{"id":5026,"date":"2020-04-28T11:37:18","date_gmt":"2020-04-28T09:37:18","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=5026"},"modified":"2020-04-28T11:43:23","modified_gmt":"2020-04-28T09:43:23","slug":"erinnerungen-brand-im-squash-center-am-25-april-1995","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=5026","title":{"rendered":"Erinnerungen: Brand im Squash-Center am 28. April 1995"},"content":{"rendered":"<p>Im Marburger Squash-Center brach am 28. April 1995 ein Feuer aus. Es wurde zur gr\u00f6\u00dften Katastrophe, die die \u00f6rtlichen Brandsch\u00fctzer bis dahin zu bew\u00e4ltigen hatten. <!--more--><br \/>\nDer Brandunfall zeigte auf entsetzliche Weise, dass die vorgeschriebene Schutzausr\u00fcstung der Feuerwehr unzureichend war. 25 Jahre sp\u00e4ter sitzt der Schock immer noch tief. Mit Grauen erinnern sich beteiligte Einsatzkr\u00e4fte an den verh\u00e4ngnisvollen Freitagnachmittag, aber auch daran, was er bewirkt hat.<br \/>\nDie Sicherheit der Feuerwehrleute erhielt fortan einen hohen Stellenwert. Der Schutz der Menschen, die sich f\u00fcr ihre Mitmenschen einsetzen, war f\u00fcr die Stadt Marburg seither eine selbstverst\u00e4ndliche Verpflichtung.<br \/>\nEine meterhohe Rauchs\u00e4ule stieg damals in den Himmel; Flammen schossen aus Dach und Fenstern. Auf Tragen lagen schwerverletzte Feuerwehrm\u00e4nner; ihre H\u00e4nde und Haut waren verbrannt. In der N\u00e4he setzten Rettungshubschrauber zur Landung an.<br \/>\nWas anfangs wie ein einfacher Zimmerbrand aussah, ausgel\u00f6st durch einen technischen Defekt, entwickelte sich innerhalb weniger Minuten zu einer Trag\u00f6die. Zwei Einsatzkr\u00e4fte erlitten beim Marburger Squash-Center-Brand am 28. April 1995 schwerste Brandverletzungen &#8211; ihre Schutzanz\u00fcge hielten dem Feuer nicht stand.<br \/>\nUnter den Eindr\u00fccken der Brandkatastrophe wurde in der Feuerwehr der Ruf nach besserer Schutzkleidung laut. Politik, Feuerwehrverband und Kommunen zogen mit und beschleunigten die Einf\u00fchrung neuer Schutzanz\u00fcge.<br \/>\nDie Marburger Feuerwehr wurde als eine der ersten Feuerwehren in Hessen mit einer neuen Schutzausr\u00fcstung ausgestattet. Feuerwehren in ganz Deutschland sowie in Teilen Europas folgten sp\u00e4ter diesem Beispiel.<br \/>\n&#8222;Es war ein ganz normaler Freitag&#8220;, erinnert sich Lothar Schmidt an den 28. April vor 25 Jahren. Gegen 12 Uhr hatte der damalige hauptamtliche Ger\u00e4tewart des Brandschutzamts der Stadt Marburg Feierabend, doch er entschied sich, noch ein paar Stunden dranzuh\u00e4ngen. Dass er um 16.53 Uhr mit schweren Verbrennungen von einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik gebracht werden musste, das ahnte der damals 43-j\u00e4hrige Feuerwehrmann zu diesem Zeitpunkt noch nicht.<br \/>\nKurz bevor sich Schmidt ins Wochenende verabschieden wollte, ging gegen 15 Uhr ein Notruf auf der Leitstelle Marburg-Biedenkopf ein: &#8222;Feuer im Squash-Center&#8220;. Einsatzkr\u00e4fte r\u00fcckten in den Stadtteil Ockershausen aus, wo sich das Center befan.<br \/>\nDarunter war auch der damalige Stadtbrandinspektor und Feuerwehrchef Karlheinz Merle. &#8222;Es kam ein bisschen Rauch aus einem Fenster&#8220;, erz\u00e4hlt der heute 84-j\u00e4hrige Rentner, der zusammen mit dem damaligen Wehrf\u00fchrer Lars Sch\u00e4fer von der Freiwilligen Feuerwehr Marburg-Mitte den Einsatz am Squash-Center leitete. &#8222;Nichts deutete darauf hin, dass es zu einer Rauchgasdurchz\u00fcndung &#8211; einem sogenannten Flashover &#8211; und damit zu einer meterhohen Feuerwalze kommen w\u00fcrde&#8220;, erinnert sich Merle.