{"id":20716,"date":"2026-10-09T16:45:00","date_gmt":"2026-10-09T14:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=20716"},"modified":"2026-10-09T16:45:00","modified_gmt":"2026-10-09T14:45:00","slug":"frauen-und-fortschritt-drei-juristinnen-an-der-spitze-des-fachbereichs","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=20716","title":{"rendered":"Frauen und Fortschritt: Drei Juristinnen an der Spitze des Fachbereichs"},"content":{"rendered":"<p>Drei Juristinnen schreiben Marburger Universit\u00e4tsgeschichte. Mit Prof. Dr. Stefanie Bock, Prof. Dr. Christine Budzikiewicz und Prof. Dr. Silvia Pernice-Warnke \u00fcbernimmt zum Jubil\u00e4umsjahr ein rein weibliches Dekanat die Leitung des Fachbereichs Rechtswissenschaften <!--more--><br \/>\nZum Wintersemester 2026\/27 tritt am Fachbereich Rechtswissenschaften der Philipps-Universit\u00e4t Marburg erstmals in seiner Geschichte ein rein weibliches Dekanat sein Amt an. Prof. Dr. Stefanie Bock \u00fcbernimmt als Dekanin gemeinsam mit Prof. Dr. Christine Budzikiewicz als Prodekanin und Prof. Dr. Silvia Pernice-Warnke, LL.M. (Edin.), als Studiendekanin die Leitung des Fachbereichs. Die drei Professorinnen wurden in der vergangenen Sitzung des Fachbereichsrats gew\u00e4hlt und beginnen ihre Amtszeit mit dem Oktober 2026 &#8211; p\u00fcnktlich zum Start des Jubil\u00e4umsjahrs.<br \/>\nDie Besetzung ist auch vor dem Hintergrund der weiterhin m\u00e4nnlich gepr\u00e4gten Professorenschaft in den Rechtswissenschaften bemerkenswert. W\u00e4hrend am Fachbereich mehr als die H\u00e4lfte der Studierenden weiblich ist, liegt der Frauenanteil auf professoraler Ebene derzeit bei rund 20 Prozent. Mit Bock, Budzikiewicz und Pernice-Warnke stehen nun erstmals drei Professorinnen gemeinsam an der Spitze des Fachbereichs.<br \/>\nDekanin Bock erkl\u00e4rte: &#8222;Ein rein weibliches Dekanat ist angesichts der Pyramidenstruktur unseres Fachbereichs etwas Besonderes. Wir haben unter den Studierenden einen Frauenanteil von \u00fcber 50 Prozent, der mit jeder weiteren akademischen Stufe kontinuierlich abnimmt. Auf professoraler Ebene sind es nur rund 20 Prozent. Ein rein weibliches Dekanat tr\u00e4gt damit zu mehr Sichtbarkeit von Frauen in den Rechtswissenschaften und universit\u00e4ren F\u00fchrungspositionen bei. Zudem k\u00f6nnen wir die erfolgreiche Gleichstellungsarbeit der vergangenen Jahre fortf\u00fchren und uns f\u00fcr ein diskriminierungssensibles und inklusives Studien- und Forschungsumfeld einsetzen.&#8220;<br \/>\nDie drei Professorinnen \u00fcbernehmen das Dekanat in einer anspruchsvollen Zeit. Die finanzielle Situation von Universit\u00e4t und Fachbereich ist angespannt. &#8222;Es wird auch darum gehen, Sparpotenziale auszuloten und Abl\u00e4ufe und Strukturen effizienter zu gestalten, ohne Abstriche bei Forschung und Lehre zu machen. Zugleich stehen in den kommenden drei Jahren f\u00fcnf Professuren zur Neubesetzung an. Das ist herausfordernd, bietet aber auch gro\u00dfe Gestaltungsm\u00f6glichkeiten. Gemeinsam mit dem Pr\u00e4sidium wollen wir innovative K\u00f6pfe gewinnen, den Forschungsstandort Marburg st\u00e4rken und die Attraktivit\u00e4t des Jurastudiums mit neuen Lehr-Lern-Formaten, einer besseren Studierbarkeit und neuen Studienangeboten weiter erh\u00f6hen.