{"id":6313,"date":"2021-01-07T15:13:06","date_gmt":"2021-01-07T14:13:06","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=6313"},"modified":"2021-01-07T15:13:06","modified_gmt":"2021-01-07T14:13:06","slug":"molekulares-signal-zellulaere-zusammenhaenge-bei-eierstockkrebs-untersucht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=6313","title":{"rendered":"Molekulares Signal: Zellul\u00e4re Zusammenh\u00e4nge bei Eierstockkrebs untersucht"},"content":{"rendered":"<p>Marburger Forscher haben einen neuen Zusammenhang entdeckt. Sie beschreiben, wie ein Signalmolek\u00fcl den klinischen Verlauf von Eierstockkrebs beeinflusst. <!--more--><br \/>\nEierstockkrebs ist die f\u00fcnfth\u00e4ufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen. Grund ist vor allem, dasss er in der Regel sp\u00e4t entdeckt wird, fr\u00fch in den Bauchraum metastasiert und die verf\u00fcgbaren therapeutischen Wirkstoffe meist nur vor\u00fcbergehend wirken. Neue Therapieans\u00e4tze sind daher dringend erforderlich.<br \/>\nIn einem &#8211; von der Wilhelm-Sander-Stiftung gef\u00f6rderten &#8211; Forschungsprojekt hat eine Marburger Forscherallianz jetzt ein Signalmolek\u00fcl im Bauchwasser der Betroffenen entdeckt, das das im Zusammenhang mit einem kurzen r\u00fcckfallfreien \u00dcberleben steht und die Immunzellen in der Tumormikroumgebung hemmt. Die zugrundeliegenden molekularen Ver\u00e4nderungen liefern eine Basis f\u00fcr die Entwicklung neuer Therapieoptionen.<br \/>\nEierstockkrebs oder &#8222;Ovarialkarzinom&#8220; wird in der Regel erst sp\u00e4t entdeckt. Diese Krebsart bildet schon fr\u00fch Metastasen im Bauchraum. Doch die verf\u00fcgbaren therapeutischen Wirkstoffe sind meist nicht dauerhaft wirksam.<br \/>\nDaher ist das Ovarialkarzinom bei Frauen nach wie vor die f\u00fcnfth\u00e4ufigste krebsbedingte Todesursache und neue Ansatzpunkte f\u00fcr verbesserte Therapien werden dringend ben\u00f6tigt.<br \/>\nOvarialkarzinome sind zudem h\u00e4ufig von einem malignen Bauchwasser (Aszites) begleitet, das tumorf\u00f6rdernde Signalmolek\u00fcle enth\u00e4lt. Wie diese Signalmolek\u00fcle den klinischen Verlauf des Eierstockkrebses beeinflussen, haben jetzt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Dr. Sabine M\u00fcller-Br\u00fcsselbach von der Arbeitsgruppe am Institut f\u00fcr Molekularbiologie und Tumorforschung (IMT) der Philipps-Universit\u00e4t Marburg sowie Dr. Silke Reinartz und Prof. Dr. Uwe Wagner von der Marburger Klinik f\u00fcr Gyn\u00e4kologie, gyn\u00e4kologische Endokrinologie und Onkologie untersucht. Ziel der Arbeiten des Forscherteams war es, eine Basis f\u00fcr neue prognostische und therapeutische Ans\u00e4tze f\u00fcr die Behandlung des Ovarialkarzinoms zu entwickeln.<br \/>\nHeute ist es unzweifelhaft, dass Tumore nur dann wachsen und metastasieren k\u00f6nnen, wenn Tumorzellen in ihrer Aktivit\u00e4t durch umliegende normale Zellen unterst\u00fctzt werden. Dazu z\u00e4hlen in erster Linie Immunzellen sowie Zellen des Bindegewebes. Die so entstehende Tumormikroumgebung beeinflusst auch den klinischen Verlauf und das \u00dcberleben in entscheidender Weise.<br \/>\nBeim Ovarialkarzinom ist der maligne Aszites ein besonders relevanter Teil der Tumormikroumgebung. Von besonderer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die Fresszellen des Immunsystems &#8211; die sogenannten &#8222;Makrophagen&#8220;- die \u00fcber Signalmolek\u00fcle in der Tumormikroumgebung &#8222;umerzogen&#8220; werden und als Folge die Tumorzellen nicht mehr eliminieren, sondern in ihrer B\u00f6sartigkeit f\u00f6rdern.