<br \/>\nDa man sichergehen wollte, dass keine Menschen mehr in dem Geb\u00e4ude waren, schickte der Feuerwehrchef mehrere Atemschutzger\u00e4tetr\u00e4ger ins Squash-Center. Schmidt z\u00e4hlte zu ihnen. Ihr Auftrag war Menschenrettung und Brandbek\u00e4mpfung. Merle selbst stieg in den Keller hinunter, um den Gashahn zuzudrehen.<br \/>\nDann passierte es. Rauchgase, die sich in der gesamten Sportst\u00e4tte ausgebreitet hatten, z\u00fcndeten durch; es gab eine Explosion, riesige Flammen schossen durchs Geb\u00e4ude. Die Zwischendecke brannte durch und st\u00fcrzte hinunter.<br \/>\nGutachter stellten sp\u00e4ter fest, dass beim Flashover zwischen 1.000 und 1.200 Grad Celsius im Squash-Center geherrscht haben m\u00fcssen. Zwei Feuerwehrm\u00e4nner, die sich in der N\u00e4he der Fenster befanden, konnten sich unter der Feuerwalze hinwegb\u00fccken. Sie erlitten Rauchgasvergiftungen.<br \/>\nDoch Schmidt und sein Feuerwehrkamerad Michael Hagenbring wurden auf der Galerie oberhalb der Centre-Courts von dem Feuer \u00fcberrascht. &#8222;Erst war es totenstill&#8220;, berichtet der heute 68-j\u00e4hrige Schmidt. &#8222;Der Rauch war so schwarz, dass man nicht die Hand vor Augen sehen konnte. Dann gab es einen ohrenbet\u00e4ubenden Knall.&#8220;<br \/>\nDas Feuer ist \u00fcber ihn hinweggerollt. &#8222;Ich sah \u00fcberall Flammen&#8220;, beschreibt er die Feuerwalze. Er habe vor Schmerzen nur noch schreien k\u00f6nnen.<br \/>\n\u00c4hnlich erging es Hagenbring. Auch er war dem Feuer ausgeliefert. W\u00e4hrend Schmidt es selbst zum Fenster schaffte, die Steckleiter hinunterkletterte und sichtlich im Schockzustand zum Rettungswagen ging, konnte sich Hagenbring kaum bewegen.<br \/>\n&#8222;In dem Moment hatte ich mit dem Leben abgeschlossen&#8220;, erz\u00e4hlt Hagenbring. Herbeigeeilte Feuerwehrm\u00e4nner zogen ihn aus einem Fenster in den Korb der Drehleiter. Von der nahegelegenen Tankstelle wurden Wasserkannen geholt, um seine und Schmidts Brandwunden zu k\u00fchlen.<br \/>\nDie Bilder von den beiden Schwerverletzten habe er noch heute vor Augen, erinnert sich Marburgs Altoberb\u00fcrgermeister und sp\u00e4terer Brandschutzdezernent Dietrich M\u00f6ller, der ebenfalls am Einsatzort war. Er sei von ihrem Anblick und der Schwere der Verletzungen schockiert gewesen.<br \/>\nW\u00e4hrend es vor dem Squash-Center zu dramatischen Szenen kam, ging es auch auf der R\u00fcckseite des Geb\u00e4udes um Leben und Tod. Feuerwehrmann Holger Berdux konnte sich w\u00e4hrend der Explosion in ein kleines R\u00e4umchen im Obergeschoss retten. Der Raum, der als Kopierraum genutzt wurde, hatte jedoch ein vergittertes Fenster.<br \/>\nDer Funk zu seinen Kameraden war abgerissen. Durch die T\u00fcr konnte der damals 31-j\u00e4hrige Feuerwehrmann nicht wieder hinaus. Er wwar gefangen.<br \/>\n&#8222;Ich hatte pures Gl\u00fcck, dass in der N\u00e4he Dachdecker arbeiteten, die zu Hilfe geeilt sind&#8220;, erinnert sich Berdux. Dachdeckerseile wurden um die Gitterst\u00e4be und an einen Drehleiterwagen befestigt. Als das Fahrzeug Vollgas gab, wurden die St\u00e4be aus ihrer Verankerung gerissen.<br \/>\nBerdux rettete sich mit einem Sprung aufs Vordach. Kurz darauf schoss eine Stichflamme aus dem Fenster.