&#8220;<br \/>\nBock studierte Rechtswissenschaften an der Universit\u00e4t Hamburg, wo sie 2004 das Erste Juristische Staatsexamen ablegte und 2005 bis 2009 promovierte. Nach Referendariat und Zweitem Staatsexamen habilitierte sie sich in G\u00f6ttingen. Seit 2016 ist sie Professorin f\u00fcr Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Rechtsvergleichung an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg.<br \/>\nZu ihren Forschungsschwerpunkten geh\u00f6ren insbesondere das V\u00f6lkerstrafrecht, Opferrechte und die legal gender studies. Seit 2018 ist sie Direktorin des &#8222;International Centre for War Crimes&#8220; Trials an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg. 2026 hat sie als Sprecherin bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein interdisziplin\u00e4res Graduiertenkolleg &#8222;Geschlecht und Vergeschlechtlichungen in v\u00f6lkerstrafrechtlichen Kontexten&#8220; eingeworben.<br \/>\nProdekanin Budzikiewicz h\u00e4lt es gerade f\u00fcr Studentinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen f\u00fcr wichtig, unterschiedliche Karrierewege durch weibliche Vorbilder in der Rechtswissenschaft sichtbar zu machen: &#8222;Es ist uns ein Anliegen, dass akademische und wissenschaftliche F\u00fchrungspositionen f\u00fcr alle Studierenden des Fachbereichs als realistische Option wahrgenommen werden. Ein weiblich besetztes Dekanat kann ein wichtiges Signal f\u00fcr eine vielf\u00e4ltige und offene Wissenschaftskultur setzen, in der unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen ihren Platz finden und in der sich junge Menschen ermutigt sehen, Wissenschaft aktiv mitzugestalten.&#8220;<br \/>\nSie m\u00f6chte das Jurastudium weiter modernisieren und jungen Menschen juristische F\u00e4higkeiten in einer zeitgem\u00e4\u00dfen Form vermitteln. &#8222;Die Gesellschaft braucht kritische und unabh\u00e4ngig denkende Juristinnen und Juristen, die mit fundierten Kenntnissen den vielf\u00e4ltigen Herausforderungen unserer Zeit begegnen k\u00f6nnen. Dies gilt auch und gerade mit Blick auf die zunehmende Bedeutung von K\u00fcnstlicher Intelligenz und die damit verbundenen M\u00f6glichkeiten, aber auch Risiken. Ein wichtiges Thema wird daher sein, durch ein attraktives und vielseitiges Studienangebot die Begeisterung f\u00fcr das Jurastudium zu wecken und den Studienstandort Marburg weiter zu st\u00e4rken.&#8220;<br \/>\nBudzikiewicz studierte Rechtswissenschaften an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln, an der Universit\u00e9 de Lausanne sowie an der Universit\u00e4t Bonn. Nach dem Ersten und Zweiten Juristischen Staatsexamen wurde sie an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln mit einer Arbeit zum Internationalen Privatrecht promoviert. 2014 habilitierte sie sich dort mit einer Schrift zum Familienrecht und wurde im selben Jahr Professorin f\u00fcr B\u00fcrgerliches Recht, Internationales und Europ\u00e4isches Privatrecht sowie Rechtsvergleichung an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg. Zu ihren Forschungsschwerpunkten geh\u00f6ren insbesondere das Internationale Privat- und Verfahrensrecht, die Rechtsvergleichung sowie das Familien- und Erbrecht. Seit 2019 ist sie Co-Direktorin des neu gegr\u00fcndeten Instituts f\u00fcr Familienrecht der Philipps-Universit\u00e4t Marburg.<br \/>\n&#8222;F\u00fcr meinen bisherigen Weg habe ich weibliche Rollenvorbilder als sehr pr\u00e4gend empfunden&#8220;, erkl\u00e4rte Pernice-Warnke. &#8222;So hoffe ich nun selbst, gemeinsam mit meinen beiden Kolleginnen, ein positives Vorbild sein zu k\u00f6nnen.