{"id":5504,"date":"2020-08-05T14:01:11","date_gmt":"2020-08-05T12:01:11","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=5504"},"modified":"2020-08-05T14:01:11","modified_gmt":"2020-08-05T12:01:11","slug":"unhinterfragt-geblieben-forscher-verheissen-heilung-durch-gentherapie-in-augenzellen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=5504","title":{"rendered":"Unhinterfragt geblieben: Forscher verhei\u00dfen Heilung durch Gentherapie in Augenzellen"},"content":{"rendered":"<p>Mit einer Gentherapie m\u00f6chten Marburger Neurophysiologen Blindheit heilen. F\u00fcr Blinde ist dieses Versprechen nicht unproblematisch. <!--more--><br \/>\nDie Marburger Neurophysiologen zeigen wie die besten Ans\u00e4tze bei Sehkraft-wiederherstellenden Gentherapien erkannt werden k\u00f6nnen. Degenerative Netzhauterkrankungen, wie die Makuladegeneration oder Retinitis Pigmentosa (RP) z\u00e4hlen zu den h\u00e4ufigsten Ursachen f\u00fcr eine Erblindung. Bei diesen Erkrankungen gehen die lichtsensitiven Sinneszellen der Netzhaut unwiederbringlich verloren.<br \/>\nWeltweit arbeiten Forscherinnen und Forscher an Sehkraft-wiederherstellenden Gentherapien, um die verbleibenden Zellen der Netzhaut lichtsensitiv zu machen und so die Funktion der verlorenen Sinneszellen zu ersetzen. Ein Forschungsteam aus Marburg und Oxford hat nun Messmethoden etabliert, mit denen sich verschiedene Behandlungsans\u00e4tze im Vorfeld detailliert untersuchen und vergleichen lassen. So l\u00e4sst sich die Entwicklung erfolgversprechender Gentherapien am Auge in Zukunft effizienter und schneller gestalten.<br \/>\nIhre Erkenntnisse ver\u00f6ffentlicht die Forschungsgruppe in der Fachzeitschrift &#8222;Cellular And Molecular Life Sciences&#8220;. Eine wissenschaftliche Debatte \u00fcber m\u00f6gliche Nebenwirkungen dieses Behandlungsansatzes wie auch eine ethische Diskussion \u00fcber m\u00f6gliche Nebenwirkungen und Gefahren solcher Heilsversprechen w\u00e4re jedoch auch wichtig, damit Blinde und Sehbehinderte nicht unter moralischen Druck geraten, ihre Lebensentscheidungen ohne solche dubiosen Verfahren zu treffen.<br \/>\n&#8222;Die Augenheilkunde hat seit einigen Jahren bereits eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Gentherapie&#8220;, sagte Dr. Moritz Lindner vom Institut f\u00fcr Physiologie und Pathophysiologie am Fachbereich Medizin der Philipps-Universit\u00e4t. Er ist einer der Mitinitiatoren der Studie.<br \/>\nAktuelle Therapieans\u00e4tze zielten vor allem auf einzelne, genau definierte Erkrankungen in fr\u00fchen Stadien ab. Die sogenannte &#8222;Sehkraft-wiederherstellende Gentherapie&#8220; soll dagegen auch die Behandlung von Sp\u00e4tstadien erm\u00f6glichen. In diesen Stadien sind die Sinneszellen der Netzhaut bereits zugrunde gegangen.<br \/>\n&#8222;Aber es gibt weitere Zellen im Auge, die durch die Gentherapie gewisserma\u00dfen umprogrammiert werden k\u00f6nnen&#8220;, erkl\u00e4rte Lindner. &#8222;In der Netzhaut befinden sich beispielsweise Zellen, die die Informationen aus den Sinneszellen verarbeiten und Bildinformationen wie Gr\u00f6\u00dfe oder Bewegungsrichtung eines Gegenstandes an das Gehirn weiterleiten. Durch das gentherapeutische Einbringen von lichtsensitiven Proteinen reagieren aber auch diese Zellen auf Lichtreize. Man umgeht somit die fehlenden Sinneszellen.&#8220;<br \/>\nErste Ans\u00e4tze dieser Art bef\u00e4nden sich bereits in klinischen Studien. &#8222;Jedoch gibt es bisher kaum Daten, aus denen sich ablesen l\u00e4sst, welche der diversen lichtsensitiven Proteine am besten geeignet sind und welcher der verschiedenen Typen von Netzhautzellen genau behandelt werden soll&#8220;, erl\u00e4uterte Lindner.<br \/>\nDas Forschungsteam hat im Tiermodell nun einen Versuchsaufbau entwickelt, mit dem sich die Lichtantworten in den Netzh\u00e4uten sehr genau beschreiben lassen. &#8222;Wir konnten zeigen, dass die gemessenen Lichtantworten denen von gesunden Augen st\u00e4rker \u00e4hneln, wenn man zielgerichtet einen ganz bestimmten Zelltyp behandelt&#8220;, berichtete Lindner. &#8222;Viel wichtiger ist aber, dass sich jetzt relativ einfach systematisch verschiedene in Entwicklung befindliche Ans\u00e4tze vergleichen lassen.&#8220;<br \/>\nDamit k\u00f6nne die Entwicklung vielversprechender Ans\u00e4tze effizienter vorangetrieben werden und schlussendlich schneller in die klinische Anwendung kommen, hofft der Forscher. Fragen sollten die Wissenschaftler allerdings zuerst, ob RP-Patienten ihre Erblindung nicht als wichtige Herausforderung betrachten, an der sie wachsen und ihre St\u00e4rken entwickeln konnten.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einer Gentherapie m\u00f6chten Marburger Neurophysiologen Blindheit heilen. F\u00fcr Blinde ist dieses Versprechen nicht unproblematisch.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5,4],"tags":[1415,2664,2665],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-1qM","jetpack-related-posts":[{"id":2453,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=2453","url_meta":{"origin":5504,"position":0},"title":"Senioren und Seh-Mobil: Minister Wintermeyer besuchte BliStA-Projekt","date":"23. Juli 2018","format":false,"excerpt":"Staatsminister Axel Wintermeyer hat in Marburg das Projekt \"Die mobile Seniorenberatung mit dem SEH-Mobil\" besucht. Es ist eine Initiative der Deutschen Blindenstudienanstalt (BliStA). 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