{"id":2705,"date":"2018-10-04T10:08:02","date_gmt":"2018-10-04T08:08:02","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=2705"},"modified":"2018-10-04T10:08:02","modified_gmt":"2018-10-04T08:08:02","slug":"einheit-in-vielfalt-marburg-und-eisenach-feierten-mit-dem-auslaenderbeirat","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=2705","title":{"rendered":"Einheit in Vielfalt: Marburg und Eisenach feierten mit dem Ausl\u00e4nderbeirat"},"content":{"rendered":"<p>Mit einem Fest der kulturellen Vielfalt hat Marburgerden &#8222;Tag der deutschen Einheit&#8220; gefeiert. Dabei klang die Nationalhymne so zart wie nie. <!--more--><br \/>\nKlare Worte f\u00fcr Demokratie, Einheit, Respekt und Verst\u00e4ndigung sowie gegen Rassismus, Rechtsextremismus und gesellschaftliche Risse pr\u00e4gten die offizielle Feierstunde zum 3. Oktober im Haus der Stadtgesellschaft. Marburg und Eisennach feierten ihre 30-j\u00e4hrige St\u00e4dtepartnerschaft. Zwei in der Integration au\u00dferordentlich engagierte Menschen erhielten Stadtsiegel.<br \/>\nGespielt wurde das Deutschlandlied im Erwin-Piscator-Haus als Haydn-Streichquartett vom Kammerensemble der Marburger Jungen Philharmonie. Die Musiker interpretierten das St\u00fcck nicht kraftvoll und entschieden, wie es so oft ert\u00f6nt, sondern behutsam, anr\u00fchrend, zart.<br \/>\nZuvor hatte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Thomas Spies die G\u00e4ste der Feierstunde begr\u00fc\u00dft, nachdem auch der Bus aus der Partnerstadt Eisenach gl\u00fccklich am Veranstaltungsort eingetroffen war. Im Gro\u00dfen Saal versammelt hatten sich neben dem Ausl\u00e4nderbeirat als Mitveranstalter der Feierstunde und der Delegation aus Eisenach Marburger Kommunalpolitikerinnen und -politiker, Ehrenb\u00fcrger und Ehrenb\u00fcrgerinnen, der Marburger Integrationsbeauftragte Sherif Korodowou, Vertreterinnen und Vertreter von Vereinen und Initiativen, die den Tag ebenso mitgestalteten wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger.<br \/>\n&#8222;Als am 3. Oktober 1990 die Deutsche Demokratische Republik DDR endete und Th\u00fcringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Ostberlin der Bundesrepublik Deutschland beitraten, sprachen nicht wenige vom Ende der Geschichte&#8220;, f\u00fchrte der Oberb\u00fcrgermeister zu Beginn seiner Festrede die Anwesenden zur\u00fcck in die Geschichte. &#8222;Vorausgegangen war ein Jahrhundert von ungeheurer Dynamik, voller tiefgreifender gesellschaftlicher, politischer, wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und sozialer Umw\u00e4lzungen. Es war auch das Jahrhundert der Gewalt, der Kriege und des Tiefpunkts menschlicher Zivilisation.&#8220; Der 3. Oktober 1990 sei nicht vom 8. Mai 1945, nicht vom 30. Januar 1933 &#8211;<br \/>\ndem Tag der Machtergreifung der Nationalsozialisten &#8211; und nicht vom Ende sowie vom Anfang des Ersten Weltkriegs zu trennen. &#8222;Wenn wir heute auf die Wiedervereinigung schauen, dann schauen wir nicht nur zur\u00fcck auf die deutsche Teilung, auf BRD und DDR im Kalten Krieg, auf Versprechungen und Entt\u00e4uschungen im Versuch der Umsetzung der gro\u00dfen Ideologien, sondern wir wollen und d\u00fcrfen die ganze deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht ausblenden&#8220;, erkl\u00e4rte Spies..