{"id":20834,"date":"2026-10-30T12:45:00","date_gmt":"2026-10-30T11:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=20834"},"modified":"2026-10-30T12:45:00","modified_gmt":"2026-10-30T11:45:00","slug":"kleine-kooperation-1-marburger-symposium-zu-long-covid-post-vac-syndrom-und-myalgischer-enzephalomyelitis-chronischem-fatigue-syndrom","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=20834","title":{"rendered":"Kleine Kooperation: 1. Marburger Symposium zu Long COVID, Post-Vac-Syndrom und Myalgischer Enzephalomyelitis\/Chronischem Fatigue-Syndrom"},"content":{"rendered":"<p>Long COVID und ME\/CFS sind Thema eines internationalen Symposiums am Mittwoch (11. November). Es diskutiert neue Ans\u00e4tze f\u00fcr Diagnostik und Therapie sowie Wege aus Versorgungsl\u00fccken <!--more--><br \/>\nZum Treffpunkt internationaler Forschung zu postinfekti\u00f6sen Erkrankungen wird Marburg am Mittwoch (11. November): Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, \u00c4rztinnen und \u00c4rzte sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesundheitswesen und Betroffenenorganisationen kommen zum ersten &#8222;Marburger Symposium zu Long COVID, Post-Vac-Syndrom und Myalgischer Enzephalomyelitis\/Chronischem Fatigue-Syndrom&#8220; (ME\/CFS) zusammen. Die hybride Veranstaltung widmet sich aktuellen Erkenntnissen \u00fcber die Krankheitsmechanismen, neuen diagnostischen und therapeutischen Forschungsans\u00e4tzen sowie der Frage, wie wissenschaftliche Fortschritte schneller in eine bedarfsgerechte Patientenversorgung \u00fcberf\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDas Symposium findet am Mittwoch (11. November) von 9 bis 17 Uhr im Auditorium des Universit\u00e4tsklinikums Marburg auf den Lahnbergen statt. F\u00fcr eine Teilnahme in Pr\u00e4senz oder online ist eine Anmeldung erforderlich. Das Programm ist online einsehbar unter <a href=\"https:\/\/www.ukgm.de\/uploads\/6734_infos.pdf\">www.ukgm.de\/uploads\/6734_infos.pdf<\/a> Die Anmeldung ist m\u00f6glich unter<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.ukgm.de\/ugm_2\/deu\/umr_kar\/umr_kar_cal.php\">www.ukgm.de\/ugm_2\/deu\/umr_kar\/umr_kar_cal.php<\/a>.<br \/>\nAusgehend von klinischen Beobachtungen w\u00e4hrend der COVID-19-Pandemie haben die Philipps-Universit\u00e4t Marburg und das Universit\u00e4tsklinikum Gie\u00dfen und Marburg (UKGM) seit 2020 umfangreiche interdisziplin\u00e4re Forschungsaktivit\u00e4ten zu postinfekti\u00f6sen Erkrankungen aufgebaut. Forschende aus Innerer Medizin, Infektionsmedizin, Neurowissenschaften, Physiologie, Impfstoffforschung, Biochemie, Bioinformatik und k\u00fcnstlicher Intelligenz untersuchen gemeinsam die &#8211; bislang nur unzureichend verstandenen &#8211;<br \/>\nKrankheitsmechanismen von Long COVID und ME\/CFS. Diese Aktivit\u00e4ten werden unter anderem im Zentrum f\u00fcr postinfekti\u00f6se Syndrome (CEPIS) geb\u00fcndelt.<br \/>\nSie sind in nationale und internationale Forschungsnetzwerke eingebunden. Darunter sind die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung und das Netzwerk Universit\u00e4tsmedizin. In den vergangenen f\u00fcnf Jahren konnten f\u00fcr die beteiligten Forschungsaktivit\u00e4ten mehr als 10 Millionen Euro an F\u00f6rdermitteln von Bund, L\u00e4ndern und der Europ\u00e4ischen Union eingeworben werden. Die Zusammenarbeit mit Einrichtungen zur Erforschung seltener und unerkannter Erkrankungen erg\u00e4nzt die klinische und wissenschaftliche Expertise.