{"id":6375,"date":"2021-01-20T13:08:06","date_gmt":"2021-01-20T12:08:06","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=6375"},"modified":"2021-01-20T13:08:06","modified_gmt":"2021-01-20T12:08:06","slug":"eingaengig-behandelt-marburg-erhaelt-die-dritte-gemeindeschwester-2-0","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=6375","title":{"rendered":"Eing\u00e4ngig behandelt: Marburg erh\u00e4lt die dritte &#8222;Gemeindeschwester 2.0&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Das Projekt &#8222;Gemeindeschwester 2.0&#8220; hat Zuwachs bekommen. Seit Jahresbeginn k\u00fcmmern sich drei &#8222;Gemeindeschwestern&#8220; um Bed\u00fcrftige in den Marburger Au\u00dfenstadtteilen. <!--more--><br \/>\nViele Menschen in Marburg leben bis ins hohe Alter selbst\u00e4ndig. F\u00fcr ein gutes und selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier W\u00e4nden ist eine aufsuchende Beratung von professionellen Soziallotsinnen hilfreich. Das bieten die &#8222;Gemeindeschwestern 2.0&#8220; der Stadt Marburg in den Au\u00dfenstadtteilen. Seit Beginn des Jahres 2021 komplettiert nun Silke Plessl neben Sina Gattinger und Martina Heinzer das Gemeindeschwestern-Team.<br \/>\n&#8222;Gemeindeschwester &#8211; diesen Begriff kennen viele von uns noch aus anderen Zeiten&#8220;, blickte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies auf die Geschichte der &#8222;Gemeindeschwester&#8220; zur\u00fcck. &#8222;Das war bis etwa zum Ende der 1980er Jahre quasi die gute Seele eines kleinen Ortes, die alle kannten und die half, wo sie gebraucht wurde. H\u00e4ufig waren es gelernte Krankenschwestern, die kamen, wenn sie gerufen wurden.&#8220; Den Beruf gibt es heute nicht mehr, wohl aber eine Neuauflage der Funktion &#8211;<br \/>\num eine Angebotsl\u00fccke zu schlie\u00dfen zwischen sozialer und gesundheitlicher Unterst\u00fctzung f\u00fcr \u00e4ltere Menschen, die keine Leistungen aus der Pflegekasse beziehen. &#8222;Dabei legen wir den Fokus darauf, dass aus mehr (Lebens-) Jahren auch mehr gute Jahre werden&#8220;, erkl\u00e4rte Spies.<br \/>\nDabei ist die &#8222;Gemeindeschwester 2.0&#8220; eine &#8222;Soziallotsin&#8220;, die gern kommt, wenn sie gerufen wird. Moderne Gemeindeschwestern verstehen sich als Begleiterinnen, Unterst\u00fctzerinnen und Netzwerkerinnen, berichteten Marburgs Gemeindeschwestern. Dabei begleiten sie in der Beratung und in Lebenssituationen, aber nicht etwa zum Arzt oder zu Veranstaltungen. F\u00fcr die l\u00e4ndlichen Au\u00dfenstadtteile sind die Soziallotsinnen Sina Gattinger, Martina Heinzer und &#8211; seit Jahresbeginn &#8211; Silke Plessl.<br \/>\nSpies begr\u00fc\u00dfte die 46-j\u00e4hrige Mitarbeiterin, die nun das Marburger Gemeindeschwester-Team komplettiert. &#8222;Wir freuen uns sehr, dass Sie nunvor Ort in den Stadtteilen mit dabei sind und uns bei unserem Anspruch unterst\u00fctzen, dass niemand allein gelassen wird&#8220;, erkl\u00e4rte der Oberb\u00fcrgermeister, dem das Projekt sehr am Herzen liegt. Daher sei er besonders dankbar daf\u00fcr, dass es nun drei Menschen gibt, &#8222;die mit Engagement, Zuwendung und Liebe dabei sind&#8220;.