{"id":508,"date":"2017-05-11T15:50:11","date_gmt":"2017-05-11T13:50:11","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=508"},"modified":"2017-05-11T18:54:33","modified_gmt":"2017-05-11T16:54:33","slug":"84-jahre-danach-klaus-peter-friedrich-ueber-die-taeter-der-marburger-buecherverbrennung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=508","title":{"rendered":"84 Jahre danach: Klaus Peter Friedrich \u00fcber die T\u00e4ter der Marburger B\u00fccherverbrennung"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Die T\u00e4ter der Marburger B\u00fccherverbrennung vom 10. Mai 1933&#8220; waren am Mittwoch (10. Mai) Thema eines Vortrags von Dr. Klaus Peter Friedrich. Im vollbesetzten K\u00e4te-Dinnebier-Saal des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) referierte der Historiker \u00fcber die Quellenlage und die beiden Hauptakteure. <!--more--><br \/>\nFriedrich ist Mitglied der Geschichtswerkstatt Marburg und Mitverfasser der Stadtschrift \u00fcber die Verbrechen der Marburger J\u00e4ger sowie der erst k\u00fcrzlich erschienenen Untersuchung zur Geschichte der Deutschen Blindenstudienanstalt (BliStA) w\u00e4hrend der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Eingeladen zu seinem Vortrag am 84. Jahrestag der B\u00fccherverbrennung hatte ihn Die Linke Marburg.<br \/>\nSein Augenmerk richtete der Referent vor allem auf die beiden Hauptt\u00e4ter der B\u00fccherverbrennung in Marburg. Sowohl Kurt H\u00fcbner als auch Hanns Joachim Stoevesand waren Verbindungsstudenten.<br \/>\nDie Vorgaben aus Berlin zu einer nationalen Kampagne der &#8222;deutschen&#8220; Studenten gegen &#8222;undeutsches Schrifttum&#8220; setzten sie in Marburg auf ihre eigene Weise um. Dabei taten sich beide durch besonderen Eifer und hetzerische Parolen hervor.<br \/>\nBereits 1932 war H\u00fcbner in den Vorstand der Allgemeinen Marburger Studentenschaft (AMSt) gew\u00e4hlt worden. In dieser Funktion organisierte er die Sommersonnenwendfeier 1932. Zudem breitete er eine Protestdemonstration gegen die Verhaftung des Jugendf\u00fchrers Baldur von Schirach an, die Oberb\u00fcrgermeister Johannes M\u00fcller jedoch verbot.<br \/>\nH\u00fcbner war Mitglied der Teutonia Marburg. Die Studentenverbindung hat jedoch eigenen Angaben zufolge keine Unterlagen mehr \u00fcber ihre Mitglieder w\u00e4hrend der Nazi-Zeit.<br \/>\n1933 wurde H\u00fcbner zum Vorsitzenden der AMSt gew\u00e4hlt. Unter seiner F\u00fchrung zogen Studenten verschiedener Corps und des Nationalsozialistischen deutschen Studentenbunds (NSdSB) am Abend des 10. Mai 1933 zum Kempfrasen, wo sie B\u00fccher verschiedener Autoren den Flammen \u00fcbergaben. Die Hauptrede dort hielt der Referendar Stoevesand.<br \/>\nDie B\u00fccher hatten die Studenten zuvor im eigenen B\u00fccherregal, bei Nachbarn und Bekannten eingesammelt. Ihr Versuch, auch die entsprechenden Exemplare der Universit\u00e4tsbibliothek den Flammen zu \u00fcbergeben, scheiterte jedoch an der Weigerung des Bibliotheksdirektors. Stattdessen richtete er eigens einen Raum ein, in dem die bis zu 15.000 Titel verschlossen aufbewahrt wurden.<br \/>\nStoevesand machte zun\u00e4chst Karriere in der Politik. Vor\u00fcbergehend war er auch Stadtverordneter in Marburg, bevor er 1942 im Krieg fiel.<br \/>\nH\u00fcbner \u00fcberlebte den Zweiten weltkrieg als Soldat in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Nach Kriegsende musste er sich vor einer Spruchkammer f\u00fcr seine Aktivit\u00e4ten w\u00e4hrend des &#8222;Dritten Reichs&#8220; verantworten.