{"id":4307,"date":"2019-10-13T13:56:11","date_gmt":"2019-10-13T11:56:11","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=4307"},"modified":"2019-10-13T15:15:38","modified_gmt":"2019-10-13T13:15:38","slug":"wir-alle-fuer-friedliches-halle-wirstehenzusammen-rief-3-000-menschen-auf-die-strasse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=4307","title":{"rendered":"Wir alle f\u00fcr friedliches Halle: #Wirstehenzusammen rief 3.000 Menschen auf die Stra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Rund 3.000 Menschen sind am Samstag (12. Oktober) in Marburg auf die Stra\u00dfe gegangen. Unter dem Motto &#8222;wirstehenzusammen&#8220; demonstrierten sie f\u00fcr Solidarit\u00e4t mit der J\u00fcdischen Gemeinde und gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus, Hetze, Gewalt und Ausgrenzung <!--more--><br \/>\nDieses eindrucksvolle Zeichen von Demokratie und Solidarit\u00e4t ist die &#8222;die <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?cat=1830\">gute Nachricht<\/a> der Woche&#8220;. Zu dem Trauermarsch anl\u00e4sslich des Anschlags in Halle hatte der Magistrat der Stadt Marburg am Mittwoch (9. Oktober) aufgerufen.<br \/>\n&#8222;Dieser Anschlag ist ein Anschlag auf uns alle&#8220;, erkl\u00e4rte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies. &#8222;Euer Schmerz ist unser Schmerz, Eure Angst ist unsere Angst, Eure Verzweiflung ist unsere Verzweiflung. Denn dieser Angriff galt nicht nur der j\u00fcdischen Gemeinde in Halle, er galt uns allen und er betrifft uns alle.&#8220;<br \/>\nBei der Kundgebung an der mittelalterlichen Synagoge am oberen Markt betonte Spies: &#8222;&#8220;Wir sind ersch\u00fcttert und verletzt. Unser Mitgef\u00fchl gilt den Opfern und allen, die bedroht sind oder sich bedroht f\u00fchlen. Sie sollen, Ihr sollt alle wissen: Wir stehen immer an Eurer Seite.&#8220;<br \/>\nLosgegangen war die Demonstration am neuen Gotteshaus der J\u00fcdischen Gemeinde Marburg im S\u00fcdviertel. Dort versammelten sich rund 1.200 Menschen zu Beginn hinter dem Transparent &#8222;#wirstehenzusammen&#8220;. Diese Formel wurde binnen weniger Stunden nach dem rechtsextremistischen Anschlag in Halle zum Motto der millionenfachen Solidarit\u00e4tsbekundungen.<br \/>\nAngef\u00fchrt wurde der Demonstrationszug von Oberb\u00fcrgermeister Spies, Stadtverordnetenvorsteherin Marianne W\u00f6lk, Monika Bunk vom Vorstand der J\u00fcdischen Gemeinde Marburg, Propst Helmut W\u00f6llenstein, Dr. Hamdi Elfarra von der Islamischen Gemeinde Marburg sowie den beiden Marburger Landtagsabgeordneten Dirk Bamberger und Jan Schalauske. Auf dem Weg von der neuen Synagoge an der Liebigstra\u00dfe vorbei am Garten des Gedenkens bis zum Zentrum des Marburger j\u00fcdischen Lebens im Mittelalter schlossen sich immer mehr Demonstrierende an. So nahmen insgesamt rund 3.000 Menschen am Zug teil.<br \/>\nAm oberen Markt und vor dem Glaskubus der alten Synagoge dr\u00e4ngten sich bei der Kundgebung noch rund 2.000 Teilnehmende, um die Redebeitr\u00e4ge von Spies, W\u00f6lk, Probst W\u00f6llenstein, Elfarra und schlie\u00dflich Bunk zu h\u00f6ren. Begleitet wurden alle von zustimmendem Applaus, der immer wieder aufbrandete.