{"id":6321,"date":"2021-01-08T17:34:10","date_gmt":"2021-01-08T16:34:10","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=6321"},"modified":"2021-01-08T17:34:10","modified_gmt":"2021-01-08T16:34:10","slug":"moegliche-diskriminierung-studie-untersucht-karrieren-von-politologinnen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=6321","title":{"rendered":"M\u00f6gliche Diskriminierung: Studie untersucht Karrieren von Politologinnen"},"content":{"rendered":"<p>Eine Studie der Universit\u00e4ten Marburg und Wuppertal zeigt Erfolgsfaktoren auf dem Weg zur politikwissenschaftlichen Professur . Demnach scheitert die Gleichberechtigung lange vor der Habilitation. <!--more--><br \/>\nDie Studie unter Federf\u00fchrung des Instituts f\u00fcr Soziologie der Philipps-Universit\u00e4t untersucht, welche Faktoren den Weg zur Professur in der Politikwissenschaft beg\u00fcnstigen. Daf\u00fcr haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Philipps-Universit\u00e4t und der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal Daten von \u00fcber 1.400 Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftlern in Deutschland untersucht. Ein wesentlicher Fokus lag dabei auch auf der Frage, warum Frauen in der Politikwissenschaft nach wie vor unterrepr\u00e4sentiert sind.<br \/>\n\u00dcber ihre Ergebnisse berichtet das Forschungsteam in #&#8220;PLOS ONE&#8220;. Prof. Dr. Martin Schr\u00f6der vom Institut f\u00fcr Soziologie der Philipps-Universit\u00e4t erl\u00e4uterte die Ergebnisse: &#8222;Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stehen unter gro\u00dfem Druck. Das deutsche Wissenschaftssystem unterliegt dem Alles-oder-nichts-Prinzip. Entweder man schafft es in eine Professur; oder man ist raus.&#8220;<br \/>\nDie Studie hat er gemeinsam mit Prof. Dr. Mark Lutter von der Bergischen Universit\u00e4t Wuppertal und Doktorandin Isabel Habicht durchgef\u00fchrt. &#8222;Eine wichtige Frage f\u00fcr junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist daher, welche Faktoren erfolgversprechend sind, um eine Professur zu erlangen. Genau dieser Frage widmen wir uns. Ganz wichtig war uns dabei, auch die Chancen f\u00fcr Frauen in der Politikwissenschaft zu betrachten.&#8220;<br \/>\nEs gibt viele politikwissenschaftliche Studien, die sich mit der Rolle der Frau im politischen Geschehen auseinandersetzen. Sie widmen sich Fragen wie &#8222;Warum sind Frauen seltener Parlamentarierinnen, Parteivorsitzende oder Ministerinnen?&#8220;<br \/>\nBislang sei aber unklar, warum Frauen in der Politikwissenschaft an sich weniger erfolgreich sind als M\u00e4nner. &#8222;Genau darauf m\u00f6chten wir eine Antwort finden&#8220;&#8220;, saget Schr\u00f6der.<br \/>\nIn der Studie wurden Daten von \u00fcber 1.400 Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftlern ausgewertet, von denen 247 M\u00e4nner und 109 Frauen eine Professur innehaben. Innerhalb der Studie wurden verschiedene Faktoren untersucht. Unter anderem beleuchtete sie die Zeit seit der ersten Publikation oder seit der Habilitation, internationale Aufenthalte, Abschl\u00fcsse und Auszeichnungen, Drittmittel oder auch die Elternschaft.<br \/>\nDie Daten zeigen, dass sowohl die Anzahl als auch die Qualit\u00e4t von Publikationen eine wichtige Rolle f\u00fcr den akademischen Erfolg in der Politikwissenschaft spielen. &#8222;Kann eine Kandidatin oder ein Kandidat viele Publikationen in renommierten Fachzeitschriften vorweisen, tr\u00e4gt das erheblich zur Legitimierung einer Professur bei&#8220;, erl\u00e4uterte Schr\u00f6der. &#8222;Doch unsere Ergebnisse zeigen auch, dass nicht nur die Produktivit\u00e4t eine Rolle spielt.&#8220;<br \/>\nDamit schl\u00e4gt die Studie in eine Kerbe, die vielen Sorgen bereitet. Z\u00e4hlt im Wissenschaftssystem am Ende nur noch, wer am meisten Geld und Prestige mitbringt?<br \/>\n&#8222;Ja, Forscherinnen und Forscher, die Geld mitbringen, sind w\u00fcnschenswertere Kandidatinnen und Kandidaten&#8220; stellte Schr\u00f6der fest. &#8222;Eine F\u00f6rderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Beispiel signalisiert Potenzial f\u00fcr zuk\u00fcnftige Forschungsergebnisse. Auch das Prestige einer Promotion an einer renommierten internationalen Universit\u00e4t beispielsweise spielt eine Rolle.&#8220;<br \/>\nDas gelte aber tats\u00e4chlich vor allem f\u00fcr ausl\u00e4ndische Universit\u00e4ten. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihren gesamten Karriereweg an einer oder mehreren deutschen Exzellenzuniversit\u00e4ten absolvierten, mindern sogar ihre Chance auf eine politikwissenschaftliche Professur.<br \/>\nDas sei &#8222;eine \u00fcberraschende Erkenntnis, die wir in jedem Fall in weiteren Studien weiter untersuchen m\u00f6chten&#8220;, erkl\u00e4rte Schr\u00f6der. Belege f\u00fcr die Benachteiligung von Frauen bei der Besetzung von Professuren in der Politikwissenschaft konnten Schr\u00f6der und sein Team nicht finden. Im Gegenteil haben Frauen mit vergleichbarer Produktivit\u00e4t 32 Prozent h\u00f6here Chancen, eine Professur zu erhalten als M\u00e4nner.<br \/>\nDoch was erkl\u00e4rt dann, dass es wesentlich weniger Professorinnen gibt als Professoren? &#8222;Unsere Daten legen nahe, dass Frauen den Wissenschaftsbetrieb verlassen, bevor sie \u00fcberhaupt f\u00fcr eine Professur in Frage kommen&#8220;, berichtete Schr\u00f6der. &#8222;Zur F\u00f6rderung von Frauen in der Politikwissenschaft sollte man sich also auch darauf konzentrieren, warum Frauen die Wissenschaft verlassen, anstatt anzunehmen, dass sie bei der Besetzung von Professuren benachteiligt werden.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Studie der Universit\u00e4ten Marburg und Wuppertal zeigt Erfolgsfaktoren auf dem Weg zur politikwissenschaftlichen Professur . 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