{"id":410,"date":"2017-04-12T15:05:40","date_gmt":"2017-04-12T13:05:40","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=410"},"modified":"2017-04-12T15:05:40","modified_gmt":"2017-04-12T13:05:40","slug":"geschichte-bewaeltigt-jubilaeumsprogramm-zu-700-jahren-judentum-in-marburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=410","title":{"rendered":"Geschichte bew\u00e4ltigt: Jubil\u00e4umsprogramm zu 700 Jahren Judentum in Marburg"},"content":{"rendered":"<p>2017 j\u00e4hrt sich nicht nur die Reformation; auch j\u00fcdische Geschichte, Kultur und Religion in Marburg erleben ein Jubil\u00e4um. Ein umfangreiches Programm macht 700 Jahre j\u00fcdisches Leben erlebbar. <!--more--><br \/>\nUnterst\u00fctzt vom Fachdienst Kultur der Stadt Marburg und weiteren Kooperationspartnern, hat die J\u00fcdische Gemeinde Marburg zum 700-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um ein umfangreiches Programm zu Geschichte und zur Gegenwart zusammengestellt. Alle Interessierten sind eingeladen, die vielf\u00e4ltigen Facetten j\u00fcdischer Geschichte, Kultur und Religion zu erleben und sich bei Begegnungen und Gespr\u00e4chen auszutauschen.<br \/>\nOberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies stellte das Programm mit Vortr\u00e4gen, Stadtspaziergang, Sommerfest und vielem mehr am Montag (10. April) gemeinsam mit der stellvertretenden Vorsitzenden Monika Bunk von der J\u00fcdischen Gemeinde Marburg<br \/>\n, dem st\u00e4dtischen Fachdienstleiter Dr. Richard Laufner, der stellvertretenden Leiterin Dr. Annegret Wenz-Haubfleisch vom Hessischen Staatsarchiv marburg, Dr. Katharina Schaal vom Archiv der Philipps-Universit\u00e4t und Propst Helmut W\u00f6llenstein f\u00fcr die evangelische Kirche vor. &#8222;Wir freuen uns, dass der Beitrag, den die j\u00fcdische Kultur zum Leben unserer Stadt leistet, zu diesem Jubil\u00e4um besonders sichtbar wird&#8220;, betonte Spies.<br \/>\nJ\u00fcdisches Leben in Marburg reicht bis ins Mittelalter zur\u00fcck. Am 15. Mai 1317 wurde die erste Marburger Synagoge in einer Urkunde erstmals erw\u00e4hnt. &#8222;Aber da stand sie schon&#8220;, so Bunk, die darauf verwies, dass die Synagoge in dem Schriftst\u00fcck als Ortsbeschreibung f\u00fcr ein gegen\u00fcberliegendes Grundst\u00fcck diente. Sie wurde um 1280 in der Judengasse, heute Schlosssteig\/Willy-Sage-Platz, erbaut. Bei Bauma\u00dfnahmen zuf\u00e4llig entdeckt, sind ihre Fundamente dort heute unter einem Glaskubus zu sehen. Das Judentum erlebte in den folgenden Jahrhunderten wechselvolle Zeiten.<br \/>\nEinen sichtbaren H\u00f6hepunkt stellte die Errichtung der repr\u00e4sentativen Synagoge von 1897 in der Universit\u00e4tsstra\u00dfe dar, den Tiefpunkt die Vertreibung und Vernichtung durch den Nationalsozialismus, die mit der Brandstiftung und Sprengung dieser Synagoge begannen. Erst langsam entstand nach 1945 wieder j\u00fcdisches Leben in Marburg. Heute pr\u00e4gt es die Stadtkultur erneut in vielf\u00e4ltiger Weise.<br \/>\nDass der Holocaust im Jubil\u00e4umsprogramm nicht explizit vorkommt, begr\u00fcndete Bunk damit, dass die Erinnerung in jedem Jahr einen wichtigen Stellenwert hat und auch 2017 am 9. November der Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird. Beim Jubil\u00e4um in diesem Jahr sollten jedoch andere Themen im Mittelpunkt stehen.<br \/>\n&#8222;Das Judentum ist 700 Jahre lebendig gewesen und ist es wieder&#8220;, erkl\u00e4rte Bunk. &#8222;Und das Gedenken f\u00e4llt nicht weg; es steht nur nicht im Fokus&#8220;, erg\u00e4nzte Spies.<br \/>\nDas Programm umfasst ganz unterschiedliche Veranstaltungen. &#8222;Musik, wissenschaftliche und historische Vortr\u00e4ge und auch Unterhaltsames&#8220;, berichtete Bunk. So werde es am 2. Oktober einen gro\u00dfen Neujahrsempfang der J\u00fcdischen Gemeinde im Erwin-Piscator-Haus (EPH) geben und am 8. Oktober in der neuen Synagoge Begegnungsm\u00f6glichkeiten beim Laubh\u00fcttenfest.<br \/>\nWenz-Haubfleisch berichtete, dass das Staatsarchiv im November eine Ausstellung plant, an der sich laut Schaal auch die Philipps-Universit\u00e4t beteiligt. Vor allem werde das 19. Jahrhundert in den Mittelpunkt ger\u00fcckt, als sich Juden erstmals emanzipiert zeigten, in dem aber auch der Antisemitismus verst\u00e4rkt auftrat. Wenz-Haubfleisch hofft, dass dann auch die Ersterw\u00e4hnungsurkunde der mittelalterlichen Synagoge nach Marburg kommen wird, die sich in einem Privatarchiv befindet.<br \/>\n&#8222;Man muss die Feste feiern, wie sie fallen&#8220;, sagte Propst W\u00f6llenstein im Hinblick auf das gleichzeitige Reformationsjubil\u00e4um. &#8222;Denn das ist kein Unfall, sondern ein Gl\u00fccksfall.&#8220;<br \/>\nDass beide Jubil\u00e4en in dieses Jahr fallen, er\u00f6ffne die Gelegenheit zu kritischer Auseinandersetzung etwa mit dem Antisemitismus Martin Luthers. &#8222;Es ist nicht gerade ein Jubelthema&#8220;, meinte W\u00f6llenstein, &#8222;aber ein verantwortungsvoller Umgang mit der Geschichte&#8220;.<br \/>\n\u00dcber das Jubil\u00e4umsjahr hinaus wird es einen Themenweg zum J\u00fcdischen Leben in Marburg geben, den Laufner pr\u00e4sentierte. G\u00e4ste und Einheimische k\u00f6nnten auf ihm Geschichte selbst erkunden zwischen der mittelalterlichen und der neuen Synagoge \u00fcber den Garten des Gedenkens, auf dem das von den Nationalsozialisten niedergebrannte Gotteshaus stand. Ein Faltblatt mit Karte ist ab sofort bei der Marburg Stadt und Land Touristik GmbH erh\u00e4ltlich oder kann unter <a href=\"http:\/\/www.marburg.de\/juden\">www.marburg.de\/juden<\/a> heruntergeladen werden.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2017 j\u00e4hrt sich nicht nur die Reformation; auch j\u00fcdische Geschichte, Kultur und Religion in Marburg erleben ein Jubil\u00e4um. 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