{"id":2617,"date":"2018-09-08T09:51:31","date_gmt":"2018-09-08T07:51:31","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=2617"},"modified":"2018-09-08T09:51:31","modified_gmt":"2018-09-08T07:51:31","slug":"gegen-gewalt-gut-7-500-menschen-demonstrierten-in-marburg-wirsindmehr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=2617","title":{"rendered":"Gegen Gewalt: Gut 7.500 Menschen demonstrierten in Marburg #wirsindmehr"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Wir sind mehr.&#8220; Immer wieder hallte dieser Ruf am Freitag (7. September) laut durch Marburg. Mehr als 7.500 Menschen waren dem Aufruf zur Demonstration gegen Rechtsextremismus gefolgt. <!--more--><br \/>\n&#8222;Von der Linkspartei bis zur CDU und vom Bettenhaus bis zur evangelischen Kirch&#8220; waren alle gekommen, freute sich Oberb\u00fcrgermeister Dr. thomas Spies zur Er\u00f6ffnung der Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz. W\u00e4hrend sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor dem Rathaus dr\u00e4ngelten, stand der Demonstrationszug in der Barf\u00fc\u00dferstra\u00dfe noch bis zur Augustinertreppe.<br \/>\nLosgelaufen waren die Demonstrierenden kurz nach 17 Uhr beim Erwin-Piscator-Haus (EPH) an der Biegenstra\u00dfe. Dessen Vorplatz war ebenso dicht mit Menschen gef\u00fcllt wie gegen\u00fcber der Platz vor dem H\u00f6rsaalgeb\u00e4ude (HSG).<br \/>\nEinstimmig hatten <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=2596\">alle Parteien der Stadtverordnetenversammlung (StVV) am Freitag (31. August)<\/a> zur Demonstration gegen Gewalt und Rechtsextremismus aufgerufen. Ihm schlossen sich <a href=\"http:\/\/marburg.news\/?p=2609\">120 Vereine, Organisationen und Firmen<\/a> von der Philipps-Universit\u00e4t \u00fcber das Hessische Landestheater Marburg (HLTM) \u00fcber Antifa-Gruppen und die Humanistische Union (HU) bis hin zum Runden Tisch der Religionen an.<br \/>\nEbenso vielf\u00e4ltig wie die Aufrufer war auch das Publikum bei dieser Demonstration. Jugendliche, Studierende, Erwerbst\u00e4tige, Seniorinnen und Behinderte pr\u00e4gten das Bild dabei ebenso wie bekannte Pers\u00f6nlichkeit aus Politik, Wirtschaft, Universit\u00e4t und Stadtgesellschaft.<br \/>\nNieselregen setzte ein, als sich die Demonstration auf der Biegenstra\u00dfe in Bewegung setzte. Als die Menschen hinauf in die Oberstadt liefen, lie\u00df der leichte Regen jedoch allm\u00e4hlich nach.<br \/>\nMan d\u00fcrfe niemanden im Regen stehen lassen, forderte Oberb\u00fcrgermeister Spies auf der Abschlusskundgebung. Die Gesellschaft d\u00fcrfe niemanden zur\u00fccklassen und ihm das Gef\u00fchl geben, er werde abgeh\u00e4ngt. Doch d\u00fcrfe dieses Gef\u00fchl kein Grund sein, sich Rechtspopulisten oder Neofaschisten anzuschlie\u00dfen oder auch nur bei Demonstrationen neben ihnen zu laufen.<br \/>\n&#8222;Eine Demonstration, wo der Hitlergru\u00df gezeigt wird, kann man verlassen&#8220;, stellte Spies klar. Unter tosendem applaus erkl\u00e4rte das Stadtoberhaupt, das Hetze gegen Gefl\u00fcchtete oder die Jagd auf Menschen mit ausl\u00e4ndischem Aussehen nicht hinnehmbar sind. &#8222;Diejenigen, die tagt\u00e4glich gegen Rassismus und Faschismus eintreten, haben unsere Unterst\u00fctzung verdient&#8220;, erkl\u00e4rte er mit Blick auf die Antifa-Gruppen.<br \/>\nImmer wieder wurden die Reden am Freitagabend von lautem Beifall und rhythmischen Rufen &#8222;Wir sind mehr&#8220; unterbrochen. Zwischen den Beitr\u00e4gen spielte Robert Oberbeck lieder auf der Gitarre und sang dazu Texte in englischer Sprache. Besonders eindringlich war sein selbstgeschriebener Song &#8222;Theo und Anna&#8220; \u00fcber zwei 1944 ermordete Roma-Kinder aus Ebsdorfergrund-Heskem.