{"id":4442,"date":"2019-11-20T18:31:16","date_gmt":"2019-11-20T17:31:16","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=4442"},"modified":"2019-11-20T18:31:16","modified_gmt":"2019-11-20T17:31:16","slug":"gemeinsame-erschuetterung-shoa-ueberlebende-eva-pusztai-belane-sprach-im-eph","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=4442","title":{"rendered":"Gemeinsame Ersch\u00fctterung: Shoa-\u00dcberlebende \u00c9va Pusztai-B\u00e9lan\u00e9 sprach im EPH"},"content":{"rendered":"<p>\u00c9va Pusztai-B\u00e9lan\u00e9 ist \u00dcberlebende des Holocaust. Mit einem ergreifenden Vortrag berichtete sie im Erwin-Piscator-Haus \u00fcber ihr \u00dcberleben. <!--more--><br \/>\nAuf Einladung der Universit\u00e4tsstadt Marburg, der J\u00fcdischen Gemeinde Marburg und des Vereins der Lagergemeinschaft Auschwitz &#8211; Freundeskreis der Auschwitzer sprach Pusztai-B\u00e9lan\u00e9 \u00fcber einen der schwersten Angriffe auf die Menschlichkeit in der Geschichte der Zivilisation. Wie gelang ihr das \u00dcberleben? Was gibt ihr bis heute Kraft zum Weiterleben?<br \/>\nDas gro\u00dfe Foyer platzte aus allen N\u00e4hten, weit mehr als 200 Menschen waren gekommen und nicht alle fanden trotz zahlreicher weiterer in den Raum getragener St\u00fchle einen Sitzplatz.<br \/>\n&#8222;Angesichts aktueller gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen in ganz Europa ist ein Abend wie dieser ein Ausdruck des h\u00f6chsten Respekts und der Besinnung&#8220;, sagte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies. &#8222;In Marburg und Deutschland ist Schreckliches passiert&#8220;, betonte der Oberb\u00fcrgermeister.<br \/>\nEs seien Marburgerinnen und Marburger gewesen, die ihre Nachbarn denunzierten und sich somit an der systematischen und industriellen Verschleppung und Ermordung schuldig gemacht haben. &#8222;Wir gedenken der vielen Millionen Biografien, die nie gelebt wurden&#8220;, sagte Spies.<br \/>\n&#8222;Ihnen, \u00c9va Pusztai-B\u00e9lan\u00e9, mit Ihrem beeindruckenden Lebensmut zuh\u00f6ren zu d\u00fcrfen, erf\u00fcllt mich mit Dankbarkeit. Danke, dass Sie nach Marburg gekommen sind!<br \/>\nPusztai-B\u00e9lan\u00e9 wurde am 22. Oktober 1925 in Debrecen (Ungarn) als Tochter eines Holzh\u00e4ndlers und seiner Frau geboren. Mit der Besetzung Ungarns durch die deutsche Wehrmacht kam die Familie ins Ghetto und im letzten Transport am 27. Juni 1944 wurde schlie\u00dflich auch sie mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert.<br \/>\nIhre Eltern und ihre Schwester \u00fcberlebten nicht. Pusztai-B\u00e9lan\u00e9 wurde dann nach Stadtallendorf transportiert, wo sie in Zwangsarbeit f\u00fcr die R\u00fcstungsindustrie arbeiten musste. Auf einem so genannten Todesmarsch im M\u00e4rz 1945 wurde sie von amerikanischen Truppen befreit und kehrte nach Ungarn zur\u00fcck.<br \/>\nHeute engagiert sich Pusztai-B\u00e9lan\u00e9 mit der Gedenkst\u00e4tte Buchenwald daf\u00fcr, dass das Schicksal j\u00fcdischer Frauen nicht in Vergessenheit ger\u00e4t. Auch die aktuellen Entwicklungen in Ungarn lassen Pusztai-B\u00e9lan\u00e9 nicht aufh\u00f6ren, gegen die Umdeutung der Vernichtung ungarischer Juden einzutreten und Lesungen wie diese in Marburg durchzuf\u00fchren.<br \/>\nVor dem Marburger Publikum sprach die heute in Budapest lebende Autorin frei \u00fcber das, was in ihrem Buch &#8222;Die Seele der Dinge&#8220; nachzulesen ist. Sie freue sich sehr, dass vor allem so viele junge Menschen gekommen seien, um ihr zuzuh\u00f6ren.<br \/>\n&#8222;Ich wei\u00df, dass durch Hass Angst kommt; und daraus wird wieder Hass&#8220;, sagte sie zum Anfang. &#8222;Und das hei\u00dft nur Schlechtes.