{"id":20687,"date":"2026-10-06T12:40:00","date_gmt":"2026-10-06T10:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/marburg.news\/?p=20687"},"modified":"2026-10-06T12:40:00","modified_gmt":"2026-10-06T10:40:00","slug":"am-altar-mittelalterliche-kunst-mit-terahertz-strahlung-untersucht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/marburg.news\/?p=20687","title":{"rendered":"Am Altar: Mittelalterliche Kunst mit Terahertz-Strahlung untersucht"},"content":{"rendered":"<p>[tagsAltar,Kunst,Martin Koch]<\/p>\n<p>Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Martin Koch untersucht den mittelalterlichen Trinitatis-Altar in Hildesheim. Mit Terahertz-Strahlung kann sie unter die Farbschichten schauen. <!--more--><br \/>\nWie sieht es unter der Oberfl\u00e4che eines mehr als 600 Jahre alten Kunstwerks aus? Dieser Frage ist die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Martin Koch von der Philipps-Universit\u00e4t Marburg mit einem Forschungsteam der &#8222;Hochschule f\u00fcr angewandte Wissenschaft und Kunst&#8220; (HAWK) Hildesheim-Holzminden-G\u00f6ttingen am Trinitatis-Altar des RPM Museum Hildesheim nachgegangen. Mit einem Terahertz-Scanner tasteten die Forschenden ausgew\u00e4hlte Bereiche der mittelalterlichen Skulpturen ber\u00fchrungslos und zerst\u00f6rungsfrei ab.<br \/>\nDas Ziel ist dabei, Ver\u00e4nderungen im Materialgef\u00fcge sichtbar zu machen, die von au\u00dfen nicht oder nur schwer zu erkennen sind wie etwa Hohlr\u00e4ume, Fra\u00dfg\u00e4nge oder Abl\u00f6sungen zwischen verschiedenen Materialschichten. Leiterin Dr. habil. Lara Weiss vom RPM freut sich auf die detaillierten Untersuchungsergebnisse zu dem qualit\u00e4tvollen Altar: &#8222;Gerade bei uns im Museumsbereich k\u00f6nnte diese Forschung die zuk\u00fcnftigen konservatorischen Behandlungsmethoden entscheidend beeinflussen und wesentlich zum Erhalt des Kulturgutes beitragen.&#8220;<br \/>\nDie Marburger Arbeitsgruppe bringt daf\u00fcr ihre langj\u00e4hrige Expertise im Einsatz von Terahertz-Strahlung ein. Terahertz-Strahlen sind elektromagnetische Wellen im \u00dcbergangsbereich zwischen Mikrowellen und dem Infrarotbereich unterhalb des sichtbaren Lichtspektrums. Sie k\u00f6nnen in bestimmte Materialien eindringen und dadurch einen zerst\u00f6rungsfreien Blick ins Innere erm\u00f6glichen.<br \/>\nDie HAWK-Arbeitsgruppe von Dr. Kirsti Kr\u00fcgener erg\u00e4nzt dies um die restaurierungswissenschaftliche Expertise, die f\u00fcr die Entwicklung objektbezogener Fragestellungen und die Interpretation der Messdaten erforderlich ist. Das Nieders\u00e4chsische Ministerium f\u00fcr Wissenschaft und Kultur (MWK) f\u00f6rdert das innovative Projekt der HAWK. Ziel ist, ein handliches, KI basiertes Terahertz-System zu entwickeln, das auf die Anforderungen der restauratorischen Praxis abgestimmt ist, um Sch\u00e4den an Objekten leichter und ber\u00fchrungsfrei detektieren zu k\u00f6nnen.<br \/>\nZum Einsatz kam die Terahertz-Zeitbereichsspektroskopie (THz-TDS). Dabei werden kurze, gepulste Terahertz-Signale auf das Untersuchungsobjekt gerichtet. &#8222;Die Strahlung kann in oberfl\u00e4chennahe Materialschichten eindringen und wird an \u00dcberg\u00e4ngen zwischen unterschiedlichen Materialien oder an Hohlr\u00e4umen teilweise reflektiert&#8220;, erkl\u00e4rte Physiker Koch.