{"id":5999,"date":"2020-11-12T19:50:00","date_gmt":"2020-11-12T18:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=5999"},"modified":"2020-11-12T19:50:00","modified_gmt":"2020-11-12T18:50:00","slug":"rassismus-abgelehnt-vernetzungskonferenz-tauschte-alltagserfahrungen-aus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=5999","title":{"rendered":"Rassismus abgelehnt: Vernetzungskonferenz tauschte Alltagserfahrungen aus"},"content":{"rendered":"<p>Mehr als 80 Menschen haben mitgemacht bei &#8222;Tacheles&#8220;. Sie wandten sich &#8222;Mit Klartext gegen Rassismus, Ausgrenzung und Demokratiefeindlichkeit&#8220;. <!--more--><br \/>\nVernetzung, Diskussion und neue Projekte gegen Rassismus, Ausgrenzung und Demokratiefeindlichkeit waren das Ziel der Vernetzungskonferenz &#8222;Tacheles! &#8211;<br \/>\nMarburg, lass uns reden&#8220;. Mehr als 80 Teilnehmende haben sich mit ihren pers\u00f6nlichen Erfahrungen mit Rassismus und Demokratiefeindlichkeit eingebracht und gemeinsam Antworten gesucht, wie man dagegen vorgehen k\u00f6nne. Mit dabei waren die Journalistin Hatice Aky\u00fcn, die sich selbst schon mal zu Heidi Acker gemacht hat, um eine Wohnung zu bekommen; sowie Sozialaktivist Ali Can, der bei Pegida-Demos den Diskurs gesucht hat.<br \/>\n&#8222;In Marburg haben wir eine klare Haltung: F\u00fcr alle Varianten von Rassismus, Sexismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist bei uns kein Platz!&#8220;, betonte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies. Das bringe ein positives Klima in die Stadtgesellschaft. Dennoch: &#8222;Auch bei uns in Marburg garantiert das nicht, dass Rassismus, Homophobie und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit verschwinden.&#8220; Auch in Marburg passiere es: Menschen w\u00fcrden nicht zum Vorstellungsgespr\u00e4ch eingeladen oder bek\u00e4men eine Wohnung nicht, wenn sie beispielsweise einen arabisch klingenden Namen h\u00e4tten. Deswegen sei es wichtig, weiter gegen Diskriminierungen Stellung zu beziehen &#8211; und dar\u00fcber auch ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Bei der Konferenz &#8222;Tacheles! &#8211; Marburg, lass uns reden&#8220; ging es um Vernetzung, um Sprache, um Hass im Netz und darum, wie man Diskriminierung und Rassismus auf den verschiedenen Ebenen begegnen k\u00f6nne.<br \/>\nMit kurzem Input ging die Konferenz los: Can berichtete, dass ihn Sch\u00fcsse auf Asylheime betroffen gemacht h\u00e4tten; er habe sich gefragt, was er selbst tun k\u00f6nne.<br \/>\nAlso sei er durch Deutschland gereist, habe beispielsweise bei Pegida-Veranstaltungen das direkte Gespr\u00e4ch gesucht. &#8222;Ich wollte kritische Denkprozesse ansto\u00dfen&#8220;, erkl\u00e4rte er.<br \/>\nAu\u00dferdem richtete er die &#8222;Hotline f\u00fcr besorgte B\u00fcrger&#8220; ein. Menschen konnten ihn anonym anrufen und mit ihm \u00fcber ihre Sorgen bez\u00fcglich Gefl\u00fcchteter sprechen. &#8222;An manchen Stellen geben Menschen Rassismen weiter, statt in einen differenzierten Diskurs zu gehen&#8220;, berichtete Can.<br \/>\nDas m\u00fcssten sie aber, denn die Gesellschaft m\u00fcsse sich an hybride Identit\u00e4ten gew\u00f6hnen. &#8222;Es gibt mehr als eins&#8220;, stellte er fest. &#8222;Und wir m\u00fcssen aushalten, dass es keine eindeutigen kulturellen Identit\u00e4ten gibt.&#8220; Wenn jemand eine dunkle Hautfarbe habe oder Moslem sei, hei\u00dfe das nicht, dass derjenige auch einen Migrationshintergrund habe.<br \/>\n&#8222;Wir sind diskriminiert auch in Marburg&#8220;, stellte Charles Tchoula fest..&#8220; Wegen unserer Hautfarbe kommen wir nicht in Clubs hinein.&#8220;<br \/>\nEr ist Generalsekret\u00e4r des Afrikanischen Studierendenvereins Marburg. &#8222;An der Uni wollen manche auch nicht mit uns in einer Gruppe arbeiten&#8220;, berichtete er aus seinem Alltag in Marburg.