{"id":4083,"date":"2019-08-09T12:57:42","date_gmt":"2019-08-09T10:57:42","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=4083"},"modified":"2019-08-09T12:57:42","modified_gmt":"2019-08-09T10:57:42","slug":"jaeger-der-steinzeit-im-hochgebirge-vor-ueber-40-000-jahren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=4083","title":{"rendered":"J\u00e4ger der Steinzeit: Im Hochgebirge vor \u00fcber 40.000 Jahren"},"content":{"rendered":"<p>Die \u00e4lteste Hochgebirgs-Wohnst\u00e4tte liegt in Ostafrika. Das berichtete ein Forschungsteam unter marburger Leitung in der Fachzeitschrift &#8222;Science&#8220;. <!--more--><br \/>\nEin Fels\u00fcberhang auf fast 3.500 Metern H\u00f6he im heutigen \u00c4thiopien ist vor \u00fcber 40.000 Jahren erstmals dauerhaft besiedelt worden. Seitdem nutzten steinzeitliche J\u00e4ger den Platz wiederholt als Wohnst\u00e4tte und ern\u00e4hrten sich von Nagetieren, die sie in der Umgebung erbeuteten.<br \/>\nDas hat eine internationale Forschungsgruppe unter Marburger Leitung herausgefunden. Das Team berichtet in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins &#8222;Science&#8220; \u00fcber die \u00e4ltesten Zeugnisse einer pr\u00e4historischen Wohnst\u00e4tte in einem Hochgebirge.<br \/>\nDie &#8222;Bale Mountains&#8220; sind ein Gebirge im nord\u00f6stlichen Afrika, dessen Gipfel eine H\u00f6he bis zu 4.300 Meter erreichen. Auf dem gesamten Kontinent gibt es keine gr\u00f6\u00dfere geschlossene alpine Landschaft.<br \/>\n&#8222;Das gr\u00f6\u00dfte afroalpine \u00d6kosystem gilt als naturnah&#8220;, erkl\u00e4rte der Marburger Geograph Prof. Dr. Georg Miehe. Er firmiert als einer der Leitautoren der Studie.<br \/>\nNach bisheriger Auffassung seien diese Berge erst in j\u00fcngster Zeit besiedelt worden. &#8222;Jetzt zeigt sich, dass bereits steinzeitliche J\u00e4ger dieses Hochgebirge erschlossen haben&#8220;, erg\u00e4nzte der Marburger Biologe und Mitverfasser Dr. Lars Opgenoorth. &#8222;Damit hat sich unser Verst\u00e4ndnis unber\u00fchrter Natur im Hochgebirge gewandelt.&#8220;<br \/>\nWie kamen Menschen in grauer Vorzeit mit dem damaligen Klimawandel zurecht? Wie nahmen sie neue Lebensr\u00e4ume in Besitz, wie formten sie diese Lebensr\u00e4ume um?<br \/>\nUm das herauszufinden, haben sich Miehe, Opgenoorth und der Marburger Geograph Prof. Dr. Thomas Nauss mit einem internationalen Team von Fachleuten aus Biologie, Bodenkunde, Geographie und Arch\u00e4ologie vorgenommen. &#8222;Vom Tibetischen Hochland ist erst k\u00fcrzlich bekannt geworden, dass sich Menschen dort ebenfalls schon vergleichbar fr\u00fch aufhielten&#8220;, f\u00fchrte der Arch\u00e4ologe Dr. G\u00f6tz Ossendorf von der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln aus; er ist der Erstautor des &#8222;Science&#8220;-Artikels.<br \/>\nEine dauerhafte und intensive Besiedlung in gro\u00dfer H\u00f6he war weltweit bislang jedoch nicht belegt; auch die Kontexte fr\u00fcher menschlicher Anpassungen wurden noch kaum untersucht.<br \/>\nDie Forschungsgruppe f\u00fchrte Ausgrabungen und Gel\u00e4ndeerkundungen in den Bale Mountains durch und untersuchte die Funde mit naturwissenschaftlichen Verfahren. Auf 4.200 Metern H\u00f6he \u00fcber dem Meer identifizierte das Team f\u00fcnf Stellen, an denen Obsidian gewonnen wurde.<br \/>\nMenschen in der Steinzeit nutzten dieses vulkanische Gesteinsglas, um daraus scharfkantiges Werkzeug herzustellen. In der Umgebung f\u00f6rderten die Forscherinnen und Forscher reichlich Reste von Steinen zutage, die von Menschen bearbeitet wurden und auf den Abbau von Obsidian hinweisen.<br \/>\n700 H\u00f6henmeter weiter unten und 10 Kilometer entfernt liegt der Felsunterstand Fincha Habera. Dort fanden die Fachleute Steinartefakte, deren Datierung f\u00fcr eine wiederholte Besiedelung des Unterstands in der sp\u00e4ten Steinzeit spricht: das war vor 47.000 bis 31.000 Jahren.<br \/>\nDie Fundstelle Fincha Habera wurde immer wieder als Wohnst\u00e4te genutzt; das belegen auch die \u00dcberreste vorzeitlicher Feuerst\u00e4tten, Spuren der Zubereitung und des Verzehrs von Speisen, aber auch Objekte, die aus niedrigeren H\u00f6henlagen hinaufgeschafft worden sind.<br \/>\nDer Unterstand befand sich 500 Meter unterhalb der Gletscher &#8211; nahe genug, um die erreichbaren Nahrungsressourcen zu nutzen. Als Nahrung diente den J\u00e4gern fast ausschlie\u00dflich die Riesenmaulwurfsratte, die nur in den Bale Mountains vorkommt. Die Ratte war ganzj\u00e4hrig in gro\u00dfen Mengen verf\u00fcgbar und einfach zu jagen, was langfristige und wiederholte Aufenthalte in sauerstoffarmen H\u00f6hen erm\u00f6glichte.<br \/>\n&#8222;Alles in allem zeigen unsere Ergebnisse, dass die steinzeitlichen J\u00e4ger kluge, \u00fcberlebenswichtige Entscheidungen trafen, um in gro\u00dfer H\u00f6he, in kalter und vergletscherter Umgebung zu \u00fcberleben&#8220;, erkl\u00e4rte Opgenoorth. Neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Marburg und K\u00f6ln beteiligten sich Fachleute aus Bayreuth, Halle und Rostock sowie aus \u00c4thiopien, Frankreich, der Schweiz und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) an der Publikation in &#8222;Science&#8220;; so ist die Glaziologie durch Alexander Groos von der Universit\u00e4t Bern und die Bodenkunde durch Prof. Dr. Bruno Glaser von der Universit\u00e4t Halle-Wittenberg vertreten.<br \/>\nSie alle geh\u00f6ren der Forschungsgruppe 2358 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an, in der sie erkunden, wie Steinzeitmenschen im \u00f6stlichen Afrika das \u00d6kosystem des Hochgebirges erschlossen, als sich das Klima wandelte. Auch der Schweizerische Nationalfonds zur F\u00f6rderung der wissenschaftlichen Forschung unterst\u00fctzte die Gruppe.<\/p>\n<p>* pm: Philippps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00e4lteste Hochgebirgs-Wohnst\u00e4tte liegt in Ostafrika. 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