{"id":7018,"date":"2021-05-10T15:12:38","date_gmt":"2021-05-10T13:12:38","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=7018"},"modified":"2021-05-10T15:12:38","modified_gmt":"2021-05-10T13:12:38","slug":"sprachen-leben-neues-graduiertenkolleg-erhaelt-fast-3-millionen-euro","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=7018","title":{"rendered":"Sprachen leben: Neues Graduiertenkolleg erh\u00e4lt fast 3 Millionen Euro"},"content":{"rendered":"<p>Die DFG f\u00f6rdert das neue Graduiertenkolleg &#8222;Dynamik und Stabilit\u00e4t sprachlicher Repr\u00e4sentationen&#8220; an der Philipps-Universit\u00e4t mit knapp 3 Millionen Euro. Damit entsteht in Marburg ein einmaliges Umfeld f\u00fcr die sprachwissenschaftliche Promotion. <!--more--><br \/>\nSprachen sind variationsreich und im st\u00e4ndigen Wandel, sei es im Wortschatz oder in der Aussprache von W\u00f6rtern. Ist man Teil der jeweiligen Sprachgemeinschaft, f\u00e4llt das Verst\u00e4ndnis in der Regel trotzdem nicht schwer. Die Sprach- und Kognitionswissenschaft erkl\u00e4rt das mit sogenannten &#8222;sprachlichen Repr\u00e4sentationen&#8220;.<br \/>\nDabei handelt es sich um mentale Konzepte, die eine Zuordnung von W\u00f6rtern zu ihren Bedeutungen erm\u00f6glichen, trotz Mehrsprachigkeit, Variet\u00e4ten und Dialekten. Doch auch sprachliche Repr\u00e4sentationen unterliegen einem Wechselspiel aus Flexibilit\u00e4t und Kontinuit\u00e4t. In einem neuen Graduiertenkolleg (GRK) an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg sollen sie nun genauer erforscht werden.<br \/>\nDas GRK &#8222;Dynamik und Stabilit\u00e4t sprachlicher Repr\u00e4sentationen&#8220; vereint innovative Herangehensweisen der Variations-, Psycho- und Neurolinguistik. Damit bietet es Promovierenden der Germanistik, Linguistik sowie Psychologie, Biologie und Neurowissenschaften ein einzigartiges Forschungsumfeld. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) f\u00f6rdert das GRK mit knapp 3 Millionen Euro \u00fcber zun\u00e4chst 4,5 Jahre.<br \/>\nDie Sprecherrolle f\u00fcr das neue GRK teilen sich Prof. Dr. Mathias Scharinger und Prof. Dr. Christina Kauschke. &#8222;Damit innerhalb einer Sprachgemeinschaft sprachliche Kommunikation gelingen kann, muss es unter den Sprecherinnen und Sprechern gewisserma\u00dfen Konsens \u00fcber linguistische Basiskategorien und ihre Realisierungen geben&#8220;, erkl\u00e4rte Scharinger. &#8222;Allerdings sind die tats\u00e4chlichen Realisierungen sehr heterogen, schon allein in der individuellen Aussprache von Sprachlauten.&#8220;<br \/>\nEin Beispiel ist der Vergleich zwischen dem niederdeutschen Wort &#8222;Appel&#8220; und dem standarddeutschen Wort &#8222;Apfel&#8220;. F\u00fcr das Sprachverst\u00e4ndnis m\u00fcssen Sprecherinnen und Sprecher in der Lage sein, die beiden unterschiedlichen W\u00f6rter auf das gleiche Konzept (Obstsorte) abzubilden. In diesem Fall m\u00fcssen sie also zwischen unterschiedlichen Lauten eine systematische Beziehung herstellen.<br \/>\nDas geschieht \u00fcber sprachliche Repr\u00e4sentationen, die essenziell f\u00fcr die Prozesse des Sprachverstehens und der Sprachproduktion sind. Repr\u00e4sentationen sind feste mentale Einheiten, die gleichzeitig flexibel sein m\u00fcssen. &#8222;Damit ist dies ein sehr spannendes Forschungsfeld f\u00fcr die sprachwissenschaftliche Forschung und angrenzende kognitionswissenschaftliche Disziplinen&#8220;, sagte Kauschke.