<br \/>\n&#8222;F\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter war der Raum komplett ausgebrannt&#8220;, erinnert sich Feuerwehrmann Michael Czyrzewski, der f\u00fcr die Wasserversorgung und den Sicherheitstrupp am Einsatzort zust\u00e4ndig war. &#8222;W\u00e4re Holger im Raum geblieben, w\u00e4re er bei lebendigem Leib verbrannt&#8220;, f\u00fcgt der damals 29 Jahre alte Czyrzewski mit belegter Stimme hinzu. Wie durch ein Wunder blieb Berdux jedoch unverletzt.<br \/>\nIn der Zwischenzeit waren die Rettungshubschrauber Christoph 25 und 28 angefordert worden, die die beiden Feuerwehrm\u00e4nner Hagenbring und Schmidt in Spezialkliniken nach Aachen und K\u00f6ln-Merheim brachten. Hagenbring, der kurz vor dem Abitur stand, hat der Flashover besonders stark getroffen. Seine Hautoberfl\u00e4che war zu 63 Prozent verbrannt.<br \/>\nAuch seine H\u00e4nde haben schwere Sch\u00e4den davongetragen. Die \u00c4rzte prognostizierten eine geringe \u00dcberlebenschance.<br \/>\nSchmidts Hautoberfl\u00e4che war zu 40 Prozent verbrannt und seine H\u00e4nde &#8222;verkocht&#8220;, wie er es beschreibt. Aufgrund seines Alters wurden aber auch ihm nur geringe Chancen einger\u00e4umt. &#8222;In den ersten drei Tagen nach dem Unfall stand meine \u00dcberlebenschance bei 50\/50&#8220;, erz\u00e4hlt er heute n\u00fcchtern.<br \/>\nDass Hagenbring und Schmidt trotz Schutzanz\u00fcgen so schwer verletzt wurden, sorgte in den Tagen nach dem Unfall innerhalb der Feuerwehr sowie in der gesamten Bev\u00f6lkerung f\u00fcr Entsetzen. Einige Feuerwehrleute quittierten ihren Dienst. Manche Einsatzkr\u00e4fte wurden von ihren Familien aufgefordert, die Feuerwehr zu verlassen.<br \/>\n&#8222;Es herrschte kaum noch Vertrauen in die vorhandene Schutzkleidung&#8220;, wei\u00df Sch\u00e4fer. Sie bestand damals entweder aus Schurwolle, wie in Schmidts Fall, oder aus schwerentflammbarer Baumwolle, wie Hagenbring sie trug. Dass eine verbesserte Schutzausr\u00fcstung n\u00f6tig ist, davon war der damalige Feuerwehrchef Merle schon Jahre vor dem Squash-Center-Brand \u00fcberzeugt und setze sich tatkr\u00e4ftig daf\u00fcr ein.<br \/>\nMerle war sogar mit ihrer Entwicklung vom Landesfeuerwehrverband betraut worden. Das Tragische: Zum Zeitpunkt des Unfalls hingen bereits zwei Prototypen der neuen Einsatzkleidung in seinem B\u00fcro. Doch die Anz\u00fcge galten noch nicht als genormt, mussten weiterentwickelt werden und kamen daher nicht in Umlauf.<br \/>\nDas \u00e4nderte sich nach dem Gro\u00dfbrand schnell. Mit Eifer wurde an einer zeitnahen Einf\u00fchrung gearbeitet. Das Land Hessen bezuschusste die Anschaffung mit 16 Millionen DM und setzte damit ein Zeichen.<br \/>\n&#8222;Anfangs sollten nur Atemschutzger\u00e4tetr\u00e4ger neu eingekleidet werden&#8220;, erinnert sich Merle. Das war dem Marburger Feuerwehrchef mit etwa 450 Feuerwehrkr\u00e4ften aber zu wenig. &#8222;Wir waren sogar bereit, auf unsere Galauniform zu verzichten, wenn daf\u00fcr jeder einen neuen Schutzanzug bek\u00e4me&#8220;, unterstreicht der heute 84-j\u00e4hrige Merle die Forderung.<br \/>\nDer damalige Oberb\u00fcrgermeister M\u00f6ller unterst\u00fctzte Merle bei seiner Forderung und gab die finanziellen Mittel frei. Das Stadtparlament stimmte schlie\u00dflich geschlossen daf\u00fcr. Ein gutes Jahr nach dem Brand, Mitte 1996, erh\u00e4lt die Marburger Feuerwehr als eine der ersten Feuerwehren in Hessen die neue Schutzausr\u00fcstung. Sie besteht aus einem feuerwiderstandf\u00e4higem Textilgewebe, das w\u00e4rme- und hitzeisolierend wirkt. Diese Art von Schutzkleidung wird auch heute noch f\u00fcr Eins\u00e4tze verwendet. &#8222;Wir haben aus dem schlimmen Ereignis gelernt und machen in Sachen Sicherheit bei unserer pers\u00f6nlichen