<br \/>\nIm Rahmen eines von der Wilhelm-Sander-Stiftung \u00fcber zwei Jahre gef\u00f6rderten Forschungsprojekts machten die Marburger Forscherinnen und Forscher eine wichtige Entdeckung: &#8222;Wir konnten eine bestimmt Fetts\u00e4ure (Arachidons\u00e4ure) im Aszites der Patientinnen mit deren r\u00fcckfallfreiem \u00dcberleben in Zusammenhang bringen und zudem nachweisen, dass Arachidons\u00e4ure als Signalmolek\u00fcl wirkt, welches die Aktivit\u00e4t der Makrophagen hemmt&#8220;, erkl\u00e4rte M\u00fcller-Br\u00fcsselbach die wichtigsten Befunde ihrer Untersuchungen. Demnach gelangt Arachidons\u00e4ure in die Makrophagen und f\u00fchrt dort zu Modifikationen spezifischer Proteine (Phosphorylierung), die unter anderem deren Fressaktivit\u00e4t regulieren.<br \/>\nDiese Forschungsergebnisse wurden im renommierten Journal &#8222;Theranostic&#8220; ver\u00f6ffentlicht. Von besonderer Bedeutung ist dabei, dass es pharmakologische Wirkstoffe gibt, die solche Ver\u00e4nderungen verhindern k\u00f6nnen. Ob diese Wirkstoffe auch die f\u00fcr die Makrophagen und den Krankheitsverlauf negative Wirkung der Arachidons\u00e4ure unterbinden k\u00f6nnen, untersuchen die Wissenschaftler in aktuell laufenden Arbeiten.<br \/>\nDie Forschungsergebnisse des Marburger Forscherteams sind insbesondere das Resultat einer intensiven interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit zwischen dem Institut f\u00fcr Molekularbiologie und Tumorforschung und der Klinik f\u00fcr Gyn\u00e4kologie, deren Laboratorien im Zentrum f\u00fcr Tumor- und Immunbiologie (ZTI) unmittelbar benachbart sind. Das Team entwickelte ein erfolgreiches Konzept f\u00fcr eine enge Verzahnung von Klinik und Forschung.<br \/>\nBei der Operation wird der Aszites mit Einverst\u00e4ndnis der Patientin entnommen und in die Forschungslaboratorien am ZTI \u00fcbermittelt, dort aufgearbeitet und detaillierten Analysen unterzogen. Der Aszites ist besonders wertvoll als Untersuchungsmaterial, da er sehr viele Tumor- und Immunzellen enth\u00e4lt und so Forschungsarbeiten mit einem direkten klinischen Bezug erm\u00f6glicht. Das sei &#8222;ein herausragendes Beispiel fach\u00fcbergreifender Zusammenarbeit zwischen klinischen und grundlagenorientierten Forschern&#8220;, betonte M\u00fcller-Br\u00fcsselbach.<br \/>\nNicht zuletzt aufgrund der Erfolge der dieser Arbeiten realisieren die Forscherinnen und Forscher am Marburger ZTI zur Zeit ein wichtiges infrastrukturelles Projekt:. &#8222;Als Beitrag hin zu einer personalisierten Medizin arbeiten wir am Aufbau einer Bio- und Datenbank speziell f\u00fcr Tumorzellen, Immunzellen und andere Bestandteile des Aszites von Ovarialkarzinom-Patientinnen&#8220;, berichtete ZTI-Leiter M\u00fcller.<br \/>\nDiese Bio- und Datenbank ist weltweit einmalig und von allen beteiligten Kooperationspartnern online abrufbar. Sie erfasst alle relevanten experimentellen Labordaten sowie Patientendaten einschlie\u00dflich klinischer Verl\u00e4ufe in anonymisierter Form.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marburger Forscher haben einen neuen Zusammenhang entdeckt. 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