{"id":4006,"date":"2019-07-10T19:21:12","date_gmt":"2019-07-10T17:21:12","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=4006"},"modified":"2019-07-11T09:35:52","modified_gmt":"2019-07-11T07:35:52","slug":"zwei-mutige-frauen-leuchtfeuer-ging-an-haenel-und-hartbrich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=4006","title":{"rendered":"Zwei mutige Frauen: Leuchtfeuer ging an H\u00e4nel und Hartbrich"},"content":{"rendered":"<p>Kristina H\u00e4nel und Ruby Hartbrich haben das &#8222;Marburger Leuchtfeuer&#8220; 2019 bekommen. 120 Menschen waren zur Preisverleihung am Dienstag (9. Juli) ins Rathaus gekommen. <!--more--><br \/>\nIm Vorfeld der Preisverleihung waren die Humanistische Union (HU) und die Stadt Marburg als Veranstalter heftig kritisiert worden. Insbesondere H\u00e4nels Eintreten f\u00fcr das Informationsrecht von Frauen auch \u00fcber Schwangerschaftsabbr\u00fcche wurde erbittert angegriffen.<br \/>\n&#8222;Niemand hier im Saal &#8211; auch nicht Kristina H\u00e4nel &#8211; m\u00f6chte &#8222;Werbung f\u00fcr Schwangerschaftsabbr\u00fcche&#8220; machen&#8220;, stellte der Marburger HU-Regionalvorsitzende Franz-Josef Hanke gleich zu Beginn klar. &#8222;Vielmehr geht es darum, Frauen in Krisensituationen beizustehen und ihnen Mut zu machen.&#8220;<br \/>\nDie beiden Preistr\u00e4gerinnen stehen nach Auffassung der Jury f\u00fcr die Doppelmoral im Umgang mit menschlichem Leben: Das sogenannte &#8222;ungeborene Leben&#8220; wollen manche auch auf Kosten der Gesundheit von Frauen bedingungslos &#8222;sch\u00fctzen&#8220;, w\u00e4hrend im Mittelmeer Tausende ertrinken, weil Europa und seine Politik ihr Leben nicht respektiert. Hanke brandmarkte diese Haltung als &#8222;Rassismus&#8220;.<br \/>\n&#8222;Sie beide folgen in Ihrem exemplarischen Handeln moralischen und ethischen Grunds\u00e4tzen, die uns erinnern, dass unsere Gesellschaft &#8211; so weit wir auch gekommen sind &#8211; noch einen langen Weg zu einem gerechten Deutschland und Europa zu gehen hat&#8220;, begr\u00fc\u00dfte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies die beiden Preistr\u00e4gerinnen bei der Feierstunde im voll besetzten Historischen Saal des Rathauses. &#8222;Mit Ihrer klaren Haltung auch bei heftigem Gegenwind, bei Hass und Drohung, bei Gefahr f\u00fcr Ihre pers\u00f6nliche Freiheit treten Sie f\u00fcr Ihre, f\u00fcr unsere \u00dcberzeugungen ein.&#8220;<br \/>\nDer Paragraph 219a des Strafgesetzbuchs (StGB) sch\u00fctze niemanden, erkl\u00e4rte Spies: &#8222;Er sch\u00fctzt keine Frauen, er sch\u00fctzt auch kein ungeborenes Leben. Er verhindert oder erschwert zumindest, dass Frauen in der vielleicht schwierigsten Situation ihres Lebens Informationen finden.&#8220;<br \/>\nDer Paragraf sch\u00fctze keine Menschenleben. Er mache eine ohnehin schon unertr\u00e4glich schwierige Situation noch schwieriger. &#8222;Deshalb muss der ganze Paragraph 219a weg&#8220;, forderte Spies.<br \/>\nDer HU-Bundesvorsitzende Werner Koep-Kerstin hob die Bedeutung von Freiheit und Selbstbestimmung hervor. Allerdings helfe kein Grund- oder Menschenrecht, wenn ein gesellschaftliches Klima herrsche, &#8222;das Respekt f\u00fcr gesellschaftlich benachteiligte Menschen und Menschen in Not vermissen l\u00e4sst&#8220;.