{"id":438,"date":"2017-04-24T20:18:04","date_gmt":"2017-04-24T18:18:04","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=438"},"modified":"2017-04-24T20:18:04","modified_gmt":"2017-04-24T18:18:04","slug":"warten-auf-regel-autoritaetsglaeubigkeit-praegt-oekonomisches-verhalten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=438","title":{"rendered":"Warten auf Regel: Autorit\u00e4tsgl\u00e4ubigkeit pr\u00e4gt \u00f6konomisches Verhalten"},"content":{"rendered":"<p>Wer Autorit\u00e4ten einen hohen Wert beimisst, befolgt \u00f6konomische Verhaltensregeln auch dann, wenn sie auf undemokratischem Weg eingef\u00fchrt werden. Das zeigt eine Studie einer l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Gruppe von \u00d6konomen. <!--more--><br \/>\nGewonnen hat die Gruppe ihre Erkenntnisse anhand von Experimenten, die sie mit Studierenden und Industriearbeitern aus China durchf\u00fchrte. Das Forschungsteam ver\u00f6ffentlicht seine Ergebnisse in der April-Ausgabe der Fachzeitschrift &#8222;European Economic Review&#8220;.<br \/>\nGruppen, Organisationen und die Gesellschaft als Ganzes funktionieren durch Kooperation. &#8222;Meist wird angenommen, demokratische Mitbestimmung f\u00f6rdere Zusammenarbeit&#8220;, erl\u00e4uterte der Marburger Juniorprofessor Dr. Bj\u00f6rn Vollan als Erstautor der neuen Studie.<br \/>\nman spricht auch von einer &#8222;Demokratiepr\u00e4mie&#8220;. Welchen Einfluss pers\u00f6nliche Wertvorstellungen darauf haben, wie formale Regeln sich durchsetzen, wurde bislang nur unzureichend empirisch untersucht.<br \/>\nDie Forschungsgruppe kombinierte f\u00fcr ihre Studie kontrollierte Laborexperimente mit einem breiten Satz von Wertfragen, um das Verhalten der Teilnehmer zu erkl\u00e4ren. Das Team rekrutierte als Studienteilnehmer einerseits chinesische Arbeiter, andererseits Studierende einer Elitehochschule.<br \/>\n&#8222;Wir gewannen eine Stichprobe von 149 Wanderarbeitern aus einer l\u00e4ndlichen Region Chinas, die einer raschen Modernisierung unterworfen ist&#8220;, legte Koautor Prof. Dr. Carsten Herrmann-Pillath dar. Der Volkswirt und Sinologe forscht am &#8222;Max-Weber-Kolleg f\u00fcr kultur- und sozialwissenschaftliche Studien&#8220; an der Universit\u00e4t Erfurt. &#8222;Diese Personen arbeiten in einem Unternehmen, das modernes Fabrikmanagement mit einer starken Betonung konfuzianischer Werte vereint&#8220;, berichtete er.<br \/>\nEine zweite Stichprobe umfasste 150 Studierende einer Pekinger Universit\u00e4t, die offen f\u00fcr kosmopolitische Einfl\u00fcsse ist. Mit diesen Teilnehmerinnen und Teilnehmern f\u00fchrte die Forschungsgruppe ein \u00d6ffentliche-G\u00fcter-Spiel durch. Das ist eine weit verbreitete Methode der Verhaltens\u00f6konomik zur Messung von Kooperation und Eigennutz.<br \/>\nBei einem \u00d6ffentliche-G\u00fcter-Spiel erhalten die Mitspielerinnen und Mitspieler eine Anfangsausstattung an Geld, von der sie einen Teil in einen \u00f6ffentlichen Fonds abgeben k\u00f6nnen, aus dem dann alle einen gleichen Anteil erhalten. &#8222;Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer k\u00f6nnen das Geld entweder behalten oder in den Gruppentopf legen&#8220;, erl\u00e4uterte Mitverfasser Dr. Andreas Landmann von der &#8222;Paris School of Economics&#8220;. &#8222;Das Geld in diesem Gruppentopf wird dann verdoppelt und an alle Teilnehmer zu gleichen Teilen verteilt.&#8220;<br \/>\nDaher ist es am besten f\u00fcr alle, wenn jeder sein ganzes Geld in den Topf wirft. Der Einzelne hat jedoch einen Anreiz, das Geld zu behalten.<br \/>\n&#8222;Da jeder diesen Anreiz hat, sollte theoretisch keiner kooperieren&#8220;, f\u00fchrte Vollan aus. &#8222;Das ist das soziale Dilemma.&#8220;<br \/>\nIn dem Experiment f\u00fchrten die Wissenschaftler eine Regel ein, die bestimmt, wieviel jeder von seinem Anfangsverm\u00f6gen abzugeben hat. Eine Versuchsgruppe durfte \u00fcber die Einf\u00fchrung dieser Regel mitbestimmen; einer zweiten Teilgruppe wurde die Regel autorit\u00e4r vorgegeben; eine Vergleichsgruppe erhielt keine Regel. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden dar\u00fcber hinaus zu ihren Werthaltungen befragt.<br \/>\nDas Hauptresultat der Erhebung war f\u00fcr viele \u00fcberraschend: Wer Autorit\u00e4ten sowie deren Akzeptanz einen hohen Wert beimisst, neigt st\u00e4rker zur Zusammenarbeit, wenn die Regel von oben verordnet wird. &#8222;Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu Studien, die in westlichen Gesellschaften durchgef\u00fchrt worden sind&#8220;, erl\u00e4uterte das Autorenteam. er hingegen Autorit\u00e4ten einen geringeren Wert beimisst, tr\u00e4gt mehr zur Gemeinschaft bei, wenn die entsprechende Vorschrift demokratisch zustande kommt.<br \/>\n&#8222;Die demokratische Einf\u00fchrung von Regeln f\u00fchrt nicht dazu, dass die Regeln st\u00e4rker beachtet werden, wenn die Betroffenen autorit\u00e4tsgl\u00e4ubig sind&#8220;, schlussfolgerte die Forschungsgruppe um Vollan. &#8222;Unsere Ergebnisse m\u00f6gen im Lichte der bisherigen Befunde \u00fcberraschend wirken, stehen aber im Einklang mit autorit\u00e4ren Normen, die in China vorherrschen. Unsere Studie legt nahe, dass die Wirksamkeit von demokratisch gew\u00e4hlten Regeln nicht universell ist, sondern von kulturellen Normen und Werten abh\u00e4ngt.&#8220;<br \/>\nDer Umwelt- und Ressourcen-\u00d6konom Vollan hat seit Oktober 2015 eine &#8222;Robert-Bosch-Juniorprofessur f\u00fcr nachhaltige Ressourcennutzung&#8220; an der Philipps-Universit\u00e4t inne. Herrmann-Pillath forscht seit vielen Jahren zur internationalen und speziell chinesischen Wirtschaft. Neben den europ\u00e4ischen Wissenschaftlern trugen Forscher von der &#8222;Beijing Normal University&#8220; in Peking zu der Studie bei.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer Autorit\u00e4ten einen hohen Wert beimisst, befolgt \u00f6konomische Verhaltensregeln auch dann, wenn sie auf undemokratischem Weg eingef\u00fchrt werden. 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