<br \/>\nAm GRK sollen in verschiedenen Teilbereichen nun bisherige Annahmen und Theorien vereint und empirisch fundiert werden. Zum einen sollen neurolinguistische Erkenntnisse gewonnen werden, die ein besseres Verst\u00e4ndnis dar\u00fcber erm\u00f6glichen, wie sprachliche Repr\u00e4sentationen auf Ged\u00e4chtnisinhalte abgebildet werden und auf welchen Ebenen sie sich dynamisch ver\u00e4ndern. Au\u00dferdem soll der Erwerb derartiger Repr\u00e4sentationen unter verschiedenen Erwerbsbedingungen (zum Beispiel kindlicher Spracherwerb oder Zweitspracherwerb) untersucht werden.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus soll es um die M\u00f6glichkeiten der Ver\u00e4nderbarkeit von Repr\u00e4sentationen, zum Beispiel durch gezielte Interventionen, gehen. Schlie\u00dflich spielen die Variabilit\u00e4t und die Ver\u00e4nderung von sprachlichen Repr\u00e4sentationen, auch und gerade im Vergleich zu unterschiedlichen Dialekten des Deutschen, eine wichtige Rolle. Dieser Vergleich wird durch die Dialektdokumentation des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas der Philipps-Universit\u00e4t wesentlich gest\u00fctzt.<br \/>\nAlle Teilbereiche sollen \u00fcber eine theoretische Modellierung verbunden werden. &#8222;Denn dass trotz aller Variation ein stabiler Bezug auf die mit der Wortform verbundenen Konzepte m\u00f6glich ist und eine Verst\u00e4ndigung in der Regel gelingt&#8220;, erl\u00e4uterte Scharinger. Das &#8222;verlangt nach einem plausiblen Erkl\u00e4rungsmodell. Dieses Modell wird in unserem GRK angestrebt.&#8220;<br \/>\nDas wissenschaftliche Verst\u00e4ndnis von Sprache ist seit langem ein wichtiger Forschungsschwerpunkt der Philipps-Universit\u00e4t. Insbesondere auf den Gebieten der Sprachdynamik und Sprachkognition ist die Marburger Sprachforschung exzellent aufgestellt.<br \/>\n&#8222;Ich freue mich, dass Promovierende nun noch st\u00e4rker davon profitieren werden&#8220;, erkl\u00e4rte Universit\u00e4tspr\u00e4sidentin Prof. Dr. Katharina Krause. &#8222;Das neue Graduiertenzentrum bietet ihnen ein einzigartiges Forschungsumfeld und verspricht neue, spannende Erkenntnisse \u00fcber den Zusammenhang von Sprache und Gehirn.&#8220;<br \/>\nAm GRK werden initial 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt sein. Mit dem Institut f\u00fcr Germanistische Sprachwissenschaft und dem Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas bildet die Philipps-Universit\u00e4t ein breites Spektrum linguistischer Disziplinen ab &#8211; von germanistischer Sprachwissenschaft \u00fcber Phonetik und Spracherwerbforschung bis zur Neurolinguistik und Klinischen Linguistik. Durch die direkte Anbindung des neuen &#8222;GRK an das Center for Mind, Brain, and Behavior&#8220; (CMBB) wird zudem der Zugang zu einem sehr guten neurowissenschaftlichen Netzwerk in Mittelhessen gew\u00e4hrleistet.<br \/>\n&#8222;Die synergetischen Effekte der unterschiedlichen Expertisen kommen hier gezielt der akademischen Ausbildung der Promovierenden zugute&#8220;, hob Kauschke hervor. Eine intensive Betreuung, eine optimale soziale und lokale Infrastruktur sowie hervorragende nationale und internationale Vernetzungen des Fachbereichs stellen weitere wichtige S\u00e4ulen des Qualifikations-und Betreuungskonzeptes dar. &#8222;Wir schlie\u00dfen damit eine L\u00fccke in der linguistischen Nachwuchsf\u00f6rderung und bauen unsere zukunftsweisende Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses aus&#8220;, freute sich Scharinger.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die DFG f\u00f6rdert das neue Graduiertenkolleg &#8222;Dynamik und Stabilit\u00e4t sprachlicher Repr\u00e4sentationen&#8220; an der Philipps-Universit\u00e4t mit knapp 3 Millionen Euro. 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