgebreitet. Diese V\u00f6gel haben ihr Winterquartier in S\u00fcdeuropa oder Nordafrika und kehren fr\u00fcher als weiter s\u00fcdlich \u00fcberwinternde afro-pal\u00e4arktische Zugv\u00f6gel zur\u00fcck.<br \/>\nEinige Arten, die auf dem europ\u00e4ischen Kontinent im Allgemeinen sehr h\u00e4ufig und zahlreich vorkommen, haben bei der Ausbreitung gen Norden sogar eine absolute Schl\u00fcsselrolle inne. F\u00fcr die Pflanzen mit fleischigen Fr\u00fcchten in den W\u00e4ldern des Mittelme<br \/>\nerraums ist das die M\u00f6nchsgrasm\u00fccke und in den W\u00e4ldern der gem\u00e4\u00dfigten Breiten die Amsel.<br \/>\n&#8222;Zugv\u00f6gel helfen tats\u00e4chlich Pflanzen mit dem Klimawandel Schritt zu halten, aber eben nur einer Minderheit und nur bestimmten Arten&#8220;, kommentierte Albrecht die Ergebnisse. &#8222;Dieser Filter wird die Bildung der neuen Pflanzengemeinschaften in n\u00f6rdlichen Gebieten stark beeinflussen und k\u00f6nnte in der neuen Heimat \u00d6kosystemleistungen wie zum Beispiel die Produktion von Pflanzenbiomasse und den Aufbau \u00f6kologischer Lebensgemeinschaften auf h\u00f6heren Ebenen der Nahrungskette, beeintr\u00e4chtigen.<br \/>\nZudem ist diese Form der Ausbreitung besonders an einzelne Vogelarten gebunden, von denen einige im Mittelmeerraum sowohl legal als auch illegal stark bejagt werden. Das macht den Transport st\u00f6ranf\u00e4lliger als die Verbreitung durch viele Vogelarten.&#8220;<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zugv\u00f6gel helfen nur bestimmten Pflanzenarten, in den Norden abzuwandern, wenn es im S\u00fcden zu warm wird. 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