{"id":3581,"date":"2019-05-05T09:15:53","date_gmt":"2019-05-05T07:15:53","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=3581"},"modified":"2019-05-05T09:23:44","modified_gmt":"2019-05-05T07:23:44","slug":"laehmend-langwierig-der-kirschgarten-feierte-premiere-im-tasch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=3581","title":{"rendered":"L\u00e4hmend langwierig: &#8222;Der Kirschgarten&#8220; feierte Premiere im TaSch"},"content":{"rendered":"<p>Der Kirschgarten wird verkauft. In gel\u00e4hmtem Entsetzen \u00fcber den Verlust verharrt seine Besitzerin in Unt\u00e4tigkeit.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIn einer Inszenierung von Schirin Khodadadian feierte &#8222;Der Kirschgarten&#8220; von Anton Tschechow am Sonntag (4. Mai) Premiere im Theater am Schwanhof (TaSch). Mitgebracht hatte die Gastregisseurin f\u00fcr die Rolle der Ljubow Andrejewna Ranjewskaja als Hauptdarstellerin die \u00fcberzeugende Bettina Schmidt. Zum Khodadadians eingeschworenem Team geh\u00f6rten auch die B\u00fchnenbildnerin Carolin Mittler, die Kost\u00fcmbildnerin Charlotte Sonja Willi und Katrin Vellrath f\u00fcr die Musik.<br \/>\nDem vorab reichlich verteilten Lob wurde vor allem Khodadadian selbst nicht ganz gerecht. In der deutschen Provinz zwischen Baden-Baden und Bonn hat der Provinzrezensent bereits vor Jahren gelungenere Inszenierungen des Kirschgartens mit mehr Tiefgang gesehen. Dabei ist das 116 Jahre alte St\u00fcck \u00fcber die ver\u00e4nderten Zeitl\u00e4ufte und die Hinwendung zum Vertrauten gerade auch heute immer noch brandaktuell.<br \/>\nDoch leider hat Khodadadian eher auf billige Gags gesetzt als auf Tiefgang. Wenn Frauen ihren Rock runterziehen und Darsteller beiderlei Geschlechts in Unterw\u00e4sche auf der B\u00fchne stehen, bringt das die Geschichte von der Zwangsversteigerung des Kirschgartens nicht voran. Dabei b\u00f6te sie viele aktuelle Ankn\u00fcpfungspunkte von der Abholzung des Hambacher Forsts \u00fcber den Klimawandel bis hin zur brandaktuellen Debatte \u00fcber die Thesen des Juso-Vorsitzenden Kevin K\u00fcnert zu Privatbesitz an Wohnraum und zur &#8211; auch in Marburg stark voranschreitenden &#8211; Gentrifizierung.<br \/>\nMit fast zweieinhalb Stunden Dauer zog sich die inszenierung auch zu sehr in die L\u00e4nge. Gerade zu Beginn und am Schluss verz\u00f6gerten Khodadadians &#8211; mitunter am\u00fcsante &#8211; Regieeinf\u00e4lle das Voranschreiten der Handlung.<br \/>\nDas Landgut in der russischen Provinz ist hoch verschuldet. Wenn nichts geschieht, droht die Zwangsr\u00e4umung.<br \/>\nDer neureiche Kaufmann Alexejewitsch Lopachin m\u00f6chte das Grundst\u00fcck parzellieren und darauf Ferienh\u00e4user errichten. Daf\u00fcr muss der Kirschgarten aber abgeholzt werden. Das w\u00fcrde jedoch die Kindheitserinnerungen der Besitzerin nachhaltig zerst\u00f6ren.<br \/>\nSo verharrt sie in phlegmatischer Hoffnung auf fremde Hilfe. Allerdings erweist sich diese Hoffnung als tr\u00fcgerisch. In immer dramatischerer Unt\u00e4tigkeit zieht sich die Geschichte hin bis zur &#8211; schlie\u00dflich unausweichlichen &#8211; Zwangsversteigerung des Guts.<br \/>\nNach dem minutenlangen Vorspann zeigte Khodadadian zwischendurch dann, dass sie ihr Handwerk durchaus beherrscht. Vor allem aber den durchweg hervorragenden Darstellern war es zu danken, dass die Auff\u00fchrung am Ende doch noch ein gewisses Ma\u00df an Tiefgang erreichte. Neben der Hauptrolle gl\u00e4nzten vor Allem Sven Brormann als Lopachin und Valentina Sch\u00fcler als Anja.<br \/>\nAm Ende gab es langanhaltenden Applaus des Publikums. Vor Allem die Darstellenden hatten ihn absolut verdient. Auch dem Autor Tschechow geb\u00fchrt nachtr\u00e4glich ein riesiges Lob f\u00fcr diesen herausragenden Klassiker der Theaterliteratur.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kirschgarten wird verkauft. 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