{"id":5952,"date":"2020-11-04T14:30:43","date_gmt":"2020-11-04T13:30:43","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=5952"},"modified":"2020-11-04T14:30:43","modified_gmt":"2020-11-04T13:30:43","slug":"in-zellen-forscher-wollen-schmerz-gezielt-ausschalten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=5952","title":{"rendered":"In Zellen: Forscher wollen Schmerz gezielt ausschalten"},"content":{"rendered":"<p>Ein Schaltmechanismus im K\u00f6rper kontrolliert das Schmerzempfinden. Ein internationales Forschungsteam beschreibt molekulare Wechselwirkungen in Zellen, die Schmerzreize verarbeiten. <!--more--><br \/>\n&#8222;Schmerz einfach ausknipsen wie mit einem Lichtschalter&#8220;: Mit diesem Vergleich beschrieb die Forschungsgruppe die Wechselwirkung von Proteinen, die an der Schmerzempfindung beteiligt sind. Das Team um den Marburger Schmerzforscher Prof. Dr. Johannes Oberwinkler berichtet in der Wissenschaftszeitschrift &#8222;PNAS&#8220; \u00fcber seine Ergebnisse.<br \/>\nSchmerzempfindliche Nervenzellen nehmen Reize auf, die auf Gefahren f\u00fcr den K\u00f6rper hinweisen, etwa auf Hitze oder sch\u00e4dliche Substanzen. &#8222;Ionenkan\u00e4le vom TRPM3-Typ spielen eine wichtige Rolle f\u00fcr die Signaldetektion&#8220;, erkl\u00e4rte Oberwinkler vom Marburger Institut f\u00fcr Physiologie und Pathophysiologie, der die Forschungsarbeit leitete.<br \/>\nStillt man Schmerzen durch Opium und opium-\u00e4hnliche Substanzen, so geschieht das mittels sogenannter &#8222;G\u00df?-Proteine&#8220;. Sie blockieren unter anderem die TRPM3-Kan\u00e4le der beteiligten Nervenzellen. &#8222;Wir haben im Detail untersucht, wie G\u00df?-Proteine die TRPM3-Kan\u00e4le hemmen&#8220;, berichtete Oberwinkler.<br \/>\nDas Team f\u00fchrte molekulargenetische Experimente durch und charakterisierte die beteiligten Molek\u00fcle mittels R\u00f6ntgenkristallographie, um aufzukl\u00e4ren, wie die Hemmung der Ionenkan\u00e4le vor sich geht. Das Kanalprotein enth\u00e4lt demnach einen Abschnitt von zehn Aminos\u00e4uren, der als Koppelungsstelle f\u00fcr G\u00df?-Proteine dient; koppelt G\u00df? an diesen Abschnitt, so d\u00e4mpft das die Aktivit\u00e4t des Ionenkanals, was die Schmerzempfindung lindert.<br \/>\nIn der Zelle kann das Kanalprotein indes in unterschiedlichen Versionen vorliegen, mit oder ohne den fraglichen Abschnitt &#8211; das kommt ganz darauf an, an welchen Stellen das Kanalprotein geschnitten und wieder zusammengef\u00fcgt wird. Die Fachleute sprechen dabei vom &#8222;alternativen Splei\u00dfen&#8220;.<br \/>\n&#8222;Je nachdem, ob der fragliche Abschnitt in das Kanalprotein eingeschlossen wird oder nicht, l\u00e4sst sich die hemmende Wirkung des G\u00df?-Proteins an- und ausschalten&#8220;, f\u00fchrte Oberwinkler aus. Lie\u00dfe sich die Wechselwirkung zwischen G\u00df? und TRPM3-Kan\u00e4len k\u00fcnftig gezielt beeinflussen, indem man geeignete Medikamente entwickelt.<br \/>\nSo k\u00f6nnte man m\u00f6glicherweise die Behandlung von Schmerzen verbessern. &#8222;Ob das \u00fcberhaupt geht, m\u00fcssten aber langwierige und aufw\u00e4ndige Forschungsarbeiten erst noch erweisen&#8220;, betonte der Hochschullehrer.<br \/>\nOberwinkler leitet die Arbeitsgruppe &#8222;Molekulare Physiologie&#8220; am Fachbereich Medizin der Philipps-Universit\u00e4t. Au\u00dferdem geh\u00f6rt er dem mittelhessischen Forschungszentrum CMBB an.<br \/>\nNeben Oberwinkler und seinem Team sind weitere Forscherinnen und Forscher aus Belgien und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) an der Ver\u00f6ffentlichung beteiligt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und zahlreiche weitere F\u00f6rderorganisationen unterst\u00fctzten die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler finanziell.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Schaltmechanismus im K\u00f6rper kontrolliert das Schmerzempfinden. 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