Schutzbekleidung keine Abstriche&#8220;, erkl\u00e4rt Carmen Werner, Leiterin der Marburger Feuerwehr. &#8222;Es wird alles daf\u00fcr getan, dass die Ausr\u00fcstung unserer Feuerwehr auf dem neuesten Stand der Technik ist&#8220;, f\u00fcgt ihr Stellvertreter Andreas Brauer hinzu. Dabei hilft Marburgs B\u00fcrgermeister Wieland St\u00f6tzel: &#8222;F\u00fcr mich ist es wichtig, dass unsere Marburger Feuerwehr f\u00fcr ihre Eins\u00e4tze bestm\u00f6glich ausgestattet ist. Daher werde ich mich als zust\u00e4ndiger Brandschutzdezernent daf\u00fcr einsetzen, dass ausreichende finanzielle Mittel f\u00fcr unsere Feuerwehreinsatzkr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung stehen. Ein Ereignis wie vor 25 Jahren darf sich nicht wiederholen.&#8220;<br \/>\n&#8222;Nat\u00fcrlich war ich stolz darauf, dass die neue Schutzkleidung binnen eines Jahres eingef\u00fchrt wurde&#8220;, erkl\u00e4rt Merle. Hatte er doch an ihrer Entwicklung federf\u00fchrend mitgewirkt. Doch richtig Freude und Erleichterung kamen bei ihm, Sch\u00e4fer und M\u00f6ller erst auf, als sich der Zustand der beiden schwerverletzten Feuerwehrleute Schmidt und Hagenbring verbesserte.<br \/>\nDie Genesung verlief anfangs schleppend, unz\u00e4hlige Hauttransplantationen wurden vorgenommen. Jeder Verbandswechsel fand zun\u00e4chst unter Vollnarkose statt.<br \/>\nDie Finger wurden bei beiden Feuerwehrm\u00e4nnern zum Teil amputiert. Sie verbrachten viel Zeit auf Intensivstation und in der Reha. Schritt f\u00fcr Schritt kehrten Hagenbring und Schmidt zur\u00fcck ins Leben.<br \/>\n&#8222;Wir hatten die beste Unterst\u00fctzung, die man sich w\u00fcnschen kann&#8220;, berichtet Schmidt. Die Feuerwehr Marburg stellte Besuchspl\u00e4ne auf und gab einen Mannschaftsbus frei, der jederzeit f\u00fcr Fahrten nach Aachen oder K\u00f6ln genutzt werden durfte. Familie und Freunde kamen \u00fcber Monate hinweg t\u00e4glich vorbei.<br \/>\nBesonders die M\u00f6glichkeit, immer wieder dar\u00fcber zu reden, half Schmidt und Hagenbring, das Erlebte zu verarbeiten. Eine gro\u00dfe Erleichterung war, als M\u00f6ller und Merle mich im Krankenhaus besuchten und mir versicherten, dass ich weiterhin eine feste Stelle im Brandschutzamt habe&#8220;, erinnert sich Schmidt.<br \/>\nAuch Hagenbring arbeitet bei der Universit\u00e4tsstadt Marburg. Er begann 1997 eine Ausbildung in der Stadtverwaltung.<br \/>\nAus allen Richtungen erreichte die beiden gro\u00dfe Anteilnahme. Hohe Geldsummen wurden gespendet. Die Band &#8222;Screw Loose&#8220; nahm ein Lied auf und \u00fcberlie\u00df der Feuerwehr Marburg den Verkauf der CDs und damit die Einnahmen.<br \/>\nBenefizveranstaltungen fanden statt. Wirtschaft, Handel und Privatpersonen steuerten hochwertige Gewinne zur Tombola bei. Die Kinobetreiber Closmann veranstalteten Filmabende mit dem Feuerwehrfilm &#8222;Backdraft&#8220;.<br \/>\nDie Eintrittsgelder gingen an die schwerverletzten Feuerwehrm\u00e4nner. Ebenso erhielten sie Gelder aus Bu\u00dfgeldverfahren, die auch heute noch durch das Gericht gemeinn\u00fctzigen Einrichtungen zugewiesen werden k\u00f6nnen.<br \/>\nSobald es ging, kehrten Hagenbring und Schmidt wieder zur Feuerwehr zur\u00fcck. Auch Berdux ist wieder im Einsatz. &#8222;Einmal Feuerwehr, immer Feuerwehr&#8220;, beschreibt Merle das einzigartige kameradschaftliche Miteinander, das die Feuerwehr ausmacht; und alle stimmen ihm zu.