{"id":7056,"date":"2021-05-19T18:27:34","date_gmt":"2021-05-19T16:27:34","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=7056"},"modified":"2021-05-19T18:27:34","modified_gmt":"2021-05-19T16:27:34","slug":"mischen-statt-maehen-licht-im-wald-foerdert-biodiversitaet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=7056","title":{"rendered":"Mischen statt m\u00e4hen: Licht im Wald f\u00f6rdert Biodiversit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Wo wegen der Landnutzung die pflanzliche Vielfalt abnimmt, leben weniger Insekten. Dort nimmt auch die Biodiversit\u00e4t ab <!--more--><br \/>\nWo die pflanzliche Vielfalt zur\u00fcckgeht, nimmt die Diversit\u00e4t der Insekten und damit die Biodiversit\u00e4t als Ganzes ab. So fehlen auf intensiv genutzten Wiesen und Weiden sowie in dunklen Buchenw\u00e4ldern Insekten, die sich auf Pflanzenarten spezialisiert haben, die dort nicht mehr vorkommen. Das zeigt eine von der Eidgen\u00f6ssischen Forschungsanstalt f\u00fcr Wald, Schnee und Landschaft WSL in der Schweiz koordinierte internationale Studie.<br \/>\nAn ihr waren auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen (JLU) und der Philipps-Universit\u00e4t beteiligt. Gef\u00f6rdert wurde die Studie vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) im Rahmen des &#8222;Schwerpunktprogramms Biodiversit\u00e4ts-Exploratorien&#8220; der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).<br \/>\n&#8222;Die Intensivierung der Landnutzung stellt eine gro\u00dfe Bedrohung f\u00fcr die biologische Vielfalt dar, unter anderem f\u00fcr pflanzenfressende Insekten und ihre Wirtspflanzen&#8220;, berichtete Prof. Dr. Till Kleinebecker vom Institut f\u00fcr Landschafts\u00f6kologie und Ressourcenmanagement der JLU. &#8222;Sind K\u00e4fer, Heuschrecken, Blattwanzen oder Zikaden nur auf eine oder sehr wenige Pflanzenarten spezialisiert, m\u00fcssen sie abwandern oder sie sterben lokal aus, wenn ihre Wirtspflanzen verschwinden.&#8220;<br \/>\nIst die vorhandene Nahrungspalette einer Insektenart hingegen artenreich, kann sie trotzdem \u00fcberleben, auch wenn die Pflanzenarten abnehmen. Das Zusammenspiel von Arten unterschiedlicher Organismengruppen ist entscheidend f\u00fcr die Stabilit\u00e4t eines \u00d6kosystems. Die Forscherinnen und Forscher aus Deutschland und der Schweiz untersuchten in den drei bis zu bis zu 1.300 Quadratkilometer gro\u00dfen Naturr\u00e4umen Schw\u00e4bische Alb in Baden-W\u00fcrttemberg, Hainich in Th\u00fcringen und Schorfheide in Brandenburg die Vielfalt der Pflanzen und Insekten sowie deren Wechselwirkungen.<br \/>\nMit ihrer Studie auf intensiv bis wenig bewirtschafteten Wiesen und Weiden sowie in unterschiedlich bewirtschafteten Buchen- und Nadelw\u00e4ldern wollten sie mehr \u00fcber das Zusammenspiel zwischen Pflanzen- und Insektenarten herausfinden, die lokale Netzwerke bilden. In den Gebieten mit einer Mischung aus naturnahen, aber auch stark von Menschen genutzten \u00d6kosystemen gingen die Forscherinnen und Forscher davon aus, sehr unterschiedliche Insektengemeinschaften vorzufinden.