<br \/>\n&#8222;Wer Hass und Hetze predigt, der tr\u00e4gt Mitverantwortung&#8220;, stellten Spies und die anderen Redenden klar. Wer Hass s\u00e4e, wer Antisemitismus, Rassismus, Menschenfeindlichkeit propagiere, trage Mitschuld, erkl\u00e4rte der Oberb\u00fcrgermeister. Terroristen entst\u00fcnden nicht aus dem Nichts; sie seien das Produkt eines Klimas von Hass und Hetze und Menschenfeindlichkeit.<br \/>\nAuch der T\u00e4ter in Halle war kein einzelner T\u00e4ter. Er sei offensichtlich Teil eines wachsenden Netzes von Rechtsradikalen, eines v\u00f6lkischen Diskurses, der inzwischen von manchem Politiker rechtsradikaler Parteien in die Talkshows getragen werde und der sich \u00fcber Internet l\u00e4ngst transnational organisiere, f\u00fchrte Spies aus.<br \/>\n&#8222;&#8220;Diese Tat war kein Alarmzeichen, sondern der Ernstfall.&#8220; Darin war sich der Oberb\u00fcrgermeister mit allen weiteren Rednerinnen und Rednern einig.<br \/>\nDieser terroristische Akt m\u00fcsse nicht &#8222;alarmieren, sondern uns zum konsequenten Handeln bringen gegen Antisemitismus, Rechtsextremismus, gegen jede Form von Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit, mutig, jeden &#8222;, sagte Spies unter lautem Beifall. &#8222;Es darf keinen Zweifel geben: Wer Menschen nach Kategorien abwertet, seien sie rassistisch, seien sie frauenfeindlich, seien sie homophob oder antisemitisch, wer extremistisches Gedankengut verbreitet, der stellt sich au\u00dferhalb unserer demokratischen Gesellschaft.&#8220;<br \/>\nEben diese freie, offen und plurale Gesellschaft zu zerst\u00f6ren, sei das Ziel der Rechtsextremisten und Antisemiten, f\u00fchrte Stadtverordnetenvorsteherin W\u00f6lk aus. Sie prangerte die &#8222;kalkulierte Verrohung der politischen Debatte durch Rechtspopulisten&#8220; an und forderte eindringlich eine konsequente Verfolgung und Sanktionierung von Hassbeitr\u00e4gen sowie einen funktionierenden Rechtsstaat, der \u00fcber jeden Zweifel erhaben sei, und eine angewandte Kultur des Widerspruchs gegen Menschenfeindlichkeit.<br \/>\n&#8222;Lasst uns die Demokratie achten, leben und lernen und lasst uns St\u00e4rke zeigen im Kampf gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus&#8220;, rief W\u00f6lk den Anwesenden zu. Sie jedenfalls sei stolz auf diese Stadt sei, die mit so vielen Menschen auf die Stra\u00dfe gehe.<br \/>\nPropst W\u00f6llenstein trat f\u00fcr die Evangelische und Katholische Kirche sowie f\u00fcr die Gesellschaft f\u00fcr christlich-j\u00fcdische Zusammenarbeit (CJZ) ans Mikrofon &#8222;aber noch mehr als eine Stimme der Zivilgesellschaft, weil es heute bei aller Vielstimmigkeit viel wichtiger ist, dass wir zusammenstehen&#8220;. Er sch\u00e4me sich, in einem Land zu leben, von dem die gr\u00f6\u00dften antisemitischen Exzesse der Geschichte ausgingen und in dem es jetzt diesen &#8222;wahnsinnigen Anschlag&#8220; gebe &#8211; &#8222;in einer Dimension, die es nach dem Naziterror so bei uns nicht gegeben hat&#8220;. Er sch\u00e4me sich auch als jemand, der mit Verantwortung trage f\u00fcr religi\u00f6se Bildung.