<br \/>\nF\u00fcr Schmidt, der nach dem Unfall weiterhin in der Schlauchwerkstatt beim Brandschutzamt arbeitete, wurden eine automatisierte Schlauchreinigungsanlange sowie Greifwerkzeuge angeschafft. Dar\u00fcber hinaus entdeckte er als neue Passion die Ausbildung der Maschinisten. Er brachte Feuerwehrm\u00e4nnern und -frauen das Fahren der gro\u00dfen Ger\u00e4te bei.<br \/>\n&#8222;Ob Drehleiterwagen oder L\u00f6schfahrzeug, jedes Auto bei uns hatte seine Eigenart&#8220;, wei\u00df Schmidt zu berichten. Sie gab er mit Freude an seine Kameraden weiter.<br \/>\nBis zu seinem Ruhestand 2014 war Schmidt beim Brandschutzamt besch\u00e4ftigt. Danach entschloss er sich, mit seiner Frau in den Norden zu ziehen.<br \/>\n&#8222;Bei einem Besuch im Landkreis Oldenburg &#8211; 70 Kilometer von der See entfernt &#8211; bemerkte ich, dass ich dort viel besser atmen konnte&#8220;, erinnert sich der Hobbykoch. Durch den Brandunfall habe er neben den hochgradigen Verbrennungen auch eine Rauchgasvergiftung davongetragen und damit schwere Atemwegsbeschwerden gehabt. An seinem neuen Wohnort huste er viel weniger und k\u00f6nne besser durchatmen.<br \/>\nIm Herzen sei er aber nach wie vor Marburger und lasse den Kontakt zu seinen ehemaligen Kameraden nicht abrei\u00dfen. Jedes Jahr am 28. April st\u00f6\u00dft er mit seiner Frau Moni mit einem Gl\u00e4schen Sekt auf seinen zweiten Geburtstag an.<br \/>\nMichael Hagenbring ist da anders. Der heute 45-J\u00e4hrige denkt nur noch wenig an die Vergangenheit zur\u00fcck. Der 28. April ist f\u00fcr ihn normalerweise ein Tag wie jeder andere, au\u00dfer in diesem Jahr. Da ist er sich des traurigen Jubil\u00e4ums durchaus bewusst. \u00c4hnlich wie Lothar Schmidt ist er dankbar, dass die Rettungskette im Anschluss an den Unfall so gut geklappt hat. Dass gleich Rettungshubschrauber und Betten in den Spezialkliniken bereitstanden, dass Familie, Freunde und Kameraden f\u00fcr sie da waren und dass man ihnen immer die M\u00f6glichkeit gab, \u00fcber die Ereignisse zu reden. Dar\u00fcber hinaus habe die Unfallkasse Hessen sich intensiv um die beiden Verletzten gek\u00fcmmert und auch ihre Familien in dieser schweren Zeit unterst\u00fctzt.<br \/>\n&#8222;Ich war allerdings schnell der Meinung, dass mich jammern nicht weiterbringen w\u00fcrde&#8220;, erz\u00e4hlt Hagenbring. Schon w\u00e4hrend seines Krankenhausaufenthalts l\u00e4sst ihm sein Physiotherapeut, mit dem er auch noch nach 25 Jahren in Kontakt steht, keine Schw\u00e4che durchgehen. &#8222;Er trieb mich an und half mir, st\u00e4rker zu werden.&#8220;<br \/>\nAuch sein Freundeskreis und seine damalige Freundin und jetzige Ehefrau Nadja bauten ihn auf. Er kehrte zur Feuerwehr zur\u00fcck, fuhr zu Alarmierungen und unterst\u00fctzte dabei die Einsatzleitung. Eigens f\u00fcr ihn wurde ein Einsatzwagen mit Lenkradknauf versehen, damit er trotz der Beeintr\u00e4chtigung der H\u00e4nde das Fahrzeug steuern konnte.<br \/>\nAuch beruflich entwickelte sich bei dem damals 20-j\u00e4hrigen Feuerwehrmannalles zum Guten. Bei der Stadt begann er 1997 eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Heute ist er im Stra\u00dfenverkehrsamt der Stadt Marburg.<br \/>\n&#8222;Weder Lothar noch ich hadern mit dem, was uns passiert ist&#8220;, fasst Hagenbring zusammen. Beide sind mit ihrem Leben zufrieden und gl\u00fccklich, dass ihre Feuerwehrkameraden durch die verbesserte Schutzkleidung heute sicherer sind als sie es selbst damals am 28. April 1995 waren.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Marburger Squash-Center brach am 28. April 1995 ein Feuer aus. 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