{"id":20847,"date":"2026-11-03T14:45:00","date_gmt":"2026-11-03T13:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=20847"},"modified":"2026-11-03T14:45:00","modified_gmt":"2026-11-03T13:45:00","slug":"staatsbuergerschaft-landkreis-heisst-neue-deutsche-willkommen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=20847","title":{"rendered":"Staatsb\u00fcrgerschaft: Landkreis hei\u00dft neue Deutsche willkommen"},"content":{"rendered":"<p>Neue Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger hat Landrat Jens Womelsdorf im Kreishaus willkommen gehei\u00dfen. Im Landkreis waren das in zw\u00f6lf Monaten 309 neue Deutsche. <!--more--><br \/>\n309 Einb\u00fcrgerungen hat es im Landkreis Marburg-Biedenkopf von Mitte 2025 bis Mitte 2026 gegeben. Das sind 309 bewusste Entscheidungen von Menschen f\u00fcr demokratische Werte und Pflichten und die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft. Das hat der Landkreis mit einer Einb\u00fcrgerungsfeier im Marburger Kreishaus gew\u00fcrdigt.<br \/>\nDie Einb\u00fcrgerung sei mehr als eine rechtliche Entscheidung. Sie sei auch eine Entscheidung f\u00fcr eine zus\u00e4tzliche Heimat, f\u00fcr das Grundgesetz als Grundlage des demokratischen Zusammenlebens. &#8222;In Zeiten, in denen Spaltung sowie der Hass auf Andersdenkende zunehme, sei ihm die Betonung des Grundgesetzes als Basis des Miteinanders besonders wichtig&#8220;, erkl\u00e4rte Landrat Womelsdorf. Miteinander zu reden und L\u00f6sungen zu finden sei der Kern der Demokratie.<br \/>\n&#8222;Und ich m\u00f6chte Ihnen sagen, Sie sind hier herzlich willkommen&#8220;, sagte der Landrat in Richtung der neuen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger. &#8222;Bringen Sie sich und Ihre Perspektiven ein, lassen Sie uns zusammen den Kreis gestalten!&#8220;<br \/>\nDem schloss sich auch die Kreistagsvorsitzende Marie-Sophie K\u00fcnkel an. Auch sie betonte, dass die Einb\u00fcrgerung mehr als ein formaler Akt sei: &#8222;Es ist ein Ja zu dieser Gesellschaft, ein Ja zu einer gemeinsamen Zukunft.&#8220;<br \/>\nMarburg-Biedenkopf sei ein lebenswerter Landkreis. &#8222;Was uns verbindet ist nicht, dass wir alle die gleiche Lebensgeschichte haben. Sondern, dass wir alle gemeinsam gestalten k\u00f6nnen&#8220;, erkl\u00e4rte K\u00fcnkel. Als Kreistagsvorsitzende sei ihr besonders wichtig, auf die politische Teilhabe aufmerksam zu machen. Auch im Namen der Kreistagsabgeordneten hei\u00dfe sie die neuen Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger herzlich willkommen.<br \/>\nDass die Einb\u00fcrgerung mehr als ein Verwaltungsvorgang ist, zeichnete auch Gastredner Ahmed Sibak nach, der sich ebenfalls f\u00fcr die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft entschieden hat. &#8222;Heute hier zu stehen und diese Rede zu halten, bedeutet sehr viel f\u00fcr mich&#8220;, sagte Sibak, der in \u00c4qypten geboren wurde. &#8222;Einb\u00fcrgerung ist f\u00fcr mich keine Formalit\u00e4t, sondern bedeutet vor allem ein Ankommen&#8220;<br \/>\nBis dahin k\u00f6nne es manchmal ein langer und steiniger Weg sein mit vielen neuen sch\u00f6nen Erfahrungen, aber auch Herausforderungen. Beispielsweise, zum ersten Mal Schnee zu sehen, den er bisher nur aus Bildern kannte. &#8222;F\u00fcr die Menschen hier war das ein ganz normaler Winter. F\u00fcr mich war er etwas besonderes.&#8220;<br \/>\nAber eben auch sprachlichen und formalen H\u00fcrden. &#8222;Ich wollte arbeiten und etwas leisten&#8220;, betonte Sibak. Zu Beginn habe er in Deutschland aber viele Absagen auf Bewerbungen bekommen, sp\u00e4ter dann fachfremd in Superm\u00e4rkten und einem Kaufhaus gearbeitet.