{"id":4019,"date":"2019-07-14T12:06:35","date_gmt":"2019-07-14T10:06:35","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=4019"},"modified":"2019-07-14T12:17:56","modified_gmt":"2019-07-14T10:17:56","slug":"kolonialismus-die-eu-traegt-die-schuld-fuer-schlepper-und-schleuser","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=4019","title":{"rendered":"Kolonialismus: Die EU tr\u00e4gt die Schuld f\u00fcr Schlepper und Schleuser"},"content":{"rendered":"<p>Der Kolonialismus lebt. Nicht zuletzt deshalb m\u00fcssen Tausende im Mittelmeer sterben. <!--more--><br \/>\nAllein wegen ihrer Herkunft und Hautfarbe verweigern Regierungen nicht nur in Italien und Malta Menschen einen &#8222;sicheren Hafen&#8220;. Dabei schreibt das Internationale Seerecht vor, dass Schiffbr\u00fcchige nicht dorthin gebracht werden d\u00fcrfen, wo ihnen Gefahr f\u00fcr Leib und Leben droht. Doch auf dem Mittelmeer werden Seenotretter angefeindet, bedroht und angeklagt, obwohl sie sich nur an geltendes Internationales Recht und ihre humanit\u00e4re Pflicht halten.<br \/>\nDie Kapit\u00e4nin Carola Rackete von &#8222;Sea Watch&#8220; war drei Tage lang in italienischer Haft, weil sie Gefl\u00fcchtete in Lampedusa an Land gebracht hat. Italiens Innenminister Matteo Salvini droht Seenotrettern mit <a href=\"https:\/\/fjhmr.wordpress.com\/2019\/06\/12\/50-000-euro-strafe-fur-seenotretter-wer-will-da-noch-nach-italien\/\">Repressalien von 50.000 Euro Geldstrafe<\/a> bis hin zu Haft und Beschlagnahme ihrer Schiffe. All dem haben europ\u00e4ische Regierungen viel zu lange schweigend zugeschaut.<br \/>\nEigentlich w\u00e4re es jedoch die Pflicht der Europ\u00e4ischen Union (EU), eine Seenotrettung vor ihren K\u00fcsten zu gew\u00e4hrleisten. Doch die europ\u00e4ische Marine-Mission &#8222;SOFIA&#8220; scheiterte am Starrsinn desRassisten Salvini. Dabei h\u00e4tte die Bundesmarine diese &#8211; f\u00fcr ihre Beteiligten \u00fcberaus sinnstiftende &#8211; Mission gerne fortgesetzt.<br \/>\nW\u00e4ren die menschen an Bord hellh\u00e4utige Europ\u00e4er, so stiegen sofort Hubschrauber auf und Dutzende von Schiffen eilten zu ihrer Rettung herbei. Aber die verzweifelten Menschen an Bord der Schlauchboote im Mittelmeer kommen aus Afrika und haben meist eine dunkle Haut. Ihnen die Rettung zu verweigern und sie &#8211; wie Salvini &#8211; sogar aktiv zu behindern, ist skrupelloser <a href=\"https:\/\/fjhmr.wordpress.com\/2019\/05\/12\/scham-und-schande-kein-kreuz-fur-massenmorde-im-mittelmeer\/\">Mord aus rassistischen Motiven<\/a>.<br \/>\nDie Behauptung, man m\u00fcsse die Rettung Schiffbr\u00fccher im Mittelmeer behindern, damit nicht noch mehr Menschen den gef\u00e4hrlichen Weg \u00fcber\u00b4s Mittelmeer antreten, ist Ausdruck kolonialistischen Denkens. W\u00e4hrend europ\u00e4ische L\u00e4nder weiterhin die Lebensbedingungen der Menschen in Afrika durch subventionierte Exporte, r\u00fccksichtslose Ausbeutung von Menschen und Rohstoffen, den in Europa verursachten Klimawandel, Waffenlieferungen und &#8222;Entwicklungshilfe&#8220; f\u00fcr korrupte Regimes bedrohen, betrachten sie die daraus beinahe folgerichtig entstehende Fluchtbewegung nur aus der Sicht der europ\u00e4ischen Interessen. Den durch die sp\u00e4tkolonialistische Politik auf dem R\u00fccken Afrikas erworbenen Reichtum Europas wollen sie nicht mit denen teilen, die zu Recht ihren Anteil daran erflehen.