{"id":6057,"date":"2020-11-24T14:38:56","date_gmt":"2020-11-24T13:38:56","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=6057"},"modified":"2020-11-24T14:38:56","modified_gmt":"2020-11-24T13:38:56","slug":"ein-und-ausgeschrieben-gutachten-zum-gruener-wehr-vorgestellt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=6057","title":{"rendered":"Ein- und ausgeschrieben: Gutachten Zum Gr\u00fcner Wehr vorgestellt"},"content":{"rendered":"<p>Unabh\u00e4ngige Fachleute haben ihr Gutachten zum Gr\u00fcner Wehr vorgestellt. Demnach sind weitere Untersuchungen notwendig. <!--more--><br \/>\nDas Gr\u00fcner Wehr hat Sch\u00e4den wie offene Fugen, Setzungen und Verschlei\u00df. Zu dem Ergebnis kommt das unabh\u00e4ngige Gutachterb\u00fcro, das die Stadt in enger Abstimmung mit der BI Gr\u00fcner Wehr beauftragt hatte. In welchem Ausma\u00df die Standsicherheit des Bauwerks gef\u00e4hrdet ist, k\u00f6nnen laut Fachb\u00fcro jedoch nur weitere Untersuchungen zeigen. F\u00fcr die bereits festgestellten Sch\u00e4den machen die Experten Sanierungsvorschl\u00e4ge.<br \/>\nIhre Ergebnisse haben die Gutachter der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt. Sie standen Stadtverwaltung und Stadtgesellschaft f\u00fcr Fragen zur Verf\u00fcgung.<br \/>\nDigital haben sich Stadtverwaltung, Ortsbeir\u00e4te und mehr als 80 Interessierte zusammengeschaltet, um bei der Pr\u00e4sentation des neuen Gutachtens zum Gr\u00fcner Wehr durch das beauftragte Fachb\u00fcro dabei zu sein. Gesendet wurde live aus dem Erwin-Piscator-Haus (EPH).<br \/>\nDas Experten stellten detailliert die Grundlagen, die Werkzeuge ihrer Untersuchung und die Ergebnisse vor. Die Stadtverwaltung erl\u00e4uterte dann die weiteren Schritte bis zu einer Entscheidung durch die st\u00e4dtischen Gremien im Sommer 2021. Dazwischen gab es viel Raum f\u00fcr die Fragen der zugeschalteten Menschen.<br \/>\nDas Wehr ist vermutlich um 1200 errichtet und seitdem mehrfach repariert, umgebaut und instandgesetzt worden. Laut fr\u00fcherer Gutachten ist das stadtbildpr\u00e4gende Baudenkmal nicht mehr standsicher, eine Instandsetzung oder ein Neubau sind notwendig.<br \/>\nIm Mai 2018 hatte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies eine neuerliche Begutachtung zugesagt, nachdem es intensive \u00f6ffentliche Diskussionen um die geplante Instandsetzung gab, manche zweifeln deren Notwendigkeit generell an.<br \/>\nDas Gutachterb\u00fcro hatte die Aufgabe, eine neue und unabh\u00e4ngige Pr\u00fcfung der Standsicherheit des Gr\u00fcner Wehrs vorzulegen &#8211; und falls notwendig denkmalgerechte Sanierungsvorschl\u00e4ge zu unterbreiten. Das Gutachten ist nun fertig, die Arbeitsgemeinschaft &#8222;Gr\u00fcner Wehr&#8220; hat es abschlie\u00dfend vorgelegt.<br \/>\nDie Gutachter haben mit einer Aktenrecherche zum Aufbau des Wehrs gearbeitet. So gab es beispielsweise 1483 und 1520 nicht n\u00e4her bekannte Arbeiten am Wehr. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden umfangreiche Reparaturen vorgenommen.<br \/>\nErst ab hier liegen detaillierte Informationen zu Sch\u00e4den und verwendeten Materialien vor. 1825 wird beschrieben, dass sich das Vorwehr gesenkt habe und sich keine Spundwand mehr finden lasse. 