{"id":2389,"date":"2018-07-07T11:36:31","date_gmt":"2018-07-07T09:36:31","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=2389"},"modified":"2018-07-07T11:36:31","modified_gmt":"2018-07-07T09:36:31","slug":"alte-rollenbilder-untersuchung-zur-berufstaetigkeit-von-frauen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=2389","title":{"rendered":"Alte Rollenbilder: Untersuchung zur Berufst\u00e4tigkeit von Frauen"},"content":{"rendered":"<p>Die Berufst\u00e4tigkeit von Frauen h\u00e4ngt auch von gesellschaftlich verbreiteten Grundhaltungen ab. F\u00fcr diese Erkenntnis haben Forscherinnen aus Marburg und Hamburg die deutsche Teilung als Verhaltensexperiment genutzt. <!--more--><br \/>\nOb M\u00fctter sich dazu entschlie\u00dfen, einem Beruf nachzugehen, h\u00e4ngt nicht nur von materiellen Anreizen ab; eine Rolle spielt auch, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Gesellschaft bewertet wird, in der die Frauen leben. Das zeigen Wirtschaftswissenschaftlerinnen aus Marburg und Hamburg, indem sie die Verh\u00e4ltnisse in Ost- und Westdeutschland vergleichen. Prof. Dr. Evelyn Korn von der Philipps-Universit\u00e4t und Prof. Dr. Miriam Beblo von der Universit\u00e4t Hamburg ver\u00f6ffentlichen ihren Aufsatz in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift &#8222;Sozialer Fortschritt&#8220;, die Ende Juli erscheint.<br \/>\nZahlreiche sozialwissenschaftliche Erhebungen belegen, dass die weibliche Erwerbsbeteiligung durch institutionelle Ma\u00dfnahmen beeinflussbar ist. Das kann etwa durch Elternzeitregelungen oder das Steuersystem geschehen.<br \/>\n&#8222;Unsere Studie zeigt, wie solche materiellen Einfl\u00fcsse durch weiche Faktoren erg\u00e4nzt werden, besonders durch gesellschaftlich vorherrschende \u00dcberzeugungen zur Vereinbarkeit von Familie und Berufst\u00e4tigkeit&#8220;, erkl\u00e4rte die Mitverfasserin Korn. Die beiden Autorinnen analysierten die Entwicklung der Werthaltungen sowie des Erwerbsverhaltens in Ost- und Westdeutschland. &#8222;Wir nutzen die deutsche Teilung gewisserma\u00dfen als ein nat\u00fcrliches Experiment&#8220;, f\u00fchrte Korn aus.<br \/>\nObwohl sich L\u00f6hne, Betreuungseinrichtungen und weitere Institutionen mittlerweile bundesweit weitgehend angeglichen haben, unterscheiden sich Ost- und Westdeutschland sowohl, was den Grad der Erwerbsbeteiligung von M\u00fcttern angeht, als auch hinsichtlich der Einstellung zu der Frage, ob Familie und Beruf vereinbar seien. Wie der europaweite Vergleich zeigt, m\u00fcsste der Anteil der berufst\u00e4tigen M\u00fctter in Deutschland deutlich h\u00f6her ausfallen, sofern der institutionelle Rahmen die einzige Ursache f\u00fcr deren Erwerbsbeteiligung w\u00e4re.<br \/>\n&#8222;Das legt nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen der m\u00fctterlichen Berufst\u00e4tigkeit und den \u00dcberzeugungen geben muss&#8220;, legte Korn dar. &#8222;Wenn alle Akteure am Arbeitsmarkt glauben, dass Familie und Beruf vereinbar sind, wird sich dies in gr\u00f6\u00dferer weiblicher Erwerbsbeteiligung niederschlagen und umgekehrt.&#8220;<br \/>\nOstdeutsche Frauen sind mehr in den Arbeitsmarkt integriert als ihre Geschlechtsgenossinnen im Westen der Republik. So sind ostdeutsche Frauen h\u00e4ufiger erwerbst\u00e4tig und seltener in Teilzeit. Insbesondere M\u00fctter sind doppelt so h\u00e4ufig in Vollzeit besch\u00e4ftigt wie in Westdeutschland.<br \/>\n&#8222;Wir vermuten aufgrund unserer Analysen, dass die gr\u00f6\u00dfere \u00c4hnlichkeit ostdeutscher Frauen und M\u00e4nner in ihrem Arbeitsmarktverhalten auf die staatssozialistische Pr\u00e4gung der DDR-B\u00fcrgerinnen und -B\u00fcrger zur\u00fcckzuf\u00fchren ist&#8220;, folgerte Korn aus den Ergebnissen. &#8222;Die geringere \u00c4hnlichkeit westdeutscher Frauen und M\u00e4nner k\u00f6nnte hingegen auf das in der Wirtschaftswunderzeit der 1950er Jahre etablierte Einverdiener-Hausfrauenmodell zur\u00fcckgehen.&#8220;<br \/>\nKorn lehrt Mikro\u00f6konomie an der Philipps-Universit\u00e4t. In ihrer Forschung befasst sie sich mit der Frage, wie Institutionen das Verhalten von Entscheidern beeinflussen, insbesondere ihre Bereitschaft zur Kooperation. Seit Fr\u00fchjahr 2016 amtiert Korn als Uni-Vizepr\u00e4sidentin f\u00fcr Studium und Lehre.<br \/>\nBeblo hat die Professur f\u00fcr Volkswirtschaftslehre &#8211; insbesondere Arbeitsmarkt, Migration, Gender &#8211; an der Universit\u00e4t Hamburg inne. Die \u00d6konomin ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat f\u00fcr Familienfragen des Bundesfamilienministeriums.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Berufst\u00e4tigkeit von Frauen h\u00e4ngt auch von gesellschaftlich verbreiteten Grundhaltungen ab. 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