{"id":5275,"date":"2020-06-17T17:56:40","date_gmt":"2020-06-17T15:56:40","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=5275"},"modified":"2020-06-17T17:56:40","modified_gmt":"2020-06-17T15:56:40","slug":"vervielfacht-grafische-kommunikation-als-schrift-indigener-gemeinschaften","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=5275","title":{"rendered":"Vervielfacht: Grafische Kommunikation als Schrift indigener Gemeinschaften"},"content":{"rendered":"<p>Viele Informationen werden im Alltag \u00fcber grafische Systeme vermittelt. Solche Kommunikationssysteme indigener Gemeinschaften erforschen Wissenschaftler aus Marburg und Warschau. <!--more--><br \/>\nEine solche Kommunikation erfolgt heutzutage beispielsweise durch Verkehrsschilder, mathematische Formeln oder Musiknoten. Mit \u00e4hnlichen visuellen Kodes vermittelten bereits fr\u00fche indigene Gemeinschaften in Mittel- und S\u00fcdamerika wie die Maya, Azteken oder Mixteken Bedeutung.<br \/>\nWie genau sie ihr Wissen kodierten und welche Rolle diese Kommunikationssysteme f\u00fcr die aktuelle Schriftforschung spielen, untersucht ein neues Projekt der Philipps-Universit\u00e4t und der Universit\u00e4t Warschau. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) f\u00f6rdert das Vorhaben mit rund 800.000 Euro \u00fcber drei Jahre im Rahmen der F\u00f6rderlinie &#8222;Beethoven CLASSIC 3&#8220;.<br \/>\n&#8222;Ein popul\u00e4res Verst\u00e4ndnis von Schriftsystemen ist, dass Schrift Sprache darstellt&#8220;, erkl\u00e4rte Prof. Dr. Ernst Halbmayer vom Institut f\u00fcr Sozialanthropologie und Religionswissenschaft der Philipps-Universit\u00e4t. &#8222;Dieser tief verwurzelte Ansatz der Schriftforschung wird zunehmend durch die Erforschung breiter definierter Notationssysteme ersetzt.&#8220;<br \/>\nHalbmayer leitet das Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Katarzyana Mikulska von der Universit\u00e4t Warschau. &#8222;Diese Systeme zielen nicht auf eine Kodierung von Sprache ab, sondern erzeugen Bedeutung direkt \u00fcber visuelle Kodes, die f\u00fcr den Empf\u00e4nger unabh\u00e4ngig von der Sprache, die er spricht, verst\u00e4ndlich sind&#8220;, erl\u00e4uterte Halbmayer.<br \/>\nDer klassische Zugang zur Schriftforschung habe aber dazu gef\u00fchrt, dass viele grafische Kommunikationssysteme ausgeschlossen wurden. Insbesondere betrifft das die, die au\u00dferhalb Europas entwickelt wurden.<br \/>\n&#8222;Ziel dieses Projekts ist es, eine allgemeine Methodik f\u00fcr die Erforschung indigener grafischer Kommunikationssysteme von der Schrift der Maya und Azteken bis zu den Kommunikationssystemen der Anden zu entwickeln&#8220;, erkl\u00e4rte Halbmayer. &#8222;Wir wollen verstehen, wie und auf welche Weise indigene Gemeinschaften mittels graphischer Zeichen kommunizieren und Wissen kodieren.&#8220;<br \/>\nIn f\u00fcnf Teilprojekten werden verschiedene Beispiele grafischer Systeme auf Basis gemeinsamer methodischer Prinzipien analysiert, darunter Mixtekische Codices des pr\u00e4hispanischen Mexikos, ein graphisch-ikonisches System der Tiwanaku-Kultur in den Zentralanden, die Tio-tio Bilderschrift und graphischen Kommunikationssystemen der Yukpa und ihre Beziehung zu anderen grafischen Systemen in der isthmo-kolumbianischen Region, die Logik der graphisch-visuellen Kommunikation des &#8222;Mais-Lesens&#8220;, einer Weissagungstechnik in Mexiko, sowie formale und strukturelle M\u00f6glichkeiten der Bedeutungskodierung in der pr\u00e4hispanischen Felskunst aus dem Norden Venezuelas. Die Teilprojekte zum andinen Tiwanaku und den isthmo-kolumbinaischen Yukpa sind am Institut f\u00fcr Sozialanthropologie und Religionswissenschaft der Philipps-Universit\u00e4t verortet.<br \/>\n&#8222;Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beider L\u00e4nder tragen mit diesem Projekt wesentlich zur Erforschung pr\u00e4hispanischer und zeitgen\u00f6ssischer Grafiksysteme grafischer Kommunikationssysteme verschiedener kultureller Regionen Amerikas bei&#8220;, erl\u00e4uterte Halbmayer. &#8222;Unser Ziel ist dabei nicht nur das Verst\u00e4ndnis der Kommunikationssysteme indigener Kulturen, sondern ebenso eine theoretische Neufassung der allgemeinen Theorie der Schrift sowie der traditionellen Unterteilung in m\u00fcndliche und schriftliche Gesellschaften.&#8220;<br \/>\nDas 2014 gestartete F\u00f6rderprogramm &#8222;Beethoven&#8220; der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem National Science Centre Poland (NCN) zielt darauf ab, polnisch-deutsche Forschungsprojekte von herausragender wissenschaftlicher Qualit\u00e4t zu finanzieren und so die internationale akademische Zusammenarbeit zu st\u00e4rken. Nach zwei erfolgreichen F\u00f6rderrunden erweiterten die DFG und das NCN 2018 das Programm um die F\u00f6rderlinie &#8222;Beethoven CLASSIC 3&#8220; f\u00fcr Geistes-, Sozial-, Chemie-, Physik-, Mathematik-<br \/>\nund Materialwissenschaften sowie &#8222;Beethoven LIFE 1&#8220; f\u00fcr die Forschung in Biowissenschaften.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Informationen werden im Alltag \u00fcber grafische Systeme vermittelt. 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