{"id":2618,"date":"2018-09-08T17:51:08","date_gmt":"2018-09-08T15:51:08","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=2618"},"modified":"2018-09-08T17:51:08","modified_gmt":"2018-09-08T15:51:08","slug":"gegen-gefuehllosigkeit-egon-vaupel-erzaehlte-aus-seinem-leben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=2618","title":{"rendered":"Gegen Gef\u00fchllosigkeit: Egon Vaupel erz\u00e4hlte aus seinem Leben"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Erz\u00e4hltes Leben&#8220; hei\u00dft eine Reihe im &#8222;Politischen Salon&#8220;. Ex-Oberb\u00fcrgermeister Egon Vaupel berichtete dort am Freitag (7. September) aus seinem Leben. <!--more--><br \/>\nDer Historische Saal im Rathaus war gut gef\u00fcllt. Wegen der vorangegangenen <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=2617\">Demonstration &#8222;Wir sind mehr&#8220; gegen Rechtsextremismus und Gewalt<\/a> begann die Veranstaltung allerdings mit fast halbst\u00fcndiger Verz\u00f6gerung.<br \/>\nZur Moderation hatte Salon-Gastgeber PD Dr. Johannes M. Becker sich Prof. Dr. Maximiliane J\u00e4ger-Gogoll als Verst\u00e4rkung geholt. Knapp eine halbe Stunde zuvor hatte die Friedensforscherin und Literaturwissenschaftlerin drau\u00dfen vor dem Rathaus eine beeindruckende Rede zu Rechtspopulismus und einem humanen Umgang mit gefl\u00fcchteten Menschen gehalten. Gerade f\u00fcr diese Weltoffenheit stehe auch die Stadt Marburg, bedankte sich Becker bei Vaupel f\u00fcr dessen Engagement zugunsten von Fl\u00fcchtlingen in der Marburger Kommunalpolitik.<br \/>\nEr habe sich immer bem\u00fcht, die Menschen mit ihrem jeweiligen Einzelschicksal ernst zu nehmen, erkl\u00e4rte Vaupel. Das habe er im Hinterland gelernt, wo er aufgewachsen ist. Dort habe er immer ein Gedeck mehr auf den Tisch stellen m\u00fcssen f\u00fcr den &#8211; fast nie wirklich eingetretenen &#8211; Fall, dass unerwartet jemand k\u00e4me und mit\u00e4\u00dfe.<br \/>\n&#8222;Meine Mutter und mein Gro\u00dfvater haben mich gepr\u00e4gt&#8220;, erkl\u00e4rte Vaupel. Beide h\u00e4tten ihm die Werte vermittelt, die seine Entscheidungen auch heute noch leiten.<br \/>\nDurch seinen Gro\u00dfvater sei er zum Schalke-Fan geworden, berichtete Vaupel: &#8222;Mein Opa war Bergmann. Er hat mir Ferien im Ruhrgebiet erm\u00f6glicht, wo ich auf Schalke erstmals im Stadion war.&#8220;<br \/>\nDer Hamburger Sportverein (HSV) oder Bayern M\u00fcnchen seien Clubs f\u00fcr die Beg\u00fcterten, w\u00e4hrend der FC St. Pauli oder 1860 M\u00fcnchen eher Vereine f\u00fcr die arbeitende Bev\u00f6lkerung seien. Gleiches gelte auch f\u00fcr die Eintracht Frankfurt und den FSV.<br \/>\nImmer habe er sich als Gewerkschafter gef\u00fchlt und auf der Seite der arbeitenden Bev\u00f6lkerung gestanden, fuhr Vaupel fort. Mit einer Kaufm\u00e4nnischen Lehre startete er ins Berufsleben. Erst die Liebbe habe ihn schlie\u00dflich 1972 nach Marburg verschlagen, wo er mangels industrieller Arbeitspl\u00e4tze seine Bedenken gegen eine Beamtenlaufbahn beiseite schob und eine Ausbildung in der Finanzverwaltung antrat.<br \/>\n\u00dcberraschend sei er dann 1999 gefragt worden, ob er nicht f\u00fcr den Posten des Oberb\u00fcrgermeisters antreten wolle. Nach dieser Karriere habe er damals nicht gestrebt, beteuerte er; &#8222;aber eine solche Chance bekommen Sie nur einmal im Leben&#8220;.