{"id":463,"date":"2017-04-30T11:20:30","date_gmt":"2017-04-30T09:20:30","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=463"},"modified":"2017-04-30T12:21:23","modified_gmt":"2017-04-30T10:21:23","slug":"200-beteiligte-auftaktveranstaltung-im-eph-war-voller-erfolg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=463","title":{"rendered":"200 Beteiligte: Auftaktveranstaltung im EPH war voller Erfolg"},"content":{"rendered":"<p>Die Erwartungen weit \u00fcbertroffen hat die Resonanz auf die Auftaktveranstaltung zur B\u00fcrgerbeteiligung am Samstag (29. April). Rund 200 Menschen waren der Einladung der Stadt ins Erwin-Piscator-Haus (EPH) gefolgt. <!--more--><br \/>\nIn World-Caf\u00e9- und Fokusgruppen f\u00fchrten sie engagierte Gespr\u00e4che, sammelten Ideen und Vorschl\u00e4ge, tauschten Erfahrungen aus und erhielten zugleich in kurzweiligen Interviews Informationen zu bestehenden Marburger Beteiligungsformaten. Mit einer so beeindruckenden Beteiligung habe man auch bei optimistischen Sch\u00e4tzungen nicht gerechnet, freute und bedankte sich gleich zum Start Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies.<br \/>\n&#8222;Das ist schon etwas Sensationelles&#8220;, zeigte sich auch Moderator Ludwig Weitz von der Zahl der Teilnehmenden in Marburg im Vergleich zu anderen St\u00e4dten beeindruckt. W\u00e4hrend drau\u00dfen die Sonne schien, herrschte auch im hellen Foyer der Kultur- und Tagungsst\u00e4tte am rund vierst\u00fcndigen Veranstaltungsvormittag eine aufgeschlossene und durchweg sachorientierte Atmosph\u00e4re. Dazu trug mit gelungenen wie humorvollen Improvisationen auf Zuruf auch das Fast Forward Theatre Marburg bei.<br \/>\n&#8222;Demokratie ist die \u00dcbertragung von Macht an wenige auf Zeit&#8220;, definierte Spies die Grundlagen seiner eigenen Macht. &#8222;B\u00fcrgerbeteiligung stellt sicher oder soll sicherstellen, dass in den Zeiten zwischen den Hoch\u00e4mtern der Demokratie das Verst\u00e4ndnis, die Vern\u00fcnftigkeit, die Richtigkeit, die Angemessenheit des Handelns der \u00f6ffentlichen Hand und die Beachtung aller legitimen Interessen verbessert wird.&#8220;<br \/>\nDaf\u00fcr gelte es, sich auf Regeln, Qualit\u00e4tsstandards, eventuell neue Formate und auf die Weiterentwicklung guter Erfahrungen zu verst\u00e4ndigen. &#8222;Mehr B\u00fcrgerbeteiligung soll dazu beitragen, dass m\u00f6glichst alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zuerst besser informiert sind oder werden&#8220;, erkl\u00e4rte das Stadtoberhaupt. &#8222;Dann soll Mitwirkung erleichtert werden.&#8220;<br \/>\nAm Ende w\u00fcrden die sehr pragmatischen politischen Entscheidungen f\u00fcr Marburg vern\u00fcnftiger und sachgerechter, hofft Spies. Zudem integrierten sie dann noch besser m\u00f6glichst viele Interessen.<br \/>\nMarburg habe viele Formen der Beteiligung. Deshalb gehe es um eine Vervollst\u00e4ndigung, nicht um das Ersetzen von Bestehendem. B\u00fcrgerbeteiligung sei gerade vor dem Hintergrund einer schwindenden Wahlbeteiligung und &#8211;<br \/>\nschlimmer &#8211; einer wachsenden Bereitschaft, die extremistischen Randbereiche des Spektrums, die expliziten Politikverweigerer zu w\u00e4hlen, von gro\u00dfer Bedeutung.<br \/>\n&#8222;B\u00fcrgerbeteiligung kann und soll dann ein erweitertes Sensorium f\u00fcr die Kommunalpolitik sein, eine Br\u00fccke zwischen Verwaltung, Parlament und Einzelinteressen herstellen&#8220;, erkl\u00e4rte der Oberb\u00fcrgermeister. &#8222;Es gilt, die zu h\u00f6ren, die sich noch nicht so laut melden.<br \/>\nInteressant seien f\u00fcr diesen Prozess vor allem die &#8222;Beteiligungsfernen&#8220;. Das seien h\u00e4ufig wahlabstinente, sozial benachteiligte Menschen und Menschen mit eher geringeren formalen Bildungsabschl\u00fcssen.