{"id":5744,"date":"2020-09-24T15:46:26","date_gmt":"2020-09-24T13:46:26","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=5744"},"modified":"2020-09-24T15:46:26","modified_gmt":"2020-09-24T13:46:26","slug":"zahnspange-und-zahnschmelz-preis-fuer-selbstorganisierendes-peptid","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=5744","title":{"rendered":"Zahnspange und Zahnschmelz: Preis f\u00fcr selbstorganisierendes Peptid"},"content":{"rendered":"<p>Ein selbstorganisierendes Peptid st\u00e4rkt nachweislich den Zahnschmelz. F\u00fcr diese Erkenntnis haben die Philipps-Universit\u00e4t und das Fraunhofer-Institut &#8222;IMWS&#8220; einen Preis erhalten. <!--more--><br \/>\nDas Tragen einer festen Zahnspange kann dazu f\u00fchren, dass an deren Randbereichen Zahnschmelz st\u00e4rker demineralisiert, was ein Ausgangspunkt f\u00fcr Karies sein kann. Diesem Effekt l\u00e4sst sich mit einer Kombination aus dem Peptid P11-4 und Fluorid entgegenwirken, zeigt eine Studie der Philipps-Universit\u00e4t Marburg und des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS, in der die Effizienz dieser Kombination nachgewiesen wurde. Die Forschungsergebnisse wurden mit dem Oral-B-Preis f\u00fcr Kinderzahnheilkunde und Pr\u00e4vention 2020 ausgezeichnet.<br \/>\nWenn zur kieferorthop\u00e4dischen Behandlung eine feste Zahnspange eingesetzt wird, kann es &#8211; insbesondere am Rand der Fl\u00e4chen, an denen die Apparatur auf dem Zahn angebracht ist &#8211; zur Demineralisation des Zahnschmelzes kommen. Aus solchen Sch\u00e4digungen, die bei festen Zahnspangen in fast der H\u00e4lfte aller F\u00e4lle auftreten, kann Karies entstehen. Denn selbst in kleinsten Besch\u00e4digungen im Zahnschmelz k\u00f6nnen sich Bakterien ansiedeln, vermehren und weiter ins Zahninnere vordringen.<br \/>\nSind die Defekte noch in einem fr\u00fchen Stadium (initiale L\u00e4sion), kann eine neuartige Behandlungsmethode den Prozess stoppen und sogar dazu beitragen, dass der Zahn sich selbst repariert. Dabei handelt es sich um den Einsatz des Peptids &#8222;P11-4&#8220;.<br \/>\nEs geh\u00f6rt zu den sich selbst organisierenden Peptiden, die eine biologische Matrix bilden. Das Peptid wird als Fl\u00fcssigkeit auf den Zahn aufgebracht, f\u00fcllt die L\u00e4sion und sorgt daf\u00fcr, dass sich Calciumionen und andere Mineralien in der Zahnstruktur einlagern. Auf diese Weise wird der Zahnschmelz remineralisiert.<br \/>\nIn ihrer gemeinsamen Studie haben die Forscherinnen und Forscher von Philipps-Universit\u00e4t Marburg und Fraunhofer IMWS untersucht, welche Effekte sich damit f\u00fcr die Remineralisation in Kombination mit Fluoriden erzielen lassen. Dazu wurden auf Schmelzproben kieferorthop\u00e4dische Brackets befestigt und initiale L\u00e4sionen erzeugt. Ein Teil der Proben wurde dann gar nicht behandelt, ein anderer Teil nur mit einem Fluoridlack, die dritte Gruppe mit dem Peptid P11-4 und Fluoridlack. Die Proben wurden f\u00fcr 90 Tage in k\u00fcnstlichem Speichel gelagert. \u00bbDurch den Einsatz von P11-4 in Kombination mit einem Fluoridlack konnten wir eine signifikant verbesserte Remineralisation im Vergleich zur alleinigen Anwendung von Fluoriden zeigen\u00ab, fasst Prof. Dr. Anahita Jablonski-Momeni von der Philipps-Universit\u00e4t Marburg die Ergebnisse der Studie zusammen.<br \/>\n&#8222;Die Kollegen in Marburg haben dabei ein neuartiges Biolumineszenzverfahren eingesetzt, das freie Calciumionen erfasst, die sich w\u00e4hrend Demineralisationsvorg\u00e4ngen an der Schmelzoberfl\u00e4che befinden und als Lumineszenzareale digital abgebildet werden&#8220;, erkl\u00e4rte Maria Morawietz vom Fraunhofer IMWS, das die Studie mit erg\u00e4nzenden Mikrostrukturanalysen unterst\u00fctzt hat. &#8222;Diese Methode hat sich als sehr leistungsf\u00e4hig erwiesen.