{"id":395,"date":"2017-04-09T18:08:00","date_gmt":"2017-04-09T16:08:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=395"},"modified":"2017-04-13T11:25:42","modified_gmt":"2017-04-13T09:25:42","slug":"macht-der-ohnmaechtigen-alfred-grosser-eroeffnete-ausstellung-ba-ta-clan","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=395","title":{"rendered":"Macht der Ohnm\u00e4chtigen: Alfred Grosser er\u00f6ffnete Ausstellung &#8222;Ba-Ta-Clan&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Die allermeisten Opfer islamistischen Terrors sind Muslime.&#8220; Darauf wies der Publizist und Politologe Prof. Dr. Alfred Grosser am Sonntag (9. April) in der vollbesetzten Lutherischen Pfarrkirche hin. <!--more--><br \/>\nDem islamistischen Attentat am 13. November 2015 in Paris widmet sich die Ausstellung &#8222;BA-TA-CLAN&#8220;. Bis Mittwoch (26. April) ist sie t\u00e4glich von 11 bis 18 Uhr im Rathaus zu sehen. Erstmals werden die Exponate damit au\u00dferhalb Frankreichs gezeigt.<br \/>\nDie Ausstellung von Pariser Kunstschaffenden zeigt \u00fcber 60 Bilder und Plakate. Wegen des hohen Interesses fand ihre Er\u00f6ffnung nicht im Historischen Saal des Rathauses, sondern in der 250 Meter entfernten Lutherischen Pfarrkirche Sankt Marien statt.<br \/>\nIn ihren Gru\u00dfworten betonten Stadtr\u00e4tin Dr. Kerstin Weinbach und die franz\u00f6sische Generalkonsulin Sophie Laszlo die Bedeutung dieses Akts der Solidarit\u00e4t mit den Opfern des Pariser Attentats.<br \/>\nAuf Deutsch erl\u00e4uterte die K\u00fcnstlerin Philippine Schaefer die Hintergr\u00fcnde des Zustandekommens der Ausstellung. Sie sei sowohl ein Ausdruck praktischer Solidarit\u00e4t als zugleich auch praktizierte Traumabew\u00e4ltigung.<br \/>\nAuf Franz\u00f6sisch bezog Marjolaine D\u00e9gremont Stellung zu den Nachwirkungen der Attentate in Paris, Nizza, Br\u00fcssel, Berlin, London, Sankt Petersburg und Stockholm. Die vorherrschende Reaktion mit mehr \u00dcberwachung und mehr Gewalt oder Einsch\u00fcchterung sei der falsche Weg, erkl\u00e4rte sie. Vielmehr sei eine Auseinandersetzung mit den Beweggr\u00fcnden der T\u00e4ter und bessere Bedingungen bei Bildung und Kultur als angewandte Pr\u00e4ventionsarbeit notwendig.<br \/>\nIn eine \u00e4hnliche Kerbe schlug im anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch mit Kulturamtsleiter Dr. Richard Laufner unter dem Titel &#8222;Mensch werden lassen trotz Verzweiflung an der heutigen Welt&#8220; auch Grosser. Zwar kenne die franz\u00f6sische Sprache den Begriff &#8222;Migrationshintergrund&#8220; nicht, doch grenze die praktische Politik dort vile Menschen in Banlieus aus. Leicht k\u00f6nne man zwar Franzose werden; ebenso leicht w\u00fcrden Menschen aber auch an den Rand gedr\u00e4ngt.<br \/>\nIhre Antwort darauf sei h\u00e4ufig auch die Suche nach einer anderen Identit\u00e4t. Diese Identit\u00e4t liefere dann in Einzelf\u00e4llen auch ein archaisch verstandener Islam.<br \/>\nAllerdings sei Brutalit\u00e4t kein Wesensmerkmal des Islam. Grosser erinnerte daran, dass die Katholische Kirche sich den Begriff &#8222;Toleranz&#8220; erst seit dem 2. Vatikanischen Konzil im Jahr 1965 zu eigen gemacht habe. Das &#8211; von Pegida vollmundig verteidigte &#8211; Abendland sei \u00fcber Jahrhunderte hinweg von Glaubenskriegen und Intoleranz gegen\u00fcber Andersgl\u00e4ubigen gepr\u00e4gt gewesen.