{"id":4418,"date":"2019-11-15T18:14:42","date_gmt":"2019-11-15T17:14:42","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=4418"},"modified":"2019-11-15T18:14:42","modified_gmt":"2019-11-15T17:14:42","slug":"ausgekluegelt-probewohnungen-fuer-ehemals-obdachlose","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=4418","title":{"rendered":"Ausgekl\u00fcgelt: Probewohnungen f\u00fcr ehemals Obdachlose"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Angebot &#8222;Probewohnen m\u00f6chte die Stadt Menschen den \u00dcbergang von der Obdachlosenunterkunft zu einem festen Wohnsitz erleichtern. Daf\u00fcr mietet sie \u00fcbergangsweise Wohnungen an und stellt eine sozialp\u00e4dagogische Betreuung. <!--more--><br \/>\nEin erstes Probewohnen m\u00fcndete bereits in einem festen Mietvertrag, die n\u00e4chste Wohnung steht ab Sonntag (1. Dezember) zur Verf\u00fcgung. Dennoch fehlen weitere Wohnungsangebote.<br \/>\n&#8222;In unserer Stadt soll niemand ohne Dach \u00fcber dem Kopf leben m\u00fcssen&#8220;, betonte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies. &#8222;Wir m\u00fcssen jeden Menschen, der in Marburg keine Bleibe hat, unterbringen, daf\u00fcr gibt es zun\u00e4chst die Obdachlosenunterk\u00fcnfte. Ziel ist aber eine eigene Wohnung mit einem eigenen Mietvertrag.&#8220;<br \/>\nDer Sozialdezernent stellte gemeinsam mit der Arbeitsgruppe &#8222;&#8220;ohnungslosenhilfe&#8220; das Unterst\u00fctzungsangebot &#8222;Probewohnen&#8220; f\u00fcr Menschen ohne festen Wohnsitz vor. Grundprinzip ist, dass die Stadt Marburg jeweils f\u00fcr etwa ein Jahr Wohnungen anmietet und sie Menschen zur Verf\u00fcgung stellt, die noch in Obdachlosenwohnungen untergebracht sind.<br \/>\n&#8222;Doch mit der Bereitstellung einer Wohnung ist es nicht getan&#8220;, erkl\u00e4rte Spies. &#8222;Menschen, die l\u00e4ngere Zeit auf der Stra\u00dfe und ohne festen Wohnsitz gelebt haben, m\u00fcssen oft erst daf\u00fcr gewonnen werden, dass sie Hilfe wollen und annehmen k\u00f6nnen. Die Herausforderung an die Umstellung, eine eigene Wohnung zu haben, ist riesig.&#8220;<br \/>\nDaher erm\u00f6glicht die Stadt w\u00e4hrend des etwa einj\u00e4hrigen &#8222;Probewohnens&#8220; sozialp\u00e4dagogische Begleitung f\u00fcr die jeweilige Person, die in eine Wohnung einzieht. Daf\u00fcr hat der st\u00e4dtische Fachbereich Arbeit, Soziales und Wohnen einen p\u00e4dagogischen Mitarbeiter eingestellt.<br \/>\nKenneth Verhaal, der auch beim Diakonischen Werk Marburg-Biedenkopf t\u00e4tig ist, unterst\u00fctzt die ehemals obdachlosen Menschen bei ihrer R\u00fcckkehr in ein regul\u00e4res Mietverh\u00e4ltnis. Er versteht sich selbst als Coach, der Menschen begleitet, &#8222;bei denen Krisen in der Vergangenheit liegen&#8220;. Sie stehen nun vor neuen Herausforderungen, wenn sie eine Wohnung beziehen.