&#8220;<br \/>\nDie Proben in den drei Gruppen wurden jeweils nach 7, 30 und 90 Tagen mit Biolumineszenz- und Quantitativer Lichtinduzierter Fluoreszenz-Messung (QLF) untersucht. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit wurden als herausragender Beitrag zur Forschung und zur Umsetzung der zahnmedizinischen Prophylaxe in der Kinder- und Jugendzahnheilkunde mit dem &#8222;Oral-B blend-a-med Prophylaxepreis&#8220; unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Kinderzahnheilkunde (DGKiZ) ausgezeichnet. Die Preistr\u00e4ger sind Prof. (apl.) Dr. Anahita Jablonski-Momeni, Zahn\u00e4rztin Romy Nothelfer und Prof. Dr. Heike Korbmacher-Steiner vom Medizinischen Zentrum f\u00fcr Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Philipps-Universit\u00e4t sowie Dipl.-lng. Maria Morawietz und Dr.-lng. Andreas Kiesow vom Fraunhofer IMWS.<br \/>\n&#8222;Wir freuen uns sehr \u00fcber den Preis f\u00fcr unsere Zusammenarbeit&#8220;, sagte Jablonski-Momeni. &#8222;Die Auszeichnung best\u00e4tigt, dass mit neuen Pr\u00e4ventionskonzepten gro\u00dfe Erfolge in der Kinder- und Jugendzahnheilkunde erzielt werden k\u00f6nnen, insbesondere f\u00fcr Kariesrisikogruppen wie die Tr\u00e4ger von festsitzenden kieferorthop\u00e4dischen Apparaturen.&#8220;<br \/>\nTeilergebnisse der Studie sind mit dem Titel &#8222;Impact of self-assembling peptides in remineralisation of artificial early enamel lesions adjacent to orthodontic brackets&#8220; als Open Access Publikation im hochrangingen Journal &#8222;Scientific Reports&#8220; im Springer Nature Verlag unter <a href=\"https:\/\/rdcu.be\/b7eeV\">rdcu.be\/b7eeV<\/a> erschienen. Eine Zusammenfassung der Arbeit wurde in der Fachzeitschrift &#8222;Oralprophylaxe &amp; Kinderzahnheilkunde&#8220; am Donnerstag (24. September) ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein selbstorganisierendes Peptid st\u00e4rkt nachweislich den Zahnschmelz. F\u00fcr diese Erkenntnis haben die Philipps-Universit\u00e4t und das Fraunhofer-Institut &#8222;IMWS&#8220; einen Preis erhalten.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5],"tags":[2772,2773,2774],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-1uE","jetpack-related-posts":[{"id":18630,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=18630","url_meta":{"origin":5744,"position":0},"title":"Molekularer Lichtschalter: Marburger Forschungsteam steuert zellul\u00e4re Reaktionen","date":"2. September 2025","format":false,"excerpt":"Einen \"molekularen Lichtschalter\" haben Forschende an der Philipps-Universit\u00e4t entwickelt. Das hat die Universit\u00e4t am Dienstag (2. September) mitgeteilt. Ein Team der Philipps-Universit\u00e4t Marburg hat erstmals ein optochemisches Werkzeug entwickelt, mit dem das zentrale Sauerstoffsensorprotein \"HIF1a\" des K\u00f6rpers beeinflusst und die damit verbundenen Gene nach Belieben eingeschaltet werden k\u00f6nnen. Die Entdeckung\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":13015,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=13015","url_meta":{"origin":5744,"position":1},"title":"Forschung in Marburg: T\u00e4uschungsman\u00f6ver hemmt Krebswachstum","date":"26. Juni 2023","format":false,"excerpt":"Eine molekulare T\u00e4uschung treibt Tumorzellen in den Selbstmord. Eine fach\u00fcbergreifende Zusammenarbeit erprobt diesen neuen Behandlungsansatz gegen Krebswachstum. Ein ma\u00dfgeschneidertes Molek\u00fcl behindert Krebswachstum, indem es einen Proteinkomplex blockiert, dessen Bindungspartnern