<br \/>\n&#8222;Das sind aber auch junge Familien und alleinerziehende Frauen, die einfach keine Zeit haben, oder Menschen mit Migrationshintergrund&#8220;, erl\u00e4uterte der Oberb\u00fcrgermeister. &#8222;Was wir aber brauchen, ist noch mehr Beteiligung in Marburg aus unterschiedlichen Perspektiven. Junge und Jugendliche, Familien, Frauen, Studierende, Menschen mit Einwanderungsgeschichte, Menschen, denen lange Sitzungen nicht so liegen, Menschen, die sich im Stich gelassen f\u00fchlen, Menschen, die sozial benachteiligt sind &#8211; alle Beteiligungsferneren &#8211; geh\u00f6ren dazu.&#8220; B\u00fcrgerbeteiligung bedeute, alle Menschen ernst zu nehmen.<br \/>\nIn zwei World-Caf\u00e9-Runden und bei angeregten Gespr\u00e4chen trugen die Anwesenden in wechselnder Besetzung im Anschluss an Gruppentischen ihre ersten Vorschl\u00e4ge zur Frage &#8222;Was brauchen wir f\u00fcr eine gute Beteiligung in Marburg?&#8220; zusammen. Schon nach kurzer Zeit f\u00fcllten sich dabei die Papiertischdecken kreativ mit jeder Menge bunter Stichworte, die Moderator Weitz beispielhaft f\u00fcr das Plenum erfragte.<br \/>\nErste W\u00fcnsche reichten von einfacher Sprache \u00fcber die W\u00fcrdigung von allt\u00e4glichem Engagement, der Ber\u00fccksichtigung aller Altersgruppen, verbindlichen Zeitpl\u00e4nen bis zu einer Servicestelle f\u00fcr Beteiligung, einer Anfragebox oder einem Beteiligungskataster, das als Plattform transparent \u00fcber bestehende M\u00f6glichkeiten informiert. Alle erarbeiteten Vorschl\u00e4ge werden nach der Auftaktveranstaltung nun von der Stadt dokumentiert und f\u00fcr den weiteren Prozess zur Verf\u00fcgung gestellt.<br \/>\nDass sich zu der Auftaktveranstaltung eine bunte Mischung von Teilnehmenden eingefunden hatte, fragte Moderator Weitz im Rahmen einer &#8222;Lebendigen Statistik&#8220; ab: Jung und Alt, Menschen verschiedener Staatsangeh\u00f6rigkeiten, aus der Kernstadt sowie aus den Stadtteilen, Menschen, die sich bereits in Initiativen oder Vereinen engagieren und Einwohner, die sich durch einen Brief des Oberb\u00fcrgermeisters per Zufallsauswahl neu angesprochen f\u00fchlten, sowie Menschen aus Politik und Verwaltung kamen zusammen.<br \/>\n&#8222;Jeder Besucher ist von Marburg begeistert&#8220;, erl\u00e4uterte Hadar Al-Saffar im Kurzinterview stellvertretend f\u00fcr alle, die sich zum ersten Mal beteiligen. &#8222;Wenn man hier lebt, merkt man, dass es immer wieder Verbesserungsm\u00f6glichkeiten gibt. Und ich denke, es ist wichtig, daran mitzuarbeiten, dass unsere Stadt noch besser wird, als sie sowieso schon ist.&#8220;<br \/>\nIn f\u00fcnf Fokusgruppen zu den Themen &#8222;Beteiligung und Stadtplanung&#8220;, &#8222;Digitale Beteiligung&#8220;, &#8222;Beteiligung auf Stadtteil- und Ortsebene&#8220;, &#8222;Inklusion und Vielfalt in der Beteiligung&#8220; sowie &#8222;Open Space&#8220; nutzten die Marburger nach einer kurzen Pause mit Snacks und der M\u00f6glichkeit zum gemeinsamen Singen auch den zweiten Teil der Veranstaltung, um konzentriert und vielf\u00e4ltig Ideen zu sammeln. So brachten sie als erste Anregungen f\u00fcr einen mit der Veranstaltung am Samstag begonnenen Prozess unter anderem einen stetigen Austausch zwischen niedrigschwelliger, informeller Beteiligung und der Politik, eine digitale Plattform als Erg\u00e4nzung zum Beteiligungsprozess, die pers\u00f6nliche Begegnung und Wertsch\u00e4tzung, die Unterst\u00fctzung von Migrantenvereinen, Begegnung auf Augenh\u00f6he, eine App zur Kommunikation und Information, die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen oder die fr\u00fchzeitige Ver\u00f6ffentlichung von Vorhabenlisten f\u00fcr die weitere Diskussion ins Spiel.<br \/>\nAll das flie\u00dfe als Impuls jetzt in das weitere Verfahren ein, versprach Dr. Griet Newiger-Addy. Die Leiterin der Marburger B\u00fcrgerinnen- und B\u00fcrgerbeteiligung informierte die Anwesenden zum Thema: &#8222;Wie geht es weiter? Wie kann ich mich einbringen?&#8220;<br \/>\nPer Mitmach-Zettel hat die Stadt die Aktiven vom Samstag gefragt, in welchen Arbeitsgruppen sie daf\u00fcr k\u00fcnftig mitarbeiten m\u00f6chten. Bis Mitte 2018 soll ein Konzept mit Leitlinien und Verfahren f\u00fcr die B\u00fcrgerbeteiligung entstehen und der Stadtverordnetenversammlung (StVV) zur Entscheidung vorliegen.