<br \/>\nLetztlich habe er &#8211; zun\u00e4chst als B\u00fcrgermeister &#8211; dann das meiste in der allt\u00e4glichen Praxis lernen m\u00fcssen, erl\u00e4uterte Vaupel. Als zust\u00e4ndiger Dezernent f\u00fcr Schule und Kultur sei das eine echte Herausforderung gewesen. &#8222;Das Letzte, was ich mit Schule zu un hatte, war der Blaue Brief meines Sohnes&#8220;, sp\u00f6ttelte er.<br \/>\nAllerdings habe ihm der Umgang mit Menschen immer viel Freude bereitet. Das gelte zwar nicht unbedingt f\u00fcr jede B\u00fcrgerversammlung, wo mit harten Bandagen argumentiert werde, aber &#8222;das muss man als Politiker aushalten&#8220;.<br \/>\nAuseinandersetzung geh\u00f6re im politischen gesch\u00e4ft halt dazu, meinte er. Am schwierigsten gewesen sei sie aber mit Mitgliedern der eigenen Partei, weil sie oft zu hohe Erwartungen mitbr\u00e4chten. &#8222;Jede B\u00fcrgerin und jeder B\u00fcrger ist gleich&#8220;, betonte Vaupel gerade auch im Hinblich auf die W\u00fcnsche der eigenen Parteifreunde.<br \/>\nDie Besch\u00e4ftigten habe er aufgefordert, m\u00f6gliche Ermessensspielr\u00e4ume immer zugunsten der B\u00fcrger zu nutzen. Menschlichkeit und Solidarit\u00e4t habe er auch durch symbolische Handlungen vorzuleben versucht, erkl\u00e4rte Vaupel. &#8222;Der Weltladen musste vom Roten Graben hier auf den Markt&#8220;, veranschaulichte er diese Symbolpolitik an einem konkreten Beispiel.<br \/>\n&#8222;Wemm ich die neue Universit\u00e4tsbibliothek sehe, freue ich mich sehr&#8220;, meinte Vaupel. &#8222;Das war wirklich ein hartes St\u00fcck Arbeit; aber es hat sich gelohnt.&#8220;<br \/>\nZur aktuellen Politik wollte sich der fr\u00fchere Oberb\u00fcrgermeister nicht \u00e4u\u00dfern. Doch zeigte er sich davon \u00fcberzeugt, dass St\u00e4dte in Zukunft weitgehend autofrei werden m\u00fcssen. Die Stadtautobahn B3A sollte am besten auch unter der Erde verschwinden, w\u00fcnschte er sich.<br \/>\nF\u00fcr seine Arbeit als Oberb\u00fcrgermeister der Stadt Marburg habe Vaupel einen hohen Preis bezahlen m\u00fcssen, meinte eine Besucherin in Anspielung auf seine Herzerkrankung. Dieser Sichtweise widersprach Vaupel jedoch energisch: &#8222;Der Grund war nicht meine Arbeit, sondern mein schlechtes Gesundheitsmanagement: Ich bin eben nicht fr\u00fch aufgestanden und habe gejoggt, sondern stattdessen zu viel geraucht.&#8220;<br \/>\nLetztlich zeigte sich Vaupel aber sehr zufrieden mit seinem Leben: &#8222;Es ist wirklich ein Gl\u00fcck, so viele tolle Menschen kennengelernt und so viel erlebt zu haben.&#8220; Minutenlanger Applaus am Ende der Veranstaltung bewies, dass Vaupels Sympathie von den allermeisten im Saal mit mindestens der gleichen Zufriedenheit erwidert wurde.<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Erz\u00e4hltes Leben&#8220; hei\u00dft eine Reihe im &#8222;Politischen Salon&#8220;. Ex-Oberb\u00fcrgermeister Egon Vaupel berichtete dort am Freitag (7. September) aus seinem Leben.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"advanced_seo_description":"","spay_email":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_is_tweetstorm":false,"jetpack_publicize_feature_enabled":true},"categories":[2],"tags":[140,1547,1546],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p8mhvd-Ge","jetpack-related-posts":[{"id":174,"url":"http:\/\/marburg.news\/?p=174","url_meta":{"origin":2618,"position":0},"title":"Vaupel las: Im Rathaus Geschichten vom Rathausgockel","date":"19. 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