<br \/>\n&#8222;Dann kam eine Situation, die ich bis heute nicht vergessen habe: Ich stand vor einem Kaufhaus und kehrte den Boden&#8220;, erz\u00e4hlte Sibak. &#8222;Ich hatte in \u00c4gypten als Lehrer, Reisef\u00fchrer und Reiseleiter gearbeitet. Und jetzt stand ich dort mit einem Besen in der Hand. Aber ich habe mich daf\u00fcr nicht gesch\u00e4mt. Denn ich habe gelernt: Keine ehrliche Arbeit ist eine Schande. Ich war bereit zu arbeiten.&#8220;<br \/>\nManchmal sei ein schwieriger Anfang nicht das Ende einer Geschichte. Manchmal sei er der Anfang einer neuen. Unerwartet habe er irgendwann einen Anruf aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Neustadt bekommen. Man brauchte einen Dolmetscher. Dieser Anruf habe sein Leben ver\u00e4ndert.<br \/>\n&#8222;Pl\u00f6tzlich konnte ich das einsetzen, was ich mitgebracht hatte: Meine Sprache. Meine Erfahrungen. Meine F\u00e4higkeiten. Meine Vergangenheit war nicht verschwunden. Sie wurde ein Teil meiner Zukunft.&#8220; Heute ist Sibak Sozialberater f\u00fcr Zugewanderte im Landkreis Marburg-Biedenkopf.<br \/>\n&#8222;Fr\u00fcher war ich derjenige, der nach einer T\u00fcr gesucht hat. Heute versuche ich, anderen Menschen zu zeigen, wo diese T\u00fcren sind.&#8220; Schl\u00fcssel f\u00fcr eine gute Integration sei dabei die Sprache: \u00fcber sie k\u00f6nne man dazugeh\u00f6ren.<br \/>\nIntegration bedeute f\u00fcr ihn dabei keineswegs, seine Herkunft zu vergessen: &#8222;Ich bin \u00c4gypter. Meine Wurzeln bleiben ein Teil von mir. Aber ein Baum kann starke Wurzeln haben und trotzdem neue \u00c4ste wachsen lassen. Meine Wurzeln sind in \u00c4gypten. Aber mein Leben ist hier gewachsen&#8220;, lautet Sibaks Fazit. Heute k\u00f6nne er daher auf die Frage, woher er komme nicht nur &#8222;\u00c4gypten&#8220; antworten, sSondern: &#8222;Ich komme aus Neustadt.&#8220;<br \/>\nDie nun eingeb\u00fcrgerten Menschen haben einen vielf\u00e4ltigen Hintergrund. Sie kommen aus unterschiedlichen Nationen. Darunter sind zum Beispiel Syrien, T\u00fcrkei, oder auch Afghanistan, Rum\u00e4nien oder Indien. Da die Stadt Marburg eine eigene Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde besitzt, ist die Zahl der Einb\u00fcrgerungen in der Stadt Marburg nicht in der Zahl des Landkreises enthalten.<br \/>\nVoraussetzung f\u00fcr eine Einb\u00fcrgerung ist unter anderem, dass die Antragstellenden sich seit mindestens f\u00fcnf Jahren rechtm\u00e4\u00dfig in Deutschland aufhalten. Die Aufenthaltserlaubnis muss auf Dauer angelegt sein. Die Antragstellenden m\u00fcssen zudem mit der Rechts- und Gesellschaftsordnung und den Lebensverh\u00e4ltnissen vertraut sein und \u00fcber Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1 verf\u00fcgen. Au\u00dferdem d\u00fcrfen sie nicht straff\u00e4llig geworden sein und m\u00fcssen ihren Lebensunterhalt ohne staatliche Unterst\u00fctzung sicherstellen. Die bisherige Staatsangeh\u00f6rigkeit muss nicht aufgegeben werden.<br \/>\nDie anwesenden Neub\u00fcrgerinnen und Neub\u00fcrger erhielten vom Kreis kleine Pr\u00e4sente. Christian Wustrau (Piano und Gesang) sowie Gerd Schiebl (Cello) begleiteten die Veranstaltung musikalisch. Nach der offiziellen \u00dcbergabe nutzen die Teilnehmenden die M\u00f6glichkeit, bei Speis und Trank miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n<p>* pm: Landkreis Marburg-Biedenkopf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Staatsb\u00fcrgerinnen und Staatsb\u00fcrger hat Landrat Jens Womelsdorf im Kreishaus willkommen gehei\u00dfen. 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