<br \/>\n&#8222;So kann es etwa sein, dass sie Angst davor haben, Briefe zu \u00f6ffnen, weil sie Sorge davor haben, was darin steht&#8220;, nannte er als ein Beispiel. Im Vordergrund steht die unterst\u00fctzende Begleitung, quasi Hilfe zur Selbsthilfe. &#8222;Es geht darum, die Personen selbst in die Handlungsf\u00e4higkeit zu bringen&#8220;, sagte Peter Schmidt, Leiter des Fachbereichs Arbeit, Soziales und Wohnen. Ziel am Ende des Probewohnens sei es dann, dass die Menschen die unterst\u00fctzende Begleitung nicht mehr ben\u00f6tigen, erg\u00e4nzte Spies. Absichernden Schutz &#8211; sowohl f\u00fcr Mieter*in als auch Vermieter*in &#8211; gibt es dennoch \u00fcber die Zeit des Probewohnens hinaus: &#8222;Sollte sich erneut eine Krise andeuten, auch erst Jahre sp\u00e4ter, steht die Stadt weiterhin als Ansprechpartnerin und begleitende Unterst\u00fctzung zur Verf\u00fcgung&#8220;, betonte Schmidt.<br \/>\nNicht nur dieses Angebot stellt f\u00fcr Wohnungsnutzer*innen und Vermieter*innen eine R\u00fcckendeckung und Absicherung dar, sondern auch, dass das Probewohnen kein regul\u00e4res Mietverh\u00e4ltnis ist. &#8222;Es handelt sich dabei um ein \u00f6ffentlich-rechtliches Nutzungsverh\u00e4ltnis&#8220;, erl\u00e4uterte Matthias Knoche, Abteilungsleiter der Wohnungsverwaltung der Gemeinn\u00fctzigen Wohnungsbau GmbH (GeWoBau). Sollte es un\u00fcberwindbare Konflikte geben, die f\u00fcr die Hausgemeinschaft und die Vermieter*innen nicht tragbar sind, oder sich der Probewohnende gegen das Angebot entscheiden, kann es leichter abgebrochen werden.<br \/>\nEin erstes Probewohnen verlief sehr positiv. Im Sommer unterschrieb der erste Probewohnende den Vertrag zum regul\u00e4ren Mietverh\u00e4ltnis bei der GeWoBau und sagte, es habe sich so angef\u00fchlt, &#8222;dass ich angekommen bin&#8220;. Alle Mitglieder der Arbeitsgruppe, vor allem auch die Vertreter*innen der beteiligten Wohnungsbaugesellschaften, sind daher sehr zuversichtlich, dass auch die folgenden Probe-Mietverh\u00e4ltnisse erfolgreich sein werden. So sieht das beispielsweise auch Hendrik Hoekstra, Leiter des Servicecenters Marburg der Unternehmensgruppe Nassauische Heimst\u00e4tte\/Wohnstadt. Die Unternehmensgruppe stellt zum 1. Dezember eine Wohnung f\u00fcr das Angebot zur Verf\u00fcgung.<br \/>\nNach Angaben der st\u00e4dtischen Sozialplanung warten aktuell f\u00fcnf Menschen im Obdachlosenwohnheim auf Wohnungsangebote, die f\u00fcr das Probewohnen &#8211; nach Besprechung in der sogenannten Fallkonferenz &#8211; in Frage kommen. &#8222;Grundvoraussetzung ist, dass die Menschen bereit daf\u00fcr sind, eine eigene Wohnung zu haben&#8220;, erl\u00e4uterte Gabriele M\u00f6sbauer, Leiterin des Fachdienstes Wohnungswesen. Schmidt zufolge wird in den Fallkonferenzen auf die Bed\u00fcrfnisse der einzelnen Personen eingegangen und die jeweilige Ausgangslage ber\u00fccksichtigt. In diesem Zusammenhang f\u00fchrte M\u00f6sbauer aus, dass f\u00fcr einige Menschen im Obdachlosenwohnheim zun\u00e4chst andere Hilfen greifen m\u00fcssen. Das Probewohnen ist nur ein Angebot aus dem Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe, erl\u00e4uterte Sozialplanerin Monique Meier vom Fachdienst Soziale Leistungen.