<br \/>\nDas geh\u00f6rt zum Konzept von &#8222;Gut \u00c4lterwerden in Marburg&#8220;. &#8222;Durch die 2010 geschaffene Altenplanung sowie das Beratungszentrum BiP ist in Marburg &#8222;Gut \u00c4lterwerden&#8220; eine zentrale Aufgabe von Politik und Verwaltung&#8220;, erl\u00e4uterte der Oberb\u00fcrgermeister.<br \/>\n&#8222;In diesem hessenweit einmaligen Kooperationsprojekt BiP arbeiten verschiedene Anbieter eng zusammen&#8220;, berichtete Dr. Petra Engel vom st\u00e4dtischen Fachdienst Altenplanung, und nannte als Beispiele das Pflegeb\u00fcro und die Altenhilfe\/Seniorenbeirat,die Alzheimer Gesellschaft, die Freiwilligenagentur,den Marburger Betreuungsverein SuB sowie den Pflegest\u00fctzpunkt des Landkreises. Ratsuchende k\u00f6nnen f\u00fcr Information und Beratung zum BiP kommen &#8211; die Gemeindeschwestern kommen kostenlos zu Sprechstunden in die Stadtteile und auf Wunsch zu den Ratsuchenden nach Hause.<br \/>\nSie vermitteln Begegnung oder Hilfe, wenn Bedarf besteht. Sie bieten individuelle und passgenaue Empfehlungen und geben Tipps zu sozialer Teilhabe, Wohnen und Gesundheit. Ohne Zeitdruck k\u00f6nnen \u00e4ltere Menschen mit ihnen ihre Lebenssituation besprechen, von ihren Bed\u00fcrfnissen, Anliegen und Sorgen berichten.<br \/>\nDas kann pers\u00f6nlich oder telefonisch geschehen. Im Gegensatz zu fr\u00fcheren Gemeindeschwestern \u00fcbernehmen sie keine pflegerischen und b\u00fcrokratischen Hilfen.<br \/>\nDabei ist Gattinger in den westlichen Stadtteilen Cyriaxweimar, Dagobertshausen, Dilschhausen, Elnhausen, Haddamshausen, Hermershausen, Michelbach und Wehrshausen t\u00e4tig. Die 41-j\u00e4hrige Gemeindeschwester ist staatlich anerkannte Erzieherin. Derzeit absolviert sie eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin.<br \/>\nSeit vielen Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit. Mit ihrer f\u00fcnfk\u00f6pfigen Familie lebt sie in einem Ortsteil von Lohra.<br \/>\n&#8222;Ich unterst\u00fctze und begleite mit Freude \u00c4ltere bei den Herausforderungen des Lebens&#8220;, berichtete sie. Die Aufgabe erf\u00fclle sie. Besonders positiv hob sie einen Aspekt der Arbeit hervor: &#8222;Wir haben einfach Zeit f\u00fcr die \u00e4lteren Menschen.&#8220;<br \/>\nDas sei etwas, das viele schon gar nicht mehr kennen &#8211; dass jemand einfach da ist und in Ruhe zuh\u00f6rt, um gemeinsam Wege und L\u00f6sungen zu finden.<br \/>\nHeinzer ist Ansprechpartnerin f\u00fcr die \u00f6stlichen Au\u00dfenstadtteile &#8211; Bauerbach, Ginseldorf, Moischt und Schr\u00f6ck. Die Krankenschwester mit jahrelanger Berufs- und Beratungserfahrung hat ihre Fortbildung zur Wohnberatung abgeschlossen. Die 57-j\u00e4hrige Gemeindeschwester lebt mit ihrer Familie in Niederweimar.<br \/>\nSie ber\u00e4t gerne \u00c4ltere, &#8222;um deren Alltag zu erleichtern&#8220;, sagte sie. Dabei sei es ihr ein Anliegen, &#8222;dabei zu helfen, drohende Isolation m\u00f6glichst zu vermeiden&#8220;. F\u00fcr die T\u00e4tigkeit als Gemeindeschwester sei vor allem Empathie-F\u00e4higkeit wichtig.<br \/>\nDarunter versteht sie das Einf\u00fchlverm\u00f6gen in die Bed\u00fcrfnisse und Belange der \u00e4lteren Menschen. &#8222;F\u00fcr viele ist es gar nicht so einfach, Hilfe in Anspruch zu nehmen&#8220;, wei\u00df sie.