<br \/>\nTrotz erheblicher Forschungsanstrengungen bleibt die Versorgung von Menschen mit Long COVID und ME\/CFS eine gro\u00dfe medizinische und gesellschaftliche Herausforderung. In Deutschland sind vermutlich mehrere Hunderttausend Menschen von den anhaltenden gesundheitlichen Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion betroffen. Aufgrund unterschiedlicher Krankheitsdefinitionen und einer unvollst\u00e4ndigen Erfassung l\u00e4sst sich die Zahl der aktuell Erkrankten bislang nicht zuverl\u00e4ssig bestimmen. Nach einer Bestandsaufnahme des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2026 werden in epidemiologischen Studien bei etwa 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen nach einer SARS-CoV-2-Infektion l\u00e4nger anhaltende Beschwerden beschrieben (Quelle: N\u00fcbel J et al. Long COVID bei Erwachsenen &#8211; eine aktuelle Bestandsaufnahme der gesundheitlichen Langzeitfolgen nach SARS-CoV-2-Infektion. Journal of Health Monitoring. 2026;11:02. doi: 10.25646\/13576).<br \/>\nLong COVID und ME\/CFS k\u00f6nnen mit ausgepr\u00e4gter k\u00f6rperlicher und kognitiver Ersch\u00f6pfung, Belastungsintoleranz, autonomen Funktionsst\u00f6rungen und Schlafst\u00f6rungen einhergehen. F\u00fcr ME\/CFS ist insbesondere die postexertionelle Malaise (PEM) charakteristisch, eine Verschlechterung der Beschwerden nach bereits geringer k\u00f6rperlicher oder geistiger Belastung. Schwere Krankheitsverl\u00e4ufe k\u00f6nnen die Erwerbsf\u00e4higkeit, das Familienleben und die gesellschaftliche Teilhabe \u00fcber Jahre hinweg erheblich einschr\u00e4nken.<br \/>\nDie biologischen Ursachen sind bislang nur teilweise aufgekl\u00e4rt. Allgemein validierte, krankheitsspezifische Biomarker f\u00fcr die klinische Routinediagnostik fehlen ebenso wie hinreichend belegte, urs\u00e4chlich wirksame Therapien. Die Behandlung konzentriert sich daher auf differenzierte Diagnostik, symptomorientierte Ma\u00dfnahmen und die Vermeidung krankheitsbedingter Verschlechterungen. F\u00fcr viele Betroffene bleiben lange diagnostische Wege und ein unzureichender Zugang zu spezialisierter Versorgung bestehen.<br \/>\nEin Schwerpunkt der Marburger Forschung ist die systematische Verkn\u00fcpfung klinischer Beobachtungen mit molekularbiologischen, immunologischen und metabolischen Untersuchungen sowie mit datenwissenschaftlichen Analyseverfahren. Ziel ist dabei, die biologischen Grundlagen unterschiedlicher Krankheitsverl\u00e4ufe zu identifizieren, Patientengruppen anhand klinischer und molekularer Merkmale differenzierter zu charakterisieren und daraus \u00fcberpr\u00fcfbare diagnostische und therapeutische Ans\u00e4tze abzuleiten. Im Mittelpunkt stehen m\u00f6gliche Wechselwirkungen zwischen dem Immunsystem, der Gef\u00e4\u00dffunktion, dem Stoffwechsel und der neuroendokrinen Regulation. Die Zusammenf\u00fchrung klinischer Patientendaten mit experimentellen Analysen soll dabei helfen, krankheitsrelevante Signalwege und potenzielle Biomarker zu identifizieren. Langfristig k\u00f6nnte dies die Grundlage f\u00fcr eine st\u00e4rker individualisierte Diagnostik und zielgerichtete Behandlungsstrategien schaffen.