<br \/>\n&#8222;Wir werden unsere Parlamente und Stra\u00dfen nicht den Rechtsextremisten \u00fcberlassen&#8220;, versprach die stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Elke Neuwohner. Meinungsstreit innerhalb des Parlmaments sei gut und notwendig, wenn die StVV bei Angriffen auf die Demokratie ohne Wenn und Aber zusammenstehe.<br \/>\nDie Notwendigkeit der Vielfalt f\u00fcr die Wissenschaft bekr\u00e4ftigte Universit\u00e4ts-Vizepr\u00e4sidentin Prof. Dr. Evelyn Korn in ihrer Rede. Menschen aus 90 verschiedenen L\u00e4ndern lehrten und lernten an der Philipps-Uiversit\u00e4t. Jede und jeder von ihnen sei ein einzigartiges Individuum, das Respekt und Empathie verdiene.<br \/>\nVon seinen Erlebnissen in Chemnitz berichtete anschlie\u00dfend Georg Simonsky. Mit einer Gruppe der SPD und anderen Aktiven war er am Freitag (31. August) nach Chemnitz gefahren, um dort ein Zeichen f\u00fcr Demokratie und gegen Hass zu setzen. Auf dem R\u00fcckweg zu ihrem Bus wurde die Gruppe am Abend von Nazis \u00fcberfallen.<br \/>\n&#8222;Auf einer breiten Stra\u00dfe wurden wir pl\u00f6tzlich von 20 Personen umringt&#8220;, berichtete Simonsky. &#8222;Sie haben uns als Deutschland-Verr\u00e4ter beschimpft, unsere Fahnen zerrissen und einige von uns geschlagen und k\u00f6rperlich angegriffen. Uns allen steckt dieses Erlebnis immer noch in den Knochen.&#8220;<br \/>\nEbenso wie Simonsky forderte anschlie\u00dfend auch Prof. Dr. Maximiliane J\u00e4ger-Gogoll ein klares Zeichen der Zivilgesellschaft gegen Faschismus. Die Literaturwissenschaftlerin und Friedensforscherin w\u00fcnschte sich die Umsetzung eines Beschlusses der StVV, wonach die Stadt Marburg 200 Fl\u00fcchtlinge zus\u00e4tzlich zu den regul\u00e4ren Verteilungsquoten aufnehmen will. Allzu h\u00e4ufig sei Flucht die Folge deutscher Waffenexporte, europ\u00e4ischer Wirtschafts- oder Umweltpolitik sowie jahrhundertelangen Kolonialismus.<br \/>\nAusdr\u00fccklich lobte sie Einrichtungen wie den Marburger Weltladen direkt am Marktplatz, der dort wichtige Aufkl\u00e4rungsarbeit f\u00fcr fairen Handel leiste, oder das &#8222;Kerner-Netzwerk&#8220;, das oberhalb des Platzes ein Begegnungszentrum f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen einrichten will. Unterst\u00fctzt werde diese Arbeit nicht nur durch die Stadt, sondern auch durch die Kirche.<br \/>\n&#8222;Wir tun, was wir k\u00f6nnen&#8220;, betonte Dekan Burkhard Zurnieden f\u00fcr die Evangelische Kirche. Auch wenn die Kirche selbst sehr heterogen sei ebenso wie die Gesellschaft, m\u00fcsse sie doch klare Haltung zeigen. &#8222;Solange wir mehr sind, ist das leicht; aber es ist auch n\u00f6tig, wenn wir einmal in der Minderheit sind&#8220;, mahnte der Priester.<br \/>\nAm Akkordeon begleitete er anschlie\u00dfend den Gitarristen Oberbeck bei seinem letzten Lied. Tausendstimmig sangen die Anwesenden den Refrain mit.<br \/>\nMit Bertolt Brechts Verm\u00e4chtnis &#8222;An die Nachgeborenen&#8220; hatte Schauspielerinnen und Schauspieler des HLTM die Kundgebung eingeleitet. Was besinnlich begonnen hatte, endete als <a href=\"https:\/\/blog.jens-bertrams.de\/2018\/09\/wir-sind-mehr-in-marburg-haben-wir-es-bewiesen\/\">riesige Ermutigung<\/a>. Alle Anwesenden freuten sich \u00fcber das starke Zeichen, das von dieser Demonstration ausging: &#8222;Wir sind mehr.&#8220;<\/p>\n<p>* Franz-Josef Hanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wir sind mehr.&#8220; Immer wieder hallte dieser Ruf am Freitag (7. September) laut durch Marburg. 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