<br \/>\nPlessl verst\u00e4rkt das Team der &#8222;Gemeindeschwestern 2.0&#8220; seit Anfang 2021 und wird ebenfalls in den westlichen Stadtteilen t\u00e4tig sein. Als Familienlotsin arbeitete sie aufsuchend mit jungen Familien und steht am Ende ihres Studiums der Sozialen Arbeit. Die 46-j\u00e4hrige Gemeindeschwester lebt mit Familie und Tieren in Gro\u00dfseelheim.<br \/>\n&#8222;Ich freue mich auf Kontakte mit \u00c4lteren besonders in der aktuell schwierigen Zeit&#8220;, erkl\u00e4rte sie. &#8222;Das ist das Besondere an den drei Gemeindeschwestern &#8211; jede von ihnen bringt besondere spezifische Kenntnisse mit, die Themen bewegen, die die \u00e4lteren Menschen wegen, etwa die Alltagsgestaltung, Wohnberatung oder Trauer-Verarbeitung. Oder eben Erfahrung mit aufsuchender Arbeit&#8220;, fasste Dr. Petra Engel zusammen.<br \/>\nDie Soziallotsinnen nannten Beispiele f\u00fcr Fragen, die h\u00e4ufig an sie gerichtet werden &#8211; wie etwa von \u00c4lteren, die sich nach einer abgeschlossenen Lebensphase neu orientieren m\u00f6chten oder isoliert f\u00fchlen und mehr Begegnung und Teilnahme am Leben w\u00fcnschen. H\u00e4ufig seien auch Fragen, wie der Wohnraum an die ver\u00e4nderten Bed\u00fcrfnisse angepasst werden kann, oder wie hauswirtschaftliche oder pflegerische Unterst\u00fctzung organisiert werden k\u00f6nnen. Viele treibt auch die Frage um, wie sich die gesundheitliche Situation verbessern beziehungsweise erhalten l\u00e4sst oder wie Erkrankungen und Beeintr\u00e4chtigungen vorgebeugt werden kann.<br \/>\nNeben der pers\u00f6nlichen Beratung st\u00e4rken die Soziallotsinnen \u00f6rtliche Angebote, bilden Netzwerke und arbeiten eng mit Ortsvorsteher*innen und Initiativen,Altenplanung, Pflegeb\u00fcro, Pflegest\u00fctzpunkt und &#8222;In W\u00fcrde Teilhaben&#8220;, der Freiwilligenagentur und weiteren sozialen Dienstleistern und Organisationen zusammen. Und auch trotz der Corona-Pandemie geht die Arbeit der Gemeindeschwestern weiter. So wirkten sie beispielsweise bei der &#8222;Corona-Hotline&#8220; mit, entwickelten in Kooperation mit dem Pflegeb\u00fcro, &#8222;In W\u00fcrde teilhaben&#8220; und der &#8222;Gesunden Stadt&#8220; die &#8222;Marburger-Mut-Mach-T\u00fcte&#8220;, bieten Gespr\u00e4che auf Abstand beziehungsweise im Freien und erstellten Begleithefte f\u00fcr Senior*innen in den westlichen und \u00f6stlichen Stadtteilen, um eine rasche \u00dcbersicht \u00fcber bestehende Angebote zu geben.<br \/>\nDies ist ohnehin ein Kennzeichen von &#8222;Gut \u00c4lterwerden&#8220;in der Universit\u00e4tsstadt: &#8222;Wir lassen uns immer etwas einfallen, um gemeinsam mit vielen \u00e4lteren Menschen in Marburg zu signalisieren, dass sie wichtiges Glied der Gemeinschaft sind und nicht allein gelassen werden&#8220;, sagte Dr. Petra Engel und nannte einige Beispiele f\u00fcr Angebote vor und auch w\u00e4hrend der Corona-Pandemie: vielf\u00e4ltigste Aktivit\u00e4ten in den Stadtteilen, etwa Balkon-Gespr\u00e4che, liebevolle Postsendungen, ein wanderndes Tagebuch oder Musik in der Stra\u00dfe.<br \/>\nDaneben haben Altenplanung und weitere Initiativen neue und seniorengerechte digitale &#8222;Gehversuche&#8220; unternommen. Weitere Angebote sind die Corona-Nachbarschaftshilfe und das &#8222;Offene Ohr&#8220; als Gespr\u00e4chsm\u00f6glichkeit am Telefon. Die enge Zusammenarbeit zwischen \u00f6rtlich Engagierten und dem BiP mache sich jetzt ganz besonders bezahlt, sagte Engel und erg\u00e4nzte: &#8222;Telefonische Beratungen und Gespr\u00e4che sind weiterhin und gerade jetzt m\u00f6glich, sowie in besonderen Situationen auch Hausbesuche der Gemeindeschwestern- unter Einhaltung der geltenden Hygienema\u00dfnahmen.