{"id":2772,"date":"2018-10-31T17:22:25","date_gmt":"2018-10-31T16:22:25","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=2772"},"modified":"2018-11-01T09:57:05","modified_gmt":"2018-11-01T08:57:05","slug":"vorgelesen-heimspiel-fuer-nino-haratischwili-im-tasch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=2772","title":{"rendered":"Vorgelesen: Heimspiel f\u00fcr Nino Haratischwili im TaSch"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;F\u00fcr mich ist das hier heute ein Heimspiel&#8220;, sagte Nino Haratischwili. Im &#8222;Gro\u00dfen TaSch&#8220; las sie am Dienstag (30. Oktober) aus ihrem Roman &#8222;Die Katze und der General&#8220;. <!--more--><br \/>\n&#8222;Ungewohnt ist allerdings, hier auf der B\u00fchne zu sein&#8220;, fuhr die Bestseller-Autorin fort. &#8222;Sechs Wochen lang habe ich unten gesessen.&#8220;<br \/>\nW\u00e4hrend dieser Zeit hatte Haratischwili in genau diesem Saal <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=2664\">ihr St\u00fcck &#8222;Radio Universe&#8220;<\/a> geprobt. Am Samstag (22. September) feierte es im Theater am Schwanhof (TaSch) Premiere.<br \/>\nNun war die Regisseurin zur\u00fcckgekehrt, um im Hessischen Landestheater Marburg aus ihrem neuesten Roman zu lesen. Bis auf die &#8222;Shortlist&#8220; des Deutschen Buchpreises hatte er es geschafft; und so war der Theatersaal auch bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt.<br \/>\nDie Literaturwissenschaftlerin Verena Thinnes moderierte den Abend. Sie kennt Hataschwili aus gemeinsamen Studienzeiten in Hamburg. Leider lie\u00df sie nur einen der 200 Anwesenden zu Wort kommen, was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat.<br \/>\nIhrer einstigen Studienkollegin berichtete Haratischwili, wie sie zu dem Stoff ihrer Erz\u00e4hlung gelangt war. Ausgel\u00f6st hatt die \u00dcberlegung dazu der Mord an Anna Politkowskaja. Bei ihren Recherchen war die Journalistin auf ein Massaker gesto\u00dfen, dass russische Soldaten w\u00e4hrend des Tschechenien-Kriegs in einem tschechenischen Dorf ver\u00fcbt hatten.<br \/>\nIhre Ersch\u00fctterung \u00fcber diese sinnlose Gewalt und die Frage, unter welchen Umst\u00e4nden jemand zum T\u00e4ter wird und ob es auch Menschen gibt, die dagegen gefeit sind, seien Ausl\u00f6ser f\u00fcr den Roman gewesen. &#8222;Eigentlich wollte ich nur 300 Seiten schreiben&#8220;, berichtete Hataschwili. &#8222;Doch dann habe ich gemerkt, dass ich die Charaktere und ihre Vor- und Nachgeschichte genauer darstellen muss.&#8220;<br \/>\nZun\u00e4chst las Hataschwili aus dem Prolog. Dort stellt sie die jugendliche Protagonistin vor, die sp\u00e4ter von russischen soldaten vergewaltigt und ermordet wird. Die 17-j\u00e4hrige Jugendliche ist jedoch keineswegs ein Opfer-Typ, sondern eher eine junge Frau jenseits der streng muslimischen Traditionen der Dorfbev\u00f6lkerung.<br \/>\nNach dem Prolog las Haratischwili ein Kapitel vor, in dem einer der Soldaten vorgestellt wird. Der junge Mann ist feinf\u00fchlig und m\u00f6chte dem brutalen Milit\u00e4rdienst gerne entfliehen, wird sp\u00e4ter aber dennoch zum T\u00e4ter.<br \/>\nIm dritten vorgetragenen Textfragment f\u00fchrte Haratischwili die &#8222;Katze&#8220; ein. Sie beobachtet den &#8222;Salon&#8220; ihrer Mutter in Berlin, wo sich regelm\u00e4\u00dfig lauter gescheiterte Exilanten aus Osteuropa treffen.<br \/>\nWirkten die ersten beiden Textpassagen eher bedrohlich, so kam in den Beschreibungen der Exilanten das satirische Talent der Autorin voll zur Geltung. Bis auf eine Literaturwissenschaftlerin sind diese Menschen alle nicht in Deutschland angekommen und betrauern die Heimat, die sie zuvor als v\u00f6llig unertr\u00e4glich verlassen hatten. Sch\u00f6ngeistige K\u00fcnstler und Wissenschaftler schlagen sich als Taxifahrer durch und halten sich trotzdem weiterhin f\u00fcr etwas Besseres.<br \/>\nGewalt und Krieg sowie das Exil und die Schwierigkeiten, im Zielland und seiner Gesellschaft wirklich anzukommen, kennzeichneten die beeindruckende Lesung der geb\u00fcrtigen Georgierin. Ihre Texte sind sprachlich ausgefeilt sowie mit feinf\u00fchligen beschreibungen und beeindruckenden Bildern zu einem dichtmaschigen Teppich sprachlicher Kunstfertigkeit verwoben.<br \/>\nAm Rande der Lesung kamen auch ihre Vorliebe f\u00fcr russische Literatur sowie eine kleine Anekdote zum Entstehungsort des Romans zur Sprache. Entstanden ist &#8222;Die Katze und der General&#8220; in der T\u00fcrkei, wohin die Robert-Bosch-Stiftung die Schriftstellerin mitsamt ihrer zweij\u00e4hrigen tochter eingeladen hatte. &#8222;Dieses Land ist wundersch\u00f6n&#8220;, schw\u00e4rmte sie und f\u00fcgte traurig hinzu: &#8222;Landschaftlich!&#8220;<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;F\u00fcr mich ist das hier heute ein Heimspiel&#8220;, sagte Nino Haratischwili. Im &#8222;Gro\u00dfen TaSch&#8220; las sie am Dienstag (30. 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