{"id":5270,"date":"2020-06-16T15:29:14","date_gmt":"2020-06-16T13:29:14","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=5270"},"modified":"2020-06-16T15:29:14","modified_gmt":"2020-06-16T13:29:14","slug":"erhebung-jugendliche-fuehlen-sich-in-marburg-wohl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=5270","title":{"rendered":"Erhebung: Jugendliche f\u00fchlen sich in Marburg wohl"},"content":{"rendered":"<p>Den meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen gef\u00e4llt das Leben in Marburg. Viele k\u00f6nnen sich auch eine Zukunft in der Universit\u00e4tsstadt vorstellen. <!--more--><br \/>\nDas geht aus dem ersten Jugendbericht hervor, den die Stadt Marburg nun ver\u00f6ffentlicht hat. Den Beteiligten war es besonders wichtig, die jungen Leute auch selbst zu Wort kommen zu lassen.<br \/>\n&#8222;Nicht \u00fcber Jugendliche und junge Menschen sprechen, sondern mit ihnen. Mehr noch: Gemeinsam mit ihnen Jugend in den Fokus stellen. Das ist das Besondere am Marburger Jugendbericht&#8220;, sagte Stadtr\u00e4tin Kirsten Dinnebier. Vor drei Jahren hat die Stadtverordnetenversammlung die Erstellung beschlossen, nun liegt die erste wissenschaftliche Studie zu Marburgs Jugendlichen und jungen Menschen im Alter von 14 bis 21 Jahren vor.<br \/>\nEntstanden ist eine Momentaufnahme, die bewusst in die Breite gehend angelegt wurde. Es ging nicht darum, ein einheitliches Bild von dem oder der Marburger &#8222;Durchschnittsjugendlichen&#8220; zu skizzieren, sondern vielmehr um einen differenzierten, vielf\u00e4ltigen Blick. Dem lagen folgende Fragestellungen zugrunde: Wie sind die aktuellen Lebenssituationen, Handlungs- und Teilhabem\u00f6glichkeiten von Jugendlichen und jungen Menschen in Marburg? Wie nimmt die Zielgruppe ihr Leben und ihre Perspektiven in Marburg wahr? Welche Tendenzen lassen sich ablesen? Welche Angebote der Jugend(sozial)arbeit gibt es in Marburg f\u00fcr junge Menschen und in welche Richtung k\u00f6nnen Angebote weiterentwickelt werden?<br \/>\nDer Bericht n\u00e4hert sich diesen Fragestellungen aus verschiedenen Perspektiven in drei Teilen. Im ersten Teil zeichnen unterschiedliche statistische Daten die Lebenssituationen von jungen Menschen in Marburg nach. Der st\u00e4dtische Jugendhilfeplaner Werner Meyer liefert beispielsweise Zahlen und Fakten zur Einwohnerstatistik und zu schulischen Bildungsverl\u00e4ufen.<br \/>\nIm zweiten Teil des Berichts kommen junge Menschen selbst zu Wort. Eine Projektgruppe um den P\u00e4dagogen Prof. Dr. Ivo Z\u00fcchner von der Philipps-Universit\u00e4t hat dazu 18 Jugendgruppen aus der Altersgruppe der 14-<br \/>\nbis 21-J\u00e4hrigen im Sommer 2018 befragt. Darunter waren nicht nur junge Leute aus Jugendh\u00e4usern, Kirchen und dem Kinder- und Jugendparlament, sondern auch Auszubildende, Stra\u00dfencliquen, junge Gefl\u00fcchtete sowie Gruppen aus verschiedenen Schulen und Au\u00dfenstadtteilen.<br \/>\nDaraus ergibt sich ein ungew\u00f6hnliches Bild: Die meisten jungen Leute leben gern in Marburg. Sie m\u00f6gen die junge Dynamik der Stadt. Und sie f\u00fchlen sich zu Hause, wenn sie nach einer Reise das Schloss sehen. Sie wollen zwar alle auch noch einmal in einer anderen Stadt leben und &#8222;was anderes sehen&#8220;, k\u00f6nnen sich aber gut vorstellen, sp\u00e4ter wieder zur\u00fcckzukehren.<br \/>\nDieser Befund gilt \u00fcber alle Bildungsschichten hinweg auch f\u00fcr Gefl\u00fcchtete und Migrirte. &#8222;Das habe ich so in anderen St\u00e4dten noch nicht erlebt&#8220;, erl\u00e4uterte Z\u00fcchner. Erg\u00e4nzend hat das Team eine standardisierte Befragung des Kinder- und Jugendparlaments aus dem Jahr 2013 reanalysiert.<br \/>\nIm dritten Teil erhebt Z\u00fcchner mit seinen Mitarbeitenden online die Angebote der Jugend(sozial)arbeit \u00fcber eine Einrichtungs- und Tr\u00e4gerbefragung. Die Befunde und Ergebnisse sind vielf\u00e4ltig. Sie decken sich teilweise mit Erkenntnissen aus aktuellen bundesweiten Studien wie die der Sinus- und der Shell-Jugendstudie, zeichnen dann aber auch ein sehr spezifisches Bild f\u00fcr Marburg.