&#8220;<br \/>\nDerSchwung zum Engagement von, mit und f\u00fcr \u00c4ltereist auch im Jahr 2021 ungebremst. So gaben die Soziallotsinnen abschlie\u00dfend noch einen Ausblick auf die Arbeit im aktuellen Jahr: So sind etwa regelm\u00e4\u00dfige Sprechstunden in den Au\u00dfenstadtteilen in Vorbereitung beziehungsweise werden wieder aufgegriffen, um die pers\u00f6nliche Kontaktaufnahme f\u00fcr Ratsuchende, Angeh\u00f6rige und Kooperationspartner*innen zu erleichtern. Es soll daran mitgearbeitet werden, die Mobilit\u00e4t f\u00fcr Ratsuchende zu verbessern. Au\u00dferdem sind Vortr\u00e4ge, Info- und Pr\u00e4ventionsveranstaltungen, auch mit anderen Vereinen oder dem Pflegeb\u00fcro, in der Senior*innenarbeit der Stadtteile vor Ort geplant.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus soll es erneut einen Senior*innenbegleitkurs f\u00fcr Ehrenamtliche in Zusammenarbeit mit der Freiwilligenagentur geben, der bereits im vergangenen Jahr auf positive Resonanz und gro\u00dfes Interesse gesto\u00dfen ist. Doch vor allem w\u00fcnschen sich die Soziallotsinnen eines: wieder die M\u00f6glichkeit, sich den \u00e4lteren Menschen in den zw\u00f6lf \u00e4u\u00dferen Stadtteilen pers\u00f6nlich vorstellen zu k\u00f6nnen &#8211; etwa bei Senior*innengymnastik oder Mittagstischen -, um sich noch mehr bekannt zu machen. Das ist eine wichtige Grundvoraussetzung f\u00fcr ihre Arbeit, denn: &#8222;Die \u00e4lteren Menschen m\u00fcssen sich an uns wenden, denn wir dr\u00e4ngen uns niemandem auf oder klingeln auch nicht einfach an Haust\u00fcren.&#8220;<br \/>\nIm April 2019 startete das Pilotprojekt &#8222;Gemeindeschwester 2.0&#8220; der Universit\u00e4tsstadt in Kooperation mit der Altenplanung und der Marburger Altenhilfe St. Jakob, gef\u00f6rdert vom Hessischen Ministerium f\u00fcr Soziales und Integration im Rahmen der Offensive &#8222;Land hat Zukunft &#8211; Heimat Hessen&#8220;. Ziel ist es, dass \u00e4ltere Menschen in den l\u00e4ndlichen Au\u00dfenstadtteilen m\u00f6glichst lange sozial intergiertin ihrer gewohnten Umgebung bleiben k\u00f6nnen. Daf\u00fcr stehen ihnen die &#8222;Gemeindeschwestern 2.0&#8220; zur Seite und vermitteln bei Bedarf auch weiter, etwa ans Beratungszentrum mit integriertem Pflegest\u00fctzpunkt (BiP). Seit 2020 steht dieses Angebot f\u00fcr alle zw\u00f6lf \u00e4u\u00dfere Stadtteile mit d\u00f6rflichem Charakter zur Verf\u00fcgung. F\u00fcr die Kernstadt gibt es ein Parallelprojekt in Kooperation mit &#8222;Arbeit und Bildung&#8220;, das sich &#8222;In W\u00fcrde Teilhaben&#8220; nennt. Erreichbar sind die Gemeindeschwestern kostenfrei und unverbindlich von Montag bis Freitag zwischen 9 und 13 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 17 Uhr, telefonisch unter (06421) 201-1462 oder per E-Mail an gemeindeschwester@marburg-stadt.de.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Projekt &#8222;Gemeindeschwester 2.0&#8220; hat Zuwachs bekommen. 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