{"id":4654,"date":"2020-01-24T16:17:53","date_gmt":"2020-01-24T15:17:53","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=4654"},"modified":"2020-01-24T16:17:53","modified_gmt":"2020-01-24T15:17:53","slug":"am-marburger-judentum-ehrenbuerger-amnon-orbach-feierte-geburtstag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=4654","title":{"rendered":"Am Marburger Judentum: Ehrenb\u00fcrger Amnon Orbach feierte Geburtstag"},"content":{"rendered":"<p>Amnon Orbach pr\u00e4gt das j\u00fcdische Leben und den interkulturellen Dialog in Marburg seit Jahrzehnten. Im Januar 2020 begeht er seinen 90. Geburtstag. <!--more--><br \/>\nOberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies hat aus diesem besonderen Anlass zu einem Empfang in Marburgs sch\u00f6nstem Saal eingeladen. Damit gratulierte er dem Gr\u00fcnder und Vorsitzenden der J\u00fcdischen Gemeinde, Ehrenb\u00fcrger der Universit\u00e4tsstadt Marburg, Vorstandsmitglied der Gesellschaft f\u00fcr christlich-j\u00fcdische Zusammenarbeit. F\u00fcr den Erhalt j\u00fcdischer Traditionen und j\u00fcdischen Glaubens in Marburg, ein besseres gegenseitiges Verst\u00e4ndnis, ein friedvolles Zusammenleben der Bev\u00f6lkerungsgruppen und Religionen setzt Orbach sich unerm\u00fcdlich ein, seit es ihn 1982 in die Universit\u00e4tsstadt gef\u00fchrt hat.<br \/>\nRund 150 Menschen war es daher ein besonderes Anliegen, ihm beim Empfang im Rathaus pers\u00f6nlich zum 90. Geburtstag zu gratulieren. Eine lange Schlange bildete sich schnell vor dem Geburtstagskind: Alle Ehrenb\u00fcrger der Stadt Marburg, Stadt\u00e4lteste und Mitglieder des Magistrats, des Landtags und des Bundestags, Vertreter der Religionen, der Philipps-Universit\u00e4t und von Vereinen sowie Familienmitglieder aus Israel, viele Freunde und Bekannte z\u00e4hlten zu den zahlreichen G\u00e4sten.<br \/>\n&#8222;Wir feiern heute einen Menschen, der jede Lobpreisung verdient und zugleich die Tugend der Bescheidenheit so hochh\u00e4lt, dass er Lob eigentlich gar nicht h\u00f6ren m\u00f6chte&#8220;, sagte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies. &#8222;Ihr Einsatz f\u00fcr j\u00fcdisches Leben in Marburg &#8211; Ihre Lebensaufgabe &#8211; ist f\u00fcr die Universit\u00e4tsstadt Marburg von unsch\u00e4tzbarem Wert.&#8220;<br \/>\nDie Inschrift &#8222;Mein Haus soll ein Bethaus f\u00fcr alle V\u00f6lker sein&#8220; an der Synagoge sei auf Orbachs Wunsch hin angebracht worden. Diese Worte zeigen, dass der Geehrte sich auch f\u00fcr den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Dialog zwischen den Religionen eingesetzt hat. So wurden in Marburg die letzten Worte der Torarolle gemeinsam mit Vertretern der christlichen Kirchen und der Islamischen Gemeinde geschrieben als ein Akt des Zusammenhalts, der in die Geschichte Marburgs eingegangen sei.<br \/>\n&#8222;Du bist ein Gl\u00fccksfall f\u00fcr Marburg und ein Br\u00fcckenbauer&#8220;, sagte Monika Bunk. &#8222;Du stehst f\u00fcr ein j\u00fcdisches Leben, das existentiell im Alltag ist und nicht engstirnig in der religi\u00f6sen Praxis.&#8220;<br \/>\nOrbachs Weggef\u00e4hrtin und Freundin hat selbst an diesem Tag Geburtstag. Bei dem Empfang im Rathaus hielt sie die Laudatio.<br \/>\nSie fand bewegende Worte zum 90. Geburtstag des Marburger Ehrenb\u00fcrgers. Und hielt R\u00fcckblick, auf einen jungen Mann, der schon &#8222;fr\u00fch mit Kampf und Gefahr konfrontiert war&#8220;. 1930 wurde er in Jerusalem geboren Dort k\u00e4mpfte er im Unabh\u00e4ngigkeitskrieg, als er noch keine 20 Jahre alt war.<br \/>\nOrbach war Ingenieur der israelischen milit\u00e4rischen Industrie. Er studierte in New York und baute die elektro-optische Industrie mit auf. Er wurde Vater einer Tochter und eines Sohns.<br \/>\nDann gr\u00fcndete er eine Firma f\u00fcr Lehrmaterialien und Spiele.In seinen 50er Jahren zog er als Repr\u00e4sentant dieser Firma nach Marburg.<br \/>\nDoch ihm habe in Marburg das Judentum gefehlt. &#8222;Du machtest dich auf die Suche und fandest allerhand &#8211; zusammen mit Willy Sage ein paar fast versch\u00fcttete Torahrollen in einem Haus am Friedhof, die die Grundlage f\u00fcr die ersten Gottesdienste wurden&#8220;, berichtete Bunk.<br \/>\nOrbach habe die j\u00fcdische Kultur in Marburg wieder auferstehen lassen und mit enormer Energie und Idealismus f\u00fcr den Ausbau der neuen modernen Synagoge an der Liebigstra\u00dfe gewirkt. &#8222;Du hast die J\u00fcdische Gemeinde nicht nur wiederaufgebaut, sondern bist auch ihr geistiger Zusammenhalt, Herz und Seele.