<br \/>\nEine Koordinierungsgruppe aus Einwohnern, Stadtverordneten, Verwaltung und Magistrat sowie Wissenschaft soll dabei zusammenf\u00fchren und den Prozess begleiten, k\u00fcndigte Newiger-Addy weiter an. Zugleich erfolgt mit der Demokratieforschung an der Philipps-Universit\u00e4t eine wissenschaftliche Begleitung des Prozesses und eine Bestandsaufnahme der bereits \u00fcber 50 bestehenden Marburger B\u00fcrgerbeteiligungsformate.<br \/>\n&#8222;Alles, was wir bewerten und erheben, wird \u00f6ffentlich zur Verf\u00fcgung gestellt und in den Prozess zur\u00fcckgegeben&#8220;, versprach Prof. Dr. Ursula Birsl, die mit ihren 13-k\u00f6pfigen Team von Studierenden zur Veranstaltung gekommen war. &#8222;Wir werden au\u00dferdem darauf achten, ob die Instrumente der Beteiligung dazu geeignet sind, unabh\u00e4ngig von der sozialen Herkunft und Staatsangeh\u00f6rigkeit Demokratie wieder zu st\u00e4rken.&#8220; Sie sei \u00fcberzeugt, dass die kommunale Ebene durchaus der Ort sei, Demokratie wieder st\u00e4rker zu leben.<br \/>\nZiel sei parallel zur Erarbeitung der Leitlinien auch, bereits neue innovative Verfahren auszuprobieren und den Prozess durch eine repr\u00e4sentative Befragung zu erg\u00e4nzen, skizzierte Newiger-Addy das weitere Vorgehen. &#8222;Wir werden \u00fcber all das und die einzelnen Schritte kontinuierlich und transparent informieren&#8220;, machte sie deutlich.<br \/>\nDass es neben neuen Vorschl\u00e4gen in Marburg bereits viele gute Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr B\u00fcrgerbeteiligung gibt, hatten am Vormittag Kurzinterviews zu verschiedenen Formaten der Universit\u00e4tsstadt eindrucksvoll vor Augen gef\u00fchrt. So berichteten Elias Hescher und Smilla Westenberger vom Rede- und Antragsrecht des Kinder- und Jugendparlaments in der Stadtverordnetenversammlung, Jochen W\u00f6lk vom Seniorenbeirat und als Leiterin der st\u00e4dtischen Altenplanung Dr. Petra Engel von Nachbarschaftsprojekten, die aus der Quartiersentwicklung hervorgegangen sind.<br \/>\nF\u00fcr die Gemeinwesenprojekte AKSB und IKJG erkl\u00e4rten Britta Stadlmann-Golega und Dorothee Griehl-Elhozayel, wie wichtig es sei, , Menschen, die sonst schwer zu erreichen sind, auf dem Weg zur Beteiligung ernst zu nehmen, ihre Stimme zu h\u00f6ren, direkte Beziehungen vor Ort aufzubauen und Strukturen zu bieten, in denen sie auf Vertrauensbasis dann wachsen k\u00f6nnen, um vielleicht zu Sprechern ihres Stadtteils zu werden. Auch beim Ikek-Prozess zur Dorfentwicklung in den Au\u00dfenstadtteilen habe die aufsuchende Beteiligung im Mittelpunkt gestanden, erl\u00e4uterte im Interview f\u00fcr die Stadtplanung Reinhold Kulle. Die Vorschl\u00e4ge kamen aus der Bewohnerschaft, die Verwaltung bot Tagungen an, um Know-how zu Verf\u00fcgung zu stellen.<br \/>\nEs gehe um die St\u00e4rkung des b\u00fcrgerschaftlichen Engagements, um das Ausloten von Interessen und Konflikten und die Frage, welches Verfahren f\u00fcr welche Situation geeignet sei, hatte Stadtverordnetenvorsteherin Marianne W\u00f6lk schon eingangs betont. &#8222;Sie haben einen Samstag hergegeben, um sich zu beteiligen&#8220;, bedankte sich der Oberb\u00fcrgermeister zum Abschluss der Veranstaltung, die erst ein Auftakt war.<br \/>\n&#8222;Ich freue mich sehr auf den weiteren Prozess&#8220;, sagte Spies. &#8222;Denn die B\u00fcrgerinnen- und B\u00fcrgerbeteiligung geht nicht ohne B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die sich beteiligen. Ihre Mitsprache tr\u00e4gt zur Zufriedenheit und zur weiteren Qualit\u00e4tsverbesserung in unserer Stadt Marburg bei.&#8220;<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erwartungen weit \u00fcbertroffen hat die Resonanz auf die Auftaktveranstaltung zur B\u00fcrgerbeteiligung am Samstag (29. April). 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