1965 wurde beschrieben, dass sich der Wehrr\u00fccken um bis zu 24 Zentimeter in der Mitte des Bauwerks abgesenkt habe und der Wehrk\u00f6rper an einigen Stellen stark wasserdurchl\u00e4ssig sei. Erosionen, Risse, Aussp\u00fclungen und freiliegende Holzpf\u00e4hle wurden zwei Jahre sp\u00e4ter aufgef\u00fchrt. 1920\/1921 wurde das Wehr ostseitig im Zuge der Lahnregulierung erweitert, 1973 Steine als Kolkschutz, also ein Schutz vor Untersp\u00fclungen des Wehres, an den Wehrfu\u00df gesch\u00fcttet. Zuletzt hat die Stadt eine Schadstelle am Gr\u00fcner Wehr nach einem Hochwasser 1995 repariert. Dabei wurden neue Weser-Sandsteine eingebaut, am Wehrfu\u00df wurde ein Stahlbetonbalken eingef\u00fcgt.<br \/>\nAus diesen Arbeiten in den vergangenen Jahrhunderten l\u00e4sst sich laut Gutachtern ableiten, dass das Gr\u00fcner Wehr nicht mehr komplett in seiner urspr\u00fcnglich gebauten Form vorhanden ist &#8211; vielmehr hat der Bauk\u00f6rper mittlerweile unterschiedliche Abschnitte. Vermessungsdaten zeigen eine damit einhergehende uneinheitliche Geometrie des Wehres.<br \/>\nMit Hilfe von Bildern zeigten die Gutachter, dass es Setzungen und offene Fugen an mehreren Stellen in der Wehrkrone gibt. Deutlich sichtbar ist auch, dass das Wasser das Wehr ungleichm\u00e4\u00dfig \u00fcberstr\u00f6mt. Das ist eine Folge der offenen Fugen und der Absenkungen.<br \/>\nZu sehen ist dies daran, dass in der Mitte des Wehres mehr Wasser flie\u00dft als an den R\u00e4ndern. Das Wehr w\u00e4re nach einer von den Gutachtern gemachten Modellrechnung mit einem Aufbau gem\u00e4\u00df dem historischen L\u00e4ngsschnitt zu einer Reparatur im 19. Jahrhundert in seinem gesamten Aufbau standsicher. Dabei ber\u00fccksichtigt ist die ungleichf\u00f6rmige Geometrie des Bauwerks.<br \/>\nGleichzeitig ist bekannt, dass im aktuellen Zustand die Fugen im Mauerwerk offen sind und die wichtigen Spundw\u00e4nde, die damals aus Holz errichtet wurden, vermutlich \u00fcberwiegend verrottet sind. Das f\u00fchrt unter anderem zu Aussp\u00fclungen und Setzungen.<br \/>\nDaraus folgern die Gutachter, dass zur Gew\u00e4hrleistung einer ausreichenden Standsicherheit Ma\u00dfnahmen erforderlich sind. Genauere Untersuchungen im Inneren seien notwendig, um zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob eine Sanierung au\u00dfen am Bauwerk reicht oder es auch im Innern saniert werden muss.<br \/>\nDas bedeutet, dass die innere Standsicherheit des Wehrk\u00f6rpers durch Bohrungen und \u00d6ffnungen zur Untersuchung an mehreren Stellen \u00fcberpr\u00fcft werden m\u00fcsste. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssten Bauma\u00dfnahmen stattfinden, um die \u00e4u\u00dfere Standsicherheit des Gr\u00fcner Wehrs wiederherzustellen.<br \/>\nLaut Gutachtern sind am \u00e4u\u00dferen Aufbau in jedem Fall mehrere Ma\u00dfnahmen unerl\u00e4sslich. Steine m\u00fcssen repariert und Fugen im Deckwerk des Wehrs geschlossen werden, damit kein Wasser mehr hineinl\u00e4uft. Eindringendes Wasser f\u00fchrt zu Erosionen.<br \/>\nEine sogenannte &#8222;Tosbeckenplatte&#8220; aus Beton sollte am Wehrfu\u00df angebaut werden. Belegt werden kann diese mit einer rauen Pflasterung aus Naturstein.