es t\u00e4uschend \u00e4hnelt. Die betroffenen Zellen schalten daraufhin ein Selbstmordprogramm an. Das hat eine fach\u00fcbergreifende Forschungsgruppe aus der Marburger Krebsmedizin und\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":19451,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=19451","url_meta":{"origin":5744,"position":2},"title":"Kreativit\u00e4t gegen Krankenhauskeime: Marburger iGEM-Team erneut erfolgreich","date":"4. Februar 2026","format":false,"excerpt":"Das Marburger iGEM-Team hat erneut einen Spitzenplatz errungen. Das interdisziplin\u00e4re Team ist unter den Top 5 beim internationalen Wettbewerb der Synthetischen Biologie gelandet. Die Studierenden der Philipps-Universit\u00e4t Marburg waren auch bei der j\u00fcngsten Ausgabe des iGEM-Wettbewerbes wieder besonders erfolgreich. Im Finale des bedeutendsten internationalen Wettbewerbs der Synthetischen Biologie in Paris\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":9497,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=9497","url_meta":{"origin":5744,"position":3},"title":"Eingenommen: Dehnen erhielt Leibniz-Preis","date":"13. Mai 2022","format":false,"excerpt":"Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zeichnete am Donnerstag (12. Mai) in Bonn zehn Preistr\u00e4gerinnen und Preistr\u00e4ger aus. Ein Leibniz-Preis wurde an Prof. Dr. Stefanie Dehnen verliehen. Zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhalten den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2022 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Eine der Preistr\u00e4gerinnen und Preistr\u00e4ger ist Prof. Dr. Stefanie Dehnen von\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":6996,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=6996","url_meta":{"origin":5744,"position":4},"title":"Nachhaltige Auszeichnung: Preis f\u00fcr exzellente Promotionsbetreuung","date":"6. Mai 2021","format":false,"excerpt":"Mit ihrem Preis f\u00fcr exzellente Promotionsbetreuung 2021 zeichnet die Philipps-Universit\u00e4t besonders engagierte Betreuerinnen und Betreuer von Promovierenden aus. Die Auszeichnung wird dieses Jahr zum zweiten Mal verliehen. F\u00fcr eine erfolgreiche Promotion ist eine gute Betreuung wichtig - f\u00fcr ihr besonderes Engagement in der aktiven Unterst\u00fctzung junger Forscherinnen und Forscher werden\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":3963,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=3963","url_meta":{"origin":5744,"position":5},"title":"Acht Naturstoffe: Marburger Forscher entdeckten unbekannte Enzyme","date":"27. Juni 2019","format":false,"excerpt":"Acht bislang unbekannte Naturstoffe entdeckte eine Forschergruppe aus Marburg. Einer davon ist f\u00fcr den charakteristischen Geruch des Waldbodens verantwortlich. Das Erbgut des Bakteriums \"Streptomyces\" enth\u00e4lt Baupl\u00e4ne f\u00fcr diese Naturstoffe. Die Mikroben-Gattung des Bakteriums umfasst harmlose Bodenbewohner, die eine F\u00fclle an Naturstoffen bilden. Auch Substanzen mit medizinischer Bedeutung gehen auf die\u2026","rel":"","context":"In &quot;Bildung&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]}],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5744"}],"collection":[{"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5744"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5744\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5744"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5744"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/marburg.news\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5744"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}