&#8220;<br \/>\n&#8222;Das Schlimmste war, dass ich so viele Menschen verloren habe&#8220;, berichtete Pusztai-B\u00e9lan\u00e9. Sie habe eine gro\u00dfe Familie gehabt. &#8222;Es war immer fr\u00f6hlich&#8220;.<br \/>\nVon Antisemitismus in ihrem Heimatland habe sie bis zum deutschen Einmarsch 1944 noch nichts mitbekommen. Den habe es aber gegeben, Ungarn habe bereits vor ihrer Geburt ein antij\u00fcdisches Gesetz verabschiedet und lange vor dem Einmarsch Regeln der Nationalsozialisten eingef\u00fchrt.<br \/>\nMit den Deutschen habe sich ihr Leben radikal ver\u00e4ndert. &#8222;Auf einmal war auf der Stra\u00dfe alles feindlich&#8220; und schlie\u00dflich sei ihre Familie deportiert worden. Drei Tage lang habe der Transport mit 80 Menschen in einem Viehwagen unter schlimmsten Bedingungen gedauert.<br \/>\nAber sie und ihre Familie h\u00e4tten gedacht, nur arbeiten zu m\u00fcssen. &#8222;Wir haben nicht geglaubt, was tats\u00e4chlich geschieht.&#8220;<br \/>\nIn Auschwitz angekommen, habe der ber\u00fcchtigte KZ-Arzt Josef Mengele sie und ihre Cousine, die sich \u00e4hnlich sahen, gefragt, ob sie Zwillinge seien, was sie verneinten. Daraufhin sei sie von ihrer Cousine und dem Rest der Familie getrennt worden. &#8222;Pl\u00f6tzlich war ich alleine.&#8220;<br \/>\nErst sp\u00e4ter habe sie auf die Frage, was aus den anderen geworden sei, erfahren, dass sie ermordet wurden. Geantwortet wurde ihr &#8222;mit einem Lachen und dem Fingerzeig auf den Rauch der Krematorien&#8220;. Pusztai-B\u00e9lan\u00e9 berichtete von &#8222;Fetzen, die uns statt unserer Kleidung zugeworfen wurden&#8220;, von ungenie\u00dfbarem Essen und den unmenschlichen Zust\u00e4nden.<br \/>\nF\u00fcnf junge Frauen, die sich aus der Schule in ihrem Heimatort kannten, seien sie noch gewesen. Sie h\u00e4tten Arbeitsf\u00e4higkeit demonstriert, um zu \u00fcberleben, denn nur die habe vor der Gaskammer gesch\u00fctzt. &#8222;Und wir haben alle f\u00fcnf \u00fcberlebt.&#8220;<br \/>\nIn Stadtallendorf habe sie sehr schwere Granaten tragen m\u00fcssen. &#8222;800 am Tag, das kann ich mir heute nicht mehr vorstellen, aber, wenn man muss, dann kann man.&#8220;<br \/>\nAuch \u00fcber den Marsch ganz am Ende des Krieges vor ihrer Befreiung berichtete sie noch, sie habe vor Blasen kaum laufen k\u00f6nnen &#8222;barfu\u00df in Holzschuhen&#8220;.<br \/>\nPusztai-B\u00e9lan\u00e9 schrieb &#8222;Die Seele der Dinge&#8220; als Zeugnis ihrer ersten 18 Lebensjahre erst, nachdem sie noch einmal &#8222;dorthin&#8220; zur\u00fcckgekehrt war. Sie tat es, um ihr Schweigen zu brechen und als ber\u00fchrende Hommage an ihre einst gro\u00dfe und lebensfrohe j\u00fcdische Familie oder, wie der Verein &#8222;Lagergemeinschaft Auschwitz &#8211; Freundeskreis der Auschwitzer&#8220; in seinem Flyer schreibt, als &#8222;Triumph der Menschlichkeit \u00fcber die Unmenschlichkeit.&#8220;<br \/>\n&#8222;Ich muss meine Geschichte erz\u00e4hlen&#8220;, betonte Pusztai-B\u00e9lan\u00e9. &#8222;Denn es gibt wieder T\u00f6ne, die den direkten Weg in die Gaskammer und das Krematorium zur Folge haben.&#8220;<br \/>\nDiese T\u00f6ne habe sie schon einmal geh\u00f6rt. Ihre Generation wisse, wohin das f\u00fchrt. Deshalb m\u00fcsse jeder Mensch versuchen, gut zu sein und keinem Lebewesen etwas Schlechtes anzutun, auch wenn das nicht immer leicht sei.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00c9va Pusztai-B\u00e9lan\u00e9 ist \u00dcberlebende des Holocaust. 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