<br \/>\nDie Mietzahlung f\u00fcr die Probewohnung \u00fcbernimmt laut Schmidt der Fachdienst Wohnungswesen &#8211; er erl\u00e4uterte in diesem Zusammenhang aber ebenso, dass die Stadt auch f\u00fcr die Obdachlosenunterk\u00fcnfte Ausgaben habe.<br \/>\nDie geringen Investitionen f\u00fcr die Wohnungen f\u00fcr einen relativ kurzen Zeitraum rechnen sich zum einen langfristigf\u00fcr die Allgemeinheit. Nur mit einem festen Wohnsitz ist es beispielsweise m\u00f6glich, eine Arbeitsstelle zu bekommen. So kanne das Vorhandensein einer eigenen Wohnung dazu beitragen, die aktuelle Lebenssituation zu verbessern und zu stabilisieren.<br \/>\nZum anderen zeigen die Investitionen der Stadt eine besondere Wertsch\u00e4tzung den jeweiligen Personen gegen\u00fcber. Darum betonte Spies: &#8222;Es ist eine Investition in Schicksale, Lebensperspektiven und Chancen.&#8220;<br \/>\nDie Bereitstellung von Wohnungen bildet die Basis f\u00fcr das Angebot. Daher hofft die Universit\u00e4tsstadt Marburg darauf, neben den Wohnungsbaugesellschaften k\u00fcnftig auch private Vermietende f\u00fcr das Angebot des Probewohnens gewinnen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDen Beteiligten stehen Ansprechpersonen zur Verf\u00fcgung, die pers\u00f6nlich vor Ort sind und im Einzelfall individuell unterst\u00fctzen. Angebote f\u00fcr Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen k\u00f6nnen an soziales@marburg-stadt.de gerichtet werden.<br \/>\nAls Grundlage f\u00fcr das Angebot wurde eine Kooperationsvereinbarung von Mitgliedern der Arbeitsgruppe des &#8222;Runden Tischs Wohnungslosenhilfe&#8220; erarbeitet. Zwischen der Universit\u00e4tsstadt Marburg, den mitwirkenden Wohnungs(bau)gesellschaften, Wohnungsunternehmen und den freien Tr\u00e4gern der Wohnungslosen- und Eingliederungshilfe sind detaillierte Absprachen getroffen worden. Dazu geh\u00f6ren genaue Abstimmungen zur Zielgruppe des Angebots und eine Fallkonferenz, die sich ber\u00e4t und regelm\u00e4\u00dfig austauscht.<br \/>\nUnterzeichnet haben diese Vereinbarung die Universit\u00e4tsstadt Marburg, der Verein Arbeitskreis Soziale Brennpunkte (AKSB), das Diakonische Werk Marburg-Biedenkopf, die GeWoBau Gesellschaft, die GWH &#8211; Wohnungsgesellschaft Hessen, die Hephata Diakonie, der Verein Soziale Hilfe Marburg (SHM) und die Unternehmensgruppe Nassauische Heimst\u00e4tte\/Wohnstadt. Das Unterst\u00fctzungsangebot der sozialp\u00e4dagogischen Begleitung baut zus\u00e4tzlich mit einem eigenen Konzept auf dieser Vereinbarung auf. Das Konzept regelt den Aufgabenbereich von Kenneth Verhaal, damit das Angebot &#8222;Probewohnen&#8220; f\u00fcr alle Seiten positiv verl\u00e4uft und mit der Unterst\u00fctzung des P\u00e4dagogen noch viele weitere Mietvertr\u00e4ge unterschrieben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Angebot &#8222;Probewohnen m\u00f6chte die Stadt Menschen den \u00dcbergang von der Obdachlosenunterkunft zu einem festen Wohnsitz erleichtern. 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