<br \/>\nGro\u00dfe Forschungsverb\u00fcnde wie MIRACLE zur Erforschung von ME\/CFS, PROGRESS zur Weiterentwicklung der Long-COVID-Versorgung, SYMPTOM-AI zur KI-gest\u00fctzten Analyse komplexer Krankheitsbilder sowie das neu gef\u00f6rderte Projekt VITAL spiegeln die Breite dieser Aktivit\u00e4ten wider. Hinzu kommen Kooperationen mit der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen und der Technischen Hochschule Mittelhessen, die Beteiligung am bundesweiten LongCARE-Forschungsverbund und am Netzwerk Universit\u00e4tsmedizin sowie europ\u00e4ische Kooperationen in der Impfstoffforschung, unter anderem im Zusammenhang mit dem EU-Vaccine-Hub.<br \/>\nNeben der biologischen Grundlagenforschung bildet die Versorgungsforschung einen eigenst\u00e4ndigen Schwerpunkt. Denn neue wissenschaftliche Erkenntnisse k\u00f6nnen die Situation der Betroffenen nur dann verbessern, wenn sie klinisch \u00fcberpr\u00fcft und in geeignete Versorgungsstrukturen integriert werden. Mit spezialisierten Ambulanzen, standardisierten klinischen Untersuchungsalgorithmen und der Hessischen Netzwerkkoordinationsstelle f\u00fcr Post-COVID wurden in Marburg fr\u00fchzeitig Strukturen geschaffen, die Patientenversorgung, systematische Datenerhebung und wissenschaftliche Evaluation miteinander verbinden.<br \/>\nEin besonderes Augenmerk gilt der Zusammenarbeit zwischen haus\u00e4rztlichen Praxen, spezialisierten Ambulanzen und universit\u00e4ren Forschungseinrichtungen. Im Rahmen des Projekts &#8222;PROGRESS&#8220; werden Versorgungsprozesse untersucht und praxisnahe Konzepte entwickelt, um diagnostische Verz\u00f6gerungen zu reduzieren, Krankheitsverl\u00e4ufe systematischer zu erfassen und die kontinuierliche Betreuung zu verbessern. Der translationale Ansatz des CEPIS verbindet damit drei zentrale Aufgaben: Krankheitsmechanismen zu verstehen, diagnostische und therapeutische Strategien wissenschaftlich zu \u00fcberpr\u00fcfen und neue Erkenntnisse f\u00fcr eine breitere Patientenversorgung nutzbar zu machen.<br \/>\nDas internationale Post-COVID- und ME\/CFS-Symposium findet am Mittwoch (11. November) von 9 bis 17 Uhr im Auditorium des Universit\u00e4tsklinikums Marburg statt. Es findet im Rahmen der etablierten wissenschaftlichen Veranstaltungsreihe &#8222;Von der Inflammation zur Innovation&#8220; statt. &#8222;Das Symposium richtet sich bewusst an ein breites Publikum: Studierende, Forschende, Betroffene sowie \u00e4rztliche Kolleginnen und Kollegen sind eingeladen, sich \u00fcber aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen zu informieren und miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen&#8220;, erkl\u00e4rte Uni-Vizepr\u00e4sident Prof. Dr. Gert Bange.<br \/>\n&#8222;Unser Ziel ist es, die L\u00fccke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und klinischer Versorgung zu verkleinern&#8220;, betonte Organisator Prof. Dr. Bernhard Schieffer. &#8222;Wir m\u00fcssen verstehen, welche biologischen Mechanismen postinfekti\u00f6se Erkrankungen ausl\u00f6sen und aufrechterhalten und weshalb sich so unterschiedliche Krankheitsverl\u00e4ufe entwickeln. Daraus wollen wir gezielte diagnostische und therapeutische Ans\u00e4tze ableiten und wissenschaftlich \u00fcberpr\u00fcfen. Gleichzeitig m\u00fcssen diese Erkenntnisse die Betroffenen erreichen. Deshalb verbinden wir in Marburg molekulare Grundlagenforschung und klinische Untersuchungen mit der Entwicklung neuer Versorgungsmodelle. Angesichts der hohen gesellschaftlichen Krankheitslast ist dies nicht nur eine medizinisch-wissenschaftliche, sondern auch eine gesundheitspolitische Aufgabe.