<br \/>\n&#8222;Da in diesen zum Teil auch Insektenarten vorkommen, die auf wenige Futterpflanzen spezialisiert sind, versprachen wir uns neue Einblicke in die Konsequenzen, die eine intensive Nutzung f\u00fcr die \u00f6kologische Stabilit\u00e4t von Gr\u00fcnland und W\u00e4ldern hat&#8220;, erl\u00e4uterte WSL-Insektenforscher Martin Gossner als Leiter der Studie. In ihr zeigte sich, dass Pflanzen-Insekten-Netzwerke in wenig beweidetem Gr\u00fcnland aus mindestens 70 Pflanzenarten und 80 pflanzenfressenden K\u00e4fer-, Heuschrecken-, Blattwanzen- und Zikadenarten bestehen. So bietet beispielsweise die Wilde M\u00f6hre, eine typische Pflanze m\u00e4\u00dfig bewirtschafteter Weiden, zahlreichen spezialisierten K\u00e4ferarten Nahrung.<br \/>\nAuf h\u00e4ufig gem\u00e4hten oder ged\u00fcngten Wiesen und Weiden konnten im Mittel weniger als 40 Pflanzenarten und weniger als 60 Insektenarten nachgewiesen werden. In seit Kurzem unbewirtschafteten W\u00e4ldern mit dichtem Baumbewuchs ist die Biodiversit\u00e4t mit durchschnittlich 25 Pflanzenarten und 30 Insektenarten deutlich geringer als in lichten W\u00e4ldern.<br \/>\nJenen Insekten, die nur wenige Baum- oder Krautarten als Nahrung nutzen k\u00f6nnen, fehlt dort die Lebensgrundlage. Hingegen dringt in W\u00e4ldern mit zahlreichen L\u00fccken im Kronendach viel Licht auf den Boden, so dass dort bis zu 80 Pflanzenarten und bis zu 50 pflanzenfressende Insektenarten der untersuchten Gruppen vorkommen.<br \/>\n&#8222;Licht f\u00f6rdert die Vielfalt an Pflanzen, die wiederum mehr Insektenarten als Nahrungsgrundlage dienen&#8220;, erkl\u00e4rte WSL-Forscher Felix Neff. &#8222;Gleichzeitig sind die Insektenarten weniger gef\u00e4hrdet, lokal auszusterben. Das System ist also stabiler.&#8220;<br \/>\nEr ist der Erstautor der nun in der renommierten Fachzeitschrift &#8222;Science Advances&#8220; erschienenen Publikation. Ein Beispiel f\u00fcr die stabilisierende Wirkung lichtdurchfluteter W\u00e4lder ist etwa die Brennnessel, die in ihnen bevorzugt vorkommt und Nahrungsquelle f\u00fcr viele spezialisierte Schmetterlingsraupen, R\u00fcsselk\u00e4fer, Blattzikaden und -wanzen ist.<br \/>\nWerden lichtere W\u00e4lder gef\u00f6rdert, erh\u00f6ht sich einerseits die Vielfalt an Bodenpflanzen, Str\u00e4uchern und B\u00e4umen. Zum anderen profitieren von dieser Pflanzenvielfalt auch die Insektenarten. Ebenfalls f\u00f6rderlich sind gemischte Best\u00e4nde aus verschiedenen Laub- und Nadelb\u00e4umen, die sich zudem als stabiler gegen\u00fcber dem fortschreitenden Klimawandel erweisen d\u00fcrften.<br \/>\nNimmt die pflanzliche Vielfalt hingegen ab, geht auch die Diversit\u00e4t der erfassten Insekten und damit die gesamte Biodiversit\u00e4t zur\u00fcck und die \u00d6kosysteme verarmen. F\u00fcr Gr\u00fcnland empfehlen die Forscherinnen und Forscher eine moderate Beweidung anstelle des intensiven M\u00e4hens, um vielf\u00e4ltige und stabile Insektengemeinschaften zu f\u00f6rdern.<br \/>\n&#8222;Diese Erkenntnisse lassen sich auch auf weite Teile Hessens oder Mitteleuropas insgesamt \u00fcbertragen&#8220;, betonte Kleinebecker.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo wegen der Landnutzung die pflanzliche Vielfalt abnimmt, leben weniger Insekten. 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