{"id":292,"date":"2017-03-16T12:57:21","date_gmt":"2017-03-16T11:57:21","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=292"},"modified":"2017-03-16T12:57:21","modified_gmt":"2017-03-16T11:57:21","slug":"zusammengeschweisst-60-trauergaeste-nahmen-abschid-von-rolf-hepp","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=292","title":{"rendered":"Zusammengeschwei\u00dft: 60 Trauerg\u00e4ste nahmen Abschid von Rolf Hepp"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Rolf, der Kampf geht weiter.&#8220; Mit diesen Worten verabschiedete sich ein Freund von Rolf Hepp. Gut 60 Menschen waren am Mittwoch (15. M\u00e4rz) zur Trauerfeier in die Friedhofskapelle am Rotenberg gekommen. <!--more--><br \/>\n&#8222;Vermutlich ist Rolf am 2. Februar gestorben&#8220;, berichtete der DGB-kreisvorsitzende Pit Metz der Trauergemeinde. &#8222;Aber genau wissen wir das nicht.&#8220;<br \/>\nGefunden wurde er erst zehn Tage sp\u00e4ter. Eine Freundin, die sich um Hepp sorgte, erhielt auf ihre Fragen nach ihm immer wieder die Antwort: &#8222;Erst gestern habe ich ihn gesehen.&#8220;<br \/>\nDiese Aussage ist typisch f\u00fcr ihn: H\u00e4ufig war der Aktivist mit seinem Rad in der Stadt unterwegs. Stets war er dabei mit einem Helm ausgestattet, den er fast \u00fcberallhin mitnahm.<br \/>\n&#8222;Als ich h\u00f6rte, Rolf Hepp sei gestorben, wusste ich erst gar nicht, wer das war&#8220;, berichtete B\u00fcrgermeister Dr. Franz Kahle. &#8222;F\u00fcr mich war er nur Rolf.&#8220;<br \/>\nRegelm\u00e4\u00dfig hat der B\u00fcrgermeister mit dem Polit-Aktivisten im Marburger Weltladen Kaffee getrunken. &#8222;Dabei hat er mich manchmal auch scharf kritisiert&#8220;, berichtete Kahle. Hinterher habe er dann aber immer eingelenkt; und man sei mit einem freundlichen Schulterklopfen auseinandergegangen.<br \/>\n&#8222;Die Universit\u00e4tsstadt Marburg trauert um Rolf Hepp&#8220;, hatte Kahle seine Rede begonnen. \u00c4hnliche Ansprachen halte er h\u00e4ufig. Doch stelle sich die Frage, ob wirklich die Stadt trauere.<br \/>\nH\u00e4ufig w\u00fcrdigten Offizielle mit diesen Worten Menschen, die in vorderster Reihe zum Wohl der Stadt t\u00e4tig gewesen seien. Bei Hepp k\u00f6nne man das buchst\u00e4blich nehmen: Mit seinem Fahrrad sei er bei sehr vielen Demonstrationen in der ersten reihe mitgelaufen.<br \/>\nNahezu jede Sitzung der Stadtverordnetenversammlung (StVV) habe Hepp besucht. F\u00fcr ihn habe Demokratie in der Verpflichtung bestanden, sich einzubringen. Deshalb kannten ihn viele vom Sehen, auch wenn sie seinen Namen nicht wussten.<br \/>\n&#8222;Erst einmal habe ich Aufkl\u00e4rungsarbeit leisten m\u00fcssen&#8220;, berichtete Kahle weiter. Kaum jemand habe etwas anfangen k\u00f6nnen mit dem Namen &#8222;Rolf Hepp&#8220;. Wenn er den Verstorbenen aber als &#8222;zerknautschen Typ mit dicker Brille, Fahrrad und Helm&#8220; beschrieben habe, dann habe fast jeder ihn gekannt.<br \/>\n&#8222;Wenn man Rolf nach seinem Geburtstag fragte, antwortete er: Operation Barbarossa&#8220;, berichtete Metz. Unter dem Codenamen &#8222;Operation Barbarossa&#8220; hatten die alliierten Truppen im Zweiten weltkrieg die Landung in der Normandie am 22. Juni getarnt.<br \/>\nGeboren wurde der Sohn eines Metallbauers 1950 in Bad Soden-Saalm\u00fcnster. Hier absolvierte er auch eine Metallbaulehre vermutlich im elterlichen Betrieb. Doch offenbar reichte ihm die handwerkliche T\u00e4tigkeit nicht aus, weshalb er sp\u00e4ter das Abitur nachmachte.