<br \/>\nDie derzeitige Situation bezeichnete die langj\u00e4hrige Bundestagspr\u00e4sidentin Prof. Dr. Rita S\u00fcssmuth als &#8222;R\u00fcckfall&#8220;. Frauen w\u00fcrden erneut &#8222;wie nicht entscheidungsf\u00e4hige, nicht zu verantwortungsvollem Handeln f\u00e4hige Menschen&#8220; behandelt.<br \/>\nH\u00e4nel sagte in ihrer kurzen Dankesrede: &#8222;Wenn eine Gesellschaft an einen Punkt gekommen ist, dass sie mich f\u00fcr mein Engagement f\u00fcr freien Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbr\u00fcchen ehrt, dann gibt sie damit auch den Millionen Betroffenen einen Teil Ehre zur\u00fcck, die allzu oft ihrer W\u00fcrde, ihrer Menschenrechte und teilweise auch ihres Lebens beraubt wurden.&#8220;<br \/>\nGemeinsam mit dem Musiker Jochen Sch\u00e4fer trug sie zum Abschluss ihrer Dankesrede ein Lied \u00fcber einen sogenannten &#8222;Lebenssch\u00fctzer&#8220; vor, der angesichts des Leids der Frauen, die zu &#8222;Kurpfuschern&#8220; abgedr\u00e4ngt worden waren, zum Bef\u00fcrworter einer freiz\u00fcgigeren Handhabung des Problems wird. Ihn hatte sie bei einem \u00c4rztekongress in S\u00fcdafrika kennengelernt.<br \/>\nSeit 2015 ist die Marburger \u00c4rztin Hartbrich ehrenamtlich f\u00fcr die Seenotrettung von Fl\u00fcchtlingen im Einsatz. Sechsmal half sie bisher, auf Rettungsschiffen der gemeinn\u00fctzigen Initiative &#8222;Sea-Watch&#8220; Fl\u00fcchtlinge vor dem Ertrinken im Mittelmeer zu bewahren.<br \/>\n&#8222;Das ist eine Aufgabe, &#8222;die eigentlich von den Anrainerstaaten des Mittelmeers zu erf\u00fcllen w\u00e4re&#8220;, stellte Jury-Sprecher Egon Vaupel klar. &#8222;Sie wendet sich \u00f6ffentlich gegen die Haltung der Bundesregierung, die billigend in Kauf nimmt, dass schwangere Frauen &#8211; ja ganze Familien &#8211; ertrinken, nur damit Zuwanderung nach Europa verhindert wird.&#8220;<br \/>\nDie Laudatorin Prof. Dr. Marita Metz-Beckerbetonte: &#8222;Jeder Rettungseinsatz ist ein Zeichen gegen das Sterbenlassen an den Europ\u00e4ischen Au\u00dfengrenzen und ein klarer Akt der Menschlichkeit.&#8220; Die zum gr\u00f6\u00dften Teil ehrenamtlichen Seenotretter m\u00fcssten sich immer wieder Gerichtsverfahren oder juristischen Vorw\u00fcrfen aussetzen.<br \/>\nSie stehe stellvertretend f\u00fcr die &#8222;Sea Watch&#8220; und &#8222;f\u00fcr all diejenigen Menschen, die sich seit Jahren unabdinglich f\u00fcr Menschen auf der Flucht einsetzen und all ihre Energie darin stecken, dass Fl\u00fcchtenden die gleichen Menschenrechte zukommen wie uns Europ\u00e4er*innen&#8220;, sagte Hartbrich in ihrer Dankesrede. Sie freue sich sehr \u00fcber die Auszeichnung der Humanistischen Union Marburg f\u00fcr eine Arbeit, &#8222;die vielerorts kritisiert und sogar kriminalisiert wird&#8220;. Damit setze die HU &#8222;ein klares Zeichen gegen Rassismus und Abschottung und f\u00fcr Solidarit\u00e4t&#8220;.<br \/>\nLanganhaltender Applaus lie\u00df die w\u00fcrdige, mitunter ergreifende und zugleich auch oft heitere Feierstunde ausklingen. Stehend bedankten sich die Anwesenden im voll bestzten Historischen Saal bei den beiden Preistr\u00e4gerinnen f\u00fcr deren Haltung und Mut.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kristina H\u00e4nel und Ruby Hartbrich haben das &#8222;Marburger Leuchtfeuer&#8220; 2019 bekommen. 120 Menschen waren zur Preisverleihung am Dienstag (9. 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