<br \/>\nIm ersten Verfahren wurde er in die h\u00f6chste Kategorie &#8222;1&#8220; als Anf\u00fchrer eingestuft. Ihm wurde eine ma\u00dfgebliche verantwortung f\u00fcr die Durchsetzung der Nazi-Gewaltherrschaft in Marburg attestiert.<br \/>\nDamit wurde seine Schuld genauso hoch eingestuft wie die des Reichspropagandaministers Josef G\u00f6bbels und aller anderen Nazi-Gr\u00f6\u00dfen. H\u00fcbner wurde zu 20 Jahren Haft und dem Verbot aller weiteren politischen Bet\u00e4tigung verurteilt.<br \/>\nIn zweiter Instanz wurde er dann in die Kategorie &#8222;2&#8220; eingeordnet. Am Ende schlie\u00dflich wurde er als &#8222;Mitl\u00e4ufer&#8220; zu zwei Jahren Haft verurteilt, von denen er allerdings nur ein Teil absitzen musste.<br \/>\nNach seiner Entlassung arbeitete H\u00fcbner als Regionalreporter bei einer Zeitung im Main-Taunus-Kreis. 1968 starb er bei einem selbst verschuldeten Autounfall.<br \/>\nNach Friedrichs Einsch\u00e4tzung ist es durchaus m\u00f6glich, dass H\u00fcbner sein Fehlverhalten eingesehen hat. Jedenfalls zeige sein weiterer Lebenslauf keine rassistische oder rechte Gesinnung mehr, sondern vielmehr eine strikte Abstinenz von jeglicher politischen Bet\u00e4tigung. Allerdings habe H\u00fcbner seine Rolle w\u00e4hrend des Studiums in Marburg immer heruntergespielt oder ganz verschwiegen.<br \/>\nUnterst\u00fctzung erhielt H\u00fcbner damals nicht nur von seinem Kameraden Stoevesand, sondern auch von der Oberhessischen Zeitung. Ihre Berichte \u00fcber eine massenhafte Beteiligung an der B\u00fccherverbrennung h\u00e4lt Friedrich f\u00fcr wenig glaubw\u00fcrdig. Leider gebe es aber keine Zeugnisse unbeteiligter Zeitzeugen etwa in Tageb\u00fcchern oder andere seri\u00f6se Dokumente, bedauerte der Historiker.<br \/>\nAm Tag der B\u00fccherverbrennung habe es geregnet und es sei sehr dunstig gewesen. Zudem fand das Ereignis auch erst am Abend statt, sodass davon keine Fotos existieren.<br \/>\nAuf eine Frage aus dem Publikum nach einer widerw\u00e4rtigen Aktion in der Oberhessischen Zeitung musste Friedrich passen. Am Tag der B\u00fccherverbrennung waren dort Todesanzeigen f\u00fcr Siegfried Jacobsohn und zwei weitere Marburger Professoren abgedruckt worden. Sp\u00e4ter nahm Jacobsohn sich aufgrund des Drucks seitens der Universit\u00e4tsleitung und der nationalsozialistischen Studenten das Leben.<br \/>\nModeratorin Inge Sturm regte f\u00fcr den 10. Mai 2018 eine \u00f6ffentliche Lesung aus verbrannten B\u00fcchern an. Zudem k\u00fcndigte sie an, Die Linke werde in der Stadtverordnetenversammlung (StVV) einen Antrag stellen, dass am Technologie- und Tagungszentrum (TTZ) eine Gedenktafel angebracht werden solle. Das Geb\u00e4ude steht heute genau dort, wo 1933 die B\u00fccherverbrennung stattgefunden hat und von wo 1920 bereits Marburger Studenten ins th\u00fcringische Mechterstedt aufgebrochen waren, um dort streikende Arbeiter zu erschie\u00dfen.<br \/>\nDie Auseinandersetzung mit den dunklen Kapiteln kommunaler Geschichte sei eine wichtige Aufgabe, betonte Friedrich abschlie\u00dfend. Sie k\u00f6nne davor sch\u00fctzen, populistischen parolen hinterherzulaufen und Gewalt als Mittel der Politik zu verherrlichen.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die T\u00e4ter der Marburger B\u00fccherverbrennung vom 10. Mai 1933&#8220; waren am Mittwoch (10. 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