<br \/>\nSo fehlt es den Jugendlichen vor allem an (\u00f6ffentlichen) R\u00e4umen, in denen sie sich kostenlos und ungest\u00f6rt treffen k\u00f6nnen. Die Lahnterrassen und -wiesen erleben sie zumindest teilweise als einen Platz f\u00fcr Studierende. Als Positivbeispiel wird dagegen das Georg-Ga\u00dfmann-Stadion genannt, das auf der einen Seite viele Einrichtungen &#8211; von der Skaterbahn \u00fcber Sitzpl\u00e4tze bis zum nahe gelegenen Einkaufsmarkt &#8211; bietet, aber auch von Polizei und P\u00e4dagogen weniger \u00fcberwacht wird.<br \/>\n&#8222;Die jungen Leute suchen angstfreie Orte, an denen der Blick der Obrigkeit nicht so stark ist&#8220;, erkl\u00e4rte Z\u00fcchner. Bemerkenswert ist auch, wie unterschiedlich die Lebenswelten zwischen den Jugendlichen aus der Kernstadt und den d\u00f6rflichen Stadtteilen aussehen.<br \/>\n\u00dcberspitzt formulierte Z\u00fcchner: &#8222;Die einen fliegen mit ihren Eltern in den Urlaub, die anderen helfen auf dem Hof.&#8220;Zudem finden sich die meisten Angebote f\u00fcr Jugendliche im Zentrum, das von den D\u00f6rfern aus schwerer zu erreichen ist. Sie beklagen denn auch fehlende Busverbindungen vor allem abends und am Wochenende.<br \/>\nVerantwortet wird der Bericht insgesamt von einer zw\u00f6lfk\u00f6pfigen Steuerungsgruppe, die in ihrer Zusammensetzung unterschiedliche Expertisen eingebracht hat. Gemeinsam haben sie das Untersuchungsdesign erarbeitet, Ergebnisse analysiert und Impulse im Fazit gesetzt. Den Mitgliedern der Steuerungsgruppe war es sehr wichtig, den Jugendbericht in einem dialogischen Prozess zur erstellen. Nur unter der Beteiligung vieler Akteur*innen konnte ein differenziertes Bild f\u00fcr Marburg entstehen. Der gesamte Prozess des Jugendberichts wurde in zwei Foren mit der interessierten \u00d6ffentlichkeit diskutiert. Anregungen und weitere Fragestellungen aus diesen Veranstaltungen flossen unmittelbar in die Berichtsteile ein.<br \/>\nDer Bericht liefert vielschichtige Einblicke in die Lebenssituation von Jugendlichen in Marburg. Er soll ausdr\u00fccklich als Diskussionsgrundlage verstanden werden und damit einen Beitrag leisten, junge Menschen st\u00e4rker in den Fokus zu r\u00fccken. Die eigentliche Arbeit, jungen Menschen und Jugendlichen entsprechende Angebote, Chancen und Perspektiven in Marburg zu geben, beginnt jetzt und ist in einer Zeit, in der die Jugendangebote aufgrund der Corona-Krise nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich sind, umso wichtiger.<br \/>\nDen Marburger Jugendbericht k\u00f6nnen Interessierte unter <a href=\"https:\/\/www.marburg.de\/portal\/seiten\/kinder-und-jugendfoerderung-900000114-23001.html\">www.marburg.de\/portal\/seiten\/kinder-und-jugendfoerderung-900000114-23001.html<\/a> herunterladen. Weitere Informationen gibt es beim Fachdienst Jugendf\u00f6rderung unter der E-Mail jufoe@marburg-stadt.de.<br \/>\nMit 2.253 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren hat Marburg einen eher durchschnittlichen Anteil an Heranwachsenden. Das &#8222;jugendliche Flair&#8220; verdankt die Stadt vor allem den Studierenden &#8211; die Zahl der jungen Leute zwischen 18 und 21 Jahren steigt sprunghaft auf 4.448 an.<br \/>\nDadurch hat Marburg mit 39,6 Jahren einen niedrigen Altersdurchschnitt &#8211; in Hessen liegt er sonst bei 43,8 Jahren.<br \/>\nDie Jugendlichen wohnen im Gegensatz zu den Studierenden aber viel h\u00e4ufiger in den Stadtteilen. &#8222;In der Oberstadt, Weidenhausen und dem Campusviertel leben zusammen weniger Jugendliche als in Schr\u00f6ck oder auch in Michelbach&#8220;, berichtete Jugendhilfeplaner Werner Meyer.<br \/>\nNach seiner Analyse ist die Zahl der Jugendlichen, die in Hartz-IV-Haushalten leben, etwas niedriger als in vergleichbaren St\u00e4dten. Trotzdem ist etwa jeder achte Jugendliche betroffen.<br \/>\nZudem leben die sozial benachteiligten Jugendlichen zum gr\u00f6\u00dften Teil am Richtsberg, im Waldtal und im Stadtwald, wo auch der gr\u00f6\u00dfte Teil der Integration f\u00fcr gefl\u00fcchtete Familien geleistet wird. Dort hat fast jeder zweite Jugendliche einen Migrationshintergrund.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen gef\u00e4llt das Leben in Marburg. 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