{"id":4303,"date":"2019-10-11T14:41:50","date_gmt":"2019-10-11T12:41:50","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=4303"},"modified":"2019-10-11T14:41:50","modified_gmt":"2019-10-11T12:41:50","slug":"von-frauen-ueberfordert-antifeminismus-als-einfache-antwort-auf-komplexe-entwicklungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=4303","title":{"rendered":"Von Frauen \u00fcberfordert: Antifeminismus als einfache Antwort auf komplexe Entwicklungen"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Gender-Bashing&#8220; ist keine L\u00f6sung. Zu diesem Schluss kommt das Forschungsprojekt &#8222;REVERSE&#8220; nach zweij\u00e4hriger Arbeit. <!--more--><br \/>\nIn einer Abschlusstagung am Mittwoch (9. Oktober) und Donnerstag (10. Oktober) an der Philipps-Universit\u00e4t hat es die Ergebnisse aus zwei Jahren Forschungsarbeit zum Thema &#8222;Krise der Geschlechterverh\u00e4ltnisse? Anti-Feminismus als Krisenph\u00e4nomen mit gesellschaftsspaltendem Potenzial&#8220; pr\u00e4sentiert. Das vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) gef\u00f6rderte Projekt hat in f\u00fcnf Fallstudien Effekte antifeministischer Debatten untersucht.<br \/>\nDenn w\u00e4hrend sich auf der einen Seite politische Entscheidungen und gesellschaftliche Diskurse zu Gleichstellung und geschlechtlicher Vielfalt liberalisiert haben, f\u00fchren die Effekte dieser Entwicklung zu Verunsicherungen und Konflikten. Dazu geh\u00f6ren ein teilweise aggressiver Antifeminismus, der Feminismus und Gender zum Feindbild erkl\u00e4rt und der Geschlechterforschung (Gender Studies) die Wissenschaftlichkeit abspricht.<br \/>\nIm Projekt &#8222;REVERSE&#8220; untersuchten f\u00fcnf Fallstudien die Effekte antifeministischer Diskurse in der Sexualp\u00e4dagogik, anhand von Mutterbildern, in der Wissenschaft, am Beispiel der &#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220; und in Verschr\u00e4nkung mit rassistischen Denkfiguren. Die Ergebnisse zeigen, dass der organisierte Antifeminismus einen kleinen Kreis von Akteurinnen und Akteuren umfasst. Diese agieren in allen untersuchten Feldern und arbeiten mit emotionsgeladenen Bedrohungsszenarien.<br \/>\nSo ist etwa von der Bedrohung von Kindern durch eine angebliche &#8222;Fr\u00fchsexualisierung&#8220; die Rede, von der Bedrohung von Frauen durch eine als gewaltvoll und triebhaft charakterisierte &#8222;islamische M\u00e4nnlichkeit&#8220;, von der Bedrohung der Familie durch die Aufl\u00f6sung klarer Geschlechterrollen oder durch die &#8222;Reproduktionsschw\u00e4che&#8220; deutscher Frauen, die auf den Feminismus zur\u00fcckgef\u00fchrt wird.<br \/>\n&#8222;Der organisierte Antifeminismus betreibt einen gezielten Kulturkampf, um das gesellschaftliche Klima im Sinne r\u00fcckw\u00e4rtsgewandter Vorstellungen von den Geschlechterverh\u00e4ltnissen zu beeinflussen&#8220;, sagte Prof. Dr. Annette Henninger. Sie ist die Leiterin des Projekts. Diese Diffamierungsstrategie werde vor allem aus dem politisch rechten und christlich-fundamentalistischen Spektrum vorangetrieben, finde aber auch Zuspruch in anderen politischen Lagern.<br \/>\n&#8222;Inwieweit diese Strategie verf\u00e4ngt, h\u00e4ngt von ungel\u00f6sten Problemen und Konflikten ab&#8220;, erkl\u00e4rte die Projektleiterin. Die Debatte \u00fcber eine angebliche &#8222;Fr\u00fchsexualisierung&#8220; treffe auf Verunsicherung im Umgang mit kindlicher Sexualit\u00e4t angesichts von Missbrauchsskandalen. Die befragten M\u00fctter empf\u00e4nden die in Elternzeitschriften propagierten Selbstmanagement-Strategien zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf als \u00dcberforderung.<br \/>\nDa das Doppelverdiener-Modell im Alltag h\u00e4ufig zu hohen Belastungen bei beiden Elternteilen f\u00fchre, k\u00f6nnten die vom Antifeminismus propagierten traditionellen Geschlechterrollen &#8211; Mann verdient Geld, Frau k\u00fcmmert sich um Kinder und Haushalt &#8211; durchaus attraktiv erscheinen. Das Doppelverdiener-Modell werde in Orientierungskursen auch Zugewanderten als Ideal bereits erreichter Gleichstellung vorgestellt. Diese h\u00e4tten durchaus Interesse an Diskussionen \u00fcber die Geschlechterverh\u00e4ltnisse in Deutschland. Ein gesch\u00f6ntes Bild der Realit\u00e4t helfe ihnen aber wenig bei der Alltagsbew\u00e4ltigung.<br \/>\nVersuche antifeministischer Mobilisierung gegen die &#8222;Ehe f\u00fcr alle&#8220; blieben dagegen weitgehend erfolglos. Angesichts der Liberalisierung von Einstellungen zu Homosexualit\u00e4t finde die \u00d6ffnung der Ehe gro\u00dfe gesellschaftliche Zustimmung.<br \/>\nDie Kritik an den Gender Studies sei deshalb so popul\u00e4r, weil hier ein Stellvertreterkonflikt um das Verst\u00e4ndnis von Wissenschaft ausgetragen werde: Viele w\u00fcnschten sich von der Wissenschaft Gewissheit in einer immer un\u00fcbersichtlicheren Welt.<br \/>\nDie Gender Studies gehen davon aus, dass die Welt mit Hilfe sozialer Konstruktionen wahrgenommen und auch ver\u00e4ndert werden k\u00f6nne, wenn sich die Sicht auf die Dinge \u00e4ndert. Daher werden sie unter Ideologieverdacht gestellt, und es wird ihnen vorgeworfen, den Wahrheitsanspruch von Wissenschaft zu untergraben.<br \/>\nDie Annahme &#8222;ewiger Wahrheiten&#8220; ist innerwissenschaftlich jedoch als veraltet: In der Wissenschaft gilt jede Annahme nur so lange, bis sie widerlegt ist.<br \/>\n&#8222;&#8220;Gender-Bashing&#8220; ist eine ineffiziente Strategie, um gesellschaftliche Herausforderungen und Probleme zu l\u00f6sen&#8220;, erkl\u00e4rte Henninger. &#8222;Vielmehr braucht es gesellschaftliche Debatten \u00fcber die zugrundeliegenden Fragen &#8211; und handfeste politische L\u00f6sungen.&#8220;<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Gender-Bashing&#8220; ist keine L\u00f6sung. 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