&#8220;<br \/>\nDas Symposium verbindet internationale wissenschaftliche Expertise mit klinischer Erfahrung und gesundheitspolitischer Diskussion. In Keynote Lectures pr\u00e4sentieren nationale und internationale Fachleute aktuelle Erkenntnisse zu immunologischen, neurobiologischen und metabolischen Mechanismen postinfekti\u00f6ser Erkrankungen sowie m\u00f6gliche Ans\u00e4tze f\u00fcr Diagnostik und Therapie.<br \/>\nAm Nachmittag stellen die beteiligten Forschungsverb\u00fcnde ihre Arbeiten in kompakten Rapid-Fire-Vortr\u00e4gen vor. Eine Poster-Session bietet insbesondere jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern &#8211; darunter Forschenden aus dem bundesweiten LongCARE-Netzwerk &#8211; die Gelegenheit zum interdisziplin\u00e4ren Austausch.<br \/>\nEin H\u00f6hepunkt ist die Podiumsdiskussion &#8222;L\u00fccken in der Versorgung, H\u00fcrden in der wissenschaftlichen Entwicklung, Handlungsempfehlungen&#8220;. Mit Dr. Francesco De Meo als ehemaliger CEO der Helios Kliniken und selbst Betroffener, Stefanie von Wietersheim von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sowie Martin Till von der BARMER Hessen kommen unterschiedliche Perspektiven aus dem Gesundheitswesen, den Medien und der Erfahrung mit der Erkrankung zusammen. Diskutiert werden strukturelle Defizite in der Versorgung, Herausforderungen bei der Entwicklung und klinischen Pr\u00fcfung neuer Therapien sowie die notwendigen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen.<br \/>\nEine besondere Rolle spielt dabei die haus\u00e4rztliche Versorgung: Haus\u00e4rztinnen und Haus\u00e4rzte sind f\u00fcr viele Betroffene die ersten und langfristig wichtigsten medizinischen Ansprechpartner. Ihre Vernetzung mit spezialisierten Einrichtungen ist deshalb eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr eine kontinuierliche und bedarfsgerechte Betreuung.<br \/>\nDas Marburger Symposium soll den wissenschaftlichen Austausch f\u00f6rdern und Perspektiven f\u00fcr die k\u00fcnftige Erforschung und Versorgung postinfekti\u00f6ser Erkrankungen aufzeigen. Entscheidend ist dabei die Verbindung von Grundlagenforschung, klinischer Medizin, digitalen Technologien und Versorgungswissenschaft. Neue Erkenntnisse \u00fcber Krankheitsmechanismen m\u00fcssen in diagnostische und therapeutische Konzepte \u00fcberf\u00fchrt, klinisch validiert und schlie\u00dflich in tragf\u00e4hige Versorgungsstrukturen integriert werden. &#8222;Mit dem ersten Marburger Symposium zu Long COVID, Post-Vac-Syndrom und ME\/CFS unterstreicht der Forschungsstandort Marburg seinen Anspruch, wissenschaftliche Erkenntnisse und klinische Versorgung enger miteinander zu verbinden und damit zur Verbesserung der medizinischen Betreuung von Menschen mit postinfekti\u00f6sen Erkrankungen beizutragen&#8220;, betonte Schieffer.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Long COVID und ME\/CFS sind Thema eines internationalen Symposiums am Mittwoch (11. November). 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