{"id":3144,"date":"2019-02-26T14:26:19","date_gmt":"2019-02-26T13:26:19","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=3144"},"modified":"2019-02-26T14:26:19","modified_gmt":"2019-02-26T13:26:19","slug":"am-hindurchgehen-neuer-mechanismus-beeinflusst-ionenkanaele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=3144","title":{"rendered":"Am  Hindurchgehen: Neuer Mechanismus beeinflusst Ionenkan\u00e4le"},"content":{"rendered":"<p>Mit einem neu entdeckten Mechanismus lassen sich Ionenkan\u00e4le zielgerichtet blockieren. Das weckt die Hoffnung auf Behandlungsm\u00f6glichkeiten bei Vorhofflimmern und weiteren Erkrankungen. <!--more--><br \/>\n\u00dcber diese &#8222;zielgerichtete Blockade aus dem Hinterhalt&#8220; schreibt eine Forschungsgruppe unter Marburger Leitung im Wissenschaftsmagazin &#8222;eLife&#8220;. Das Team ist auch an einem aktuellen Aufsatz in der Zeitschrift &#8222;Science&#8220; beteiligt, in dem es ebenfalls um die molekulare Steuerung von Kaliumkan\u00e4len geht.<br \/>\nHerzrhythmusst\u00f6rungen und Atemstillst\u00e4nde w\u00e4hrend des Schlafs haben eines gemeinsam, so unterschiedlich diese Krankheitsbilder auch sind: Sie lassen sich wahrscheinlich durch Ionenkan\u00e4le beeinflussen, die f\u00fcr die elektrische Erregbarkeit der Zellen zust\u00e4ndig sind. Das gilt speziell f\u00fcr die sogenannten &#8222;TASK-Kan\u00e4le&#8220;.<br \/>\n&#8222;Bislang gibt es keine Medikamente, die genau diese Ionenkan\u00e4le zielgerichtet blockieren&#8220;, erkl\u00e4rte der Physiologe Prof. Dr. Niels Decher von der Philipps-Universit\u00e4t, der die Studie leitete. &#8222;Daher besteht ein hoher medizinischer Bedarf, neue Angriffspunkte an diesen Kan\u00e4len zu finden und neuartige Mechanismen zu entdecken, die zu ihrer Blockade f\u00fchren.&#8220;<br \/>\nViele K\u00f6rperfunktionen beruhen auf elektrischen Signalen. Beispiele sind etwa die Nervent\u00e4tigkeit oder der Herzschlag.<br \/>\nDie elektrischen Signale kommen dadurch zustande, dass sich im Inneren von Zellen andere elektrisch geladene Teilchen befinden als au\u00dferhalb. Dabei handelt es sich um sogenannte Ionen.<br \/>\nF\u00fcr die ungleiche Verteilung sorgen Kan\u00e4le, durch die elektrisch geladene Teilchen von einer Seite der Membran auf die andere gelangen; auf diese Weise baut sich ein elektrisches Potenzial \u00fcber der Membran auf, die jede Zelle umh\u00fcllt.<br \/>\nDie Forschungsgruppe verglich verschiedene Wirkstoffe, die Ionenkan\u00e4le vom TASK-Typ hemmen. Dabei zeigte das Narkosemittel Bupivakain eine unerwartete Wirkung, das in der Medizin zur \u00f6rtlichen Bet\u00e4ubung eingesetzt wird.<br \/>\n&#8222;\u00dcberraschenderweise blockiert Bupivakain vorzugsweise den nach au\u00dfen gerichteten Teilchenstrom des Kanals, sobald sich das Membranpotenzial \u00e4ndert&#8220;, berichtete Privatdozentin Dr. Susanne Rinn\u00e9 aus Dechers Arbeitsgruppe. Sie ist eine der beiden Erstautoren des wissenschaftlichen Aufsatzes. Dergleichen wurde bisher noch nicht beobachtet.<br \/>\nDas Team suchte anschlie\u00dfend nach der Stelle, an der Bupivakain ansetzt, wenn es den Kanal blockiert. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzten daf\u00fcr molekulare Techniken, aber auch computergest\u00fctzte Simulationsverfahren.<br \/>\nDas Ergebnis erstaunte die Forschenden: Das Narkosemittel greift an einer seitlichen Einbuchtung an, die von der zentralen Durchfluss\u00f6ffnung des Kanals abzweigt. &#8222;Erstaunlicherweise befindet sich das Medikament so weit seitlich in dieser H\u00f6hlung, dass es keinen Porenverschluss des Zentralkanals verursacht&#8220;, erl\u00e4uterte Rinn\u00e9s Kollege Dr. Aytug K. Kiper, der sich mit ihr die Erstautorenschaft teilt.<br \/>\n&#8222;Was wir entdeckt haben, ist ein ganz neuer Mechanismus, der noch nie zuvor geschildert wurde&#8220;, legte Decher dar. Bisherige Kanal-Hemmstoffe greifen bevorzugt an der zentralen Tunnel\u00f6ffnung an.<br \/>\nDa sie bei allen Kanaltypen vorkommt, wirken solche Substanzen nicht zielgerichtet, sondern auf alle Kanaltypen gleicherma\u00dfen. &#8222;Die von uns entdeckte Bindungsstelle und der bislang unbekannte Hemm-Mechanismus k\u00f6nnen k\u00fcnftig dazu verwendet werden, zielgerichtete Kanalblocker zu finden, die dringend f\u00fcr die Therapie des Atemstillstands im Schlaf und des Vorhofflimmerns ben\u00f6tigt werden&#8220;, f\u00fchrte der Studienleiter aus.<br \/>\nFast gleichzeitig berichtet ein internationales Forschungsteam in der Wissenschaftszeitschrift &#8222;Science&#8220; \u00fcber einen molekularen Mechanismus, der die \u00d6ffnung von Kaliumkan\u00e4len unterschiedlichen Typs bewirkt. Auch an dieser Ver\u00f6ffentlichung hat das Marburger Team mitgewirkt.<br \/>\nDecher lehrt Physiologie an der Philipps-Universit\u00e4t. Neben seiner Arbeitsgruppe beteiligten sich an der Studie weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der Universit\u00e4t Kiel sowie aus Oxford und Chile. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie die chilenische F\u00f6rderorganisation &#8222;FONDECYT&#8220;haben die zugrunde liegenden Arbeiten unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem neu entdeckten Mechanismus lassen sich Ionenkan\u00e4le zielgerichtet blockieren. Das weckt die Hoffnung auf Behandlungsm\u00f6glichkeiten bei Vorhofflimmern und weiteren Erkrankungen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5],"tags":[1756,1757,64],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-OI","jetpack-related-posts":[{"id":8831,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=8831","url_meta":{"origin":3144,"position":0},"title":"Forscher zu Parkinson: Aktive Ionenkan\u00e4le bes\u00e4nftigen Hirnzellen","date":"24. Februar 2022","format":false,"excerpt":"Elektrophysiologische Untersuchungen er\u00f6ffnen neue Wege, um Parkinsonkrankheit im Fr\u00fchstadium zu bek\u00e4mpfen. 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