{"id":7033,"date":"2021-05-14T13:21:36","date_gmt":"2021-05-14T11:21:36","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=7033"},"modified":"2021-05-14T13:21:36","modified_gmt":"2021-05-14T11:21:36","slug":"bisher-uebersehen-forscher-fanden-funktion-von-protein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=7033","title":{"rendered":"Bisher \u00fcbersehen: Forscher fanden Funktion von Protein"},"content":{"rendered":"<p>Ein \u00fcbersehenes Protein wirkt im Hintergrund embryonaler Stammzellen. Eine internationale Forschungsgruppe beleuchtet erstmals, wie &#8222;SAMD1&#8220; zur Genregulation beitr\u00e4gt. <!--more--><br \/>\nDas bislang \u00fcbersehene Protein ist daran beteiligt, Gene zu hemmen, die zur Reifung von embryonalen Stammzellen beitragen. Das hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung Marburger Lebenswissenschaftler herausgefunden, nachdem es das Protein &#8222;SAMD1&#8220; in Datenbanken aufgesp\u00fcrt hatte. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen berichten in der Wissenschaftszeitschrift &#8222;Science Advances&#8220; \u00fcber ihre Ergebnisse.<br \/>\nDas Vererbungsmolek\u00fcl &#8222;DNA&#8220; als Tr\u00e4gerin der Erbinformation eines Organismus besteht aus vier Bausteinen. Abgek\u00fcrzt werden Adenin, Cytosin, Guanin und Thymin mit den Buchstaben &#8222;A&#8220;, &#8222;C&#8220;, &#8222;G&#8220; und &#8222;T&#8220;. Die Kombination dieser vier Molek\u00fcle reicht aus, um die Baupl\u00e4ne s\u00e4mtlicher Proteine jedes lebenden Organismus weiterzugeben.<br \/>\n&#8222;Die DNA dient aber auch dazu, die Produktion der Proteine genau zu regulieren&#8220;, erkl\u00e4rte Leitautor Dr. Robert Liefke vom Institut f\u00fcr Molekularbiologie und Tumorforschung der Philipps-Universit\u00e4t. H\u00e4ufen sich an einer Stelle der DNA die Bausteine C und G, so spricht die Fachwelt von einer CG-Insel.<br \/>\n&#8222;Diese Abschnitte bilden Schl\u00fcsselstellen f\u00fcr die Steuerung von Genen&#8220;, legte der Biochemiker dar. &#8222;Aber wie sie dazu beitragen, Gene an- oder abzuschalten, war bislang wenig fassbar.&#8220;<br \/>\nLiefke und sein Team forschten systematisch nach Proteinen, die an CG-Inseln andocken; Daf\u00fcr durchsuchten sie insbesondere Datenbanken und einschl\u00e4gige Ver\u00f6ffentlichungen.<br \/>\n&#8222;In den vergangenen Jahren ist die Menge an verf\u00fcgbarer Literatur, an Daten und computergest\u00fctzten Werkzeugen exponentiell gestiegen&#8220;, berichtete Liefkes Mitarbeiter Dr. Bastian Stielow. Er ist ein weiterer Leitautor der Fachpublikation.<br \/>\nDie Forschungsgruppe nutzte die \u00f6ffentlich verf\u00fcgbaren Informationen und stie\u00df dabei auf das Protein &#8222;SAMD1&#8220;. Gemeinsam mit internationalen Kolleginnen und Kollegen fand das Team heraus, dass &#8222;SAMD1&#8220; an CG-Inseln andockt, die in einer bestimmten chemischen Form vorliegen. Erstaunlicherweise war das Protein bislang kaum erforscht.<br \/>\nWie die weiteren Untersuchungen ergaben, wirkt &#8222;SAMD1&#8220; mit anderen Proteinen zusammen, um die Verpackung der DNA an denjenigen Stellen chemisch zu ver\u00e4ndern, an denen sich CG-Inseln befinden. Die Verpackung tr\u00e4gt zur korrekten Umsetzung der Gene in Proteine bei.<br \/>\n&#8222;Unsere Ergebnisse etablieren SAMD1 als einen neuen Faktor, der die Verpackung der DNA dort steuert, wo sich CG-Inseln befinden&#8220;, fasste Liefke die Ergebnisse der Arbeit zusammen. Welche Bedeutung dem Protein &#8222;SAMD1&#8220; zukommt, zeigt sich an embryonalen Stammzellen. Fehlt SAMD1, so kommt es zu Fehlern bei der Reifung der Stammzellen, fand das Team in Zellkulturexperimenten heraus.<br \/>\nWarum aber stie\u00df die Wissenschaft nicht schon fr\u00fcher auf &#8222;SAMD1&#8220;? Warum ger\u00e4t das Molek\u00fcl erst jetzt in den Fokus der Forschung? Liefke und Stielow stellten fest, dass sowohl Datenbanken als auch die wissenschaftliche Literatur falsche oder unvollst\u00e4ndige Informationen \u00fcber das Protein enthalten.<br \/>\nSo scheint es bisweilen zu einer Verwechslung mit einem anderen Protein gekommen zu sein: Dieses Protein ist wissenschaftlich sehr gut untersucht und tr\u00e4gt die ganz \u00e4hnliche Kurzbezeichnung &#8222;SMAD1&#8220;. &#8222;Es lohnt sich, Suchmaschinen und rechnerbasierte Werkzeuge zu nutzen, um die verf\u00fcgbare Literatur und Datenbanken kritisch zu durchforsten und bislang \u00fcbersehene Molek\u00fcle zu entdecken&#8220;, res\u00fcmierte Liefke.<br \/>\nDie Lebenswissenschaften geh\u00f6ren zu den Forschungsschwerpunkten der Philipps-Universit\u00e4t. Der Biochemiker Liefke leitet eine Nachwuchsgruppe am Institut f\u00fcr Molekularbiologie und Tumorforschung der Philipps-Universit\u00e4t.<br \/>\nNeben seinem Team sowie weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Philipps-Universit\u00e4t beteiligten sich Forscherinnen und Forscher aus K\u00f6ln, Boston in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und Peking in China an der Ver\u00f6ffentlichung. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Fritz-Thyssen-Stiftung, die American Cancer Society sowie die Nationale Stiftung Chinas f\u00fcr Naturwissenschaften unterst\u00fctzten beteiligte Forscherinnen und Forscher finanziell.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein \u00fcbersehenes Protein wirkt im Hintergrund embryonaler Stammzellen. 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