<br \/>\nErg\u00e4nzt wird die Betonplatte mit einem Kolkschutz aus Bohrpfahl- oder Leichtspundwand. Die Tosbeckenplatte schlagen die Gutachter als Ersatz f\u00fcr die wahrscheinlich nicht mehr intakten historischen Holzspundw\u00e4nde vor.<br \/>\nDie Anlandungen im Oberwasser sollten entfernt werden. Die Ufermauern sollten Instand gesetzt werden<br \/>\nJe nach Ergebnis weiterer Untersuchungen im Inneren des Bauwerks k\u00f6nnte es zudem n\u00f6tig werden, die innere Auff\u00fcllung zu ert\u00fcchtigen. Diese Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnten im Zuge einer Instandsetzung und ohne Neubau umgesetzt werden. Laut Gutachtern m\u00fcsste das Wehr auch danach weiterhin regelm\u00e4\u00dfig kontrolliert und engmaschig unterhalten werden.<br \/>\nWenn die Stadt sich gegen einen Neubau und f\u00fcr Sanierungsarbeiten entscheidet, empfehlen die Gutachter, dass zuvor das Deckwerk des Wehrs genau kartiert wird. Au\u00dferdem muss das Deckwerk stellenweise ge\u00f6ffnet werden, beziehungsweise sollte es Kernbohrungen zur Untersuchung geben, um systematisch die Sch\u00e4den aufzunehmen. Zudem m\u00fcssten die Baugrundverh\u00e4ltnisse oberhalb und unterhalb des Wehrk\u00f6rpers untersucht sowie mittels Sondierungen Durchl\u00e4ssigkeit und andere Bodenkennwerte ermittelt werden.<br \/>\nF\u00fcr die Untersuchungen und die Bauma\u00dfnahmen w\u00e4ren Eingriffe in die Bausubstanz, die Ufervegetation und die Flusssohle notwendig. Wasserhaltungen sind f\u00fcr die Untersuchungen zur Standsicherheit im jeweils untersuchten Abschnitt ebenfalls notwendig.<br \/>\nAuch die Kostenfrage hat das Gutachterb\u00fcro mit untersucht: Die vorgeschlagenen Sanierungsma\u00dfnahmen kosten einschlie\u00dflich der Wiederherstellung der inneren Standsicherheit rund 3,6 Millionen Euro.<br \/>\nDas abschnittweite Trockenlegen f\u00fcr die Arbeiten ist mit einer Million Euro enthalten. Hinzu kommen die Kosten f\u00fcr die Untersuchungen, f\u00fcr die jeweils ebenfalls eine &#8222;Wasserhaltung&#8220; n\u00f6tig ist.<br \/>\nWie geht es nun weiter? Gibt es einen Neubau, eine Sanierung des \u00e4u\u00dferen Wehrs oder auch im Innern? Wie wird der Fischaufstieg geschaffen?<br \/>\nWelche Auswirkungen haben welche Ma\u00dfnahmen auf Denkmalschutz, Naturschutz, Kosten und Dauer der Arbeiten? Welche Eingriffe sind mit den verschiedenen Varianten verbunden? Und wie gro\u00df sind diese Eingriffe und der Aufwand f\u00fcr die Untersuchungen im Verh\u00e4ltnis zu einer direkten Instandsetzung?<br \/>\nDiese Fragen muss die Stadt im Nachgang kl\u00e4ren. Geplant ist im Dezember eine Nachbesprechung des Gutachtens mit der BI Gr\u00fcner Wehr und den Ortsbeir\u00e4ten. Anschlie\u00dfend geht es darum, Fragen zur F\u00f6rderf\u00e4higkeit zu kl\u00e4ren, ein Konzept f\u00fcr die Bauwerksuntersuchung zu erstellen und eine Stellungnahme der Oberen Wasserbeh\u00f6rde einzuholen.<br \/>\nDiese Kl\u00e4rungen sind notwendig, um eine Entscheidungsvorlage f\u00fcr die st\u00e4dtischen Gremien vorzubereiten. Eine Beschlussfassung ist f\u00fcr die Zeit nach der Sommerpause 2021 vorgesehen.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unabh\u00e4ngige Fachleute haben ihr Gutachten zum Gr\u00fcner Wehr vorgestellt. 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