<br \/>\nDer Transmitter des Ger\u00e4ts sendet also Signale mit einem Sendeantennenaufbau auf das zu untersuchende Objekt und f\u00e4ngt die reflektierten Signalen mit einem entsprechenden Empfangsantennenaufbau wieder auf. Aus dem empfangenen Signal lassen sich Informationen \u00fcber den inneren Aufbau und den Zustand des Materials gewinnen. &#8222;F\u00fcr die Restaurierung ist entscheidend, nicht nur die sichtbare Oberfl\u00e4che, sondern auch den Zustand der tiefer liegenden Materialanbindungen einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen&#8220;, erl\u00e4uterte die Restauratorin Roksana Jachim. &#8222;Am Trinitatis-Altar k\u00f6nnen wir die THz-Messungen unmittelbar mit den restauratorischen Befunden am Objekt zusammenf\u00fchren.&#8220; Die Messungen erfolgten mit einem mobilen, robotergest\u00fctzten THz-System &#8211;<br \/>\nder Sensor ist direkt am Roboterarm montiert. Weil der Trinitatis-Altar f\u00fcr seine Restaurierung derzeit in einzelne Bestandteile zerlegt ist, lie\u00dfen sich auch Bereiche untersuchen, die im aufgebauten Zustand nicht zug\u00e4nglich w\u00e4ren.<br \/>\nDie aktuellen Untersuchungen kn\u00fcpfen an fr\u00fchere Arbeiten der HAWK und der Marburger THz-Forschung an. Zwei Skulpturen des Altars hatte die Gruppe bereits in einem Vorg\u00e4ngerprojekt untersucht, nun werden sie erneut vermessen.<br \/>\nDer Vergleich der Messdaten soll zeigen, wie zuverl\u00e4ssig sich strukturelle Merkmale \u00fcber l\u00e4ngere Zeit erfassen und Ver\u00e4nderungen dokumentieren lassen. Damit pr\u00fcft das Team zugleich, ob sich die Terahertz-Technologie k\u00fcnftig f\u00fcr ein Langzeitmonitoring empfindlicher Kulturg\u00fcter einsetzen l\u00e4sst. Das Forschungsprojekt &#8222;Heritage Resilience Analysis&#8220; (HeRA) soll die Methode dar\u00fcber hinaus weiterentwickeln, unter anderem durch eine KI-gest\u00fctzte Auswertung der Messdaten.<br \/>\nDer kunstvolle Altaraufsatz aus dem ehemaligen Trinitatisspital in Hildesheim z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Werken der ersten H\u00e4lfte des 15. Jahrhunderts in Niedersachsen. Mit seiner qualit\u00e4tvollen Schnitzkunst und der vielschichtigen historischen Fassung ist es ein herausragendes Zeugnis sp\u00e4tmittelalterlicher Fr\u00f6mmigkeits- und Bildkultur der Region. Der Altar verf\u00fcgt \u00fcber 23 Einzelskulpturen, die sich auf den Schrein, die Fl\u00fcgelinnenseiten und den Altarsockel verteilen. Die r\u00fcckseitigen Fl\u00fcgelau\u00dfenseiten und die Schreinr\u00fcckseite zeigen Malereien.<br \/>\nViele Standortwechsel in der Geschichte des Trinitatisaltars und fr\u00fchere Eingriffe haben das Kunstwerk in einen empfindlichen Zustand versetzt, der die aktuelle Restaurierung erforderlich macht. Als langj\u00e4hriger Kooperationspartner der HAWK macht das RPM Museum Hildesheim die umfangreichen Untersuchungen am Trinitatis-Altar erst m\u00f6glich. Das Publikum des RPM kann im Rahmen des regul\u00e4ren Museumsbesuchs immer dienstags von 16 bis 17 Uhr bei einer Schaurestaurierung der HAWK-Wissenschaftlerin und Restauratorin Roksana Jachim \u00fcber die Schulter schauen und aus erster Hand erfahren, welche Arbeitsschritte f\u00fcr die Erhaltung des Altars notwendig sind.<\/p>\n<p>* pm: Philipps-Universit\u00e4t Marburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[tagsAltar,Kunst,Martin Koch] Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Martin Koch untersucht den mittelalterlichen Trinitatis-Altar in Hildesheim. 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