&#8220;<br \/>\nEin Gru\u00dfwort f\u00fcr die J\u00fcdische Gemeinde Marburg hielt Thorsten Schmermund. &#8222;Du hast die J\u00fcdische Gemeinde gegr\u00fcndet, die f\u00fcr viele Migranten Heimat und Gemeinschaft wurde&#8220;, bedankte er sich. Orbachs Drang zu lernen und dessen Liebe zu den Menschen h\u00f6re nie auf.<br \/>\nOrbach selbst richtete nach den Gr\u00fc\u00dfen und Gl\u00fcckw\u00fcnschen seinerseits Dankesworte an die G\u00e4ste, die in den Historischen Saal des Rathauses gekommen waren, um mit ihm Geburtstag zu feiern. &#8222;Ich danke euch, dass ihr mich unterst\u00fctzt habt und so akzeptiert wie ich bin. Ich habe in Marburg viele gute Freunde gewonnen.&#8220;<br \/>\nEine besondere Freude hat ihn zum Geburtstag Bodam Lee gemacht. Sie begleitete den Geburtstag musikalisch &#8211; auf der Geige, die Amnon Orbach selbst in seiner Kindheit gespielt hat. &#8222;Ich werde kein gro\u00dfer Geiger; das war mir schnell klar&#8220;, erz\u00e4hlte Orbach. Seine Eltern h\u00e4tten damals beschlossen, dass Orbach Geige spielen, seine Zwillingsschwester Klavier lernen sollte.<br \/>\nDie Geige lag in den letzten 77 Jahren in eine Kiste eingepackt. Vor zwei Monaten dann dachte Orbach an das Instrument &#8211; und lie\u00df es aufbereiten.<br \/>\nLee spielte &#8211; begleitet von Gunter Friedrich am Klavier &#8211; &#8222;Sch\u00f6n Rosmarin&#8220; von Fritz Kreisler, &#8222;Das V\u00f6gelchen&#8220; von Isang Yun und &#8222;Salut d`Amour&#8220; von Edward Elgar unter gro\u00dfem Applaus. &#8222;In ihren goldenen H\u00e4nden klingt diese mehr als 100 Jahre alte Geige wie neu&#8220;, freute sich Orbach.<br \/>\nZu einem Geburtstag geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch eine Geburtstagstorte, die nach dem offiziellen Teil dann im Foyer f\u00fcr Orbach und seine G\u00e4ste bereitstand. Ebenfalls als Geschenk der Stadt erhielt der Ehrenb\u00fcrger ein Schreibset mit F\u00fcllfederhalter und Brief\u00f6ffner &#8211; ein echtes Marburg-Unikat, da es aus dem Holz von Marburger Rotbuchen gefertigt wurde. Dar\u00fcber hinaus hat die Stadt dem Wunsch des Jubilars entsprochen und &#8211; ebenso wie die G\u00e4ste des Empfangs &#8211; f\u00fcr das Projekt &#8222;Aleh Negev &#8211; Nahalat Eran&#8220; in Israel gespendet.<br \/>\nOrbach kam 1982 nach Marburg. Er gr\u00fcndete die J\u00fcdische Gemeinde und wurde ihr Vorsitzender. Durch ihn bekam das j\u00fcdische Leben in der Universit\u00e4tsstadt einen neuen Stellenwert.<br \/>\nSeit 1986 ist Orbach Mitglied der Gesellschaft f\u00fcr christlich-j\u00fcdische Zusammenarbeit (CJZ). Kurze Zeit sp\u00e4ter wurde er ihr j\u00fcdischer Vorsitzender. Beide \u00c4mter hat der 90-j\u00e4hrige Marburger noch heute inne.<br \/>\nAuf seine Initiative wurde zun\u00e4chst eine Synagoge und ein kleiner Unterrichtsraum in einem Wohnhaus am Pilgrimstein eingerichtet. 2005 wurden die neue Synagoge und das Kulturzentrum der J\u00fcdischen Gemeinde an der Liebigstra\u00dfe er\u00f6ffnet.<br \/>\nF\u00fcr seine Verdienste hat Orbach 1990 das Historische Stadtsiegel der Universit\u00e4tsstadt Marburg erhalten, 2000 wurde er mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet, zum 80. Geburtstag 2010 erhielt er die Medaille der Universit\u00e4tsstadt Marburg.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Amnon Orbach pr\u00e4gt das j\u00fcdische Leben und den interkulturellen Dialog in Marburg seit Jahrzehnten. Im Januar 2020 begeht er seinen 90. 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Mit dem Gr\u00fcnder und jahrzehntelangen Vorsitzenden der J\u00fcdischen Gemeinde, Ehrenb\u00fcrger der Stadt, Tr\u00e4ger des Bundesverdienstordens und Vorstandsmitglied der Gesellschaft f\u00fcr christlich-j\u00fcdische Zusammenarbeit\u2026","rel":"","context":"In &quot;Kultur&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":16181,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=16181","url_meta":{"origin":4654,"position":2},"title":"Rund um Religion: HU trauert um Amnon Orbach","date":"25. August 2024","format":false,"excerpt":"Die Humanistische Union (HU) trauert um Amnon Orbach. Der Tr\u00e4ger des Marburger Leuchtfeuers 2022 ist am Sonntag (18. August) gestorben. \"mit Betr\u00fcbnis haben wir vom Tod unseres Leuchtfeuer-Preistr\u00e4gers Amnon Orbach erfahren\", schrieb der Marburger HU-Regionalvorsitzende Franz-Josef Hanke am Donnerstag (22. 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