<br \/>\n&#8222;Wie kann es sein, dass ein Drittel der Jugendlichen bei Umfragen nichts vom Holocaust wei\u00df, ein weiteres Drittel kaum etwas?&#8220; Und wie k\u00f6nne die AfD sagen, sie habe mit solchen Taten wie in Halle nichts zu tun, wenn sie den Holocaust als &#8222;Vogelschiss&#8220; in einer sonst ruhmreichen deutschen Geschichte bezeichne? &#8222;F\u00fcr wie dumm halten sie uns eigentlich?&#8220;, fragte W\u00f6llenstein unter dem Beifall der Demonstrierenden.<br \/>\n&#8222;Wir verurteilen jeden, der zu Hass und Spaltung aufruft&#8220;, griff Dr. Hamdi Elfarra die Emp\u00f6rung seiner Vorredner gegen all diejenigen auf, die \u00f6ffentlich an vielen Orten Hass \u00e4u\u00dfern &#8211; gegen Juden, gegen Muslime, gegen Frauen, gegen jeden, &#8222;der anders ist oder anders sein will&#8220;. Das sei in den vergangenen Jahren wieder m\u00f6glich geworden &#8222;sogar wieder in unserem Parlament!&#8220;<br \/>\nElfarra wandte sich direkt an die Menschenj\u00fcdischen Glaubens: &#8222;Liebe Geschwister der J\u00fcdischen Gemeinde in Marburg und \u00fcberall, wir trauern alle mit euch und um die Opfer eines Hass-T\u00e4ters.&#8220; Elfarra rief dazu auf, stattdessen zu denen zu geh\u00f6ren, die Menschen am Leben erhalten, die sich f\u00fcr Frieden und Barmherzigkeit, f\u00fcr eine inklusive, friedliche, solidarische, f\u00fcreinander einstehende, anerkennende und freundliche Gesellschaft einsetzen.<br \/>\nBunk dankte allen und berichtete von den vielfachen Solidarit\u00e4tsbekundungen aus Politik, Religionsgemeinschaften und B\u00fcrgerschaft, die sie in den vergangenen Tagen erhalten hatte. Sie forderte gleichzeitig: &#8222;Lasst das keine einmalige Sache sein! Seid bitte immer aufmerksam, in eurem Alltag, in der Schule, an der Uni, im Verein, am Arbeitsplatz, auf dem Fu\u00dfballplatz. Nehmt die allt\u00e4glichen Diskriminierungen, Antisemitismen und Hassworte wahr, die an eure Mitmenschen gerichtet werden&#8220;, rief sie den Menschen zu, &#8222;schweigt nicht, handelt, zeigt Gesicht!&#8220;<br \/>\nRechtsradikale Hetze und pers\u00f6nliche Diffamierung sei keine &#8222;freie Meinungs\u00e4u\u00dferung&#8220;, stellte Bunk fest. &#8222;Judenhass ist Menschenhass. Ausl\u00e4nderhass ist Menschenhass.&#8220;<br \/>\nBunk fuhr fort: &#8222;Aber: &#8222;Wir sind mehr. Wir Demokraten, die wir f\u00fcr unsere freiheitliche, liberale Gesellschaft stehen, sind mehr. Das m\u00fcssen wir auch offensiv leben und im engen Schulterschluss zusammenstehen.&#8220; Bunk versprach: &#8222;Wir werden weiterhin Gesicht zeigen und den Mund aufmachen &#8211; gemeinsam mit euch allen.&#8220;<br \/>\nDas bekr\u00e4ftigte auch Oberb\u00fcrgermeister Spies: &#8222;Wir stehen in Marburg zusammen gegen Antisemitismus, gegen Rechtsextremismus, gegen jede Form von Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit &#8211; nicht nur heute, sondern jeden Tag.&#8220;<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund 3.000 Menschen sind am Samstag (12. Oktober) in Marburg auf die Stra\u00dfe gegangen. 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