<br \/>\nBarbara Sonnenberger sprach f\u00fcr die Initiative &#8222;Wehrda ist bunt&#8220; ebenfalls zu Beginn der Veranstaltung, um einen Input f\u00fcr die Diskussion und die anschlie\u00dfenden Workshops zu geben. &#8222;Wir wollen in Wehrda die Menschen zusammenbringen und sie Vielfalt erleben lassen&#8220;, erkl\u00e4rte sie.<br \/>\nIm Anschluss an die Er\u00f6ffnungsdiskussion tauschten die rund 80 Teilnehmenden sich in sechs Workshops aus. Dabei ging es unter anderem um Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, um gesellschaftliche Gegenstrategien zu Rassismus und Diskriminierung, zu Sexismus von rechts; es ging um Sprache und Stereotypen und um die Antidiskriminierungsstelle Mittelhessen sowie die Meldestelle &#8222;Hessen gegen Hetze&#8220; der Hessischen Landesregierung.<br \/>\nDenn gerade im Internet gibt es laut Markus Wortmann und Axel Schr\u00f6der von der Meldestelle viel Hass, viele abwertende Aussagen, die zu gro\u00dfen Teilen auch strafbar seien. So seien der Meldestelle, die es seit etwa einem Jahr gibt, bislang 2.000 Hasskommentare gemeldet worden. Die H\u00e4lfte enthielt Hasskommentare.<br \/>\nDavon die H\u00e4lfte &#8211; also gut 500 Kommentare &#8211; waren strafbar. Insgesamt gingen 27 Vorg\u00e4nge an das Landeskriminalamt &#8211; wegen konkreter Bedrohungen; rund 600 Vorg\u00e4nge gingen an die Staatsanwaltschaft.<br \/>\nDie Meldestelle &#8211; die nur auswertet, was ihr gemeldet wird &#8211; z\u00e4hlte 233 Mal Volksverhetzung, 223 Beleidigungen; 212 der gemeldeten 2.000 Kommentare gingen gegen gefl\u00fcchtete Menschen, 210 gegen politisch Andersdenkende, 185 gegen amtierende Politiker*innen.<br \/>\nDiese und andere Ergebnisse und Erkenntnisse aus den Workshops wurden im Anschluss \u00f6ffentlich per Live-Stream allen Interessierten vorgestellt und auch mit allen Interessierten diskutiert. So hat die Stadt zusammen mit Prof. Uli Wagner von der Philipps-Universit\u00e4t eine Studie in Marburg und im Landkreis Marburg-Biedenkopf initiiert, die belegt, dass Menschen mit fremd klingenden Namen weniger zu Wohnungsbesichtigungen eingeladen werden.<br \/>\nEine Idee sei, eine Anlaufstelle zu bieten, die rechtlich fundierte Beratung biete. Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt sei aber nur schwer rechtssicher nachweisbar.<br \/>\nEs gibt also Handlungsbedarf gegen Rassismus und Ausgrenzung &#8211; auch in Marburg. Die Ideen, die die Konferenzteilnehmenden f\u00fcr Gegenstrategien und Projekte entwickelten, werden nun ausgewertet und sollen in einen Aktionsplan m\u00fcnden. Au\u00dferdem k\u00f6nnen zivilgesellschaftliche Initiativen weiterhin Mittel f\u00fcr Projekte in diesem Themenfeld bei der Stadt beantragen.<br \/>\nZum Abschluss des Netzwerk-Tages gab es noch eine \u00f6ffentliche Online-Lesung mit Hatice Aky\u00fcn. Die Journalistin las aus ihren Kolumnen vor. Dabei berichtete sie unter anderem, dass sie bei Bewerbungen um Wohnungen in Berlin keine R\u00fcckmeldungen oder nur Absagen erhielt.<br \/>\nIhr Kollege &#8211; gleiches Gehalt, gleicher Job, ebenfalls Migrationshintergrund aber als Schweizer &#8211; sei bei den gleichen Wohnungen eingeladen worden. Und so nannte sie sich am Telefon mal Heidi Acker, um \u00fcberhaupt zur Besichtigung eingeladen zu werden. Die Wohnung erhielt sie.<br \/>\nDie Online-Konferenz &#8222;TACHELES!&#8220; ist Teil des Handlungsprogramms &#8222;F\u00fcr Dialog und Vielfalt &#8211; Gegen Rassismus, Ausgrenzung und Demokratiefeindlichkeit&#8220; der Universit\u00e4tsstadt Marburg. Mehr Infos zu dem Programm erhalten Interessierte unter <a href=\"https:\/\/marburgmachtmit.de\/page\/dialog-vielfalt\">marburgmachtmit.de\/page\/dialog-vielfalt<\/a> oder per Mail an marburgmachtmit@marburg-stadt.de.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als 80 Menschen haben mitgemacht bei &#8222;Tacheles&#8220;. 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