&#8220;<br \/>\nIhre Ziele formulierte sie mit Blick auf demokratische Anforderungen: &#8222;Juristinnen und Juristen kommt eine tragende Rolle in unserem Gemeinwesen, im Hinblick auf die Bewahrung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu. Aufgabe der rechtswissenschaftlichen Lehre ist es, die Studierenden auf diese Rolle vorzubereiten, sie zu kompetenten, kritisch und selbstst\u00e4ndig denkenden sowie verantwortungsbewussten Juristinnen und Juristen auszubilden.&#8220;<br \/>\nJuristische Lehre m\u00fcsse dabei an den gegenw\u00e4rtigen und mutma\u00dflichen k\u00fcnftigen Herausforderungen orientiert und nachhaltig in dem Sinne sein, dass die Studierenden Kompetenzen aus ihrem Studium mitnehmen, die bleiben. &#8222;F\u00fcr bedeutsam halte ich es, den Diskurs der Studierenden untereinander und mit den Lehrenden weiter zu f\u00f6rdern sowie die Studierenden in einem verantwortungsvollen Umgang mit K\u00fcnstlicher Intelligenz zu schulen und ihre Pr\u00fcfkompetenz zu wahren. F\u00fcr die weitere Umsetzung dieser Ziele sowie daf\u00fcr, dass unsere Absolventinnen und Absolventen mit Freude an ihr Studium in Marburg zur\u00fcckdenken und wir mit Stolz auf sie blicken k\u00f6nnen, werde ich mich &#8211; gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen am Fachbereich &#8211; mit voller Kraft einsetzen.&#8220;<br \/>\nPernice-Warnke studierte Rechtswissenschaften an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg und an der Universit\u00e4t Padova und absolvierte nach dem ersten Staatsexamen ein LL.M.-Studium an der University of Edinburgh. Promoviert wurde sie an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg mit einer Arbeit zum Zugang zu nationalen und europ\u00e4ischen Gerichten in Umweltangelegenheiten. Nach Referendariat und Zweitem Staatsexamen war sie zun\u00e4chst an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln im Dekanat f\u00fcr Studienangelegenheiten zust\u00e4ndig, bevor sie sich dort 2022 mit einer Arbeit zum demografischen Wandel, altersgruppenbezogener Partizipation und Generationengerechtigkeit habilitierte. Seit 2024 hat sie an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg eine Professur f\u00fcr \u00d6ffentliches Recht, insbesondere Verwaltungsrecht und Recht der Nachhaltigkeit, inne.<br \/>\nUniversit\u00e4tspr\u00e4sident Prof. Dr. Thomas Nauss freut sich: &#8222;Dass erstmals drei Professorinnen gemeinsam den Fachbereich Rechtswissenschaften f\u00fchren, ist ein besonderes Zeichen f\u00fcr den Wandel unserer Universit\u00e4t. Zugleich geht es nicht allein um die Zusammensetzung des Dekanats, sondern darum, wer Verantwortung \u00fcbernimmt und welche Impulse damit verbunden sind. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit Stefanie Bock, Christine Budzikiewicz und Silvia Pernice-Warnke und darauf, gemeinsam mit ihnen den rechtswissenschaftlichen Forschungs- und Studienstandort Marburg weiterzuentwickeln.&#8220;<br \/>\n500 Jahre Philipps-Universit\u00e4t bedeuten auch 500 Jahre Wandel. Das neue Dekanat der Rechtswissenschaften steht exemplarisch daf\u00fcr, wie sich akademische Tradition und neue Perspektiven verbinden lassen. Weitere Informationen finden Interessierte auf <a href=\"https:\/\/www.uni-marburg.de\/de\/fb01\">www.uni-marburg.de\/de\/fb01<\/a>.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Drei Juristinnen schreiben Marburger Universit\u00e4tsgeschichte. 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