<br \/>\nOhne gr\u00f6\u00dferen Aufwand k\u00f6nnte die EU in verschiedenen afrikanischen L\u00e4ndern Anlaufstellen f\u00fcr Einwanderungswillige einrichten und ihnen so den gef\u00e4hrlichen Weg \u00fcber\u00b4s Mittelmeer ersparen. Indem das nicht geschieht, ist die EU selber wirkungsvollste Unterst\u00fctzerin von Schlepperbanden. Diese Verantwortung dann den Rettungsorganisationen zuzuschieben, ist eine perverse Verdr\u00e4ngung eigener Schuld f\u00fcr Krieg, Hunger, Elend und Tod.<br \/>\nLeider sind Leben und W\u00fcrde von Menschen f\u00fcr viele nichts wert, wenn die Betroffenen eine dunkle Haut haben oder aus Afrika kommen. Die <a href=\"http:\/\/marburger-leuchtfeuer.de\/2019\/07\/11\/ruby-hartbrich-dankesworte-und-plaedoyer-fuer-die-seenotrettung\/\">Leuchtfeuer-Preistr\u00e4gerin Ruby Hartbrich<\/a> beschrieb die Schiffbr\u00fcchigen in den Schlauchbooten in einem Artikel der Oberhessischen Presse (OP von Dienstag (25. Juni) sehr eindringlich:<br \/>\n&#8222;Die Menschen treiben auf dem Mittelmeer, die riesigen Schlauchboote, v\u00f6llig \u00fcberladen, drohen unterzugehen. Sie haben nicht genug Treibstoff dabei, um jemals das Ufer zu erreichen. Nicht genug Nahrung, nicht genug Trinkwasser, keinen Schutz vor der brennenden Sonne, keine medizinische Versorgung. Sie sind dehydriert, verbrannt von der Sonne und der Mischung aus Benzin, Urin und Salzwasser im Boot. V\u00f6llig verzweifelt schreien sie schon von weitem um Hilfe, sind hysterisch. An Bord sind M\u00e4nner, Frauen, Schwangere und sogar S\u00e4uglinge.&#8220;<br \/>\nGinge es nach dem deutschen Innenminister Horst Seehofer und seinem italienischen Amtskollegen Salvini, m\u00fcssen sie f\u00fcrchten, wieder nach Libyen zur\u00fcckgebracht zu werden, von wo sie vor Misshandlung, Folter und Vergewaltigung geflohen waren. Rassismus und Kolonialismus w\u00fcrden das Leid dann wieder nach Afrika verdr\u00e4ngen, w\u00e4hrend Europa sich des Reichstums globaler Auspl\u00fcnderung erfreut.<br \/>\nAber es geht bei der Seenotrettung nicht nur um den Versuch, die Vorherrschaft Europas gegen die Folgen seines jahrhundertelangen Kolonialismus abzuschotten, sondern auch um die grundlegendsten Regeln der Humanit\u00e4t. Treffender als Hartbrich kann man es kaum auf den Punkt bringen: &#8222;Es ist kein Verbrechen, Menschen zu retten, sondern eine Pflicht. Es ist ein Verbrechen, ihnen beim Ertrinken zuzugucken.&#8220;<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kolonialismus lebt. Nicht zuletzt deshalb m\u00fcssen Tausende im Mittelmeer sterben.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[2,4],"tags":[1311,350,1446],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-12P","jetpack-related-posts":[{"id":15898,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=15898","url_meta":{"origin":4019,"position":0},"title":"Politische Reise: Lecture-Performance zu Kolonialismus und Klimagerechtigktit","date":"29. Juni 2024","format":false,"excerpt":"Die Lecture Performance \"Die Ex-trahere Matrix - vom Kolonialismus zur Klima(un)gerechtigkeit\" bringt die Waggonhalle am Mittwoch (10. Juli) um 19 Uhr und am Donnerstag (11. 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