<br \/>\nAuch der Holocaust und zwei Weltkriege geh\u00f6rten unausl\u00f6schlich zur Geschichte des Abendlands. 1933 hatte Grosser selbst im Alter von acht Jahren mit seiner j\u00fcdischen Familie aus Deutschland nach Frankreich fliehen m\u00fcssen.<br \/>\n&#8222;Le Mensch&#8220; lautet der Titel seines neuesten Buchs. Mit dieser Wortwahl aus Franz\u00f6sischem Artikel und deutschem Substantiv pl\u00e4diert der Publizist daf\u00fcr, jeden Menschen als Individuum zu betrachten und zu achten. Mehr als 60 Jahre seines Lebens hat Grosser vor allem der Auss\u00f6hnung zwischen Franzosen und Deutschen gewidmet, f\u00fcr die er vielf\u00e4ltige bedeutende Ehrungen wie den &#8222;Friedenspreis des Deutschen Buchhandels&#8220; erhalten hat.<br \/>\nViele Franzosen betrachteten Deutschland mit einer Mischung aus Sorge und Bewunderung. Gerade f\u00fcr die Aufnahme Hunderttausennder Gefl\u00fcchteter k\u00f6nne man der Bundeskanzlerin Angela Merkel nur Bewunderung zollen. Leider rudere sie jetzt aber zur\u00fcck und unterwerfe sich den unsinnigen Regelungen des Abkommens von Dublin, wonach Fl\u00fcchtlinge dort Asyl beantragen m\u00fcssen, wo sie zum ersten Mal europ\u00e4ischen Boden betreten haben.<br \/>\nAuf Laufners Frage nach dem Zustand der Europ\u00e4ischen Union (EU) erkl\u00e4rte Grosser, das derzeitige Spitzenpersonal der EU stehe nicht gerade f\u00fcr einen Aufbruch zu mehr Transparenz, mehr Sozialer Gerechtigkeit und Demokratie. Trotzdem beendete der 91-j\u00e4hrige Publizist seine Ausf\u00fchrungen voller Zuversicht: Die Erfahrungen vieler Diskussionen gerade mit jungen Menschen an Schulen in Deutschland und Frankreich best\u00e4rkten ihn im Vertrauen auf eine weltoffene, kluge und an Gerechtigkeit sowie Frieden orientierte neue Generation.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die allermeisten Opfer islamistischen Terrors sind Muslime.&#8220; Darauf wies der Publizist und Politologe Prof. Dr. Alfred Grosser am Sonntag (9. 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April t\u00e4glich von 11 bis 18 Uhr im Rathaus zu sehen sein. Die Werke von Pariser K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern werden in Marburg zum ersten Mal au\u00dferhalb\u2026","rel":"","context":"In &quot;Kultur&quot;","img":{"alt_text":"","src":"","width":0,"height":0},"classes":[]},{"id":1501,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=1501","url_meta":{"origin":395,"position":2},"title":"Kultur 2017: Christen, Juden, Islamisten und Bildbeschreibungen f\u00fcr Blinde","date":"31. Dezember 2017","format":false,"excerpt":"2017 feierte Marburg gleich zwei Jubil\u00e4en. Seit 700 Jahren leben Juden in Marburg. Au\u00dferdem war 2017 das Reformationsjahr. Zum Reformationsjahr gab es viele unterschiedliche Veranstaltungen. Theaterst\u00fccke und Lesungen befassten sich mit dem Reformator Martin Luther. Ein buntes Programm erinnerte an Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 in Wittenberg . 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