<br \/>\nGeschichte sei vor allem Auftrag, fuhr der Oberb\u00fcrgermeister fort, &#8222;und so ist es dieser Feiertag auch, weil er uns Aufgaben aufgibt&#8220;. \u00dcber f\u00fcnf Aufgaben sprach Spies dann von &#8222;Wehret den Anf\u00e4ngen&#8220; \u00fcber das friedliche Zusammenleben aller Menschen in ihrer Vielfalt sowie das Zusammenwachsen von Ost und West, den ehrlichen Umgang mit Gegenwart und Zukunft bis hin dazu, die &#8222;bestehenden sozialen Herausforderungen anzugehen. Wir m\u00fcssen alle Menschen mitnehmen, ihnen Angst und Verunsicherung nehmen und Gewissheit geben, m\u00fcssen immer wieder ganz konkret nachweisen, dass wir f\u00fcreinander einstehen&#8220;.<br \/>\nDas gehe in den Kommunen am besten, erkl\u00e4rte Spies. &#8222;Wir haben gezeigt: Wir sind mehr&#8220;. Immer wieder applaudierte der Saal, zum Beispiel als Spies \u00fcber die <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=2617\">7.500 Menschen<\/a> sprach, die am Freitag (7. September) zur gr\u00f6\u00dften Kundgebung Marburgs seit Jahrzehnten gekommen waren, um gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu demonstrieren.<br \/>\n&#8222;Wir haben gezeigt: Wir sind mehr&#8220;, fuhr Spies fort. &#8222;Marburger ist, wer Marburger sein will.&#8220;<br \/>\nApplaus erschallte auch, als der Oberb\u00fcrgermeister die nach wie vor unterschiedlichen Lebensverh\u00e4ltnisse in Ost und West kritisierte: &#8222;Wenn Menschen das Gef\u00fchl haben m\u00fcssen, dass ihre Lebensleistung nicht gew\u00fcrdigt wird, dass ihre Erfahrungen nicht wertvoll sind, dann f\u00fchrt das fast zwangsl\u00e4ufig zu \u00c4rger und Verzweiflung. Die Ungleichheit sowohl im Finanziellen als auch in der Anerkennung und W\u00fcrdigung der Menschen ist eine der zentralen Herausforderungen f\u00fcr die Demokratie in diesem Land.&#8220;<br \/>\nDass 2018 auch ein &#8222;Riss durch unser Land&#8220; geht, obwohl Deutschland nach 28 Jahren schon l\u00e4nger wiedervereinigt ist, als es durch die Mauer getrennt war, konstatierte Eisenachs Oberb\u00fcrgermeisterin Katja Wolf. Auch sie warnte, diesen Riss nicht allzu leichtfertig zwischen Ost und West allein entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu verorten. Rechtsextremistische Str\u00f6mungen seien ohne Zweifel in den &#8222;f\u00fcnf neuen L\u00e4ndern&#8220; besonders ausgepr\u00e4gt; die Bereitschaft, den Populisten vom rechten Rand die eigene Stimme zu geben, sei aber auch in Baden-W\u00fcrttemberg, in Bayern oder Hessen nicht gering.<br \/>\nDie geistigen Brandstifter seien nicht selten im westlichen Bildungsb\u00fcrgertum sozialisiert. Wie Spies appellierte Wolf daf\u00fcr, vielf\u00e4ltige Frustration und Abstiegs- sowie Zukunfts\u00e4ngste in der Gesellschaft als Ganzes wahrzunehmen und nicht \u00fcbereinander, nicht von oben nach unten, sondern ohne Arroganz und \u00dcberheblichkeit auf Augenh\u00f6he miteinander zu sprechen. &#8222;Ich bin mir sicher, dass ein wichtiger Schl\u00fcssel f\u00fcr die Verteidigung der Demokratie das Gespr\u00e4ch, das Sehen und Gesehen werden sind.&#8220;<br \/>\nEin weiterer wichtiger Schatz auf dem Weg zu Einheit und Verst\u00e4ndigung sei die lebendige St\u00e4dtepartnerschaft, lobte Wolf wie Spies zuvor die 30 Jahre Partnerschaft zwischen Eisenach und Marburg. &#8222;Denn St\u00e4dtepartnerschaften&#8220; &#8211;<br \/>\nso die Oberb\u00fcrgermeisterin &#8211; seien die &#8222;gr\u00f6\u00dfte und beste Friedensbewegung der Welt&#8220;.