{"id":5459,"date":"2020-07-26T16:01:19","date_gmt":"2020-07-26T14:01:19","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=5459"},"modified":"2020-07-26T16:01:19","modified_gmt":"2020-07-26T14:01:19","slug":"verantwortlich-datenschutz-ist-infektionsschutz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=5459","title":{"rendered":"Verantwortlich: Datenschutz ist Infektionsschutz"},"content":{"rendered":"<p>DEHOGA-Pr\u00e4sident Gerald Kink und Sozial- und Integrationsminister Kai Klose appellieren an G\u00e4ste von Gastst\u00e4tten, die Corona-Listen korrekt auszuf\u00fcllen. Dieser Appell ist leider ein Beleg f\u00fcr ein dramatisches Versagen des Krisenmanagements. <!--more--><br \/>\nImmer wieder beteuern Politikerinnen und Politiker, sie wollten die Gastronomie unterst\u00fctzen. Doch die wirksamste Ma\u00dfnahme der Unterst\u00fctzung haben die Verantwortlichen bislang nicht durchgesetzt: Allen Beh\u00f6rden au\u00dfer dem Gesundheitsamt &#8211; und damit insbesondere auch Der Polizei &#8211; muss ein Zugriff auf alle im Rahmen der Pandemiebek\u00e4mpfung erhobenen Daten strikt verboten werden.<br \/>\nSolange eine eindeutige Regelung zum Schutz aller Daten vor staatlicher Neugier fehlt, m\u00fcssen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger bef\u00fcrchten, dass jeder Gastst\u00e4ttenbesuch registriert wird und dadurch l\u00fcckenlose Bewegungsprofile der Bev\u00f6lkerung erhoben werden k\u00f6nnen. Manche mag das dazu bewegen, zum Schutz ihrer Privatsph\u00e4re auf einen Gastst\u00e4ttenbesuch lieber zu verzichten. F\u00f6rderlich f\u00fcr die Gastronomie ist das jedenfalls nicht.<br \/>\nDas Fehlen einer Regelung zum konsequenten Schutz aller Angaben zu einer m\u00f6glichen Infektion, Infektionswegen und Bewegungen im In- und Ausland ist zudem Wasser auf die M\u00fchlen von Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen, wonach das Coronavirus eine Erfindung irgedwelcher geheimen Kr\u00e4fte oder \u00fcblen Personen sei, um die Bev\u00f6lkerung l\u00fcckenlos zu \u00fcberwachen. Behauptet wird auch, die Pandemie sei ein Vorwand zur Aushebelung der B\u00fcrgerrechte. Diesem Unsinn k\u00f6nnten die Beh\u00f6rden leicht durch ein klares Gesetz gegen Datenmissbrauch entgegentreten.<br \/>\nBereits bei der Debatte \u00fcber eine Corona-Warn-App war ein solches Gesetz gefordert worden. Das haben die unverantwortlichen Verantwortlichen jedoch verweigert. Nun erweist sich, welche Gefahr diese Fehlentscheidung nach sich zieht.<br \/>\nAus Besorgnis \u00fcber einen m\u00f6glichen Datenmissbrauch m\u00f6gen manche falsche Namen und Daten in die Corona-Listen eintragen. Eine Benachrichtigung bei einer Gef\u00e4hrdung durch eine m\u00f6gliche Infektion l\u00e4uft dann ins Leere. Die Verweigerung eines umfassenden Datenschutzes zerst\u00f6rt damit die Schutzfunktion dieser Datenerhebung.<br \/>\nInsgesamt hat die Politik beim Umgang mit dem Datenschutz von Corona-Daten eine \u00fcberaus schlechte Figur gemacht: Erst wollte Gesundheitsminister Jens Spahn eine zentrale Datenspeicherung und eine Nutzungspflicht f\u00fcr die App durchsetzen. Nachdem diese Forderungen jedoch die Wirkung derApp v\u00f6llig zu vernichten drohten, lenkte Spahn ein: Die Daten werden nun auf den Handys gespeichert und die Nutzung der App ist freiwillig.<br \/>\nAu\u00dferdem wurde der Quellcode der Programme ver\u00f6ffentlicht. Nach dessen Offenlegung warnten Wissenschaftler und Datensch\u00fctzer dann vor m\u00f6glichen Fehlalarmen und ausbleibenden Warnungen bei gef\u00e4hrlichen Kontakten. Diese <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=5261\">Warnungen<\/a> &#8211; beispielsweise von Forschern der Philipps-Universit\u00e4t &#8211; haben sich jetzt bewahrheitet.<br \/>\nDie App arbeitet nicht zuverl\u00e4ssig. 16 Millionen Menschen haben sich jedoch auf das Funktionieren dieses elektronischen Warnsystems verlassen. Sie wurden von unf\u00e4higen Programmierern zum Narren gehalten.<br \/>\nDiese peinliche Pleite sollte die Verantwortlichen dringend zum Nachdenken bewegen: Eine lebensgef\u00e4hrliche Pandemie wie Covid 19 verlangt gr\u00fcndliche und fehlerfreie Arbeit aller Verantwortlichen. Schlamperei oder ideologisch motivierte Verharmlosungsbeschwichtigungen k\u00f6nnen schlie\u00dflich t\u00f6dlich enden.<br \/>\nDarum ist jetzt auch eine kritische Reflexion \u00fcber weitere Lockerungen angesagt: Die Wiederaufnahme von Kreuzfahrtenist un\u00f6kologisch und gleichzeitig gef\u00e4hrlich. Massentourismus in Zeiten einer Pandemie und unn\u00f6tige Fernreisen sind unverantwortlich.<br \/>\nKeine G\u00e4steliste und keine App sch\u00fctzen vor einer Ansteckung durch das Coronavirus SARS-CoV-2. Niemals galt deshalb die alte Volksweisheit mehr als heute, die die Menschen auffordert: &#8222;Bleibe im Lande und n\u00e4hre Dich redlich!&#8220;<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DEHOGA-Pr\u00e4sident Gerald Kink und Sozial- und Integrationsminister Kai Klose appellieren an G\u00e4ste von Gastst\u00e4tten, die Corona-Listen korrekt auszuf\u00fcllen. 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