<br \/>\nIn Marburg habe er dann zahlreiche Veranstaltungen und viele Vorlesungen besucht, wo er sich h\u00e4ufig als Erster zu Wort meldete, berichtete Metz. Wegen seines schlechten Gebisses habe er aber so stark genuschelt, dass viele ihn nicht verstanden. &#8222;Erste Pflicht der Arbeiterklasse ist ein neues Gebiss f\u00fcr Rolf&#8220;, habe ein linksorientierter Professor daraufhin gefordert.<br \/>\nKonsequent war Hepps klare Haltung gegen Faschismus und Krieg. Seine handwerklichen Kenntnisse seien ihm bei der Aufstellung des Deserteursdenkmals an der Frankfurter Stra\u00dfe zugute gekommen, berichtete Metz. Der Friedensaktivist habe sich nicht nur f\u00fcr die Errichtung des Denkmals gegen Krieg und Militarismus eingesetzt, sondern auch selbst das Kreuz zusammengeschwei\u00dft.<br \/>\nVon zahlreichen Diskussionen mit Hepp berichtete Uwe Meyer. Mitunter habe der Aktivist ihm gezeigt, was er in seinem gro\u00dfen Rucksack bei sich trug. Zahlreiche B\u00fccher hatte er darin verstaut, die er mit Interesse und Begeisterung las.<br \/>\nM\u00fchsam habe Hepp sich beispielsweise auch an &#8222;Die \u00c4sthetik des Widerstands&#8220; herangetastet. Eher seine Sache war dagegen das Handeln f\u00fcr Frieden und gegen Faschismus. Auf keiner Veranstaltung zur &#8222;Neuen Rechten&#8220; oder Marburgs Geschichte w\u00e4hrend der Nazi-Zeit habe er gefehlt.<br \/>\nUnverggesslich ist die Anzeige, die er wegen eines durchgestrichenen Hakenkreuzes erhielt, mit dem er zu einer Sitzung des Kreistags gegangen war. Ein Polizist und Kreistagsabgeordneter der &#8222;Republikaner&#8220; riss ihm den Sticker vom Revers. Das Strafverfahren gegen Hepp wurde indes nicht zuletzt dank seines guten Anwalts niedergeschlagen.<br \/>\nEin Verm\u00e4chtnis von Hepp gab Meyer den Versammelten mit auf den Weg: Am Kempffrasen, wo die Nazis ihre B\u00fccherverbrennung durchf\u00fchrten und von wo aus studentische Freicorps zur Niederschlagung eines Streiks von Arbeitern im th\u00fcringischen Mechterstedt aufgebrochen waren, h\u00e4tte Hepp gern ein Mahnmal angebracht. Dieser beiden Tabubr\u00fcche m\u00fcsse eine demokratische Stadtgesellschaft gedenken, befand der aktive Antifaschist.<br \/>\n&#8222;Vor der Feierstunde dachte ich, ich kenne Rolf Hepp nicht&#8220;, erkl\u00e4rte zum Abschluss der Trauerfeier Pfarrer Christoph N\u00e4der. &#8222;Nach den Reden muss ich aber sagen: Ich kenne ihn und habe \u00f6fters mit ihm diskutiert.&#8220;<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Rolf, der Kampf geht weiter.&#8220; Mit diesen Worten verabschiedete sich ein Freund von Rolf Hepp. Gut 60 Menschen waren am Mittwoch (15. M\u00e4rz) zur Trauerfeier in die Friedhofskapelle am Rotenberg gekommen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[2,4],"tags":[168,171,199],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-4I","jetpack-related-posts":[{"id":240,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=240","url_meta":{"origin":292,"position":0},"title":"Trauer um Rolf Hepp: Antifaschistund Aktivist \u00fcberraschend gestorben","date":"5. M\u00e4rz 2017","format":false,"excerpt":"Rolf Hepp ist tot. Der engagierte Antifaschist und Friedensaktivist ist im Februar \u00fcberraschend gestorben. 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