<br \/>\nWie diese Partnerschaft zwischen Marburg und Eisenach gelebt wird, z\u00e4hlte die ehrenamtliche Beigeordnete Heike Apel-Spengler aus Eisenach dann auf. Sie berichtete von Kontakten, Verbindungen, Kooperationen, gemeinsamen Initiativen und Aktionen in den Bereichen Stadtteil, Schule, Kultur und anderen mehr.<br \/>\n&#8222;Unser Programm heute ist so bunt und vielf\u00e4ltig wie unsere Stadt&#8220;, stellte Goarik Gareyan vom Ausl\u00e4nderbeirat das Motto des Tags der kulturellen Vielfalt rund um das Erwin-Piscator-Haus vor, der seit zwei Jahren mit dem Tag der deutschen Einheit zusammengefeiert wird. Ebenfalls der Ausl\u00e4nderbeirat war es, der Somayeh Mansouri und Pfarrer Ulrich Biskamp f\u00fcr die Auszeichnung mit dem Historischen Stadtsiegel vorgeschlagen hat, dasSpies beiden w\u00e4hrend der Feierstunde zum 3. Oktober verlieh.<br \/>\nMansouri ist in vielen verschiedenen Organisationen mit dem Schwerpunkt Migration und Zusammenleben aktiv. Bereits kurz nach ihrem Umzug nach Marburg engagierte sie sich 2010 im Rahmen der Ausl\u00e4nderbeiratswahlen. Sie wurde Mitglied im Beirat und \u00fcbernahm seit 2014 viele ehrenamtliche Aufgaben des Vorstands.<br \/>\nunter anderen war sie hauptverantwortlich f\u00fcr die Organisation des Tags der kulturellen Vielfalt, &#8222;den wir mittlerweile in einer Gr\u00f6\u00dfe feiern, die mich als Oberb\u00fcrgermeister stolz macht&#8220;, erkl\u00e4rte Spies. Mansouri begleitet und unterst\u00fctzt zudem junge Studieren aus dem Iran und aus Afghanistan. Sie war unter anderem Bildungsbeauftragte im Landkreis im Projekt &#8222;Mozaik&#8220;, ist Mitglied der Studenteninitiative Weitblick Marburg, des Deutsch-Iranischen Vereins Marburg und war zwei Jahre als Gesandte des Ausl\u00e4nderbeirats im Netzwerk gegen Diskriminierung in Hessen.<br \/>\nDas zweite Stadtsiegel \u00fcberreichte der Oberb\u00fcrgermeister an den Hausherrn des &#8222;Kerners&#8220; in der Oberstadt. Pfarrer Ulrich Biskamp gr\u00fcndete 2016 das &#8222;Kerner-Netzwerk&#8220; und setzt sich seitdem daf\u00fcr ein, den traditionsreichen &#8222;Kerner&#8220; als Ort der interkulturellen Begegnung wiederzubeleben. &#8222;Daf\u00fcr verdient er gro\u00dfe Anerkennung, die wir mit der Auszeichnung heute zeigen m\u00f6chten&#8220;, sagte Oberb\u00fcrgermeister Spies.<br \/>\nZus\u00e4tzlich zu den Veranstaltungen, die es bereits im &#8222;Kerner&#8220; gibt, sollen weitere Geb\u00e4udeteile f\u00fcr migrantische und interkulturelle Initiativen ausgebaut werden. &#8222;Als Mensch und Theologe tritt Pfarrer Biskamp authentisch und unerm\u00fcdlich f\u00fcr diese Vision der interkulturellen Begegnung ein&#8220;, w\u00fcrdigte Spies den Ausgezeichneten. Er \u00f6ffne &#8222;sein Haus&#8220; f\u00fcr den interreligi\u00f6sen Dialog.<br \/>\nDie Zusammenarbeit mit der Islamischen Gemeinde sei ihm ein besonderes Anliegen. &#8222;Damit hat er auf die Frage des Zusammenlebens eine ganz praktische und doch bedeutende Antwort gefunden&#8220;, lobte Spies den evangelischen Pfarrer.<\/p>\n<p>* pm: Stadt Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem Fest der kulturellen Vielfalt hat Marburgerden &#8222;Tag der deutschen Einheit&#8220; gefeiert. 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