{"id":265,"date":"2017-03-09T16:31:31","date_gmt":"2017-03-09T15:31:31","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=265"},"modified":"2017-03-09T16:31:31","modified_gmt":"2017-03-09T15:31:31","slug":"groesse-chemiker-erzeugten-bismut-kettenmolekuel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=265","title":{"rendered":"Gr\u00f6\u00dfe: Chemiker erzeugten Bismut-Kettenmolek\u00fcl"},"content":{"rendered":"<p>Was bislang als unerreichbar galt, ist Prof. Dr. Stefanie Dehnen und ihrem Mitarbeiter Dr. Robert J. Wilson jetzt gelungen: Die beiden haben eine Verbindung hergestellt, die 4 Germanium- und 14 Bismut-Atome in einem Molek\u00fclverband enth\u00e4lt. <!--more--><br \/>\nDamit handelt es sich um das gr\u00f6\u00dfte bekannte K\u00e4figmolek\u00fcl mit direkt aneinander gebundenen Bismut-Atomen. Das Team berichtet \u00fcber seine Ergebnisse in der Fachzeitschrift &#8222;Angewandte Chemie&#8220;. Die aktuelle Ausgabe des Wissenschaftsjournals erscheint zur Chemiedozententagung der Gesellschaft Deutscher Chemiker, die von Montag (13. M\u00e4rz) bis Mittwoch (15. M\u00e4rz) in Marburg stattfindet.<br \/>\nBismut ist das schwerste Metall, das praktisch nicht radioaktiv ist. &#8222;Anders als seine direkten Nachbarn im Periodensystem der Elemente &#8211; Blei und Polonium &#8211; ist es v\u00f6llig ungiftig&#8220;, sagt Dehnen; &#8222;in Form bestimmter Salze findet es sogar Anwendung in der Medizin.&#8220; In elementarer Form kommt es als Mineral vor. Chemikerinnen und Chemiker stellt es jedoch vor Probleme, wie Dehnen darlegt: &#8222;Es ist nicht leicht, Bismut-Atome in direkte Metall-Metall-Bindungen zu zwingen. Bis vor kurzem wurde die Bildung von vielatomigen Bismut-K\u00e4figen als derart ung\u00fcnstig angesehen, dass man davon ausging, mit diesem Element keine gro\u00dfen und komplexen Strukturen realisieren zu k\u00f6nnen.&#8220;<br \/>\nIn ihrer aktuellen Publikation beschreiben Dehnen und Wilson, wie die Synthese des neuen Molek\u00fcls vonstatten geht. Schmilzt man die chemischen Elemente Kalium, Germanium und Bismut im Verh\u00e4ltnis 2 zu 1 zu 1 zusammen und extrahiert den dabei entstehenden Feststoff mit dem L\u00f6sungsmittel Ethylendiamin, so ergibt sich zun\u00e4chst eine tiefblaue L\u00f6sung.<br \/>\n&#8222;Mit der Zeit \u00e4ndert sich die Farbe der L\u00f6sung jedoch von Blau \u00fcber Gr\u00fcn nach Rotbraun, wobei dunkelrote Nadeln kristallisieren&#8220;, berichtete Wilson. Diese Kristallnadeln enthalten die neuartige Bismut-Verbindung. Dieses Salz enth\u00e4lt ein Molek\u00fcl der Summenformel (Ge4Bi14)4-.<br \/>\n&#8222;Trotz der langen Reaktionszeit ist die Reaktion reproduzierbar&#8220;, betonten Dehnen und Wilson: &#8222;Die Produktbildung kann bei Raumtemperatur nach etwa 60 Tagen beobachtet werden, bei 5 Grad Celsius nach zirka 90 Tagen.&#8220;<br \/>\nDas rekordverd\u00e4chtige Molek\u00fcl besteht aus zwei Bismut-K\u00e4figen, die je sieben Atome besitzen. Sie teilen sich eine gemeinsame Kante, die aus vier Germanium-Atomen besteht.<br \/>\n&#8222;Das Gesamtgebilde ist negativ geladen&#8220;, legte Dehnen dar. &#8222;Es handelt sich somit um das Anion der salzartigen Titelverbindung.&#8220;<br \/>\nIn der &#8222;Cambridge Structural Database&#8220; als der wichtigsten Strukturdatenbank f\u00fcr entsprechende Stoffe findet sich kein Molek\u00fcl mit der gleichen Gesamtstruktur.<br \/>\nWorauf ist die strikte Trennung der Elementsorten in der Verbindung zur\u00fcckzuf\u00fchren? &#8222;In verwandten Verbindungen mit anderen Elementkombinationen war bisher immer eine m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfige Verteilung verschiedener Atomsorten in den Molek\u00fclen pr\u00e4feriert worden&#8220;, f\u00fchrte Dehnen aus.<br \/>\nDas Forschungsteam vermutet, dass die Entmischung auf den extrem unterschiedlich gro\u00dfen Atomradien beruht. Dieses Ph\u00e4nomen ist von makroskopischen Metalllegierungen bekannt. Hier wurde es auf molekularer Skala nachvollzogen.<br \/>\nWie genau sich das gro\u00dfe Bismut-Polyanion bildet, haben die Autoren noch nicht herausgefunden. &#8222;Dies wird erst m\u00f6glich sein, wenn man die Zwischenstufen nachweisen kann, was in diesem Fall aber besonders schwierig ist&#8220;, schrieben Dehnen und Wilson.<br \/>\nDehnen lehrt Anorganische Chemie an der Philipps-Universit\u00e4t. Ihre Arbeitsgruppe am Fachbereich Chemie besch\u00e4ftigt sich mit der Synthese und Charakterisierung von anorganischen und metallorganischen Multikomponenten-Clusterverbindungen.<br \/>\nAuch in der breitenwirksamen Vermittlung naturwissenschaftlicher Fragestellungen ist die Hochschullehrerin aktiv: Dehnen ist Direktorin des Mitmachlabors <a href=\"http:\/\/www.chemikum-marburg.de\">Chemikum Marburg<\/a>. Die aktuelle Arbeit wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bislang als unerreichbar galt, ist Prof. Dr. Stefanie Dehnen und ihrem Mitarbeiter Dr. Robert J. Wilson jetzt gelungen: Die beiden haben eine Verbindung hergestellt, die 4 Germanium- und 14 Bismut-Atome in einem Molek\u00fclverband enth\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[5],"tags":[184,182,183],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-4h","jetpack-related-posts":[{"id":9272,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=9272","url_meta":{"origin":265,"position":0},"title":"Beim Vorausdenken: Dehnen erh\u00e4lt ERC Advanced Grant","date":"26. April 2022","format":false,"excerpt":"Der \"ERC Advanced Grant\" geht an Prof. Dr. Stefanie Dehnen. 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